Die französische Vergangenheitsform: Imparfait einfach erklärt

Das Imparfait ist eine essenzielle Vergangenheitsform der französischen Sprache, die verwendet wird, um Zustände, Beschreibungen und gewohnheitsmäßige Handlungen in der Vergangenheit auszudrücken. Es beschreibt Situationen, für die kein klarer Anfangs- oder Endpunkt festgelegt werden kann, und ist entscheidend für ein tiefgreifendes Verständnis der französischen Grammatik. Die korrekte Anwendung des Imparfait hilft, den Fluss und die Regelmäßigkeit von Handlungen in der Vergangenheit darzustellen.

Bildung des Imparfait

Die Bildung des Imparfait erfolgt in zwei Schritten. Zuerst benötigst du den Verbstamm, der aus der 1. Person Plural im Präsens des Verbs abgeleitet wird. Anschließend werden die spezifischen Imparfait-Endungen angehängt: -ais, -ais, -ait, -ions, -iez, -aient. Diese Endungen sind für alle drei Verbgruppen (Verben auf -er, -ir, -re) gleich.

Beispiele für die Konjugation

Die Tabelle zeigt die Konjugation des Verbs regarder (sehen) im Imparfait:

Personregarder (sehen) im Imparfait
1. Person Singularje regardais (ich sah)
2. Person Singulartu regardais (du sahst)
3. Person Singularil/elle/on regardait (er/sie/man sah)
1. Person Pluralnous regardions (wir sahen)
2. Person Pluralvous regardiez (ihr saht/Sie sahen)
3. Person Pluralils/elles regardaient (sie sahen)

Einige Verben auf -ir, wie finir (beenden), weisen eine Stammerweiterung im Plural mit “-iss-” auf (z.B. nous finissions). Andere Verben auf -ir, wie dormir (schlafen), werden ohne diese Erweiterung konjugiert (z.B. nous dormions).

Besondere Verben im Imparfait

  • Avoir (haben): Regelmäßige Bildung mit dem Stamm av- und den Imparfait-Endungen: j’avais, tu avais, il/elle/on avait, nous avions, vous aviez, ils/elles avaient.
  • Faire (machen): Regelmäßige Bildung mit dem Stamm fais- aus nous faisons: je faisais, tu faisais, il/elle/on faisait, nous faisions, vous faisiez, ils/elles faisaient.
  • Venir (kommen): Regelmäßige Bildung mit dem Stamm ven- aus nous venons: je venais, tu venais, il/elle/on venait, nous venions, vous veniez, ils/elles venaient.
  • Être (sein): Eine Ausnahme, da es nicht vom Präsens-Stamm abgeleitet wird, sondern den unregelmäßigen Stamm ét- verwendet: j’étais, tu étais, il/elle/on était, nous étions, vous étiez, ils/elles étaient.

Unregelmäßige Verben und Ausnahmen

Verben mit unregelmäßiger Bildung in der 1. Person Plural Präsens behalten diese Unregelmäßigkeit im Imparfait bei, jedoch meist nur für die 3. Person Singular.

  • Verben auf -ger (z.B. manger, essen): In der 1. Person Plural Präsens wird ein “e” eingefügt (nous mangeons). Im Imparfait wird dies beibehalten (je mangeais), aber in der 1. und 2. Person Plural entfällt das “e” vor der Endung (nous mangions).
  • Verben auf -cer (z.B. commencer, beginnen): In der 1. Person Plural Präsens wird eine Cedille verwendet (nous commençons). Dies wird im Imparfait beibehalten (je commençais), aber in der 1. und 2. Person Plural entfällt die Cedille (nous commencions).
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Unpersönliche Verben wie falloir (müssen) und pleuvoir (regnen) werden nur in der 3. Person Singular verwendet: il fallait, il pleuvait.

Verneinung im Imparfait

Bei der Verneinung umschließt man das konjugierte Verb im Imparfait mit ne und pas. Beispiel: “Maxime ne jouait pas au foot.” (Maxime spielte kein Fußball.)

Verwendung des Imparfait

Das Imparfait wird verwendet, um:

  • Länger andauernde Handlungen zu beschreiben, ohne spezifischen Anfangs- oder Endpunkt. Beispiel: “Camille et Antoine cuisaient le gâteau et puis mangeaient une part au dessert.” (Camille und Antoine backten den Kuchen und aßen dann ein Stück zum Nachtisch.)
  • Gleichzeitig ablaufende Handlungen in der Vergangenheit darzustellen. Beispiel: “Pendant que Camille lisait la recette, Antoine préparait la pâte.” (Während Camille das Rezept las, bereitete Antoine den Teig zu.)
  • Gewohnheitsmäßig ausgeführte Handlungen zu beschreiben. Beispiel: “Chaque samedi, Camille faisait un gâteau avec son ami Antoine.” (Jeden Samstag backte Camille mit ihrem Freund Antoine einen Kuchen.)
  • Personen, Charaktereigenschaften und Gegenstände in der Vergangenheit zu beschreiben. Beispiel: “Camille était une enfant très gourmande.” (Camille war als Kind eine Naschkatze.)
  • Situationen in der Vergangenheit zu beschreiben. Beispiel: “Quand il était petit, Antoine aimait les gâteaux au chocolat.” (Als Antoine klein war, liebte er Schokoladenkuchen.)
  • In “si”-Sätzen auszudrücken, dass eine Bedingung noch nicht erfüllt oder unwahrscheinlich ist. Beispiel: “Camille achèterait un gâteau à la boulangerie si elle avait plus d’argent.” (Camille würde einen Kuchen beim Bäcker kaufen, wenn sie mehr Geld hätte.)

Signalwörter für das Imparfait

Bestimmte Wörter weisen oft auf die Verwendung des Imparfait hin: autrefois, avant, chaque fois que, chaque matin/soir, comme toujours, d’habitude, pendant que, souvent, toujours, tous les jours/matins/soirs. Diese Wörter sind jedoch nicht immer zwingend erforderlich.

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Unterschied zwischen Imparfait und Passé Composé

Während das Imparfait Zustände, Gewohnheiten und wiederholte Handlungen in der Vergangenheit beschreibt, wird das Passé Composé für einmalige, abgeschlossene Handlungen verwendet. Das Imparfait beantwortet die Frage “Was war?”, während das Passé Composé “Was geschah?” oder “Was ist passiert?” beantwortet. Signalwörter wie pendant oder toujours deuten auf das Imparfait hin, während après, ensuite oder soudain auf das Passé Composé verweisen.

Zusammenfassung

Das Imparfait ist eine zentrale Vergangenheitsform im Französischen, die Zustände, Gewohnheiten und regelmäßige Handlungen beschreibt, oft vergleichbar mit dem deutschen Präteritum. Die Bildung erfolgt anhand des Präsens-Stamms der 1. Person Plural und spezifischer Endungen. Besondere Verben wie être weichen von dieser Regel ab. Die Abgrenzung zum Passé Composé ist wichtig und wird durch Signalwörter erleichtert. Die korrekte Anwendung des Imparfait ist für eine nuancierte Erzählung und Beschreibung in der Vergangenheit unerlässlich.