Die frühen 1950er Jahre waren eine Zeit großer Unsicherheit und Neuausrichtung für die Vereinigten Staaten. Angesichts des Koreakrieges und der eskalierenden Spannungen des Kalten Krieges sah sich Präsident Harry S. Truman gezwungen, die amerikanische Wirtschaft erneut auf Kriegszeiten umzustellen. Eine Schlüsselfigur in diesem Prozess war Charles E. Wilson, ein erfahrener Industriemanager, dessen Aufgabe es war, die nationale Mobilisierung anzuführen und die drohende Inflation zu bekämpfen.
Charles E. Wilson: Vom Slum zum Rüstungs-Produktionschef
Die Geschichte von Charles E. Wilson ist eine des klassischen amerikanischen Aufstiegs. Im New Yorker Slum-Viertel “Hells Kitchen” geboren, begann der Sohn eines Buchbinders seine Karriere bereits mit elf Jahren in einer Schnapsfabrik. Mit 13 Jahren trat er eine Stelle bei der Sprague Electric Company an, wo er drei Dollar pro Woche verdiente. Sein Chef lehrte ihn damals nicht nur die Grundlagen des Geschäfts, sondern auch, wie man einen Schlips bindet – eine Lektion, die ihn ein Leben lang begleiten sollte.
Wilson arbeitete sich bei Sprague kontinuierlich hoch und wurde mit nur 20 Jahren Produktionsdirektor. Als General Electric später Wilsons Lehrfirma schluckte, setzte er seinen Aufstieg fort und avancierte innerhalb von 34 Jahren zum Produktionschef des riesigen Elektrokonzerns. Sein Wochenverdienst war von drei Dollar auf 3500 Dollar gestiegen. Eines Sonntagmorgens im Dezember, als Wilson gerade seinen Schlips zum Kirchgang band, erhielt er den Anruf von Präsident Truman. Ohne Zögern sagte er zu, den Posten als Mobilisationschef der Vereinigten Staaten zu übernehmen. Seine prompte Antwort: „Morgen früh bin ich da.“
Erst mit Wilsons Amtsantritt kam die amerikanische Rüstungsproduktion wirklich in Fahrt. Zuvor waren selbst die bewilligten geringen Summen nur bruchstückhaft in Auftrag gegeben worden, und Anfragen von Geschäftsleuten stießen auf bürokratische Verzögerungen. Wilson sollte dies ändern und der Wirtschaft eine klare Richtung geben.
Die Organisation der US-Wirtschaftsmobilisierung
Wilson, dem ein ähnliches Talent wie dem deutschen Rüstungsminister Albert Speer nachgesagt wurde, die richtigen Männer an die richtigen Positionen zu setzen, baute seine Organisation in Windeseile auf. An der Spitze stehend, war er für Produktion, Beschaffung, Transport, Wirtschaftsstabilisierung und die Lenkung des Arbeitsmarktes direkt dem Präsidenten verantwortlich.
Unter ihm operierte die Abteilung Verteidigungsproduktion (Defense Production Administration), geleitet von William Henry Harrison, dem damaligen Präsidenten der International Telephone and Telegraph Corporation. Parallel dazu arbeitete die Wirtschafts-Stabilisierungsbehörde (Economic Stabilization Agency), die zunächst von Alan Valentine und später von Eric Johnston, dem damaligen Chef der Filmgesellschaft Motion Picture, geführt wurde. Diese Behörde gliederte sich wiederum in eine Abteilung für Preise unter Michael DiSalle und eine für Löhne unter Cyrus S. Ching. Mit persönlichen Beratern wie dem Bankier Sidney Weinberg und dem ehemaligen Deutschland-Gouverneur Lucius D. Clay, der Präsident der Continental Konservendosen-Company war, wurde schnell offensichtlich, dass die gesamte Organisation aus erfahrenen Geschäftsleuten bestand.
Konflikt zwischen Business und Gewerkschaften
Diese starke Präsenz von Managern aus der Privatwirtschaft rief umgehend Proteste von Seiten der Gewerkschaften hervor. Sie befürchteten, dass die Aufrüstung zu einer Sache des „amerikanischen Big Business“ werden und die Gewinne auf Kosten der Arbeiter gehen würden. Die Gewerkschaften forderten daher, wie schon im Zweiten Weltkrieg, einen ihrer Vertreter in verantwortlicher Position innerhalb der Rüstungsbehörde, um die Kapitalisten überwachen zu können.
