Der ewige Rekord: Als Hertha BSC Bundesliga-Geschichte schrieb

In der über 120-jährigen Vereinsgeschichte von Hertha BSC erinnern sich die Herthaner an zahlreiche bemerkenswerte Spiele. Eines davon, das am 26. September 1969 stattfand, schrieb Bundesliga-Geschichte. Im Rahmen des 6. Spieltages der Erstligasaison 1969/70 trug sich Hertha BSC bei seiner Heimpartie gegen den 1. FC Köln in die Rekordlisten der Bundesliga ein. Den knappen 1:0 (0:0)-Erfolg gegen die Kölner verfolgten unfassbare 88.075 Zuschauer im ausverkauften Berliner Olympiastadion – eine Zahl, die bis heute als absoluter Zuschauerrekord für ein Bundesligaspiel im Stadion Bestand hat. Dieses Ereignis ist ein faszinierendes Kapitel der hertha bsc news und der deutschen Sportgeschichte, das die Leidenschaft der Fans und die Bedeutung des Fußballs für Berlin widerspiegelt.

Die Vorgeschichte: Herthas Weg in ein Spitzenspiel

Das Jahr nach dem Wiederaufstieg in die Bundesliga hatte Hertha BSC mit einem 14. Platz abgeschlossen. Die Saison 1969/70 begann jedoch vielversprechender. Zwei Heimsiege gegen Duisburg (1:0) und Aachen (2:1) sorgten für einen guten Start, auch wenn zwei Auswärtsniederlagen bei 1860 München (0:2) und Rot-Weiss Essen (2:5) die Euphorie etwas dämpften. Doch am 5. Spieltag folgte ein überzeugender 4:1-Sieg beim VfB Stuttgart, dem Fünften der Vorsaison. Hertha kletterte damit auf Rang acht. Die anstehende Partie gegen den fünftplatzierten 1. FC Köln, die nicht nur das 100. Bundesligaspiel, sondern auch das 50. Heimspiel von Hertha BSC markierte, konnte somit fast schon den Anspruch eines Spitzenspiels erheben und zog die Massen in ihren Bann. Ein Blick auf die bundesliga 22 23 zeigt, wie sich die Liga über die Jahrzehnte entwickelt hat, doch die Begeisterung von damals bleibt unvergleichlich.

Das Spiel: Eine elektrisierende Atmosphäre im Olympiastadion

Schon im Vorverkauf deutete sich an, dass die Marke von 80.000 Zuschauern an diesem historischen Freitagabend durchbrochen werden könnte. Mutige Optimisten rechneten sogar mit einer Einstellung des damaligen Bundesligarekords von 85.411 Zuschauern, der am 21. September 1963 ebenfalls bei einem Spiel gegen den 1. FC Köln aufgestellt wurde. Und tatsächlich: An diesem Abend strömten 88.075 Zuschauer in das Berliner Olympiastadion, um die Begegnung zwischen Hertha BSC und dem 1. FC Köln zu verfolgen und Teil eines neuen Bundesliga-Zuschauerrekords zu werden – ein unvergessliches Erlebnis für jeden, der dabei war.

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Hertha legte vor dieser atemberaubenden Kulisse sofort engagiert los. In der 14. Minute schlug Bernd Patzke von der linken Außenbahn einen glänzenden Seitenwechsel auf rechts, wo Lothar “Wanze” Groß eine Flanke auf Lorenz Horr schlug. Horr nahm den Ball geschickt an und spielte ihn auf Arno Steffenhagen weiter, dessen Flachschuss jedoch vom zweifachen Nationaltorwart Manfred Manglitz pariert wurde. Die Gäste aus dem Rheinland, darunter gefährliche Spieler wie Carl-Heinz Rühl, Bernd Rupp, Wolfgang Overath und Hannes Löhr, forderten die starke Berliner Hintermannschaft mehrfach heraus. In der 24. Minute hatten die Herthaner Glück, denn nur der Außenpfosten verhinderte einen Rückstand.

Manglitz: Der unüberwindbare Kölner Keeper

Nach einer halben Stunde verzeichnete Hertha BSC seine bis dahin beste Chance. Hans-Joachim Altendorff zog aus über dreißig Metern Torentfernung einfach ab und schoss den Ball mit viel Wucht und Präzision in Richtung Kölner Tor. Doch Manglitz lenkte den Ball mit einer Weltklasseparade zur Ecke. Nur wenige Augenblicke später stand Manglitz erneut im Mittelpunkt. Bei einem Flankenball stieg der FC-Keeper gemeinsam mit Lorenz Horr in die Luft und packte den Ball sicher zu. Doch Horr sank unter Schmerzen zu Boden. Bei dieser Aktion verletzte sich der Berliner schwer (Schultereckgelenkssprengung) und musste ausgewechselt werden. Für Horr kam der 32-jährige Routinier Franz Brungs auf den Platz.

Das schwungvolle Spiel von Hertha erlitt durch die Auswechslung einen leichten Dämpfer, doch die Kölner wussten diese Schwächephase nicht zu nutzen, sodass es torlos in die Pause ging. Der Pausentee tat den Blau-Weißen sichtlich gut, denn sie starteten nach dem Wiederanpfiff mit vollem Tatendrang und setzten zu einem Sturmlauf auf das Gästetor an. In der 53. Spielminute herrschte große Konfusion im FC-Strafraum: Wolfgang Gayer schoss aus wenigen Metern Torentfernung, Manglitz lenkte den Ball an den Pfosten, und Brungs stand beim Abpraller goldrichtig und setzte seinen Nachschuss hinterher. Doch wieder war es Manglitz, der sich als nicht zu überwinden erwies. Der Kampfgeist, der in Spielen wie denen von dortmund bundesliga bis heute sichtbar ist, war auch hier spürbar.

