Der deutsche Fußball wurde Zeuge einer beispiellosen Eskalation der Fanproteste gegen Dietmar Hopp, den Mäzen der TSG 1899 Hoffenheim. Was als hitziges Bundesligaspiel zwischen dem FC Bayern München und Hoffenheim begann, mündete in einer gemeinsamen Protestaktion der Spieler und Verantwortlichen, die das Ausmaß der Spannungen im deutschen Profifußball deutlich machte. Die Vorfälle vom 29. Februar 2020 markierten einen traurigen Höhepunkt in einer bereits langwährenden Auseinandersetzung.
Nachdem Leon Goretzka das sechste Tor für den FC Bayern erzielt hatte, kam es in der 67. Minute zu einer ersten Spielunterbrechung. Bayern-Anhänger im Gästeblock zeigten beleidigende Banner, die Dietmar Hopp als „Hurensohn“ beschimpften. Zehn Minuten später erschien ein weiteres Banner mit einer ähnlichen Botschaft, woraufhin Schiedsrichter Christian Dingert das Spiel erneut unterbrach. Diese Aktion löste eine Welle der Empörung und der Solidarisierung mit Hopp aus, die weit über die Stadien hinausging. Im Kontext der deutschen Fußball-Bundesliga bundesliga transfergerüchte ist die Debatte um Werte und Kommerzialisierung seit Langem präsent.
Die Reaktionen: Empörung und Apologien
Die Reaktionen auf die Vorfälle waren unmittelbar und vehement. Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern, entschuldigte sich öffentlich bei Dietmar Hopp und sprach von einem „dunklen Tag für den Fußball“. Er kündigte harte Maßnahmen gegen die verantwortlichen Personen an, die „absolut keinen Platz in einem Fußballstadion haben“.
Dietmar Hopp selbst äußerte sich am Sonntag nach dem Vorfall im Interview mit Sport1 tief betroffen: „Wenn ich auch nur annähernd wüsste, was diese Idioten wollen, dann wäre es für mich leichter, es zu verstehen. Ich kann mir nicht erklären, warum sie mir gegenüber so feindselig sind. Das erinnert mich an dunkle Zeiten.“ Ein Gespräch mit den betreffenden Fans lehnte er als „sinnlos“ ab, da sie „in einer anderen Welt leben“.
Der Ligaverband (DFL) verurteilte die Angriffe scharf. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert sprach von einem „deprimierenden Höhepunkt“ der Anfeindungen und betonte, dass für Hass in jeglicher Form kein Platz sei. Auch DFB-Präsident Fritz Keller meldete sich zu Wort und verteidigte Hopps Engagement für Sport, soziale Projekte und Medizin. Er forderte ein klares Zeichen gegen Hass und Neid in der Gesellschaft.
Eine lange und eskalierende Auseinandersetzung
Die Banner der Bayern-Fans waren nur der jüngste Ausdruck einer langen Reihe von Protesten deutscher Fußballfans gegen Dietmar Hopp und die TSG Hoffenheim. Die Auseinandersetzung hatte sich in den Wochen und Monaten vor dem Bayern-Spiel dramatisch zugespitzt. Bereits im Juni 2019 wurden mehrere Fans von Borussia Dortmund zu hohen Geldstrafen verurteilt, weil sie Hopp-kritische Lieder gesungen und beleidigende Banner gezeigt hatten, darunter eines, das Hopps Gesicht in einem Fadenkreuz darstellte.
Die Dortmunder Fans erhielten zudem ein kollektives Auswärtsspielverbot für zwei Spiele in Hoffenheim, das bei Wiederholungstätern zur Anwendung kam. Als sie im Dezember erneut mit den Gesängen und Bannern auffielen, wurde die Strafe umgesetzt. Aus Solidarität mit den Dortmunder Anhängern zeigten Fans von Borussia Mönchengladbach in der Vorwoche ähnliche Fadenkreuz-Motive während ihres Spiels gegen Hoffenheim. Auch hier appellierten der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl und Kapitän Lars Stindl an die Fans, die Proteste einzustellen.
Am selben Spieltag, an dem das Spiel zwischen Hoffenheim und Bayern München stattfand, wurden auch im Westfalenstadion die Fans von Borussia Dortmund erneut vom Stadionsprecher ermahnt, ihre Hopp-Gesänge während des Spiels gegen Freiburg einzustellen. Später zeigten Kölner Fans bei ihrem Sieg gegen Schalke ein ähnliches Banner, was erneut zu Szenen führte, in denen Spieler und Trainer versuchten, die Fans zur Besinnung zu bringen. Die zunehmenden Proteste führten dazu, dass der Schiedsrichter bundesliga schiedsrichter bei mehreren Gelegenheiten das Spiel unterbrechen musste.
Hoffenheim gegen FC Bayern München
Am Sonntag wurde auch das Spiel von Union Berlin zweimal unterbrochen: zuerst wegen eines Banners, das die Kollektivstrafen des DFB kritisierte, dann wegen eines Fadenkreuz-Banners mit Hopps Gesicht und der Beleidigung „Hurensohn“. Nach der zweiten Unterbrechung, die der Drei-Stufen-Prozedur folgte, appellierte Stadionsprecher Christian Arbeit an die Fans, „den Kopf einzuschalten“, um einen Spielabbruch zu verhindern.
