Helmut Haller, eine Ikone des deutschen Fußballs, bleibt vielen in Erinnerung als der Spieler, der im Weltmeisterschaftsfinale 1966 in Wembley gegen Gastgeber England das erste Tor erzielte. In Italien wurde er für seine entscheidende Rolle bei den Ligatiteln mit Bologna und Juventus gefeiert. Haller war ein Spieler von außergewöhnlichem Kaliber, dessen Karriere ein leuchtendes Beispiel für Talent, Ausdauer und charismatische Präsenz auf dem Spielfeld ist.
Frühe Jahre und der Aufstieg zum Nationalspieler
Geboren und gestorben in Augsburg, war diese bayerische Stadt auch der Schauplatz von Helmut Hallers fußballerischem Anfang und Ende. Bereits als Neunjähriger im Jahr 1948 trat er seinem Heimatverein bei und debütierte 1957 in der Herrenmannschaft. Unter der Ägide des renommierten und langjährigen Trainers Sepp Herberger schaffte er 1958 den Sprung in die westdeutsche Nationalmannschaft. Haller nahm an drei aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaftsendrunden teil, beginnend mit Chile 1962, wo er den Deutschen zum Viertelfinaleinzug verhalf, bevor sie dort 0:1 gegen Jugoslawien verloren.
Erfolge in Italien: Bologna und Juventus
Im selben Jahr nahm Hallers Vereinskarriere Fahrt auf, als er sich dem FC Bologna anschloss. Seine kongeniale Zusammenarbeit mit dem torgefährlichen dänischen Mittelstürmer Harald Nielsen war ein entscheidender Faktor für den Gewinn der ersten Serie-A-Meisterschaft des Vereins seit dem Zweiten Weltkrieg in der Saison 1963/64. Während seiner sechsjährigen Zeit bei den „Rossoblu“ entwickelte sich Haller zu einem dynamischen und zugleich raffinierten Spieler. Obwohl er stets auf sein Gewicht achten musste, war er überraschend flink. Seine Pässe zeichneten sich durch Flair und Weitsicht aus, was ihn, wenn er in Bestform war, zu einem dominanten Mittelfeldstrategen machte. Er war zudem ein geborener Torjäger, der es verstand, Torhüter mit einer subtilen, kaum wahrnehmbaren Finte zu täuschen, bevor er meist flach und präzise ins Eck schoss.
1968 wechselte Helmut Haller zu Juventus Turin, wo er fünf Jahre lang an der Seite von Größen wie Pietro Anastasi, Roberto Bettega, Franco Causio und Fabio Capello glänzte. In Turin trug er maßgeblich zu den Serie-A-Meisterschaften 1971/72 und 1972/73 bei. Zudem stand er 1973 im Finale des Europapokals der Landesmeister, das Juventus in Belgrad mit 0:1 gegen Ajax Amsterdam verlor, und war 1971 im Finale des Messestädte-Pokals, das nach Hin- und Rückspiel aufgrund der Auswärtstorregel an Leeds United ging.
Die Weltmeisterschaft 1966: Das Wembley-Tor
Als Haller 1966 nach England reiste, war er eine zentrale Figur in Helmut Schöns effektiver und oft unterhaltsamer Mannschaft. Am wirkungsvollsten agierte er hinter einer potenten Angriffsreihe mit Uwe Seeler, Sigi Held und Lothar Emmerich und leicht vor den eleganten, kreativen Wolfgang Overath und dem brillanten jungen Franz Beckenbauer. Seine sechs Tore machten ihn zum zweitbesten Torschützen des Turniers, hinter dem großen Portugiesen Eusébio, der neunmal traf. Hallers Bilanz umfasste einen Doppelpack gegen die Schweiz in der Gruppenphase, zwei weitere im Viertelfinalsieg über Uruguay (einige Historiker schreiben eines davon Held zu) und einen weiteren im 2:1-Halbfinalsieg über die Sowjetunion.
Und dann war da noch dieser Treffer in Wembley, der einen glorreichen Sommernachmittag für eine von den immer fesselnderen Leistungen der Heimmannschaft faszinierte Nation zu trüben drohte. Es geschah nach 13 Minuten und kam für die englischen Fans nach einem vielversprechenden Start der Männer von Alf Ramsey wie ein Schock. Es schien keine Gefahr zu bestehen, als Held eine Flanke schlug und Ray Wilson unbedrängt zum routinierten Kopfball hochstieg. Doch irgendwie unterlief dem stets zuverlässigen, äußerst versierten Wilson, der weithin als bester Linksverteidiger der Welt galt, ein Fehler. Er köpfte den Ball direkt vor die Füße von Haller, der zwölf Meter vor dem Tor ungedeckt im rechten Strafraum lauerte. Der Deutsche kontrollierte den Ball sofort und schoss einen flachen Querpass-Schuss, der Torhüter Gordon Banks und Innenverteidiger Jack Charlton teilte und die Gäste in Führung brachte.
Es entfaltete sich ein Drama voller Kontroversen, das mit Englands 4:2-Triumph endete, maßgeblich dank eines Hattricks von Geoff Hurst. Für Haller war dies jedoch nicht das Ende der Geschichte. Nach dem Schlusspfiff nahm er den Ball an sich, den er 30 Jahre lang als Souvenir behielt, bevor er ihn Hurst übergab – dem der Fußballtradition zufolge der Ball zustand –, als er 1996 für die Europameisterschaft nach England zurückkehrte.
Karriereende und Vermächtnis
Zur Weltmeisterschaft 1970 in Mexiko war Haller bereits über dreißig. Seinen Abschied von der Nationalmannschaft gab er im Eröffnungsspiel der Deutschen gegen Marokko, wo er durch Jürgen Grabowski ersetzt wurde. In 33 Länderspielen erzielte er 13 Tore und war während seiner Amtszeit die meiste Zeit einer der profiliertesten Spieler des Teams.
1973 kehrte Haller zu einem runderneuerten FC Augsburg zurück, wo er bis zu seinem Karriereende in seinem 40. Lebensjahr im Jahr 1979 blieb, abgesehen von einem kurzen Gastspiel beim SV Schwenningen in der Saison 1976/77. Später trainierte er Amateurvereine und führte ein Modegeschäft. Vor seinem Tod hatte er einige Jahre lang mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen. Helmut Haller verstarb am 11. Oktober 2012 in Augsburg.
Helmut Haller war mehr als nur ein Fußballer; er war eine Persönlichkeit, die mit ihrem Spielwitz, ihrer Technik und ihrem Charisma die Herzen der Fans in Deutschland und Italien eroberte. Sein Vermächtnis als ein wahrer Spielmacher und Torschütze, der in den größten Momenten glänzte, lebt bis heute fort und macht ihn zu einer unvergesslichen Figur in der reichen Geschichte des deutschen Fußballs.
