Zecken sind kleine Blutsauger, die in der Natur lauern und verschiedene Krankheitserreger übertragen können. Besonders in Deutschland stellen sie eine ernstzunehmende Gefahr dar, da sie für zwei der wichtigsten durch Zecken übertragene Krankheiten verantwortlich sind: die Borreliose (Lyme-Krankheit, verursacht durch Bakterien) und die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME), eine durch Viren ausgelöste Erkrankung. Während Borreliose mit Antibiotika behandelt werden kann, gibt es für FSME keine spezifische Therapie. Die Impfung ist daher die einzige effektive Schutzmaßnahme gegen diese potenziell schwere virale Infektion. corona infektion omikron symptome
Zecken, die das FSME-Virus in sich tragen, kommen in sogenannten Naturherden vor. Diese Gebiete sind in Deutschland weit verbreitet, insbesondere in den südlichen Bundesländern. Doch auch in der Mitte und im Norden des Landes entstehen immer mehr Risikogebiete, was die Vorsorge bundesweit wichtiger denn je macht.
Was ist FSME? Definition und Übertragung
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine ernsthafte Erkrankung, die das zentrale Nervensystem, einschließlich der Hirnhäute (Meningitis) und des Gehirns (Enzephalitis), befallen kann. Ausgelöst wird sie durch das FSME-Virus, das hauptsächlich durch den Stich infizierter Zecken – insbesondere des Gemeinen Holzbocks (Ixodes ricinus) – auf den Menschen übertragen wird. Die Viren befinden sich im Speichel der Zecke und können daher sofort nach dem Stich übertragen werden, anders als bei Borreliose, wo eine längere Saugzeit nötig ist.
Gemeiner Holzbock (Ixodes ricinus)
Der Überträger: Die Zecke Ixodes ricinus
Der Gemeine Holzbock (Ixodes ricinus) ist die in Mitteleuropa am weitesten verbreitete Zeckenart und der Hauptüberträger des FSME-Virus. Diese kleinen Spinnentiere leben in Wäldern, an Waldrändern, in hohem Gras, Büschen und Gärten. Sie sind aktiv, sobald die Bodentemperatur dauerhaft über 7 Grad Celsius liegt, was in Deutschland von Frühjahr bis Spätherbst der Fall sein kann und durch den Klimawandel tendenziell sogar ganzjährig vorkommt.
FSME-Risikogebiete in Deutschland
Das Robert Koch-Institut (RKI) definiert regelmäßig die FSME-Risikogebiete in Deutschland. Ein Landkreis wird als Risikogebiet eingestuft, wenn die Anzahl der gemeldeten FSME-Erkrankungen über einen Zeitraum von fünf Jahren signifikant über einem bestimmten Schwellenwert liegt. Im Jahr 2025 wurden drei neue Land- und Stadtkreise als Risikogebiete ausgewiesen: der Stadtkreis Augsburg in Bayern, der Landkreis Elbe-Elster in Brandenburg und der Landkreis Celle in Niedersachsen. Damit steigt die Gesamtzahl der Risikogebiete auf 183, was fast die Hälfte aller Kreise in Deutschland ausmacht.
Die meisten FSME-Risikogebiete finden sich traditionell in Bayern und Baden-Württemberg, aber auch Teile von Hessen, Thüringen, Sachsen und Brandenburg sind betroffen. Vereinzelt gibt es zudem Risikogebiete in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen-Anhalt. Es ist wichtig zu beachten, dass FSME-Fälle auch außerhalb der ausgewiesenen Risikogebiete auftreten können. Im Jahr 2024 wurden insgesamt 686 FSME-Erkrankungen in Deutschland gemeldet, was die zweithöchste Zahl seit Beginn der Datenerfassung ist und die Notwendigkeit des Schutzes unterstreicht.
