Die Nachricht vom Tod Jürgen Grabowskis erschütterte die gesamte Fußballwelt und insbesondere Eintracht Frankfurt. „Jürgen Grabowskis Ableben ist für uns alle unfassbar“, äußerte sich Klubpräsident Peter Fischer tief betroffen. Auch Vorstandsvorsitzender Axel Hellmann würdigte den Verlust des Ehrenspielführers: „Jürgen Grabowski war in seiner aktiven Zeit vielleicht der kompletteste Spieler, der je für die Eintracht aufgelaufen ist. Seine Aura wirkt bis heute nach. ‚Grabi‘, der so gerne bei Eintracht-Spielen war, war im Verein über Generationen ein Vorbild.“ Ein Leben voller Leidenschaft für den Fußball und unvergesslicher Momente fand am 10. März 2022 sein Ende, doch sein Vermächtnis lebt in den Herzen der Fans und in der Geschichte des deutschen Fußballs weiter.
Eine Ära beginnt: Von Wiesbaden zum Riederwald
Jürgen Grabowski wurde am 7. Juli 1944 in Wiesbaden geboren und begann seine fußballerische Laufbahn beim FV Biebrich 02. Schon früh zeigte sich sein außergewöhnliches Talent, das ihn 1965 im Alter von 21 Jahren zu Eintracht Frankfurt an den Riederwald führte. Es war der Beginn einer bemerkenswerten Karriere, die ihn zu einer Ikone des Vereins machen sollte. Grabowski integrierte sich sofort in die Mannschaft und bewies seine Klasse bereits in seiner Debütsaison in der Bundesliga, in der er in 27 Ligaspielen beeindruckende zehn Tore erzielte. Seine Fähigkeit, das Spiel zu lesen, seine technische Brillanz und sein unermüdlicher Einsatz machten ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil der Eintracht. Er war ein Spielmacher, ein Torjäger und ein Führungsspieler in einer Person, der auf dem Platz stets den Überblick behielt und seine Mitspieler glänzen ließ.
Triumphe im Nationaltrikot: Weltmeister und Europameister
Grabowskis Talent blieb auch auf nationaler Ebene nicht unbemerkt. Er wurde Teil der deutschen Nationalmannschaft und nahm an den Weltmeisterschaften 1966 in England und 1970 in Mexiko teil. Besonders prägend war seine Rolle bei der Heim-Weltmeisterschaft 1974. Als wichtiger Bestandteil des Teams, das im Finale im Münchner Olympiastadion die Niederlande besiegte, krönte er sich gemeinsam mit seinem Eintracht-Kollegen Bernd Hölzenbein zum Weltmeister. Dieser Triumph markierte den Höhepunkt seiner internationalen Karriere, die er nach diesem Erfolg beendete. Insgesamt bestritt Grabowski 44 Länderspiele für Deutschland und erzielte dabei fünf Tore. Zuvor hatte er bereits 1972 einen weiteren großen Erfolg gefeiert, als er mit der deutschen Mannschaft die Europameisterschaft gewann und somit zu den wenigen Spielern gehörte, die sowohl den WM- als auch den EM-Titel ihr Eigen nennen durften.
Erfolge mit der Eintracht: Pokalsiege und europäischer Glanz
Doch nicht nur mit der Nationalmannschaft, sondern auch mit Eintracht Frankfurt feierte „Grabi“ große Erfolge. Er war ein entscheidender Akteur der Mannschaft, die 1974 zum ersten Mal in der Vereinsgeschichte den DFB-Pokal gewann. Ein Jahr später verteidigte er mit den Adlern diesen Titel erfolgreich in einem packenden Finale gegen den MSV Duisburg. Diese Siege festigten seinen Status als absolute Vereinslegende und machten ihn zu einem Symbol für die glorreichen Jahre der Eintracht. Seine Spielintelligenz, seine präzisen Pässe und seine Fähigkeit, in entscheidenden Momenten das Spiel zu beeinflussen, waren maßgeblich für die Erfolge des Vereins in dieser Ära. Er war der kreative Kopf und das Herzstück des Eintracht-Mittelfeldes, der das Team immer wieder antrieb und inspirierte.
Das jähe Ende einer glanzvollen Karriere und ewige Verehrung
Im Frühjahr 1980 ereilte Grabowski in einem Bundesligaspiel gegen Borussia Mönchengladbach eine so schwere Verletzung, dass er seine aktive Karriere beenden musste. Es war ein bitteres Ende für einen Spieler seiner Klasse. So konnte er nicht mehr auf dem Spielfeld stehen, als Eintracht Frankfurt am 21. Mai 1980 ihren ersten europäischen Titel – den UEFA-Pokal – gewann. Dennoch wurde Grabowskis Bedeutung für den Verein und die Mannschaft nie vergessen. Als der Pokal in die Höhe gestemmt wurde, hallten minutenlang die Sprechchöre „Grabowski, Grabowski!“ durch das Stadion. Es war eine Geste der tiefen Wertschätzung und Dankbarkeit seiner Teamkollegen und der Fans. Insgesamt absolvierte Jürgen Grabowski 555 Pflichtspiele für Eintracht Frankfurt und erzielte dabei beeindruckende 151 Tore. Seine Rückennummer 10 wurde zu einem Synonym für Eleganz und Klasse.
Ein Vermächtnis, das bleibt
In den letzten Jahren hatte Grabowski mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen und musste regelmäßig zur Dialyse. Obwohl ihm der Besuch des Stadions schwerfiel, schaffte er es im Herbst 2021 noch, einige Spiele seiner geliebten Eintracht zu besuchen, bevor er unerwartet verstarb. Eintracht Frankfurt drückt seine tiefe Dankbarkeit und seinen größten Respekt für einen der größten Spieler der Vereinsgeschichte aus. Sein Tod hinterlässt eine große Lücke, doch die Erinnerung an seine Leistungen, seine Persönlichkeit und sein Engagement wird unvergänglich bleiben. Die Eintracht-Familie und die gesamte deutsche Fußballwelt werden Jürgen Grabowski als einen herausragenden Sportler und liebenswerten Menschen in Erinnerung behalten. Unser tiefstes Mitgefühl gilt seiner Frau Helga und seiner Familie in dieser schweren Zeit. Möge sein Erbe als Vorbild und Legende für kommende Generationen weiterleben.
