Das Abschlecken durch den Hund ist ein Verhalten, das bei uns Menschen oft gemischte Gefühle hervorruft – von belustigtem Lachen bis hin zu Unbehagen. Doch dieses scheinbar einfache Handeln ist in Wirklichkeit ein komplexer Teil der hündischen Kommunikation und Interaktion. Hunde nutzen ihre Zunge nicht nur zur grundlegenden Nahrungsaufnahme und Körperpflege, sondern vor allem auch für die soziale Verständigung. Da sie eine außergewöhnlich enge Bindung zu uns Menschen aufbauen, beziehen sie uns aktiv in diese Form der Kommunikation ein. Besonders Hände, Gesicht und Ohren sind dabei beliebte Ziele ihres Schlecker-Eifers.
Nicht selten führt dieses Verhalten jedoch zu Missverständnissen zwischen Mensch und Hund. Es fällt uns nicht immer leicht, die Absichten unserer vierbeinigen Freunde zu deuten. Schnell wird eine wohlmeinende Geste des Hundes als bloße “Unart” oder unsinnige Angewohnheit abgetan. Dabei steckt hinter dem Ablecken oft eine tiefere Bedeutung, die es zu verstehen gilt, um die Beziehung zu unserem Haustier zu stärken. Schon früh lernen Hunde, dass das Lecken die Bindung innerhalb des Rudels fördert. Ein Welpe wird von seiner Mutter nicht nur liebevoll getrocknet und zur Kreislaufanregung abgeleckt, sondern auch, um seinen Geruch intensiv wahrzunehmen und seine Verdauung nach den Mahlzeiten zu stimulieren. Diese frühen Erfahrungen intensivieren ganz automatisch die Mutter-Kind-Beziehung und prägen das soziale Verhalten für das spätere Leben. Wenn Sie mehr über verschiedene Hunderassen erfahren möchten, die ein einzigartiges Verhalten zeigen, lesen Sie auch unseren Artikel über Akbaş Hund.
Im weiteren Verlauf lecken Junghunde den erwachsenen Tieren ihres Rudels die Schnauzen ab – ein Verhalten, das ursprünglich dazu diente, ältere Tiere zur Herausgabe vorverdauter Nahrung zu bewegen. Dieses Lecken ist somit nicht nur essenziell für die Nahrungsaufnahme, sondern signalisiert auch Unterwürfigkeit und Zuneigung. Für Hunde ist das Ablecken also eine völlig normale Form der Kommunikation, die sie selbstverständlich auch auf uns Menschen übertragen. Lassen Sie uns fünf typische Situationen und deren Bedeutung genauer betrachten, um zu verstehen, warum Ihr Hund Sie ableckt.
1. Ausdruck von Zuneigung und Freude
Leckt ein Hund aufgeregt seinen Menschen ab, drückt das Tier damit primär seine Freude und tiefe Zuneigung aus. Dieses herzliche Ablecken der Hände oder des Gesichts ist eine eindeutige Begrüßung, die so viel bedeutet wie: “Ich freue mich riesig, dass du da bist!” Es ist ein Zeichen der Verbundenheit und des Glücks, Sie wiederzusehen oder einfach Ihre Anwesenheit zu spüren.
Wer regelmäßig und in Ruhe Zeit mit seinem Hund verbringt, beispielsweise gemütlich auf der Couch entspannt, wird oft bemerken, dass das Tier solche Momente intensiv zum Abschlecken nutzt. Dies ist ein starker Ausdruck tiefer Zuneigung, den Hunde auch untereinander zeigen, um ihre Bindung zu festigen. Es ist ihre Art zu sagen, wie wichtig und geliebt Sie sind.
Eine besonders typische Situation, in der ein Hund die Hände eines Menschen abschleckt, ist während des Streichelns. Das Tier signalisiert damit, wie sehr es die Zärtlichkeiten genießt. Das Abschlecken ist in diesem Kontext ein Zeichen von Hingabe, Vertrauen und dem Wunsch, diese positive Interaktion fortzusetzen.
2. Reinigung und “Fellpflege”
Obwohl das akribische Putzverhalten meist mit Katzen assoziiert wird, nutzen auch Hunde ihre Zunge und ihren Speichel, um das eigene Fell und die Pfoten von Schmutz zu befreien. Dieses instinktive Pflegeverhalten lässt sich besonders gut beobachten, wenn der Hund entspannt und ungestört ist. Es ist ein wichtiger Teil ihrer Hygiene und ihres Wohlbefindens.
Auch untereinander widmen sich Vierbeiner der gegenseitigen Fellpflege. Besonders Ohren und Gesicht werden dabei ausgiebig abgeschleckt, da diese Bereiche für den Hund selbst schwer zu erreichen sind. Dieses soziale Putzverhalten übertragen Hunde häufig auch auf ihre menschlichen Bezugspersonen. Das gründliche “Putzen” gilt dabei als liebevoller Beweis ihrer Zuneigung und Fürsorge. Indem sie Sie “pflegen”, zeigen sie, dass Sie ein wichtiges Mitglied ihres sozialen Kreises sind.
3. Geste der Unterwürfigkeit: “Du bist der Chef!”
Hunde setzen das Abschlecken auch bewusst als Geste der Unterwürfigkeit ein. Gerade bei jungen und rangniedrigen Hunden lässt sich häufig beobachten, wie sie das Maul eines ranghöheren Vierbeiners ablecken und sich dabei klein machen, den Kopf senken oder sich zur Seite drehen. Dieses Verhalten dient der Beschwichtigung und signalisiert: “Ich respektiere deine Autorität und bin keine Bedrohung.”
