Der Dieb und die Geister: Eine Rezension von Cornelia Funkes Jugendroman

Cornelia Funke ist eine gefeierte Autorin, deren Werke Kinder und Erwachsene gleichermaßen in ihren Bann ziehen. Mit “Der Dieb und die Geister” (Originaltitel: “The Thief Lord”) legt sie einen Jugendroman vor, der – obwohl bereits 2000 veröffentlicht – immer noch viele Leserinnen und Leser begeistert. Dieser Roman entführt in die geheimnisvollen Kanäle Venedigs und erzählt die Geschichte einer Gruppe von Kindern, die sich zu einer Diebesbande zusammenschließen. Doch ist der Roman auch heute noch ein Leseerlebnis wert? Wir beleuchten die Stärken und Schwächen dieses Buches, das eine Brücke zwischen Realität und Fantasie schlägt.

Die Handlung: Zwischen Detektiv und Diebesgilde

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen die Brüder Prosper und Bo, die vor ihrer Tante Esther fliehen und Unterschlupf in Venedig finden. Dort geraten sie an eine Gruppe von Waisenkindern, die unter der Führung des mysteriösen “Diebeslords” Scipio ein eigenständiges Leben führen. Scipio und seine Bande berauben die Reichen und leben im Verborgenen, unterstützt von der gutmütigen Ida. Als der clevere Detektiv Victorzina beginnt, den Kindern auf die Spur zu kommen, entwickelt sich ein spannendes Katz-und-Maus-Spiel.

Die Erzählperspektive wechselt geschickt zwischen den Kindern und dem Detektiv, was dem Roman eine zusätzliche Spannung verleiht. Man fiebert mit den Kindern mit, hofft, dass sie ihre Tante doch nicht falsch einschätzen, und bangt gleichzeitig, dass Victor sie entdecken könnte.

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Charaktere und Beziehungen: Ein facettenreiches Ensemble

Cornelia Funke versteht es meisterhaft, komplexe Charakterbeziehungen darzustellen. Besonders die Dynamik innerhalb der Kinderbande und die geheimnisvolle Identität von Scipio fesseln die Leser.

Ein herausragendes Merkmal des Romans ist die Darstellung der Kinder untereinander. Ihre Loyalität, ihre Ängste und ihre Träume spiegeln sich in ihren Interaktionen wider. Die Enthüllung von Scipios wahrer Identität gelingt Funke auf überraschende Weise, die selbst erfahrene Leserinnen und Leser in Erstaunen versetzt.

Besonders hervorzuheben ist die Figur der Ida, die durch ihre Geduld und ihr Verständnis für die Kinder besticht. Sie hilft ihnen, obwohl sie es nicht müsste, und verkörpert eine wohlwollende Präsenz in einer oft rauen Welt. Im Gegensatz dazu steht Esther, die Tante der Jungen, deren egoistische und unsensible Art beim Leser Unbehagen hervorruft.

Die Magie der Wendung: Ein Hauch von Fantasie

Gegen Ende des Romans nimmt die Geschichte eine überraschende Wendung: Ein magisches Element tritt auf. Obwohl die Autorin die Leser durch die Erwähnung einer “leichten Fantasy-Wendungen” darauf vorbereitet, ist die tatsächliche Umsetzung überraschend.

Diese magische Komponente fügt dem Plot eine weitere Ebene hinzu, die sowohl unterhaltsam als auch leicht befremdlich wirken kann. Funke gelingt es jedoch, die Charaktere mit den Konsequenzen ihres Handelns umgehen zu lassen, was zu einem befriedigenden Ende führt.

Sprachstil und Anmerkungen: Kritische Betrachtung

Trotz der vielen Stärken gibt es auch Aspekte, die kritisch betrachtet werden können. Der Schreibstil, der in “Tintenherz” beispielsweise als stärker empfunden wird, wirkt hier und da noch nicht ganz ausgereift. Die Ich-Perspektive in den Kapiteln über die Kinder hätte tiefer in ihre Gedankenwelt eintauchen können. Stattdessen verbleibt die Erzählung oft auf einer oberflächlichen Ebene, die Aktionen und Reaktionen beschreibt, aber selten die inneren Prozesse der Charaktere beleuchtet.