Symptome und Krankheitsverlauf der FSME
Die Mehrheit der Infektionen mit dem FSME-Virus verläuft ohne spürbare Symptome. Bei anderen Betroffenen treten einige Tage bis wenige Wochen (2 bis 28 Tage) nach dem Zeckenstich grippeähnliche Symptome auf, wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen. Oft ist die Krankheit damit nach einigen Tagen überstanden, und die Betroffenen entwickeln eine wahrscheinlich lebenslange Immunität.
Bei etwa 5 bis 15 % der erkrankten Personen kann es jedoch nach einer symptomfreien Phase von 4 bis 6 Tagen zu einer zweiten Krankheitsphase kommen. Diese äußert sich als Hirnhautentzündung (Meningitis), die sich auf das Gehirn (Meningoenzephalitis) oder selten auch auf das Rückenmark (Meningoenzephalomyelitis) ausbreiten kann. Typische Symptome hierfür sind Nackensteifigkeit, Bewusstseinstrübung und Lähmungserscheinungen. Restbeschwerden wie Müdigkeit, Konzentrationsschwäche, Gedächtnisprobleme, Kopfschmerzen, Schlafstörungen und Schwindel können Wochen bis Monate anhalten, bilden sich aber meistens wieder zurück.
In schweren Fällen können bleibende Folgeschäden zurückbleiben. Rund 1 % der Erkrankten, überwiegend ältere Patienten, versterben an FSME. Kleinkinder unter sechs Jahren erkranken in der Regel seltener und zeigen meist einen milderen Verlauf als ältere Personen.
Schutz vor Zeckenstichen: Allgemeine Maßnahmen und die FSME-Impfung
Der beste Schutz vor FSME ist die Vermeidung von Zeckenstichen und die aktive Immunisierung durch eine Impfung.
Allgemeine Präventionsmaßnahmen
Zu den allgemeinen Schutzmaßnahmen gehören:
- Das Tragen von gut abschließender Kleidung (lange Hosen, langärmelige Oberteile) beim Aufenthalt in der Natur.
- Das Auftragen von Zecken-Repellentien auf unbedeckte Hautstellen.
- Das Meiden von hohem Gras, Unterholz und dichtem Gebüsch.
- Gründliches Absuchen der Kleidung und des Körpers nach Zecken nach jedem Aufenthalt im Freien.
- Schnelles Entfernen von Zecken mit einer Pinzette oder Zeckenkarte, da dies das Risiko einer Übertragung minimieren kann, besonders bei Borreliose.
- Desinfektion der Stichstelle.
Viele Zeckenstiche bleiben jedoch unbemerkt oder werden zu spät entdeckt, was die Bedeutung der Impfung hervorhebt.
Zecke auf der Haut
Die FSME-Impfung: Der wirksamste Schutz
Die Impfung ist die einzige Möglichkeit, sich zuverlässig und wirksam vor einer FSME-Infektion zu schützen. Sie wird von der Ständigen Impfkommission (STIKO) in Deutschland für alle Personen empfohlen, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder sich dort aufhalten und einem Zeckenexpositionsrisiko ausgesetzt sind – sei es beruflich oder in der Freizeit.
Wie funktioniert die FSME-Impfung?
Die verfügbaren Impfstoffe gegen FSME enthalten abgetötete Viren. Ihre Wirkung wird durch ein Aluminiumsalz als Adjuvans verstärkt. Die Grundimmunisierung erfordert drei Impfdosen:
- Erste Dosis: Zum Wunschtermin.
- Zweite Dosis: 2 bis 4 Wochen nach der ersten Dosis.
- Dritte Dosis: 5 bis 12 Monate nach der zweiten Dosis.
Bereits die ersten beiden Dosen bieten einen wirksamen, wenn auch zeitlich begrenzten Schutz. Die dritte Dosis gewährleistet einen Impfschutz von über 95 % für mindestens 10 Jahre. Auffrischimpfungen werden alle 10 Jahre empfohlen, wenn das Risiko weiterhin besteht. Selbst wenn eine Auffrischdosis verpasst wurde, kann der Schutz jederzeit mit einer einzigen Dosis wiederhergestellt werden und hält dann erneut 10 Jahre an.
