Der F.C. Hansa Rostock steckt nach der jüngsten 0:3-Niederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern tief im Abstiegskampf der 2. Bundesliga. Die Leistung der Mannschaft war eine sportliche Bankrotterklärung, die Fragen nach der Zukunft von Trainer Mersad Selimbegovic aufwirft. Trotz Rückendeckung durch Sportdirektor Kristian Walter ist die Situation alarmierend, denn die Hanseaten finden auch unter Selimbegovic nicht aus der Negativspirale heraus.
Für Trainer Selimbegovic, der in acht Spielen nur vier Niederlagen einstecken musste, wird die Luft dünner. Im Vergleich zu den Auftritten unter seinem Vorgänger Alois Schwartz hat sich die Lage bei den Rostockern kaum verbessert, eher verschlechtert – und damit auch die Platzierung. Selimbegovic übernahm den Verein auf Rang 16, doch der Abwärtstrend hält an.
Ein Desaster auf dem Platz: Früher Rückstand und Platzverweis
Die Darbietung Rostocks gegen die zuvor punktgleichen Lauterer war, bis auf eine kurze Phase nach der Halbzeit, von Hilflosigkeit geprägt. Hansa zeigte fast nichts Zwingendes. Ein Platzverweis für Verteidiger Oliver Hüsing in der 38. Minute nahm den Norddeutschen schon vor der Pause jede Restchance. Es schien, als hätten sie dieses Spiel selbst mit zwei Spielern mehr auf dem Rasen verloren. Die Gäste trafen kaum auf Gegenwehr und hatten in Ragnar Ache, dem dreifachen Torschützen (6., 66., 76.), einen herausragenden Akteur in ihren Reihen.
Selimbegovic unter Druck: „Haben Angst gehabt“
„Es war zu wenig im Allgemeinen. Wir müssen noch einmal ein paar Sachen ganz anders machen, noch einmal verfeinern. Du darfst nicht mit Angst auf den Fußballplatz gehen. Und die haben wir heute gehabt“, äußerte sich Selimbegovic nach dem Spiel im NDR-Interview. Er räumte kritisch ein, dass die Punkteausbeute unter seiner Führung viel zu gering sei, versicherte aber, sich keine Gedanken über den Verlust seines Arbeitsplatzes zu machen.
Sportdirektor Kristian Walter stellte sich hinter seinen Coach: „Ich sehe einen Trainer und ein Trainerteam, die da ihr ganzes Feuer reinstecken. Davon bin ich auch komplett überzeugt“, erklärte der 39-Jährige. Auf die Frage, ob Selimbegovic im nächsten Kellerduell am kommenden Freitag gegen Eintracht Braunschweig auf der Hansa-Bank sitzen werde, antwortete Walter knapp mit „Ja“.
Hansa ohne Zugriff und Spielidee in der ersten Hälfte
Im ersten Abschnitt zeigte Hansa stets Bemühung, was im Fußballjargon oft eine Umschreibung für eine ungenügende Leistung ist. Während es den Gastgebern nicht an Einsatzbereitschaft mangelte, waren sie fußballerisch völlig überfordert. Eine erkennbare Taktik war in den ersten 45 Minuten für Außenstehende nicht ersichtlich. Nahezu alles im Team von Selimbegovic blieb Stückwerk. Die Vorstellung der Norddeutschen im ersten Durchgang war somit ein „eindrucksvolles“ Bewerbungsschreiben für die Teilnahme an der kommenden Drittliga-Saison.
Ache brachte die Pfälzer früh in Führung, als er nach einem Querpass des früheren Rostockers Aaron Opoku den Ball aus kurzer Distanz nur noch einschieben musste. Es war bereits sein zehnter Saisontreffer. Danach spielten die “Roten Teufel” die Mecklenburger nach Ballgewinnen phasenweise schwindelig. Einzig Keeper Markus Kolke war es zu verdanken, dass die Rostocker nur mit einem Gegentor in die Pause gingen. Für Abwehrchef Hüsing war die Partie nach einem Foul an Kenny Prince Redondo und der daraus resultierenden Gelb-Roten Karte bereits vor dem Halbzeitpfiff beendet – eine weitere unglückliche Note an seinem ohnehin missglückten Auftritt, da er sich dabei auch noch am Knie verletzte.