Hunde übertragen dieses Verhalten ganz automatisch auf die Kommunikation mit dem Menschen. Das Ablecken soll in diesem Fall zeigen: “Du bist der Chef und hast das Sagen.” Gleichzeitig dient es auch der Beschwichtigung. Wenn Herrchen oder Frauchen beispielsweise schimpfen, eine angespannte Stimmung herrscht oder sie laut werden, kann es vermehrt zum Abschlecken kommen, um die Situation zu entschärfen und den eigenen Respekt zu bekunden.
4. Aufforderung zum Spiel oder zur Aufmerksamkeit
Herrscht Langeweile oder möchte ein Vierbeiner schlicht etwas Aufmerksamkeit, versuchen manche Hunde auch in einer solchen Situation, mit dem Ablecken der Hände oder Beine bei Herrchen und Frauchen aufzufallen. Es ist eine direkte Einladung zur Interaktion oder ein Signal, dass sie sich beschäftigen möchten.
Je nachdem, wie die Reaktion des Menschen ausfällt, lernt der Hund schnell, ein bestimmtes Verhalten mit seiner Aufforderung zu verbinden. Funktioniert das Abschlecken aus Sicht des Hundes – wenden sich seine Menschen ihm zu, spielen mit ihm oder geben ihm vielleicht sogar ein Leckerli – so wird er dieses Verhalten künftig sicher häufiger an den Tag legen. Herrchen und Frauchen sollten daher frühzeitig überlegen, ob diese Verhaltensweise zur Gewohnheit werden soll. Eine Schleckmatte für Hunde kann hier eine gute Alternative bieten, um den Hund auf positive Weise zu beschäftigen und unerwünschtes Aufmerksamkeitslecken zu reduzieren.
5. Versorgung von Verletzungen
Wenn Hunde sich verletzt haben oder Schmerzen empfinden, beginnen sie instinktiv, die betroffene Stelle abzulecken. Das kann ein kleiner Schnitt an der Pfote sein, der beim Toben entstanden ist, oder ein Bienenstich am Bein, den sie auf der Wiese eingefangen haben. Im Hundespeichel finden sich Enzyme, die bakterientötende Eigenschaften besitzen und somit die Wunde auf natürliche Weise reinigen können. Auch Schmutz wird beim ausgiebigen Lecken aus der Wunde transportiert.
Bemerkt ein Hund eine Verletzung bei Herrchen oder Frauchen, so möchte er auch diese Stelle instinktiv durch hingebungsvolles Abschlecken “ärztlich versorgen”. Obwohl diese Geste liebevoll gemeint ist und seine Fürsorge zeigt, sollte man dies keinesfalls zulassen. Durch das Ablecken einer menschlichen Wunde können Krankheiten übertragen werden. So können beispielsweise Darmparasiten des Hundes oder andere Krankheitserreger in den menschlichen Körper gelangen und Infektionen verursachen.
Wenn Sie eine Halskrause für Hunde verwenden müssen, um Ihren Vierbeiner vom Lecken einer Wunde abzuhalten, ist es wichtig zu verstehen, warum dies auch für menschliche Wunden gilt. Zudem sollten Herrchen und Frauchen ihren Vierbeiner grundsätzlich von den eigenen Schleimhäuten fernhalten und vor dem Kochen und Essen stets die Hände gründlich waschen, um die Hygiene zu gewährleisten. Achten Sie generell auf die Gesundheit Ihres Tieres; Anzeichen von Hundeschnupfen könnten ebenfalls auf eine geschwächte Immunabwehr hindeuten.
Wie sollte man auf das Abschlecken reagieren?
Wie eingangs bereits erwähnt, drücken Hunde mit dem Abschlecken von Herrchen und Frauchen ihre Zuneigung und ihr tiefes Vertrauen aus. Daher sollte man seinem Vierbeiner das Lecken nicht völlig verbieten. Ein striktes Verbot könnte das Tier nur durcheinanderbringen und möglicherweise die Bindung beeinträchtigen, da es seine gut gemeinten Kommunikationsversuche nicht versteht.
Bedenken aufgrund der Hygiene sind natürlich völlig verständlich und berechtigt, und es findet nicht jeder angenehm, abgeschleckt zu werden. Aus diesen Gründen sollte man erstens vermeiden, dass ein Hund das eigene Gesicht ableckt, um die Übertragung von Keimen zu minimieren. Zweitens bietet es sich an, eine Alternative anzubieten, zum Beispiel die Hand. So bleibt das Gesicht verschont, und mit etwas Seife sind die Hände rasch wieder hygienisch rein.
Es ist wichtig, eine Balance zu finden, die sowohl die Bedürfnisse des Hundes als auch die des Menschen berücksichtigt. Indem Sie die Signale Ihres Hundes verstehen und angemessen darauf reagieren, stärken Sie nicht nur Ihre Bindung, sondern fördern auch ein harmonisches Zusammenleben. Respektieren Sie die Kommunikationsversuche Ihres Hundes und leiten Sie ihn sanft zu akzeptablen Verhaltensweisen. So schaffen Sie eine Umgebung, in der sich sowohl Mensch als auch Tier wohlfühlen und missverständliche Situationen vermieden werden.
