Herzinfarkt Diagnose: Schnelle Erkennung rettet Leben

Ein Herzinfarkt, medizinisch als Myokardinfarkt bezeichnet, erfordert sofortiges Handeln. Die Zeitspanne für eine erfolgreiche Behandlung ist auf wenige Stunden begrenzt, da verstopfte Gefäße idealerweise innerhalb von etwa 1,5 Stunden nach dem Ereignis wieder geöffnet werden sollten. Während massive Symptome wie Schmerzen und Engegefühl in der Brust oft auf einen Herzinfarkt hindeuten, verläuft fast jeder zweite Infarkt “stumm” und zeigt keine eindeutigen Anzeichen. Eine präzise Diagnose ist daher lebensrettend und erfordert die schnelle und genaue Bewertung verschiedener medizinischer Parameter.

Warum eine schnelle Herzinfarkt-Diagnose entscheidend ist

Bei einem Herzinfarkt zählt jede Minute. Je länger die Blutversorgung zum Herzen unterbrochen ist, desto massiver sind die Schäden am Herzmuskelgewebe. Leider wird eine frühzeitige Diagnose oft verzögert, weil die ersten Symptome eines Herzinfarkts unterschätzt werden. Besonders bei Frauen können die Anzeichen so unspezifisch sein, dass ein Herzinfarkt nicht sofort erkannt wird, was eine adäquate Behandlung verhindert und das Herz dauerhaft schädigt.

Viele Betroffene berichten von einem allgemeinen Unwohlsein oder einem diffusen Druck in der Brust, die aus Scham oder Bagatellisierung oft ignoriert werden. Erst wenn plötzlich heftige Oberbauchschmerzen auftreten, wird nicht selten die Diagnose Herzinfarkt gestellt.

Nehmen Sie körperliche Veränderungen stets ernst. Ältere Menschen neigen dazu, Symptome wie Schwindel, Müdigkeit oder allgemeine Schwäche ihrem Alter oder Medikamentennebenwirkungen zuzuschreiben. Dabei können sich dahinter ernsthafte Herzprobleme verbergen. Eine unerkannte Herzschwäche (medizinisch: Herzinsuffizienz) kann so unbemerkt voranschreiten und im schlimmsten Fall zu einem Herzinfarkt führen. Bei anhaltenden oder besorgniserregenden Veränderungen im Alltag ist ein frühzeitiges Gespräch mit einem Arzt unerlässlich, um die Ursache schnell und sicher abzuklären. Gegebenenfalls kann auch ein Anspruch auf einen Pflegegrad geprüft werden, um die notwendige Unterstützung zu erhalten.

Weiterlesen >>  Mineralstoffe in Lebensmitteln: Ein umfassender Ratgeber für Ihre Gesundheit

Die Säulen der Herzinfarkt-Diagnostik: Was Ärzte benötigen

Um eine eindeutige Herzinfarkt-Diagnose zu stellen, stützen sich Ärzte auf eine Kombination grundlegender Patienteninformationen:

  1. Anamnese: Das umfassende Gespräch über die Krankengeschichte und das aktuelle Befinden des Patienten.
  2. Elektrokardiogramm (EKG): Die Aufzeichnung der elektrischen Herzaktivität.
  3. Blutwerte: Die Analyse spezifischer Marker im Blut.

Herzinfarkt erkennen mit dem EKG: Einblick in die Herzaktivität

Das Elektrokardiogramm (kurz: EKG) ist die wichtigste Untersuchung bei Verdacht auf einen akuten Herzinfarkt und sollte idealerweise innerhalb der ersten zehn Minuten durchgeführt werden. Es ermöglicht dem Arzt, schnelle und wichtige Hinweise auf den Ort, den Zeitpunkt und das Ausmaß des Infarktes zu gewinnen.