Wer sollte sich impfen lassen? Impfempfehlungen für Deutschland
Die STIKO empfiehlt die FSME-Impfung für alle, die in einem ausgewiesenen FSME-Risikogebiet leben oder sich dort regelmäßig aufhalten und mit Zecken in Kontakt kommen könnten, beispielsweise bei Waldspaziergängen, Gartenarbeit oder anderen Outdoor-Aktivitäten. Dies gilt auch für Personen, die einen Ausflug in ein Risikogebiet planen.
Bei Kleinkindern unter drei Jahren ist eine Impfung im Allgemeinen nicht zwingend notwendig, da schwere Verläufe in dieser Altersgruppe selten sind. Die Impfung ist jedoch bereits ab einem Alter von 1 Jahr möglich, wirksam und sicher. Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz hat die Altersgrenze 2024 von 6 auf 3 Jahre gesenkt, nachdem sehr selten auch bei Vorschulkindern schwerere Verläufe beobachtet wurden. Diese Empfehlung kann auch als Orientierung für Deutschland dienen. Es ist niemals zu spät, mit einer FSME-Impfung zu beginnen oder versäumte Impfungen nachzuholen.
Schutzgrad und Wirksamkeit der Impfung
Für einen vollständigen und langfristigen Schutz sind alle drei Dosen der Grundimmunisierung notwendig. Der Impfschutz nach der dritten Dosis liegt bei über 95 % und hält mindestens 10 Jahre an. Um diesen Schutz aufrechtzuerhalten, sind regelmäßige Auffrischimpfungen alle zehn Jahre wichtig. Studien zeigen, dass der Großteil der FSME-Erkrankten in Deutschland entweder gar nicht oder unzureichend geimpft war, was die Bedeutung eines vollständigen Impfschutzes unterstreicht.
Bekannte Nebenwirkungen der FSME-Impfstoffe
Die FSME-Impfung wird im Allgemeinen gut vertragen. Häufig treten lokale Reaktionen an der Einstichstelle auf, wie Rötung, leichte Schwellung oder Schmerzen, die bei etwa einem Drittel der Geimpften beobachtet werden und innerhalb von ein bis zwei Tagen wieder abklingen.
Mögliche allgemeine Reaktionen, die mit abnehmender Häufigkeit auftreten, sind Kopfschmerzen, Müdigkeit, Muskelschmerzen, Übelkeit und Gelenkschmerzen. Fieber wird selten beobachtet. Schwerere allergische (anaphylaktische) Reaktionen sind mit modernen Impfstoffen sehr selten (1 bis 2 Reaktionen pro 1 Million Dosen). Auch schwere neurologische Nebenwirkungen sind extrem selten (1 auf 70.000 bis 1 auf 1 Million Dosen).
Fazit
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis ist eine ernstzunehmende, durch Zecken übertragene Viruserkrankung, die in weiten Teilen Deutschlands verbreitet ist. Angesichts der Zunahme von FSME-Fällen und der Erweiterung der Risikogebiete ist es entscheidend, sich umfassend zu schützen. Während allgemeine Maßnahmen wie das Tragen schützender Kleidung und das Absuchen des Körpers wichtig sind, bietet die FSME-Impfung den zuverlässigsten und wirksamsten Schutz vor einer Infektion. Informieren Sie sich über die aktuellen Risikogebiete in Ihrer Region und sprechen Sie mit Ihrem Arzt oder Apotheker über eine mögliche FSME-Impfung, um sich und Ihre Familie bestmöglich zu schützen.
Weitere Informationen:
- Infoportal übertragbare Krankheiten
- Zeckenprävention mit dem Smartphone
- PDF – Factsheet Zeckenenzephalitis (2022)
- PDF – FAQ Zecken (BAG, 2019)
- PDF – Empfehlungen zur Impfung gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) (Juli 2024)
