Der Krieg in der Ukraine ist eine unvorstellbare Tragödie für die Menschen vor Ort, doch auch die Tiere sind massiv betroffen. Sie sterben, werden verletzt, ausgesetzt oder gar erschossen. Darüber hinaus werden sie als Kriegshilfsmittel, lebende militärische Instrumente und Waffen eingesetzt, was die vielschichtigen Auswirkungen militärischer Konflikte auf die Tierwelt verdeutlicht.
Tiere als Leidtragende des Krieges
Die Brutalität des Krieges hinterlässt tiefe Spuren im Leben unzähliger Tiere. Wie Menschen sind sie direkten Gefahren wie Luftangriffen, Artillerie- und Raketenbeschuss sowie Handfeuerwaffen ausgesetzt. Die Folgen sind Angst, Trauma und schwere körperliche Verletzungen. Zerstörung und die Unterbrechung von Versorgungsketten verschärfen die Situation zusätzlich. Insbesondere Nutztiere wie Rinder, Schweine und Geflügel, von denen es in der Ukraine Millionen gibt, erleiden ein ähnliches Schicksal wie Wildtiere, die vermehrt zur Nahrungsversorgung gejagt werden. Selbst Zootiere, von denen einige wenige in sichere Länder evakuiert werden konnten, leiden unter der Knappheit von Futter und der unsicheren Versorgungslage.
Glücklicherweise können Haustiere wie Hunde, Katzen und Vögel oft von ihren Besitzern auf der Flucht mitgenommen werden. Bemerkenswerte Bilder zeigten Flüchtende, die ihre geliebten Tiere an deutschen Bahnhöfen betreuten. Allein in den ersten zehn Kriegswochen wurden über 102.000 Tiere, hauptsächlich Katzen und Hunde, per Bahn aus den betroffenen Gebieten evakuiert. Tierschutzorganisationen wie PETA leisten wertvolle Hilfe, indem sie sich um diese Tiere kümmern und versuchen, zurückgelassene Tiere aus den umkämpften Gebieten zu retten und zu versorgen. Bis Mitte Mai 2022 konnte PETA nach eigenen Angaben rund 1300 Tiere in Sicherheit bringen. [cite:0, cite:1]
Tiere im militärischen Einsatz
Neben ihrem Leid werden Tiere auch aktiv im militärischen Kontext eingesetzt. Dies reicht von der Sicherung von Kriegsschiffen durch Delfine bis hin zum Einsatz von Hunden als Spürhunde für Minen und Sprengfallen. Berichte aus dem April 2022 zeigten Unterwasserkäfige mit Delfinen im Hafen von Sewastopol, die vermutlich zum Schutz russischer Kriegsschiffe eingesetzt werden. Das Programm zur militärischen Ausbildung von Delfinen hat eine lange Geschichte und wird von der russischen Marine fortgeführt, die sich die Echoortungsfähigkeiten der Delfine zunutze macht, um Minen zu identifizieren und zu markieren.
Auch Hunde spielen eine wichtige Rolle. Belgische Schäferhunde werden als Spürhunde in Kampfgebieten eingesetzt. Ein solcher Hund, der ausgehungert und verletzt von ukrainischen Soldaten gefunden wurde, wurde “Max” genannt und wird nun von der ukrainischen Nationalgarde zur Sprengfallen- und Minensuche eingesetzt. Die ukrainischen Streitkräfte bilden ebenfalls Belgische und Deutsche Schäferhunde für den Personen- und Objektschutz sowie das Aufspüren von Kampfmitteln aus.
Historische und ethische Dimensionen
Die militärische Nutzung von Tieren hat eine lange Geschichte. Von Kriegselefanten in der Antike bis zu den Millionen von Pferden, die in den Weltkriegen starben, haben Tiere stets eine Rolle in militärischen Auseinandersetzungen gespielt. Auch heute noch setzt die Bundeswehr auf Tiere, sei es durch das Einsatz- und Ausbildungszentrum für Tragtierwesen, das Maultiere und Pferde für den Transport in unwegsamem Gelände trainiert, oder durch die Schule für Diensthundewesen, wo Diensthunde für verschiedenste Aufgaben ausgebildet werden.
Die Diskussion um Tierethik und Tierrechte hat in den letzten Jahren zugenommen. Filme wie “Gefährten” (War Horse) haben die Leiden von Tieren im militärischen Dienst einem breiten Publikum vor Augen geführt und die ethische Problematik der Nutzung von Tieren für militärische Zwecke beleuchtet. Die Frage, ob Tiere Rechte haben und als eigenständige moralische Wesen betrachtet werden sollten, wird zunehmend bejaht, basierend auf ihrer Leidensfähigkeit. Dennoch wird die militärische Nutzung von Tieren voraussichtlich auch in Zukunft fortbestehen, wenngleich der argumentative Aufwand dafür aufgrund eines veränderten soziokulturellen Referenzrahmens zunehmen dürfte.
Mit Denkmälern wie dem “Animals in War Memorial” in London und Ausstellungen im Militärhistorischen Museum Dresden wird die Verdienstleistung von Tieren im Krieg gewürdigt. Gleichzeitig werfen diese Auseinandersetzungen die Frage nach der Legitimität und ethischen Vertretbarkeit der militärischen Nutzung von Tieren auf, denn eines ist unzweifelhaft: Tiere hatten keine Wahl. [cite:0, cite:6]