Wilson reagierte auf diese Forderungen mit Entschiedenheit: „Natürlich bin ich ein Big Business-Man, und ich bin stolz darauf.“ Auf die Frage, ob er noch große Aktienpakete an General Electric und anderen Gesellschaften halte, erklärte er unumwunden, dass jeder Dollar, den er besitze, in General Electric investiert sei. Sein Umgang mit den Gewerkschaftern, die einen Vertreter auf der Ebene von Weinberg und Clay forderten, war nicht gerade sanft. Er beschuldigte sie, seine Zeit zu stehlen, und wies einige Abgesandte persönlich ab.
Die Spannungen eskalierten, als ein Brief von General Electric vom 12. Februar 1951 an seine leitenden Angestellten bekannt wurde. Darin wurde von 50-prozentigen Überstundenzuschlägen abgeraten, harte Strafen für Produktionsstörungen gefordert und die Notwendigkeit von Mindestlöhnen in der aktuellen Beschäftigungslage in Frage gestellt. Die Gewerkschaften zogen daraus den Schluss, dass Big Business die Gelegenheit der Aufrüstung nutzte, um die Gewerkschaften zu schwächen und ihre Errungenschaften der letzten Jahre zunichtezumachen. Sie erklärten, General Electric und damit Wilson seien „weniger daran interessiert, den Kommunismus zu bekämpfen als die Gewerkschaften.“
Dieser Brief und die nur teilweise Bewilligung ihrer Lohnforderungen führten dazu, dass die Arbeiterführer geschlossen eine Sitzung des Amtes zur Lohnstabilisierung verließen. Obwohl Wilson dies als unerheblich abtat, konnte sich Amerika Streiks nicht leisten, die die Rüstung gefährden könnten. Letztlich erklärte sich Wilson bereit, einen Gewerkschafter für Lucius D. Clay zu engagieren.
Amerikas Umstellung auf Kriegsproduktion: Eine Frage der Kapazität
Charles Wilson war fest davon überzeugt, dass es für die amerikanischen Produktionsmöglichkeiten, sowohl in Kriegs- als auch in Friedenszeiten, praktisch keine absoluten Beschränkungen gäbe. Vielmehr seien diese Beschränkungen relativ und hingen von den Verhältnissen von Arbeitskraft zu Material sowie Maschinen zu elektrischer Energie ab. Er betonte, dass die Umstellung von der Friedens- zur Kriegsproduktion diesmal unter günstigeren Voraussetzungen als 1942 erfolgen und schneller vonstattengehen würde. Tatsächlich erreichte Amerikas Gesamtproduktion zu diesem Zeitpunkt 223 Prozent des Niveaus von 1939.
Der enorme Ausbau der zivilen Kapazitäten nach 1945 hatte die Voraussetzungen für die Waffen-, Munitions- und Ausrüstungsproduktion erheblich verbessert. Großenteils aus Gewinnen wurden massive Investitionen getätigt:
- Die Stahlkapazität stieg um 12 Millionen Tonnen auf 100,5 Millionen Tonnen.
- Die chemische Industrie hatte ihre Kapazität seit Kriegsende verdoppelt.
- Die Erzeugung elektrischer Energie übertraf das Niveau von 1945 um 38 Prozent.
- Im Bereich des synthetischen Gummis verfügten die USA über Synthesefabriken im Wert von 780 Millionen Dollar mit einer jährlichen Kapazität von 900.000 Tonnen – zu Beginn des Zweiten Weltkriegs existierte praktisch kein einziges Synthesewerk.
Seit Kriegsende hatte die amerikanische Wirtschaft 83 Milliarden Dollar investiert. Für 1951 wurde sogar eine Ausweitung der Kapazitäten um 50 Prozent über den Investitionen des Vorjahres prognostiziert. Allein im ersten Quartal dieses Jahres wurden 5 Milliarden Dollar für den Auf- und Ausbau von Betrieben und Anlagen ausgegeben. Dies entsprach auf Jahresbasis einer Summe, die das gesamte westdeutsche Volkseinkommen übertraf. Amerika investierte also mehr Geld in die Rationalisierung und Erweiterung seiner Betriebe, als die gesamte westdeutsche Bevölkerung an Löhnen, Renten und Gewinnen verdiente.