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Gayer erlöst das Olympiastadion: Ein Tor für die Geschichtsbücher

Doch die Herthaner ließen nicht locker und setzten die “Geißböcke” weiter unter Druck. Manglitz diskutierte noch ausgiebig mit Schiedsrichter Alfons Betz über dessen Entscheidung bezüglich des achten Eckballs der Berliner. Steffenhagen führte ihn schnell aus und flankte in die Mitte, wo Gayer unbewacht wartete, dem heranfliegenden Ball entgegensprang und ihn auf das Tor köpfte. Manglitz reagierte zu spät, und endlich stand es 1:0 für Hertha BSC! Das prall gefüllte Olympiastadion bebte vor Freude und Erleichterung!

Zunächst gelang es den Herthanern noch, die Führung sicher zu verwalten, doch in der letzten Viertelstunde setzte Köln zu einer vehementen Schlussoffensive an. Löhr beförderte einen Kopfball auf das Hertha-Tor, Rupp ging im Strafraum gegen Wild zu Boden, doch der Elfmeterpfiff blieb aus. Schließlich tauchte Rupp noch einmal alleine vor Gernot Fraydl auf, der aus seinem Tor kam und dem Kölner Angreifer den Ball abgrätschte. Die Hausherren verschafften sich nur noch mit Kontern und Distanzschüssen Luft. Als dann der herbeigesehnte Schlusspfiff ertönte, kannte der Jubel im Olympiastadion keine Grenzen mehr. Hertha BSC verbrachte die Nacht zum 27. Geburtstag des verletzt ausgeschiedenen Horr auf dem zweiten Tabellenplatz. Solche legendären Spiele sind ein fester Bestandteil der deutschen Fußballkultur, die auch internationale Stars wie ronaldo 2002 immer wieder begeistert hat.

Die historische Einordnung: Ein Rekord für die Ewigkeit

Die Saison 1969/70 war für Hertha BSC insgesamt eine sehr erfolgreiche. Nach einer guten Hinrunde avancierte das Team nach der Winterpause sogar zur stärksten Mannschaft der Rückserie, sodass am Ende ein herausragender dritter Tabellenplatz heraussprang – der bis dahin mit Abstand beste Saisonabschluss der Herthaner seit Bestehen der Bundesliga. Doch was dieses Spiel am 26. September 1969 so einzigartig macht, ist der Rekord von 88.075 zahlenden Zuschauern, der bis zum heutigen Tage Bestand hat und ein Zeugnis der tiefen Verbundenheit zwischen dem Verein und seinen Fans ist. Dieses Ereignis ist ein leuchtendes Beispiel für die Faszination des Fußballs und ein unvergesslicher Moment in der Geschichte des deutschen Sports.

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Stimmen zur Partie: Spieler und Verantwortliche im Rückblick

Die Emotionen nach diesem historischen Spiel waren spürbar:

  • Wolfgang Gayer (Herthas Torschütze): “Bei Steffis Eckball dachte ich, als Weber und Brungs nicht an das Leder herankamen, jetzt oder nie und flog in den Ball hinein. Wenn der Manglitz den auch noch gehalten hätte… Aber zum Glück hat er nicht.”
  • Wolfgang Overath (Spieler vom 1. FC Köln): “Es war schön, vor einer solchen Kulisse spielen zu dürfen.”
  • Wolfgang Holst: “Ich bin glücklich wie ein Schuljunge.”
  • Manfred Manglitz (Torwart vom 1. FC Köln): “Hoffentlich ist der Lorenz Horr bald wieder dabei. Es tut mir leid, aber wir waren beide im Sprung, ich konnte nichts dafür. Ich glaube Hertha wird im Olympiastadion – übrigens ein tolles Publikum – kaum ein Spiel verlieren.”

Dieses Spiel bleibt ein Denkmal der deutschen Fußballgeschichte und zeigt, wie sehr der Sport die Menschen in Berlin und darüber hinaus bewegt. Wer heute die Atmosphäre im Stadion erleben möchte, kann dies bei live fußball heute immer noch tun, auch wenn dieser spezielle Rekord bis heute unerreicht bleibt.

Das Spiel im Detail: Stenogramm einer denkwürdigen Begegnung

  • Termin: 26. September 1969, Freitag, 20.00 Uhr
  • Wettbewerb: 1. Bundesliga, Saison 1969/1970, 6. Spieltag
  • Aufstellungen:
    • Hertha BSC: Gernot Fraydl – Peter Enders, Lothar Groß, Bernd Patzke, Uwe Witt – Hans-Joachim Altendorff (80. Hermann Bredenfeld), Wolfgang Gayer, Tasso Wild – Lorenz Horr (34. Franz Brungs), Werner Ipta, Arno Steffenhagen
    • 1. FC Köln: Manfred Manglitz – Peter Blusch, Matthias Hemmersbach, Wolfgang Weber – Werner Biskup (87. Wolfgang Riemann), Heinz Flohe (77. Karl-Heinz Thielen), Wolfgang Overath, Heinz Simmet – Hannes Löhr, Carl-Heinz Rühl, Bernd Rupp
  • Tor: 1:0 Gayer (63.)
  • Gelbe Karten: Fehlanzeige
  • Schiedsrichter: Alfons Betz
  • Spielort: Olympiastadion, Berlin
  • Zuschauer: 88.075