Deutschland entdecken: “Die Herdmanns beim Krippenspiel” – Eine tiefgründige Theatererfahrung in Hannover

Wer Deutschland entdecken möchte, taucht unweigerlich in seine reiche Kulturlandschaft ein, die weit über historische Sehenswürdigkeiten hinausgeht und auch moderne Bühnenkunst umfasst. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist das Familienstück “Die Herdmanns beim Krippenspiel” am Schauspiel Hannover. Diese Uraufführung aus dem Jahr 2012, basierend auf Barbara Robinsons beliebtem Roman, inszeniert von David Gieselmann und Hanna Müller, bietet nicht nur unterhaltsame Weihnachtsstimmung, sondern auch eine scharfsinnige sozialkritische Betrachtung. Es ist ein Stück, das die Kontraste zwischen der biblischen Weihnachtsgeschichte und den Herausforderungen einer verwahrlosten Familie kunstvoll miteinander verbindet und so eine einzigartige Perspektive auf das Leben in Deutschland offenbart.

Die Herdmanns: Zwischen Bibel und Sozialkritik

Die Geschichte beginnt mit einem scheinbaren Gegensatz: der vertrauten biblischen Erzählung von der Geburt Jesu und dem Chaos der Herdmann-Kinder, die als die “schlimmsten Kinder aller Zeiten” gelten – rauchend, stehlend und schmutzige Witze erzählend. Barbara Robinson schuf in den 70er Jahren eine literarische Fantasie, in der diese Außenseiter eine Kirchengemeinde kapern und kurzerhand alle Hauptrollen des Krippenspiels übernehmen. Die Adaption von Komödienmacher David Gieselmann und Regisseurin Hanna Müller verlagert diese Erzählung nicht nur nach Hannover, sondern würzt sie auch mit prolligem Vokabular und satirischen Anspielungen auf die mediale Vermarktung der sogenannten Unterschicht. Das Ergebnis ist ein Familiendrama, das sowohl zum Lachen als auch zum Nachdenken anregt und ein authentisches Stück deutscher Bühnenkultur darstellt.

Eine Neubewertung der “schlimmsten Kinder”

Die Inszenierung in Hannover räumt gekonnt mit einem Missverständnis auf: Die Herdmanns sind keine verklärten, pippilangstrümpfigen Anarchisten, die aus Langeweile gegen die spießbürgerliche Saturiertheit rebellieren. Vielmehr sind sie eine Reflexion gesellschaftlicher Ohnmacht. Sie stiften zwar Unfug und brechen Routinen auf, doch ihre “Machtdemonstrationen” – vom Abziehen Mitschüler bis zur brutalen Gangkultur im Viertel – entspringen keiner heldenhaften Rebellion, sondern einem verzweifelten Kampf gegen die eigene soziale Benachteiligung. Die Angst, die sie bei den Mittelstandskindern auslösen, ist wohlbegründet und wird von den Darstellern eindrücklich vermittelt. Karikierende Kostüme, von Secondhand-Klamotten für die Herdmanns bis zu spießigen Rautenpullovern für die Kleinbürgereltern, verstärken die äußere Komik, während darunter der Ernst einer gesellschaftlich auseinanderbrechenden Welt brodelt. Diese Darstellung liefert einen packenden Einblick in soziale Dynamiken, die man beim Deutschland entdecken aufmerksam beobachten kann.

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Eskalation und Integration: Ein theatralischer Balanceakt

Gieselmann gelingt es meisterhaft, die Eskalation der Situation zu parallelisieren. Während die “Gutmensch”-Eltern an Round-Table-Abenden Reflexe wie Rufe nach “Bürgerwehr, Polizei” oder wütende Forderungen nach Vernichtung (“man muss sie töten!”) von sich geben, experimentieren die angegriffenen Herdmanns daheim mit einem Chemiebaukasten – einem Geschenk des Streetworkers. Diese scharfen Zuspitzungen ermöglichen es der Komödie, auch die Wendung in den “Integrationskitsch” nach der Pause überzeugend darzustellen. Ein simulierter Weihnachtsgottesdienst, begleitet von Orgelklängen, andächtigen Liturgieworten und dem gemeinsamen Gesang von “Es ist ein Ros’ entsprungen”, zieht das Publikum in seinen Bann. Der Höhepunkt ist das Krippenspiel der Herdmanns, das an Shakespeares “Sommernachtstraum”-Finale erinnert. Dieser theatralische Balanceakt, bei dem die “Handwerker” ihre Version einer Geschichte darbiegen, ist sowohl komisch – wegen der vermeintlich schlechten Darstellung – als auch zutiefst respektabel für die Liebe zum Theaterspiel und den Drang, sich auszudrücken.

Maria als Eugenia: Die Menschwerdung einer Familie

Die Herdmanns erzählen durch das Drama der Heiligen Familie letztlich ihre eigene Geschichte als “unheilige Familie”. Besonders Tochter Eugenia identifiziert sich vollständig mit der Rolle der Maria. Sie kämpft um die Rechte des Neugeborenen, vor allem um das Recht, einfach nur Kind sein zu dürfen – ein Recht, das ihr als Ersatzmutter und “Herdfrau” bisher verwehrt blieb. Damit bekommt die Krippenspielleiterin Recht mit ihrem Dokutheateransatz: “Meine Besetzung ist mein Regiekonzept, weil diese Kinder einen Sinn für Gerechtigkeit haben.” Das Stück zeigt auf eindrucksvolle Weise, dass nicht immer die Menschwerdung Gottes im Mittelpunkt stehen muss; auch die Menschwerdung der Comedy-Klischees vom asozialen Dasein kann eine hervorragende Weihnachtsgeschichte abgeben.

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“Die Herdmanns beim Krippenspiel” ist eine bedrohlich-rührende und dabei sehr unterhaltsame Inszenierung. Sie ist ein Beispiel für die vielfältige und oft zum Nachdenken anregende Theaterkultur, die man beim Deutschland entdecken erleben kann. Dieses Stück in Hannover bietet mehr als nur leichte Unterhaltung; es ist ein Spiegel gesellschaftlicher Realitäten und der universellen Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Anerkennung. Wer also das wahre kulturelle Herz Deutschlands ergründen möchte, sollte sich solche einzigartigen Bühnenerlebnisse nicht entgehen lassen. Planen Sie Ihre nächste Reise nach Deutschland und tauchen Sie ein in die fesselnde Welt des deutschen Theaters!