Verstopfung: Ursachen, effektive Hausmittel und wann Sie zum Arzt sollten

Apfelessig als natürliches Hausmittel gegen Verstopfung

So gut wie jeder von uns hat es schon erlebt: Man sucht die Toilette auf, doch der Stuhlgang bleibt aus. Verdauungsbeschwerden, insbesondere Verstopfung (Obstipation), plagen viele Menschen mehr oder weniger regelmäßig. Ziehen sich diese über einen längeren Zeitraum hinweg, können sie den Alltag erheblich beeinträchtigen und überaus unangenehm werden. Häufig greifen Betroffene dann schnell zu Abführmitteln. Doch nicht immer ist dieser Schritt gerechtfertigt, denn in vielen Fällen lässt sich die Darmfunktion ganz ohne Medikamente anregen und die allgemeine gesundheitsförderung unterstützen.

Dieser Artikel beleuchtet umfassend, was genau unter Verstopfung zu verstehen ist, welche Faktoren sie begünstigen und wie Sie mit bewährten Hausmitteln sowie einfachen Änderungen im Lebensstil entgegenwirken können. Außerdem erfahren Sie, wann es ratsam ist, bei anhaltenden Beschwerden einen Arzt aufzusuchen, um potenzielle ernsthafte Ursachen abzuklären.

Was ist Verstopfung (Obstipation)?

Die Darmtätigkeit ist, genau wie viele andere Körperfunktionen, eine überaus individuelle Angelegenheit und unterscheidet sich somit von Mensch zu Mensch. Dreimal täglich ist demnach genauso normal wie alle drei Tage; wichtig ist lediglich die Regelmäßigkeit. Es gibt also keine starren Richtlinien, ab wann von einer Verstopfung die Rede sein kann. Vielmehr kommt es immer darauf an, wie man sich fühlt, wenn die gewohnte Entleerung des Magen-Darm-Trakts ausbleibt. In der Regel geht Verstopfung mit unangenehmen Symptomen einher: Der Druck auf den Magen verstärkt sich, es kommt zu Blähungen, Völlegefühl und Bauchschmerzen.

Im Allgemeinen spricht man von Verstopfung, wenn es vier Tage lang nicht zu einem Stuhlgang kommt oder dieser nur unter großer Anstrengung möglich ist. Weitere Anzeichen sind das Gefühl einer unvollständigen Entleerung des Darms sowie starkes Pressen beim Stuhlgang. Eine chronische Form der Verstopfung liegt dann vor, wenn sich diese Symptome regelmäßig über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten wiederholen. Am häufigsten entsteht eine Verstopfung aufgrund eines trägen Darms, der sich nicht genügend bewegt und seinen Inhalt somit nur sehr langsam transportiert. Dadurch verklumpt der Stuhl und wird sehr hart, was den Weitertransport zusätzlich erschwert.

Häufige Ursachen für Verstopfung

Verstopfung kann durch eine Vielzahl von Faktoren ausgelöst werden, von vorübergehenden Veränderungen im Lebensstil bis hin zu chronischen Erkrankungen. Das Verständnis dieser Ursachen ist der erste Schritt zur effektiven Behandlung und Prävention.

Häufig entsteht eine Verstopfung beim Reisen, wenn sich das Ess-, Trink- und Schlafverhalten gegenüber dem Alltag schlagartig ändert. Viele Menschen kennen dies in Zusammenhang mit der Zeitverschiebung, wenn man eine weite Reise auf sich nimmt. Weitere Faktoren sind Hitze und fehlende Bewegung, beispielsweise wenn man mehrere Stunden lang im Flugzeug oder Auto sitzt. Allerdings kommt der Darm in solchen Situationen spätestens nach ein bis zwei Tagen ganz von allein wieder in Fahrt. Es schadet jedoch nicht, sich bereits vor der Reise auf eine solche Eventualität vorzubereiten: Eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung sorgen dafür, dass man trotz Flug mit anschließendem Jetlag nicht allzu sehr leidet.

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Wenn man seine Ernährung radikal umstellt, kann es vorübergehend zu Verstopfung kommen. Passieren kann dies selbst dann, wenn man reichlich Ballaststoffe zu sich nimmt. Obwohl diese die Verdauung fördern, können sie im Übermaß oder ohne ausreichende Flüssigkeitszufuhr das Gegenteil bewirken und den Darm überfordern. Deshalb ist es empfehlenswert, sein Essverhalten Schritt für Schritt zu ändern und die Aufnahme von Ballaststoffen langsam zu steigern. Auch nach einer Fastenkur oder einer strikten zuckerfreie ernährung kann sich Verstopfung einstellen, da sich der Darm erst wieder an die normale Nahrungsaufnahme gewöhnen muss.