Rohstoffsicherung und Globale Strategie
Das Hauptproblem für Wilson bestand zunächst darin, die Rohstoffversorgung zu sichern, um die vorhandenen Kapazitäten voll auszunutzen. Eine der ersten Maßnahmen von „Mister Produktion“, wie die Amerikaner ihren Rüstungsboss noch aus dem Zweiten Weltkrieg nannten, war eine einschneidende Rohstoffbewirtschaftung, die sämtliche Metalle erfasste.
Für neue Kinos, Luxusgaststätten oder Kegelbahnen durfte kein Gramm Baumaterial mehr verwendet werden. Stahl wurde streng kontingentiert, und der private Hausbau musste zurückstecken; alle Bauprojekte über 5000 Dollar waren genehmigungspflichtig. Die Verwendung von Aluminium wurde für 200 zivile Warengruppen verboten, Platin durfte nicht mehr für Schmuck verwendet werden, und Hersteller von Baumwollgeweben mussten 80 Prozent ihrer Produktion für die Rüstung bereitstellen.
Diese Maßnahmen waren notwendig, da Amerikas Rohstoffreserven nicht unbegrenzt waren. Gerade bei rüstungswichtigen Materialien waren die USA knapp und teilweise vom Ausland abhängig. Naturkautschuk und Zinn stammten zu 100 Prozent aus den kommunistisch gefährdeten Gebieten Malaya, Siam und Indonesien. Seide kam aus dem Mittleren Osten und Japan, Wolfram (essenziell für Panzer) aus Korea und Spanien, Chrom (für Stahl und Nichteisenmetalle) aus der Türkei, Mangan aus Indien und Uran aus Belgisch-Kongo. Ein Blick auf die Landkarte zeigte deutlich, dass ein Isolationismus Amerikas angesichts dieser Abhängigkeiten und der potenziellen sowjetischen Kontrolle über westeuropäische Stahlkapazitäten zum Scheitern verurteilt wäre.
Mit diesen Lücken in der amerikanischen Rohstoffversorgung schickte Wilson seine Rohstoffaufkäufer in alle Welt, was Amerika zum größten Preistreiber auf dem Weltmarkt machte. Da das Rüstungsziel bei jedem Stirnrunzeln Marschall Stalins erweitert wurde, erreichte die amerikanische Rohstoffreserve bis dato nie mehr als 40 Prozent ihres jeweiligen Solls. Die wirtschaftliche Mobilmachung der Vereinigten Staaten vollzog sich zunächst nach rein inneramerikanischen Gesichtspunkten. Erst als Englands Labour-Flügelmann Bevan gegen die mangelnde Rohstoffzuteilung revoltierte, die das britische Verteidigungsprogramm gefährdete, reagierten die Amerikaner. Auf seiner Europareise im April musste Wilson zugeben, dass ihm der Rohstoffausschuss der Marshallplanländer völlig unbekannt war. Auf die Frage nach der Rolle der US-inspirierten OEEC-Organisation für europäische Zusammenarbeit bei der Rohstoffverteilung nahm Wilson, der wegen eines Augenleidens nie Soldat werden musste, seine Brille ab und blinzelte: „OEEC, was ist das? Ich habe nie davon gehört.“
Militärische Produktionsziele und steigende Kosten
Die Rohstoffbevorratung sollte Charles E. Wilson in die Lage versetzen, das zu erreichen, was er bereits 1944 geschafft hatte: die ungeheure Massenfabrikation von Kriegsgerät, die damals den deutschen Widerstand gebrochen hatte. Aufgrund der Versäumnisse der Johnson-Ära war Amerika zu diesem Zeitpunkt noch nicht wieder in der Lage, so viel zu produzieren wie damals. Doch nach Wilsons Plänen sollte die Rüstungsfabrikation im Ernstfall 1953 den Höchststand des Kriegsjahres 1944 noch übertreffen:
