In den letzten Jahren sind lange Spielunterbrechungen dank des VAR zu einem leider allzu vertrauten Bild in der Bundesliga geworden. Doch die Verzögerung während der zweiten Halbzeit des 1:1-Unentschiedens zwischen Borussia Mönchengladbach und der TSG Hoffenheim am Samstag hatte eine ernstere Natur. Sie war ein beunruhigendes Beispiel für Fanprobleme in der Bundesliga, die über rein sportliche Entscheidungen hinausgehen.
Ein Vorfall, der Wellen schlägt: Gladbach gegen Hoffenheim
Schiedsrichter Felix Brych, Deutschlands angesehenster Offizieller, unterbrach die Partie, um auf beleidigende Gesänge und ein Transparent zu reagieren, das Hoffenheim-Mäzen Dietmar Hopps Gesicht im Fadenkreuz zeigte. Es handelte sich um eine kleinere Version einer Darstellung, die bereits einige Fans von Borussia Dortmund in Schwierigkeiten gebracht hatte. Kapitän Lars Stindl ging zu den Ultras in der Nordkurve, um mit ihnen zu sprechen, während Fans im gesamten Stadion die lautstarken Elemente ihres Anhangs mit “Ultras raus”-Rufen konfrontierten.
Die Gladbacher Fangruppen bestanden darauf, dass die Gesänge auf einem Missverständnis beruhten, da der Stadionsprecher das für weite Teile der Nordkurve nicht sichtbare Transparent mit den jüngsten rassistisch motivierten Anschlägen in Hanau in Verbindung gebracht hatte, bei denen neun Menschen getötet wurden.
Klare Worte vom Verein: Max Eberls Reaktion
Borussias Sportdirektor Max Eberl nahm kein Blatt vor den Mund und nannte die Aktionen der Ultras “beschämend”. Der Verein veröffentlichte eine Erklärung, in der er sich von dem Transparent distanzierte. “Ich schäme mich für das Plakat mit dem Fadenkreuz. Das ist nicht Borussia Mönchengladbach, das widerspricht den Werten, für die wir als Verein stehen”, sagte Eberl. “Es geht um etwa 50 dumme Leute, die uns viel Schaden zugefügt haben. Solche Leute wollen wir nicht in unserem Stadion haben.” Er lobte jedoch die Reaktion des restlichen Stadions, “wie 99 Prozent der Stadionbesucher” reagiert hätten, und betonte: “Es ist wichtig, dass wir alle dagegen aufstehen.”
Legitime Anliegen und inakzeptable Ausdrucksformen
Fanorganisationen im ganzen Land sind oft sozial engagiert, viele vertreten progressive Politik und kümmern sich um den Erhalt der Vereins- und regionalen Identitäten. Viele sind der Meinung, diese Identitäten seien durch die Art der Kontrolle, die Hopp bei Hoffenheim ausübt, und das Eigentumsmodell von RB Leipzig bedroht. Diese Bedenken sind legitim und die Fans haben jedes Recht, sie zu äußern. Doch sie mit einem Transparent auszudrücken, das Gewalt gegen einen 79-jährigen Mann befürwortet – ob ernst gemeint oder nicht – ist ebenso falsch wie erbärmlich. Der Verein hatte Recht, eine klare Haltung gegen jene bornierten, geistlosen Elemente einzunehmen, die solche Plakate hochhalten und sich dann hinter Masken, Schals und Bannern verstecken, anstatt dazu zu stehen.
Plakat gegen Dietmar Hopp bei Borussia Mönchengladbach gegen Hoffenheim
DFB-Unterstützung und das größere Bild
Brych handelte richtig, indem er das Spiel unterbrach, und wurde in seinen Aktionen vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) unterstützt. Es ist zweifellos wichtig, dass alle zuständigen Behörden alles tun, um die Befürwortung von Gewalt oder Hass auf den Tribünen zu verhindern. Es ist ermutigend, dass die überwiegende Mehrheit der Fans dies ebenfalls tut.
Zuvor in der Woche riefen Fans von Preußen Münster “Nazis raus” und halfen der Polizei, einen Mann zu identifizieren und festzunehmen, der den Spieler Leroy Kwadwo vom gegnerischen Team Würzburg rassistisch beleidigt hatte. Am Donnerstag begannen Eintracht Frankfurt-Fans mit “Nazis raus”-Rufen, als einige Zuschauer vor dem Europa-League-Spiel gegen RB Salzburg eine Schweigeminute für die Opfer des Hanau-Anschlags störten. Eintracht Frankfurt Barcelona zeigte, dass ihre Fans für Werte stehen, die über den Sport hinausgehen.
Das sollte eigentlich nicht notwendig sein. Aber der Fußball, wie die Gesellschaft im Allgemeinen, hat eine bemerkenswerte Anzahl von Idioten. Wo es sicher ist, dürfen wir keine Angst haben, sie bloßzustellen und Fehlverhalten klar zu benennen.
