Kalkschulter: Symptome, Ursachen und effektive Behandlung

Die Kalkschulter, medizinisch als Tendinitis calcarea bekannt, ist eine weit verbreitete und schmerzhafte Erkrankung, die durch Kalkablagerungen in den Sehnen der Schulter gekennzeichnet ist. Sie stellt eine der häufigsten Ursachen für Schulterschmerzen dar und kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Obwohl eine Kalkschulter grundsätzlich jeden treffen kann, tritt sie besonders häufig bei Menschen zwischen 30 und 50 Jahren auf, wobei Frauen signifikant öfter betroffen sind. Interessanterweise entwickeln bis zu 40 Prozent der Patientinnen und Patienten eine beidseitige Kalkschulter, was auf eine systemische Prädisposition hindeuten könnte.

Es ist wichtig zu verstehen, dass Kalkablagerungen in einer Schultersehne nicht immer automatisch Schmerzen verursachen. Viele Menschen leben mit Kalkdepots im Schultergelenk, ohne davon zu wissen. Wenn jedoch Schmerzen auftreten, geschieht dies oft plötzlich und unerwartet, selbst ohne vorherige Belastung. Die korrekte Bezeichnung ist Tendinitis calcarea, obwohl auch der Begriff Tendinosis calcarea gebräuchlich ist, der eher einen degenerativen Prozess beschreibt.

Symptome der Kalkschulter: Wenn die Bewegung schmerzt

Das prominenteste Symptom der Kalkschulter sind Schmerzen, deren Intensität und Lokalisation stark variieren können, abhängig von der genauen Position und Größe des Kalkdepots. Typischerweise manifestieren sich die Beschwerden im äußeren vorderen Schulterbereich und können bis in den Oberarm oder sogar zum Handgelenk ausstrahlen. Viele Betroffene berichten von Schmerzen, insbesondere beim Anheben des Arms über Schulterhöhe – eine Bewegung, die beispielsweise beim Anziehen des Oberteils auftritt. Auch Drehbewegungen des Arms oder Schmerzen in völliger Ruhe sind häufige Anzeichen. In akuten Phasen kann der Arm sogar so stark schmerzen, dass er kaum noch angehoben werden kann.

Ein besonders charakteristisches Merkmal sind starke nächtliche Schmerzen. Dies liegt daran, dass im Liegen die beteiligten Muskeln und Sehnenansätze entspannt sind, wodurch die Zugwirkung der Sehnen entfällt. Infolgedessen erhöht sich der Druck der Kalkdepots auf die Schulterstrukturen. Manche Patienten finden daher nur im Sitzen Schlaf. Die Schulterschmerzen können bereits während der Einlagerungsphase des Kalks in der Sehne auftreten, ihren Höhepunkt erreichen sie jedoch oft, wenn sich die Kalkdepots auflösen oder gar in den Schleimbeutel einbrechen, was eine heftige Entzündungsreaktion auslösen kann.

Ursachen einer Tendinitis calcarea: Warum sich Kalk ablagert

Innerhalb des komplexen Schultergelenks verlaufen mehrere Sehnen, die sich in einem engen Raum zwischen dem knöchernen Schulterdach und dem Oberarmkopf bewegen. Aus noch nicht vollständig geklärten Gründen kann es vorkommen, dass der Körper Sehnenzellen in Knorpelzellen umwandelt und Kalziumsalze in diesen Bereichen einlagert – dies wird als Formationsphase bezeichnet. Besonders anfällig für diese Ablagerungen sind Sehnenabschnitte, die schlecht durchblutet sind oder auf die durch das Schulterdach ständiger Druck ausgeübt wird. Menschen mit Diabetes tragen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Kalkschulter.

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Die Kalkdepots können in ihrer Größe variieren, von wenigen Millimetern bis zu einem Zentimeter. Entgegen der landläufigen Meinung handelt es sich dabei jedoch nicht um harte, steinähnliche Strukturen. Vielmehr besitzen die Kalkablagerungen eine breiige Konsistenz, vergleichbar mit Zahnpasta. Diese Depots beeinträchtigen nicht nur das Sehnengewebe selbst, sondern können auch den benachbarten Schleimbeutel und die gesamte Gelenkkapsel in Mitleidenschaft ziehen.