Keine Besserung nach der Pause – Ache besiegelt Niederlage
Hansa kam nach der Pause mit zwei neuen Spielern (Sarpreet Singh und Junior Brumado) und einer veränderten Körpersprache zurück auf den Rasen. Möglicherweise hatte Selimbegovic seine Spieler darauf hingewiesen, dass der Gegner an diesem Tag “nur” 1. FC Kaiserslautern und nicht Manchester City hieß. Die Ehrfurcht, die Rostock in der ersten Hälfte gezeigt hatte, legten sie nun ab.
Trotz Unterzahl agierten die Hausherren jetzt druckvoller, doch wirklich zwingend waren die Offensivaktionen des Teams mit der zweitschlechtesten Torausbeute der Liga weiterhin nicht. Die neu entdeckte Angriffsfreude barg zudem die Gefahr, ausgekontert zu werden. Ein schneller Gegenzug der laufstarken Lauterer führte beinahe zum 2:0, als Ache in der 57. Minute frei zum Abschluss kam, aber an Kolke scheiterte. Der Schlussmann war einmal mehr der beste Mann seiner Mannschaft.
Kolke trug jedoch Mitschuld am zweiten Gegentreffer, als er einen Schuss von Filip Kaloc nach vorne abwehrte. Ache war erneut zur Stelle und sorgte mit seinem elften Saisontor bereits für die Vorentscheidung. Die Hansa-Spieler ließen daraufhin die Köpfe sinken.
Fan-Vorfälle überschatten Debakel und Verein entschuldigt sich
Kaiserslauterns Stürmer Ache durfte nach einem auf ihn verlängerten Eckstoß auch noch ein drittes Mal jubeln. Dass er dabei von einem Fan attackiert wurde, der in den Innenraum gelangt war, fügte einem schwarzen Tag für den F.C. Hansa eine weitere bittere Note hinzu. Gemeinsam von Spielern beider Teams und Sicherheitskräften wurde der Fan vom Spielfeld gedrängt. Ein weiterer Fan gelangte nach Abpfiff auf das Feld, lief jedoch auf die Hansa-Profis zu. Nach dem Spiel versammelten sich rund 250 Anhänger mit der Mannschaft auf dem West-Vorplatz, wobei es laut Verein keine weiteren Vorkommnisse gab.
Am Abend reagierte der Verein auf den Vorfall und entschuldigte sich in aller Form beim 1. FC Kaiserslautern und seinen Spielern für den „inakzeptablen Übergriff“. Der Club bedauerte den Zwischenfall zutiefst. Die Tabelle zeigt die ernste Lage:
FC Hansa Rostock
Kolke – van der Werff, Hüsing, Roßbach – Dressel – Pröger (81. C. Kinsombi), Schumacher (59. Stafylidis) – Fröling (81. Neidhart), Ingelsson – Gudjohnsen (46. Junior Brumado), Perea (46. Singh)
0
1.FC Kaiserslautern
Krahl – Zimmer, J. Elvedi, Tomiak, Puchacz – Kaloc (82. Raschl), Niehues – Opoku (88. Abiama), Ritter (82. Hanslik), Redondo (63. Tachie) – Ache
3
Tore:
- 0:1 Ache (6.)
- 0:2 Ache (66.)
- 0:3 Ache (76.)
Die aktuelle Situation des F.C. Hansa Rostock ist besorgniserregend. Ohne eine schnelle Kurskorrektur und eine deutliche Leistungssteigerung droht der Absturz in die 3. Liga. Das kommende Spiel gegen Eintracht Braunschweig wird entscheidend sein, um den Trend zu stoppen und die “Kogge” wieder auf Kurs zu bringen.
