Helfergriffe im Gerätturnen: Sicherheit und Bewegungshilfe meistern

Im Gerätturnen ist das Helfen und Sichern ein fundamentaler Bestandteil, um die Sicherheit der Athleten zu gewährleisten und den Lernprozess optimal zu unterstützen. Es geht darum, eine Balance zwischen gezielter Hilfestellung und der Möglichkeit zur eigenständigen Bewegungserfahrung zu finden. Effektive Helfergriffe sind unerlässlich, um Turnende bei komplexen Bewegungen zu stabilisieren, Stürze zu verhindern und das Vertrauen in neue Elemente aufzubauen. Spiele für Turnen können dabei helfen, das Körpergefühl und die Koordination spielerisch zu verbessern, was wiederum die Effektivität der Bewegungshilfe steigert.

Allgemeine Hinweise für effektives Helfen und Sichern

Um als Helfer oder Helferin im Gerätturnen erfolgreich zu sein, müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllt und Prinzipien beachtet werden:

  • Körperliche Eignung: Die Helfenden müssen eine der Bewegungssituation entsprechende Körpergröße und Kraft aufweisen. Dies ist entscheidend, um im Bedarfsfall ausreichend Stütze oder Halt bieten zu können.
  • Gedankliches Mitvollziehen der Bewegung: Ein Helfer muss in der Lage sein, die Bewegung gedanklich mitzuvollziehen. Nur so kann er den idealen Zeitpunkt für die Hilfeleistung erkennen und antizipativ reagieren.
  • Praktisches Üben der Helfergriffe: Die Helfenden müssen entsprechende Helfergriffe zunächst üben. Eine solide Beherrschung der Technik ist notwendig, um schnell und präzise agieren zu können.
  • Schnelle und situationsgerechte Reaktion: Bei Sturzgefahr ist schnelles und situationsgerechtes Reagieren unerlässlich. Dies erfordert Aufmerksamkeit und eine klare Handlungsstrategie.
  • Vermeidung von Behinderung: Die Helfenden sollen den Turnenden nicht behindern. Die Hilfe soll unterstützend wirken und nicht die Ausführung der Bewegung stören.
  • Möglichkeiten zur eigenen Bewegungserfahrung: Es ist wichtig, den Turnenden Möglichkeiten zur eigenen Bewegungserfahrung zu lassen. Übermäßige Hilfe kann die Entwicklung des eigenen Körpergefühls und der Bewegungskompetenz hemmen.
  • Abbau der Hilfestellung: Mit zunehmendem Bewegungskönnen muss die unterstützende Hilfe bis zur bewegungsbegleitenden (mitgehenden) Bewegungssicherung abgebaut werden. Ziel ist die Selbstständigkeit des Turnenden.
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Die wichtigsten Helfergriffe im Detail

Die Wahl des richtigen Helfergriffs ist entscheidend für die Effektivität und Sicherheit der Hilfestellung. Hier sind die gängigsten Griffe:

Der Klammergriff

Der Klammergriff ist einer der wesentlichsten und am häufigsten angewandten Helfergriffe im Gerätturnen.

  • Ausführung: Der Helfer umklammert den Oberarm des Übenden mit beiden Händen so, dass die Finger beider Hände an der Innenseite des Oberarmes anliegen, während die Daumen den Doppelgriff an der Außenseite verschließen. Dieser Griff wird stets am Oberarm ausgeführt, um eine optimale Hebelwirkung und Kontrolle zu gewährleisten. Beim Klammergriff von der Seite sollte der Ansatz unter der Achsel am Oberarm erfolgen.
  • Anwendung: Am häufigsten wird der Klammergriff bei Sprüngen über den Bock, den Kasten und das Pferd angewandt. Er ist auch beim Stützschwingen am Barren und bei vielen Abgängen am Reck und am Barren unverzichtbar. Seine Stärke liegt in der festen, aber flexiblen Kontrolle, die er über den Oberkörper des Turnenden bietet.

Der Stütz(klammer)griff

Wie der Name schon sagt, findet der Stütz(klammer)griff primär bei Stützbewegungen Anwendung.