Wie funktioniert ein EKG?
Unser Herz schlägt durch elektrische Impulse, die sich im EKG messen und als Kurve darstellen lassen. Ein gesundes Herz zeigt dabei ein regelmäßiges Muster aus Wellen, Zacken und Strecken, die zur besseren Unterscheidbarkeit mit Buchstaben bezeichnet werden. Die Messung erfolgt unkompliziert mittels Elektroden, die auf die Haut geklebt werden. Innerhalb von Sekunden liefert das EKG ein klares Bild – bei einem Herzinfarkt ist dieses oft charakteristisch verändert, beispielsweise durch eine Erhöhung der ST-Strecke.

Lässt sich ein Herzinfarkt im EKG rückwirkend erkennen?
Veränderungen durch einen Herzinfarkt können teilweise ein Leben lang im EKG nachweisbar sein. Insbesondere stumme Herzinfarkte, die von den Betroffenen nicht bewusst wahrgenommen wurden, hinterlassen Spuren am Herzmuskelgewebe. Diese Zerstörung zeigt sich an spezifischen Veränderungen der Zacken im EKG, selbst Jahre nach dem Ereignis.

Wichtige Blutwerte bei einem Herzinfarkt: Biomarker der Herzschädigung

Ja, ein Herzinfarkt lässt sich auch im Blutbild erkennen. Die Diagnose Herzinfarkt kann durch die Untersuchung des Blutes gesichert werden, da beim Absterben von Gewebe, wie es bei einem Herzinfarkt der Fall ist, spezifische Abfallprodukte entstehen, die im Blut nachweisbar sind.

Zu diesen wichtigen Biomarkern zählen:

  • CKMB (Creatinkinase-MB): Ein bestimmtes Enzym, das hauptsächlich im Herzmuskelgewebe vorkommt.
  • GPBB (Glykogen-Phosphorylase BB): Ein Enzym, das unter anderem im Herzen vorhanden ist.
  • Kardiales Troponin: Ein Eiweißstoff, der bei Herzschädigungen in das Blut freigesetzt wird.
Weiterlesen >>  Medizinstudium ohne Abitur: Dein Weg zum Traumberuf im Gesundheitswesen

Diese Enzyme lassen sich im Blut nachweisen und sind bei einem Herzinfarkt verändert, was zusammen mit dem EKG eine zuverlässige Diagnose ermöglicht. Insbesondere das kardiale Troponin spielt hierbei eine zentrale Rolle, da es Herzschädigungen sehr sensibel anzeigen kann. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der Troponin-Wert auch durch andere Funktionsstörungen des Körpers oder nach starker körperlicher Belastung kurzzeitig ansteigen kann. Eine verlässliche Herzinfarkt-Diagnose erfordert daher stets die Betrachtung aller klinischen Faktoren.

Der Troponin-Schnelltest: Schnelle Sicherheit bei Herzinfarkt-Verdacht

Der Troponin-Test ist ein unverzichtbarer Herzinfarkt-Schnelltest in der Notfallmedizin. Er ermöglicht Ärzten, innerhalb einer Stunde, manchmal sogar schneller, die Diagnose Herzinfarkt zu sichern oder auszuschließen. Dieser Test wird insbesondere bei Patienten mit Herzinfarkt-Verdacht empfohlen, deren EKG keine eindeutigen Rückschlüsse zulässt.

Bleiben die Troponinwerte konstant in einem unbedenklichen Bereich, ist ein Herzinfarkt eher unwahrscheinlich. Erhöhte Troponinwerte im Blut deuten jedoch auf eine Herzschädigung hin. Die Ursache muss dabei nicht zwingend ein Infarkt sein; auch andere Erkrankungen und Ereignisse wie bestimmte Herzrhythmusstörungen, eine Lungenembolie oder ein septischer Schock können den Troponin-Spiegel erhöhen. Die genaue Ursache kann in einem Krankenhaus mittels moderner medizinischer Möglichkeiten jedoch meist schnell gefunden und behandelt werden. Zögern Sie daher bei Herzbeschwerden niemals und suchen Sie frühzeitig einen Arzt auf, um schnellstmöglich Hilfe zu erhalten.