| Kriegsgerät | Ausstoß 1944 | Gepl. Ausstoß Ernstfall 1953 |
|---|---|---|
| Mittlere Panzer | 13 468 | 27 529 |
| Leichte Panzer | 4 048 | 8 274 |
| Bomber | 35 003 | 37 453 |
| Jäger | 38 873 | 41 594 |
| Flugzeuge insges. | 96 318 | 103 059 |
| Kriegsschiffe | 380 | 190 |
| Schwere Geschütze | 3 248 | 6 700 |
| Haubitzen, Paks | 19 991 | 40 780 |
| Flakgeschütze | 96 318 | 103 059 |
| Stahl für Waffen (t) | 36 300 000 | 44 900 000 |
Diese ambitionierten Ziele waren mit erheblichen Kosten verbunden, die sogar die Ausgaben des letzten Weltkriegs übertrafen. Die Waffen waren komplizierter geworden, und die langsame Entwertung des Dollars in den vergangenen zehn Jahren hatte ihre Herstellung teurer gemacht. Truman verdeutlichte dies an einem Beispiel: Ein Bomber vom Typ B-17 kostete rund 275.000 Dollar, während die heutige B-36, die fünfmal so weit fliegen und fünfmal so viele Bomben transportieren konnte, fast dreieinhalb Millionen Dollar kostete.
Nicht nur Bombenflugzeuge waren teurer geworden; jeder Krieg führte zwangsläufig zu einem Anstieg der Preise. Obwohl Amerika im Zweiten Weltkrieg durch den Verkauf von US-Savings Bonds („Kriegsanleihen“), Kreditrestriktionen und Steuern eine offene Inflation vermeiden konnte, schwächten der wachsende Zahlungsmittelumlauf und die von 73 Milliarden Dollar im Jahr 1940 auf über 300 Milliarden Dollar anwachsende Staatsverschuldung die Kaufkraft des Dollars in der Kriegs- und Nachkriegszeit erheblich. Seit dem Koreakrieg hatte der Dollar erneut an Kaufkraft verloren: Die Preise waren insgesamt um 9 Prozent gestiegen, bei Lebensmitteln um 12 Prozent und bei Möbeln sogar um 15 Prozent. Selbst im reichen Amerika hatte sich in den vergangenen zehn Jahren durch Inflation und Steuererhöhungen ein Verarmungsprozess vollzogen; wer 25.000 Dollar im Jahr verdiente, konnte nicht mehr kaufen als jemand, der 1940 10.000 Dollar erhielt.
Die Bedrohung der Inflation: Ein Zweifrontenkrieg
Amerikas neue Aufrüstung stand erneut unter der Drohung einer Inflation. Präsident Harry S. Truman erklärte unmissverständlich: „Wir haben zwei Feinde zu bekämpfen. Die Aggression ist der erste. Wir bekämpfen sie in Korea. Der zweite ist die Inflation zu Hause.“ Der Rüstungsboom in den USA diente als Musterbeispiel für die Inflationsgefahr, die jeder Art von Kriegsproduktion innewohnt.
Das Grundprinzip war vielen Durchschnittsdeutschen, die bereits zweimal Währungsschäden erlebt hatten, noch nicht klar: 20 Prozent der amerikanischen Gesamtproduktion des nächsten Jahres sollten Waffen sein, die anderen 80 Prozent Konsumgüter. Die Gesamtsumme der gezahlten Löhne und Gehälter, die durch die Erweiterung der Produktion noch zunehmen würde, entsprach jedoch hundert Prozent der Kaufkraft. Diese hundert Prozent Kaufkraft waren nur durch 80 Prozent zivile Waren gedeckt. Nach dem Gesetz von Angebot und Nachfrage mussten die Preise also um 20 Prozent steigen, sofern der ungedeckte Kaufkraftanteil nicht durch Steuern oder andere Maßnahmen beseitigt wurde.