  • Ausführung: Beim Stütz(klammer)griff ist es entscheidend, dass kein Gelenk zwischen den beiden Griffen liegt, um eine stabile und sichere Unterstützung zu gewährleisten. Der Griff erfolgt ebenfalls am Oberarm, oberhalb des Ellenbogens. Die Hände des Helfers umschließen dabei fest den Oberarm, um die Stützposition zu sichern.
  • Anwendung: Dieser Griff ist ideal, um Turnende bei Stützübungen an Barren, Ringen oder anderen Geräten zu stabilisieren und zu verhindern, dass sie aus der Stützposition abkippen. Er vermittelt dem Turnenden ein Gefühl von Sicherheit und ermöglicht es, die Bewegung kontrollierter auszuführen.
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Der 1/2 Klammergriff

Der 1/2 Klammergriff ist eine Variation des Klammergriffs, die oft bei speziellen Bewegungen zum Einsatz kommt.

  • Ausführung: Hierbei wird der Oberarm des Turnenden nur mit einer Hand fixiert, während die andere Hand für zusätzliche Stabilisierung oder als Vorbereitung für einen Wechselgriff dienen kann.
  • Anwendung: Er kann als Hilfe beim Aufhocken verwendet werden, beispielsweise am Kasten oder Barren. Oft ist jedoch der Klammergriff mit zwei Helfern die sicherere und stabilere Variante, insbesondere bei Anfängern oder komplexeren Aufhockbewegungen, da er eine gleichmäßigere Unterstützung bietet.

Der Klammergriff als Drehgriff (vorwärts und rückwärts)

Der Klammergriff kann auch als Drehgriff modifiziert werden, um Rotationsbewegungen zu unterstützen und zu sichern.

  • Ausführung: Varianten dieses Griffs sind der Klammergriff vorwärts und der Klammergriff rückwärts. Dabei wird der Klammergriff so angesetzt und geführt, dass er die Drehachse des Turnenden stabilisiert und die Rotation kontrolliert einleitet oder abfängt.
  • Anwendung: Beide Formen dienen der Unterstützung und Sicherung von Drehbewegungen um die Breitenachse, wie beispielsweise Überschläge oder Luftrollen. Der Helfer kann durch gezieltes Führen und Stützen die Drehgeschwindigkeit und -richtung beeinflussen und so dem Turnenden helfen, die Bewegung präzise und sicher auszuführen.

Weiterführende Tipps zur Bewegungssicherung

Neben der Beherrschung der einzelnen Griffe spielen weitere Faktoren eine Rolle für eine umfassende Bewegungssicherung:

  • Kommunikation: Eine klare und präzise Kommunikation zwischen Helfer und Turnendem ist entscheidend. Anweisungen wie “halten”, “schieben” oder “loslassen” müssen unmissverständlich sein.
  • Vertrauensaufbau: Das Vertrauen des Turnenden in den Helfer ist die Basis jeder erfolgreichen Hilfestellung. Dies wird durch kompetente, ruhige und konsequente Unterstützung aufgebaut.
  • Progressiver Hilfeabbau: Die Hilfe sollte schrittweise abgebaut werden, sobald der Turnende mehr Sicherheit und Kontrolle über die Bewegung erlangt. Beginnen Sie mit aktiver Unterstützung und gehen Sie über zur bloßen Bereitschaft, einzugreifen.
  • Material- und Geräteprüfung: Vor jeder Turnstunde sollten die Geräte auf ihre Sicherheit und Funktionsfähigkeit überprüft werden.
  • Regelmäßige Schulungen: Helfer sollten regelmäßig an Schulungen teilnehmen, um ihre Kenntnisse über Techniken, neue Übungen und Sicherheitsstandards auf dem neuesten Stand zu halten.
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Fazit

Das Helfen und Sichern im Gerätturnen ist eine verantwortungsvolle Aufgabe, die Fachwissen, Geschick und Einfühlungsvermögen erfordert. Die korrekte Anwendung von Helfergriffen wie dem Klammergriff und seinen Variationen ist dabei von zentraler Bedeutung, um maximale Sicherheit zu gewährleisten und den Turnenden optimal in ihrer Entwicklung zu fördern. Durch fundiertes Wissen über die Techniken, kontinuierliches Training und eine bewusste Herangehensweise können Helfer einen unverzichtbaren Beitrag zur Freude und zum Erfolg im Gerätturnen leisten. Investieren Sie in Ihre Fähigkeiten als Helfer, um eine sichere und unterstützende Umgebung für alle Turnenden zu schaffen.