Die Ursachen für eine chronische Verstopfung hingegen liegen meist woanders. Bei vielen Betroffenen wird beobachtet, dass sie sich sehr ungesund ernähren und kaum oder gar keinen Sport treiben. Um der Verstopfung entgegenzuwirken, setzen solche Menschen oftmals Abführmittel ein, was zu einem Teufelskreis führt. Bald reagiert der Darm nicht mehr auf nervale Reize und wird noch träger. Auch bestimmte Krankheiten wie Diabetes oder Erkrankungen der Schilddrüse können sich negativ auf die Verdauung auswirken. Dasselbe gilt für eine Reihe von Arzneimitteln: Psychopharmaka, Betablocker, bestimmte Schmerzmittel, Schlafmittel, aluminiumhaltige Säurebinder, Diuretika und Eisenpräparate können die Darmfunktion durcheinanderbringen. Während der Schwangerschaft kommt es bei den meisten Frauen aufgrund der hormonellen Veränderungen, die die Darmtätigkeit verlangsamen, zu Verstopfungen.

Effektive Hausmittel gegen Verstopfung

Anstatt gleich zu Abführmitteln oder Medikamenten zu greifen, lohnt es sich in vielen Fällen, die Verstopfung zuerst mit bewährten Hausmitteln zu bekämpfen. Diese neun Hausmittel gegen Verstopfung haben in der Regel keine Nebenwirkungen und sind in jedem Supermarkt bzw. jeder Apotheke frei verkäuflich.

Warmes Salzwasser

Dieses altbewährte Hausmittel gegen Verstopfung ist ein echter Klassiker unter den Tipps. Es genügt, ein wenig Salz in einem Glas mit lauwarmem Wasser zu verrühren. Die Mischung wird am besten auf nüchternen Magen getrunken. Das Salzwasser regt die Darmtätigkeit an und ist somit ein sehr günstiges und effektives Mittel bei Verdauungsbeschwerden.

Apfelessig

Apfelessig gehört seit jeher zu denjenigen Hausmitteln, die bei einer akuten Verstopfung eingesetzt werden. Da sich eine Flasche Apfelessig in so gut wie jedem Haushalt findet, muss man nicht eigens dafür einkaufen gehen. Apfelessig wirkt antibakteriell und kann schädliche Darmbakterien beseitigen. Gleichzeitig regt er die Produktion von Magensaft an, was seinerseits die Verdauung ankurbelt. Bei Verstopfung sollte man vor jeder Mahlzeit ein Glas Wasser mit einem Esslöffel Apfelessig trinken.

Apfelessig als natürliches Hausmittel gegen VerstopfungApfelessig als natürliches Hausmittel gegen Verstopfung

Olivenöl

Olivenöl ist ein echter Allrounder und schmeckt vor allem in Salaten sehr lecker. Das kostbare Öl aus dem Fruchtfleisch der Olive hat jedoch auch gesundheitsfördernde Eigenschaften. Es wirkt entzündungshemmend und kann die Bildung von Magensäure verringern. Somit wirkt Olivenöl als Hausmittel gegen Verstopfung sehr gut: Ein Löffel vor jeder Mahlzeit reicht aus, um die Verdauung auf natürliche Weise in Gang zu bringen.

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Tee

Eine spezielle Teemischung, die aus Kamille, Fenchel, Melisse und Süßholzwurzel besteht, fördert die Verdauung und hilft somit auch bei Verstopfungen. Die Mischung hat zudem eine beruhigende Wirkung auf den Darm und sorgt dafür, dass sich Blähungen umgehend lösen können. Damit dieses Hausmittel gegen Verstopfung seine volle Wirkung entfalten kann, sollte man bei entsprechenden Beschwerden täglich drei bis fünf Tassen trinken.

Leinsamen

Leinsamen sind ein natürliches Abführmittel, das durch seinen Quellprozess wirkt. Sie binden im Darm Wasser an sich und quellen auf, wodurch sich das Stuhlvolumen vergrößert. Da sich auf diese Weise der Druck auf die Darmwand erhöht, wird die Verdauung angeregt. Am besten nimmt man morgens einen Esslöffel geschrotete Leinsamen mit einem großen Glas Wasser zu sich. Bei Bedarf kann man bis zu drei Esslöffel Leinsamen pro Tag einnehmen, stets mit viel Flüssigkeit.

Gemüsesaft

Eine Mischung aus Tomaten-, Sauerkraut- und Karottensaft ist besonders ballaststoffreich und regt dadurch die Verdauung auf gesunde Weise an. Wer möchte, kann das Ganze noch mit einer Prise Pfeffer oder Chili würzen, um den Stoffwechsel zusätzlich anzukurbeln. Solche Säfte sind zudem reich an wichtigen Nährstoffen, die zur Darmgesundheit beitragen können. Lebensmittel kaliumreich sind zum Beispiel auch hier eine gute Ergänzung.

Kaffee

Dass viele Menschen am Morgen gern Kaffee trinken, dürfte nicht nur auf die erquickende Wirkung des Getränks zurückzuführen sein. Kaffee wirkt nämlich bekanntermaßen abführend. Allgemein gilt die Annahme, es sei das Koffein im Kaffee, das die Verdauung ankurbelt. Allerdings macht sich bei entkoffeiniertem Kaffee dieselbe Wirkung bemerkbar, was darauf hindeutet, dass andere Inhaltsstoffe beteiligt sind. Bekannt ist auf jeden Fall, dass der Körper durch den Kaffeekonsum das Hormon Cholecystokinin ausschüttet, das für die Bildung von Gallensekret verantwortlich ist. Die Gallenflüssigkeit hilft vor allem bei der Verdauung von Fetten, was indirekt die Darmpassage erleichtern kann.