In Amerika würde die Beschneidung der zivilen Produktion zugunsten der Waffenherstellung im Jahr 1951 im Vergleich zum Vorjahr deutlich sichtbar sein:
- Häuser: 0,8 Millionen (gegenüber 1,4 Millionen im Vorjahr)
- Autos: 4,3 Millionen (gegenüber 6,7 Millionen)
- Fernsehapparate: 4,4 Millionen (gegenüber 7,5 Millionen)
- Kühlschränke: 4,7 Millionen (gegenüber 6,2 Millionen)
- Waschmaschinen: 2,8 Millionen (gegenüber 4,3 Millionen)
- Staubsauger: 2,4 Millionen (gegenüber 3,5 Millionen)
Demgegenüber würden die Einkommen Ende dieses Jahres voraussichtlich rund 229 Milliarden Dollar erreichen, gegenüber 216 Milliarden Dollar im Vorjahr. Um größere Preissteigerungen und einen neuen Schwarzmarkt zu vermeiden, musste die Regierung versuchen, das Gleichgewicht zwischen Kaufkraft und Warenangebot wiederherzustellen.
Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung
Wie in Westdeutschland die Bank Deutscher Länder, so war in Amerika neben der Steuerpolitik in erster Linie die Federal Reserve Board Bank dafür zuständig. Der Präsident der Fed, McCabe, verschickte ein Rundschreiben an seine Bundesbanken: „Der Erfolg des Kampfes gegen die Inflation hängt hauptsächlich von der Herstellung eines vernünftigen Gleichgewichtes zwischen den verfügbaren Waren und Diensten und den Dollar, die kaufen wollen, ab. Der seit Sommer anhaltende Anstieg in Bankkrediten ist einer der Hauptfaktoren für die wachsende Ausstattung von Geschäftsleuten und Verbrauchern mit Geld.“
Das Schreiben forderte alle Banken auf, ihre Kreditgewährung zu begrenzen und das kreditsuchende Publikum darüber zu beraten, dass nur die für militärische oder lebensnotwendige zivile Produktion geforderten Beträge volkswirtschaftlich vertretbar seien. Neben Kreditrestriktionen für Geschäftsleute erschwerte das Federal Reserve Board den Verbrauchern das in Amerika besonders übliche Kaufen auf Abzahlung. Die gesamten Konsumentenkredite, davon die Hälfte aus Teilzahlungsgeschäften, betrugen 1950 fast 20 Milliarden Dollar, wobei die Ratenkäufe besonders seit Beginn des Koreakrieges stark gestiegen waren.
Laut Anweisung des FRB mussten nun für sämtliche Haushaltsgeräte mindestens 25 Prozent angezahlt werden (zuvor 15 Prozent), und die Abzahlungsdauer wurde von 21 auf höchstens 15 Monate verkürzt. Autos waren zu einem Drittel anzahlungspflichtig, da gerade Ratenkäufe stark zu den Preissteigerungen beigetragen hatten.
Die Regulierung von Preisen und Löhnen in den USA lag in den Händen von Michael DiSalle und Cyrus S. Ching. Nachdem DiSalle seinen Vorgesetzten Alan Valentine, der sich gegen jeden Stopp wehrte, aus der Stabilisierungsbehörde hinausgedrängt hatte, konnten beide am 25. Januar ihren Lohn- und Preisstopp verkünden. Ching fror alle Löhne auf dem Tagesstand ein, und jede weitere Erhöhung musste bei ihm beantragt werden.
DiSalle, der bei seinem Amtsantritt freimütig bekannt hatte: „Alles was ich über Preise weiß, ist, dass meine Frau sagt, sie seien zu hoch“, stoppte die Preise für jeden Kaufmann auf dem höchsten Stand seiner Verkäufe zwischen dem 19. Dezember und dem 25. Januar. Ausgenommen blieben landwirtschaftliche Produkte, da der Defense Production Act den Stimmviehzüchtern, wie immer, besondere Konzessionen zugesichert hatte. DiSalles Verfügung bestimmte, dass für alle unverarbeiteten Lebensmittel (Fleisch, Butter, Gemüse, Eier, Hühner usw.) sogenannte Paritätspreise gelten sollten, die monatlich nach einem landwirtschaftlichen Kostenschlüssel festgesetzt wurden. Da diese Paritätspreise sehr hoch waren und die Lebensmittel meist darunter lagen, stiegen ihre Preise weiter.