Wann Blutdruck und Puls keine eindeutigen Hinweise liefern

Blutdruck bei einem Herzinfarkt

Obwohl Bluthochdruck (Hypertonie) ein bekannter Risikofaktor für einen Herzinfarkt ist, ist der aktuelle Blutdruckwert für die akute Feststellung eines Infarkts nicht wirklich aussagekräftig. Der Blutdruck kann vor, während oder nach einem Herzinfarkt niedrig, normal oder auch aufgrund der extremen Stresssituation erhöht sein. Ein dauerhaft hoher Blutdruck bleibt jedoch immer ein Herzinfarkt-Risikofaktor, da er zu Schäden an den Gefäßwänden führt.

Weiterlesen >>  Cholesterin senken: Lebensmittel für eine herzgesunde Ernährung

Puls bei einem Herzinfarkt

Einen Herzinfarkt allein am Puls zu erkennen, ist ebenfalls nicht möglich. Ein schneller oder langsamer Puls ist kein direktes Indiz für das Vorliegen eines Herzinfarktes. Durch den unmittelbaren Stress einer lebensbedrohlichen Infarktsituation kann der Betroffene Herzrasen empfinden und einen schnelleren Puls haben, aber ebenso kann sich der Puls verlangsamen.

Ergänzende Diagnostik zur umfassenden Beurteilung

Nach der initialen Herzinfarkt-Diagnose durch EKG und Laborwerte können weitere Untersuchungen notwendig sein, um die Situation in den Herzkranzgefäßen genau darzustellen und therapeutische Schritte einzuleiten:

  • Koronarangiografie: Hierbei wird ein flexibler Schlauch (Katheter) in die Herzkranzgefäße eingeführt. Mithilfe eines Kontrastmittels lassen sich die Koronararterien sichtbar machen, wodurch der Arzt Verengungen oder Verschlüsse erkennen kann. Dieses Verfahren kann auch direkt zur Herzinfarkt-Therapie genutzt werden.
  • Echokardiografie: Eine Ultraschalluntersuchung des Herzens liefert detaillierte Informationen über die Herzfunktion, die Herzklappen und mögliche Schäden am Herzmuskel.
  • Magnetresonanztomografie (MRT): Die MRT ermöglicht eine hochauflösende Darstellung der Organe des Körpers, sodass auch kleinste Veränderungen am Herzen präzise erkennbar sind.

Fazit

Die schnelle und präzise Diagnose eines Herzinfarkts ist von entscheidender Bedeutung für den Behandlungserfolg und die Prognose des Patienten. Während massive Symptome oft alarmierend sind, dürfen unspezifische oder “stille” Anzeichen, insbesondere bei Frauen und älteren Menschen, nicht ignoriert werden. Die Kombination aus Anamnese, Elektrokardiogramm (EKG) und der Bestimmung spezifischer Blutwerte, allen voran des kardialen Troponins, bildet die Grundlage für eine sichere Herzinfarkt-Diagnose. Bei jedem Verdacht auf Herzbeschwerden sollte umgehend medizinische Hilfe in Anspruch genommen werden. Zögern Sie nicht – Ihre schnelle Reaktion kann Leben retten!

Referenzen

(1) R. N. Sweis & A. Jivan (2022): Akuter Myokardinfarkt
www.msdmanuals.com/de-de/profi/herz-kreislauf-krankheiten/koronare-herzkrankheit/akuter-myokardinfarkt-mi (letzter Abruf am 23.11.2023)

(2) European Society of Cardiology (ESC) & Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) (2017): Therapie des akuten Herzinfarktes bei Patienten mit ST-Streckenhebung (STEMI)
https://leitlinien.dgk.org/2018/pocket-leitlinie-therapie-des-akuten-herzinfarktes-bei-patienten-mit-st-streckenhebung-stemi-version-2017/ (letzter Abruf am 23.11.2023)

(3) Deutsche Herzstiftung (2019): Herzinfarkt-Diagnose: neuer Schnelltest für mehr Therapiesicherheit
www.herzstiftung.de/service-und-aktuelles/presse/pressemitteilungen/archiv/herzinfarkt-diagnose-neuer-schnelltest-fuer-mehr (letzter Abruf am 23.11.2023)