Kaffee kann die Verdauung anregen und Verstopfung lindernKaffee kann die Verdauung anregen und Verstopfung lindern

Probiotika

Was haben Joghurt und Sauerkraut gemeinsam? Beide Lebensmittel enthalten probiotische Bakterien, sogenannte Probiotika. Diese entstehen während des Gärungsprozesses und sind für die menschliche Darmflora von großer Bedeutung. Sie helfen bei der Verdauung, indem sie die Darmtätigkeit regulieren, und sollen auch das Immunsystem stärken, was für das gesamte Wohlbefinden wichtig ist. Die regelmäßige Zufuhr von probiotischen Lebensmitteln kann die Balance der Darmbakterien positiv beeinflussen.

Bauchmassage

Eine sanfte Bauchmassage regt den Darm dazu an, sich zu bewegen. Außerdem entspannt sie die Muskulatur im Bauchbereich, sodass sich Blähungen und Krämpfe umgehend lösen können. Man kann die Massage problemlos selbst durchführen, indem man morgens noch im Bett liegt und den Bauch im Uhrzeigersinn mit leichtem Druck massiert.

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Bewegung

Bereits ein täglicher Spaziergang oder eine sanfte Yoga-Einheit sorgen dafür, dass der Darm in Schwung kommt. Körperliche Aktivität fördert die Darmperistaltik und hilft, den Stuhl durch den Darm zu transportieren. Darüber hinaus gibt es spezielle Übungen, die die Verdauung gezielt anregen: Im Vierfüßlerstand zieht man den Bauch ein (Katzenbuckel) und lässt ihn anschließend wieder durchhängen (Kuhhaltung), was eine sanfte Massage der inneren Organe bewirkt. Auch basisches essen kann die Darmgesundheit unterstützen.

Wann Sie einen Arzt aufsuchen sollten

Bei ausbleibendem Stuhlgang und Symptomen wie Blähungen und Völlegefühl, die Schmerzen bereiten und länger anhalten, sollte man unbedingt eine/n Arzt/Ärztin aufsuchen. Es ist wichtig, die Ursache der Verstopfung abzuklären, um ernsthafte Erkrankungen auszuschließen. Da Verstopfung verschiedene Auslöser haben kann, ist die Anamnese besonders gründlich. Es wird auf Ernährungsgewohnheiten und Lebensumstände eingegangen; auch die Einnahme von Arzneimitteln und Vorerkrankungen spielen eine wichtige Rolle. Auf diese Weise kann man erkennen, ob die Verstopfung auf eine ernsthafte Erkrankung zurückzuführen ist, die einer spezifischen Behandlung bedarf. Es gilt zu beachten, dass mit zunehmendem Alter auch das Risiko für Verstopfungen steigt. Daher ist es für Senioren besonders wichtig, bei andauernden Beschwerden und vor allem bei Veränderungen der Stuhlgewohnheiten einen Arzt oder eine Ärztin aufzusuchen. Regelmäßige gesundheitscheck ab 60 wie oft sind hier ebenfalls ratsam.

Verstopfung effektiv vorbeugen

Eine gesunde Lebensweise ist das beste Mittel, um Verstopfungen langfristig vorzubeugen und die Darmgesundheit zu fördern. Neben einer ausgewogenen Ernährung mit genügend Ballaststoffen – zu finden in Vollkornprodukten, Obst und Gemüse – gehört auch ausreichend Bewegung zum täglichen Programm. Sportliche Betätigung ist zwar ideal, doch auch ein täglicher Spaziergang oder leichte körperliche Aktivitäten können das nötige Gleichgewicht herstellen und die Darmtätigkeit anregen. Zudem ist es entscheidend, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, am besten in Form von Wasser oder ungesüßtem Kräutertee, um den Stuhl weich zu halten und die Darmpassage zu erleichtern. Regelmäßige Toilettengänge und das Vermeiden von Pressen sind ebenfalls wichtige Aspekte der Prävention.

Fazit

Verstopfung ist ein weit verbreitetes Problem, das jedoch oft mit einfachen Mitteln gelindert oder sogar vermieden werden kann. Von der Anpassung der Ernährung und ausreichender Flüssigkeitszufuhr über regelmäßige Bewegung bis hin zu bewährten Hausmitteln wie Leinsamen oder Apfelessig gibt es zahlreiche Wege, die Darmtätigkeit auf natürliche Weise zu unterstützen. Hören Sie auf Ihren Körper und nehmen Sie die Signale Ihrer Verdauung ernst. Bei anhaltenden, schmerzhaften oder unerklärlichen Beschwerden ist es jedoch unerlässlich, medizinischen Rat einzuholen, um mögliche ernstere Ursachen frühzeitig zu erkennen und behandeln zu lassen. Eine bewusste und gesunde Lebensführung ist der Schlüssel zu einem funktionierenden Darm und einem gesteigerten Wohlbefinden.