Dies zeigte sich, wenn auch verlangsamt, auch bei den anderen total gestoppten Waren. Denn DiSalle musste den Kaufleuten bereits einige Wochen nach dem Stopp erlauben, ihre erhöhten Rohstoffkosten einzukalkulieren, und da die Rohstoffe teurer wurden, stiegen auch die Preise. Die Gewerkschaften, denen neue Eskalationsklauseln für Löhne (automatische Lohnerhöhungen bei steigenden Lebenshaltungskosten) verboten wurden, forderten daraufhin Lohnerhöhungen von mindestens 12 Prozent.
Der vergangene Monat brachte den Preis- und Lohnstabilisierern eine Atempause. Die Teuerung ließ etwas nach, da die Konsumenten weitgehend verausgabt waren und die Rüstungsproduktion noch nicht voll lief. Präsident Truman hatte für das Haushaltsjahr vom 1. Juli 1951 bis 1952 60,7 Milliarden Verteidigungsdollar angefordert, gegenüber ursprünglich 41 Milliarden. In den ersten sechs Monaten nach Ausbruch des Koreakrieges wurden trotz höherer Bewilligung monatlich nur für 1,8 Milliarden Dollar Rüstungsaufträge tatsächlich vergeben. Nun lag die Auftragserteilung an die Rüstungsfabriken bei 5 Milliarden Dollar pro Monat. Mehr als die Hälfte der Gelder wurde für die Bezahlung von „Defense Hardware“ wie Schiffe, Panzer, Artillerie, elektrische Geräte und Kraftwagen ausgegeben. Allein 14,5 Milliarden der nachgeforderten 20 Milliarden flossen in die Flugzeugindustrie.
Ausblick und langfristige Ziele
Die Hauptbelastung der amerikanischen Volkswirtschaft stand erst gegen Ende dieses Jahres und während des gesamten nächsten Jahres bevor, wenn die Rüstung auf Hochtouren laufen würde. Das Budget der Regierung wurde durch den riesigen Verteidigungsposten auf über 90 Milliarden Dollar aufgebläht. Eine Senkung des amerikanischen Lebensstandards für die nächsten beiden Jahre war unvermeidlich. Doch selbst ein Abstrich von 20 oder 30 Prozent des Sozialproduktes für die Rüstung – im Zweiten Weltkrieg waren es 45 Prozent – würde die Amerikaner noch nicht zu armen Leuten machen, wie ein Vergleich des Volkseinkommens pro Kopf im Jahr 1950 zeigte:
- USA: 4.615 DM
- Schweiz: 2.947 DM
- Dänemark: 1.836 DM
- Belgien: 1.698 DM
- Großbritannien: 1.402 DM
- Frankreich: 1.250 DM
- Bundesrepublik: 784 DM
Wilsons großes Ziel war es, durch die Ausweitung der Kapazitäten und die Vermehrung der zu diesem Zeitpunkt 66 Millionen Arbeitskräfte (unter anderem durch die Abschaffung des Achtstundentages und den Einsatz von Frauen) die Rüstung weitgehend zusätzlich zur zivilen Produktion durchzuführen. Doch auch seine optimistischste Rechnung sagte für die nächsten beiden Jahre einen Anstieg der Lebenshaltungskosten um 8 Prozent voraus. Harry S. Truman kämpfte für sein Anti-Inflationsprogramm und die zweijährige Verlängerung des Defense Production Act mit der These: „In zwei bis drei Jahren wird es möglich sein, neben der Rüstung wieder genügend zivile Güter zu produzieren, um die Kaufkraft zu befriedigen.“ Der Präsident vergaß nie hinzuzufügen: „Vorausgesetzt, dass bis dahin nicht der Dritte Weltkrieg ausgebrochen ist.“
Die industriellen Investitionen spiegelten diese Bemühungen wider:
| Industrie | 1949 (Mio. USD) | 1950 (Mio. USD) | 1951 (Mio. USD) |
|---|---|---|---|
| Nahrungsmittel | 600 | 705 | 945 |
| Erdöl | 700 | 700 | 995 |
| Stahl | 520 | 575 | 1 345 |
| Chemie | 1 |