Wer ist Dietmar Hopp? Der umstrittene Förderer
Dietmar Hopp, Mitbegründer des deutschen Softwareunternehmens SAP und Milliardär, ist für viele deutsche Fußballfans eine umstrittene Figur. Er finanzierte den Aufstieg seines Heimatvereins TSG 1899 Hoffenheim von den regionalen Amateurligen bis in die Bundesliga und die Champions League mit über 350 Millionen Euro.
Im Juli 2015 erhielt Hopp eine Ausnahmegenehmigung von der deutschen 50+1-Regel. Diese besagt, dass die Vereinsmitglieder – und damit die Fans – 50 Prozent der Stimmrechtsanteile an einem Verein plus eine weitere Aktie kontrollieren müssen. Dadurch wird verhindert, dass externe Investoren Mehrheitsbeteiligungen an Fußballvereinen erwerben, wie es in anderen europäischen Ligen der Fall ist. Ausnahmen werden für Investoren gemacht, die nachweisen können, dass sie einen Verein über einen Zeitraum von 20 Jahren wesentlich und kontinuierlich unterstützt haben. Diese Regelung gilt neben Hoffenheim auch für Vereine wie Bayer Leverkusen und Wolfsburg hoffenheim wolfsburg.
Dennoch betrachten Fans der Mehrheit der anderen mitgliedergeführten Vereine in Deutschland das Hoffenheimer Eigentumsmodell als Verkörperung der empfundenen Überkommerzialisierung des Fußballs. Sie werfen dem Verein aus einem kleinen Dorf in der Rhein-Neckar-Region vor, ein künstliches Konstrukt zu sein, das seinen Platz in der Bundesliga unfairen finanziellen Mitteln verdankt, die anderen nicht zur Verfügung stehen.
Fans von Borussia Dortmund kritisieren Hoffenheim und Hopp
Die aktuelle Eskalation und die Kritik an den Vergleichen
Die Proteste, die oft die von Dortmunder Fans verwendeten Fadenkreuz-Bilder zeigten, waren seit Hoffenheims Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 2008 weit verbreitet, hatten aber bis zu den jüngsten Gerichtsverfahren gegen Dortmunder Fans nachgelassen. Seitdem sind sie intensiver denn je zurückgekehrt, und die Auseinandersetzung hat sich auf beiden Seiten zugespitzt.
Die Proteste der Borussia Mönchengladbach-Fans in der Vorwoche führten dazu, dass mehrere Vereinsfunktionäre, Kommentatoren und Medien direkte Parallelen zum rechtsextremistischen Terroranschlag in Hanau wenige Tage zuvor zogen, bei dem 11 Menschen starben. Die Proteste der Bayern-Fans in Hoffenheim wurden von ähnlichen Tönen begleitet. Die allgemeine Botschaft war, dass beide Formen von Angriffen durch denselben „Hass“ und dieselbe „Intoleranz“ in der Gesellschaft motiviert gewesen seien.
Diese Vergleiche stießen jedoch auf scharfe Kritik von Fan- und Antidiskriminierungsgruppen. Sie argumentieren, dass solche Verbindungen das Risiko bergen, die Debatte über die Eigentumsverhältnisse von Fußballvereinen zu sensationalisieren und gleichzeitig die Bedrohung durch den Rechtsextremismus in Deutschland zu verharmlosen. Kritiker stellten zudem die Frage, warum jüngste rassistische Vorfälle im deutschen Fußball, darunter Affenlaute gegen den Hertha-Spieler Jordan Torunarigha in Gelsenkirchen, nicht mit dem gleichen Aufschrei und der Androhung von Spielabbrüchen begegnet wurden. Dies legt die Vermutung nahe, dass Hopp bei den Fußballbehörden einen Grad an Schutz genießt, den andere nicht haben. Diese Doppelstandards sind ein wichtiges Thema im deutschen Fußball, ähnlich wie bei wichtigen Fußballereignissen em heute.
Dietmar Hopp (links) finanzierte den Aufstieg Hoffenheims
Fazit: Ein Appell für einen fairen Dialog
Die Fanproteste gegen Dietmar Hopp und die damit verbundene Eskalation haben den deutschen Fußball vor eine ernste Herausforderung gestellt. Sie verdeutlichen die tief verwurzelten Spannungen zwischen traditioneller Fankultur und der zunehmenden Kommerzialisierung des Sports. Während beleidigende und hasserfüllte Banner unzweifelhaft zu verurteilen sind, muss auch die zugrundeliegende Debatte über die Zukunft des Fußballs ernst genommen werden. Es bedarf eines fairen Dialogs und einer gemeinsamen Anstrengung aller Beteiligten – Fans, Vereine, Liga und Verband –, um Lösungen zu finden, die die Integrität des Sports wahren und gleichzeitig Raum für kritische Meinungsäußerung lassen. Nur so kann der deutsche Fußball seine einzigartige Fankultur bewahren und gleichzeitig ein klares Zeichen gegen jegliche Form von Hass und Diskriminierung setzen, um die aktuellen Entwicklungen im Fußball wm live zdf besser zu verstehen.
