Clostridium-difficile Infektionen: Eine unterschätzte Gefahr im deutschen Gesundheitswesen

Clostridium-difficile Infektionen (CDI) stellen in Deutschland eine ernstzunehmende, oft unterschätzte Herausforderung dar, insbesondere im Klinikalltag. Jährlich sterben hierzulande etwa genauso viele Menschen an den Folgen einer CDI wie im Straßenverkehr, was die Dringlichkeit einer umfassenden Prävention und Aufklärung unterstreicht. Die besten Ansätze zur Vorbeugung umfassen den regelmäßigen Konsum von Probiotika sowie konsequente Hygienemaßnahmen in medizinischen Einrichtungen.

Was sind Clostridium-difficile Infektionen (CDI)?

Clostridium difficile ist ein Darmbakterium, das Toxine bildet und zu einer Kolitis mit teils schweren Durchfällen führen kann. Während über 50 Prozent der Neugeborenen mit diesen Bakterien besiedelt sind, betrifft dies nur fünf bis zehn Prozent der Kinder und zwei bis vier Prozent der Erwachsenen. Eine Infektion mit toxinbildenden Sporen tritt jedoch meist im Zusammenhang mit einer Antibiotika-Therapie auf, welche die natürliche Darmflora stört und dem Erreger eine Ausbreitung ermöglicht.

Risikofaktoren und die Prävalenz in Kliniken

Bestimmte Patientengruppen sind besonders anfällig für CDI. Dazu gehören ältere Patienten über 65 Jahre, Personen mit Begleiterkrankungen (Komorbiditäten), Patienten, die Protonenpumpenhemmer (PPI) einnehmen, und insbesondere hospitalisierte Patienten. Experten zufolge sind zwei Drittel aller Clostridium-difficile-Infektionen nosokomial, also im Krankenhaus erworben.

Die Prävalenz von CDI unter stationären Patienten hat in Deutschland dramatisch zugenommen. Zwischen den Jahren 2000 und 2011 stieg sie um das 22-fache. Laut dem Robert Koch-Institut waren im Jahr 2000 noch 7 von 100.000 Patienten betroffen, im Jahr 2004 bereits 39, und 2006 lag die Zahl bei rund 80 pro 100.000. Statistisch gesehen muss bei etwa jedem hundertsten antibiotisch behandelten Patienten mit einer CDI gerechnet werden. Bei Verdacht ist eine schnelle Diagnostik mit dem Nachweis der Bakterientoxine in Stuhlproben essenziell.

Weiterlesen >>  Deutschland Entdecken: Eine Reise durch Geschichte, Kultur und Natur

Die ernsthaften Folgen von CDI

Die Letalität einer Clostridium-difficile Infektion wird im Allgemeinen mit ein bis zwei Prozent angegeben. Bei älteren Patienten mit Komorbiditäten und insbesondere in Verbindung mit dem vermehrten Auftreten hypervirulenter Stämme kann diese Rate jedoch deutlich höher ausfallen. Erschreckenderweise ist die Inzidenz CDI-assoziierter Todesfälle in Deutschland und den USA höher als die aller anderen Todesfälle durch gastrointestinale Infektionen, was die Bedeutung dieser Erkrankung hervorhebt.

Vorbeugung: Probiotika und Hygiene als Schlüssel

Zur Prävention von CDI wird der Einsatz von Probiotika empfohlen. Patienten sollten, besonders bei Antibiotika-Verordnungen, über diese Vorbeugungsmaßnahmen aufgeklärt werden. Schon der tägliche Konsum von zwei normalen probiotischen Naturjoghurts oder Joghurtdrinks aus dem Supermarkt kann ausreichend sein. Ähnlich effektiv wie bakterielle Joghurtkulturen könnte auch der Hefestamm Saccharomyces boulardii sein. Es gibt Hinweise, dass durch regelmäßigen Konsum von Probiotika die Zahl der CDI-Fälle halbiert werden kann.

Eine Kosten-Nutzen-Rechnung verdeutlicht das Einsparpotenzial: Ausgaben von etwa 375 Euro für Joghurt könnten eine CDI verhindern. Im Vergleich dazu belaufen sich die stationären Behandlungskosten bei einem Patienten mit CDI auf über 4000 Euro, und bei einem Patienten mit einem Rezidiv und erneuter Krankenhausaufnahme sogar auf über 20.000 Euro. Neben Probiotika bleiben optimale Hygienemaßnahmen in Kliniken unverzichtbar, um die Ausbreitung der Sporen zu minimieren.

Therapieansätze bei Clostridium-difficile Infektionen

Die Behandlung einer CDI richtet sich nach der Schwere der Erkrankung. In einfachen Fällen wird in der Regel Metronidazol über zehn Tage (3 x 500 mg oral) eingesetzt. Bei schwereren Verläufen kommen Vancomycin oder Fidaxomicin zum Einsatz. Als Kriterien für eine schwere CDI gelten unspezifische klinische Zeichen wie Leukozytose, ein Kreatininanstieg von über 50 Prozent und Fieber über 38,5° Celsius.

Weiterlesen >>  Alkohol und Stillen: Was Sie wissen müssen – Ein Ratgeber für frischgebackene Mütter

Herausforderung: Rezidivierende CDI

Rezidivierende Clostridium-difficile Infektionen stellen ein großes Problem dar. 15 bis 20 Prozent der Patienten erleben ein Rezidiv, und die Hälfte davon sogar mehrfach. Besonders gefährdet sind Patienten mit Immunsuppression. Für diese Patientengruppe ist die Stuhltransplantation, auch fäkaler Mikrobiom-Transfer genannt, die Therapie der Wahl. Allerdings ist der Einsatz dieser innovativen Behandlungsmethode in Deutschland noch begrenzt, da eine Herstellungserlaubnis für die Stuhltransplantate erforderlich ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Clostridium-difficile Infektionen eine ernste und oft unterschätzte Bedrohung im deutschen Gesundheitswesen darstellen. Durch gezielte Prävention mittels Probiotika und strikte Hygiene sowie eine schnelle und adäquate Therapie können die hohen Infektions- und Rezidivraten gesenkt und damit Leben gerettet werden. Es ist entscheidend, das Bewusstsein für diese Gefahr zu schärfen und die Entwicklung und den Zugang zu wirksamen Behandlungsstrategien weiter voranzutreiben.