“FCH”: Streit um Fußballkürzel zwischen Heidenheim und Rostock

Der FCH-Fanshop auf dem Heidenheimer Schlossberg

Der Fußball in Deutschland ist bekannt für seine leidenschaftlichen Fans und die oft emotionalen Auseinandersetzungen auf dem Spielfeld. Doch ein ungewöhnlicher und bisher beispielloser Streit zwischen zwei Vereinen hat nun die Aufmerksamkeit des Deutschen Patent- und Markenamtes (DPMA) in München auf sich gezogen: Sowohl der 1. FC Heidenheim als auch der FC Hansa Rostock beanspruchen das Kürzel “FCH” für sich. Diese Auseinandersetzung wirft Fragen nach der Exklusivität von Vereinsabkürzungen im deutschen Profifußball auf und verdeutlicht die Notwendigkeit klarer Markenrechte.

Der Auslöser: “FCH Fanshop” und die Markenanmeldung

Die Eskalation des Konflikts begann vor zwei Jahren, als der 1. FC Heidenheim die Marke “FCH Fanshop” auf europäischer Ebene schützen ließ. Dies rief den FC Hansa Rostock auf den Plan, der umgehend dagegen vorging. Laut dem FC Heidenheim war das Ziel dieser Markenanmeldung, das Kürzel “FCH” zukünftig ausschließlich im Zusammenhang mit dem eigenen Vereinsnamen oder dem Vereinslogo zu verwenden. Dies sollte eine klare Abgrenzung zum FC Hansa Rostock ermöglichen und Missverständnisse vermeiden.

Rostocks Vorwürfe: Verstoß gegen eine Vereinbarung

Der FC Hansa Rostock, ein Drittligist von der Ostseeküste, stützt seine Beschwerde auf eine Abgrenzungsvereinbarung aus dem Jahr 2008. Nach Angaben einer Sprecherin von Hansa Rostock durfte Heidenheim das Kürzel “FCH” demnach nur mit dem Zusatz “Heidenheim 1846” verwenden. Rostock wirft Heidenheim vor, diese Vereinbarung mehrfach verletzt zu haben, insbesondere im Zusammenhang mit Fanartikeln. Diese Anschuldigung bildet einen zentralen Punkt in der Argumentation der Hanseaten.

Weiterlesen >>  1. Durchgang Skispringen heute in Willingen: Deutsche Adler im Tiefflug

Heidenheims Gegenrecht: Verfahren und ältere Rechte

Der 1. FC Heidenheim hat seinerseits ein Verfahren vor dem DPMA eingeleitet, in dem der Verein das Recht am Kürzel “FCH” weitgehend für sich beansprucht. Der Sprecher des Bundesligisten, Markus Gamm, erklärte gegenüber dem SWR, dass Hansa Rostock mit seinen Anträgen versuche, den FC Heidenheim in der Nutzung des Kürzels “deutlich einzuschränken”. Dies sei nicht akzeptabel und erfordere eine Gegenwehr.

Darüber hinaus argumentiert Heidenheim mit älteren Rechten. Der Verein führt an, dass der FC Hansa Rostock sein geschütztes Recht auf das “FCH”-Kürzel zwischenzeitlich verfallen ließ und es erst später wieder neu beantragt habe. Heidenheim betont jedoch, offen für eine außeramtliche und außergerichtliche Einigung zu sein. Gamm fügt hinzu: “Den FC Heidenheim gibt es genauso wie den FC Hansa Rostock.” Idealerweise solle auch in Zukunft kein Verein das Kürzel “FCH” exklusiv im deutschen Fußball verwenden dürfen.

Der FCH-Fanshop auf dem Heidenheimer SchlossbergDer FCH-Fanshop auf dem Heidenheimer Schlossberg*Der FCH-Fanshop auf dem Heidenheimer Schlossberg. Die Anmeldeung des Begriffs “FCH Fanshop” durch Heidenheim eskalierte den Streit mit Hansa Rostock.*

Offene Entscheidung und lokale Reaktionen

Eine Entscheidung des Deutschen Patent- und Markenamtes steht noch aus. Ein Sprecher des Amtes bestätigte gegenüber dem SWR, dass mehrere Verfahren in diesem Streit laufen und eine Voraussage zum Zeitpunkt einer Entscheidung derzeit nicht möglich sei.

In Heidenheim stößt die Auseinandersetzung auf gemischte Reaktionen. Im FCH-Fanshop am Schlossberg sind zahlreiche Artikel mit dem Aufdruck “FCH” zu finden, stets in Verbindung mit dem Heidenheimer Logo oder dem Zusatz “1. FC Heidenheim 1846”. Viele Einwohner der Brenzstadt sind überzeugt, dass “FCH” eindeutig für ihren eigenen Verein steht. “Das ist doch logisch”, meint ein Passant, während ein anderer Fan hinzufügt: “Bei Rostock müsste ja eigentlich ein R dabei sein.”

Weiterlesen >>  Biathlon News: Haley Johnson sichert sich Olympiaplatz 2010

Trotzdem zeigen sich einige Heidenheimer angesichts der juristischen Auseinandersetzung verwundert. “Wie wenn es nichts Dringenderes gäbe”, ist zu hören, zumal die Heidenheimer in der Bundesliga aktuell auf dem letzten Tabellenplatz stehen. “Dass es zu Streitigkeiten um das FCH-Kürzel kommt, ist mir unverständlich”, sagt ein Fan, “Weil wir momentan andere Probleme haben, dass wir nämlich überhaupt in der ersten Bundesliga bleiben.” Diese Meinungen spiegeln die Prioritäten vieler Fußballfans wider, die sich auf sportliche Erfolge konzentrieren möchten, anstatt sich in markenrechtliche Debatten zu verstricken. Die Klärung dieses Falls wird zeigen, wie Abkürzungen und Vereinsnamen im deutschen Fußball künftig geschützt werden können.