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Besonders auffällig sind die sprachlichen Besonderheiten: Der Gebrauch von Schimpfwörtern und Beleidigungen, auch durch Kinder, ist in “Der Dieb und die Geister” präsenter, als man es von einem Jugendbuch erwarten würde. Die wiederholte Verwendung von Kraftausdrücken und abfälligen Bezeichnungen wie “aufgeblasener Frosch” oder “fette Kröte” könnte bei jungen, nachahmenden Lesern problematisch sein.

Ebenso überraschend ist die häufige Präsenz von Schusswaffen, die teilweise von Kindern geführt werden. Angesichts der Veröffentlichung im Jahr 2000 mag dies im kulturellen Kontext der damaligen Zeit erklärbar sein, wirkt aber aus heutiger Sicht, 2022, bemerkenswert.

Fazit: Ein Klassiker mit kleinen Schwächen

Trotz einiger kritischer Anmerkungen bleibt “Der Dieb und die Geister” ein fesselnder Jugendroman, der mit seiner spannenden Handlung, den vielschichtigen Charakteren und der atmosphärischen Kulisse Venedigs überzeugt. Die Geschichte überrascht immer wieder und bietet eine unterhaltsame Lektüre.

Auch wenn der Roman nicht zu den persönlichen Favoriten zählt und mit 3 von 5 Sternen bewertet wird, ist er dank seines niedrigen Preises und der Möglichkeit, ihn in Bibliotheken auszuleihen, eine klare Leseempfehlung wert. Die Geschichte ist eine lohnende Entdeckung für alle, die auf der Suche nach einem Abenteuer mit Herz und einem Hauch von Magie sind. Für ein tieferes Eintauchen in die Welt von Cornelia Funke und ihren Charakteren, empfehlen wir auch einen Blick auf Bücher wie “Tintenherz”.

Inhaltliche Warnung (Content Advisory)

Dieser Roman eignet sich für reife Kinder ab etwa 10 Jahren, die bereits mit ähnlichen Themen vertraut sind. Vorsicht ist geboten bei Kindern, die zur Nachahmung neigen, da der Roman eine bemerkenswerte Menge an negativen Wörtern und Beschimpfungen enthält.

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Sprache: Der Gebrauch von Kraftausdrücken wie “Hölle”, “verdammt”, “Mist” und “Gott” kommt vor. Beleidigungen wie “aufgeblasener Frosch”, “lügnerischer Haufen Müll” oder abfällige Bezeichnungen für Übergewichtige sind ebenfalls enthalten. Kinder werden aufgefordert, “halt die Klappe”.

Gewalt: Es gibt Szenen körperlicher Auseinandersetzungen, blutiger Nasen und Kratzer. Drohungen mit Waffen, das Abfeuern eines Gewehrs auf ein Boot und das Zielen mit einer funktionslosen Pistole auf Kinder kommen vor. Ein Kind droht, eine Waffe auf einen Erwachsenen zu richten. Eine Frau schleift ein Mädchen an den Haaren, und Hunde werden als Bedrohung eingesetzt.

Sonstiges: Die Tante und der Onkel der Protagonisten kümmern sich wenig um Kinder, es sei denn, sie sind niedlich und benehmen sich wie Erwachsene. Ein Vater ist wiederholt herablassend und verbal unfreundlich zu seinem Sohn. Ein erwachsener Detektiv wird gefesselt. Alkoholkonsum (Portwein) wird erwähnt. Die Geschichte thematisiert Diebstahl und Lügen. Ein Kind ist wiederholt wegen Taschendiebstahls auffällig.

Magie: Ab der Mitte des Buches taucht ein magisches Element auf.