Der Prozess der Kalkeinlagerung kann sich über Jahre hinziehen und immer wieder Phasen der Ruhe aufweisen. Irgendwann kommt es jedoch zur sogenannten Resorptionsphase, in der sich die Kalkkristalle allmählich auflösen und vom Körper abgebaut werden. Diese Umbauprozesse können zu einer Verdickung der Sehnen führen, was wiederum Beschwerden verursacht. Verstärkt werden die Schmerzen oft durch muskuläre Dysbalancen, also ein Ungleichgewicht in der Kraft der die Schulter umgebenden Muskeln. Dies kann dazu führen, dass die Sehne am Schulterdach reibt und eingeklemmt wird. Bei Kraftsportlern, die einseitig trainieren, kann der Oberarmkopf muskulär nach oben gezogen werden, wodurch die Supraspinatus-Sehne im Schulterdach einklemmt. Im ungünstigsten Fall können die Kalkdepots aufbrechen und in den Schulterschleimbeutel gelangen, was eine extrem schmerzhafte akute Entzündungsreaktion zur Folge hat.

Die Rolle der Psyche bei Schulterschmerzen

Bislang spielen emotionale oder seelische Ursachen für die Entstehung einer Kalkschulter in der medizinischen Diagnostik keine entscheidende Rolle. Es ist jedoch unbestreitbar, dass Verspannungen und damit verbundene Schmerzen im Schulterbereich durch emotionalen Stress ausgelöst oder verstärkt werden können. Daher ist eine präzise und umfassende Diagnostik der Kalkschulter von großer Bedeutung, um psychosomatische Einflüsse von organischen Ursachen abzugrenzen.

Diagnose der Kalkschulter: Präzision ist entscheidend

Kalkablagerungen an den Sehnenansätzen der Schulter lassen sich in der Regel sehr gut mittels bildgebender Verfahren darstellen. Eine Röntgenaufnahme des Schultergelenks zeigt Kalkablagerungen deutlich als weiße Strukturen, ähnlich wie Knochen. Die Ultraschalluntersuchung (Sonografie) ermöglicht es zudem, das Ausmaß einer möglicherweise begleitenden Schleimbeutelentzündung präzise zu beurteilen. Eine Untersuchung mittels Magnetresonanztomografie (MRT) ist meist nur dann indiziert, wenn der Verdacht auf zusätzliche Verletzungen der Sehnen oder anderer Weichteilstrukturen besteht.

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Um festzustellen, ob die diagnostizierten Kalkeinlagerungen tatsächlich die Ursache der Beschwerden sind, ist eine sorgfältige Anamnese in Kombination mit einer umfassenden körperlichen Untersuchung unerlässlich. Der Arzt beurteilt dabei das Zusammenspiel der Schulter-, Rücken- und Brustmuskulatur. Die Wahl der geeigneten Therapie hängt maßgeblich von einer exakten Diagnose und dem Ausschluss anderer beeinträchtigender Faktoren ab.

Behandlung der Kalkschulter: Konservative Ansätze zuerst

Erfreulicherweise heilt die Kalkschulter in vielen Fällen binnen weniger Wochen oder Monate von selbst aus. Die Behandlung erfolgt daher in der Regel zunächst konservativ, also ohne operativen Eingriff. Bei akuten Schmerzen können kurzfristig Schmerzmittel, sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, Linderung verschaffen. In bestimmten Situationen kann auch eine lokale Injektion von Kortison sinnvoll sein. Kortison wirkt stark entzündungshemmend und abschwellend und kann die Schmerzen über mehrere Tage deutlich reduzieren.

Bewegungstherapie und Übungen: Raum für die Sehne schaffen

Physiotherapeutische Übungen spielen eine zentrale Rolle bei der Behandlung der Kalkschulter, da sie gezielt bestimmte Muskelgruppen kräftigen und so Schulterschmerzen entgegenwirken können. Während in der akuten Schmerzphase eine kurzfristige Ruhigstellung der Schulter mittels einer Armschlinge hilfreich sein kann, wird in der Regel begleitend zur medikamentösen Schmerzlinderung eine Bewegungstherapie eingeleitet. Ziel ist es, den Rücken zu stärken und insbesondere jene Muskeln zu kräftigen, die den Oberarmkopf nach unten ziehen. Dadurch erhält die Sehne mehr Raum, und der Druck auf den Schleimbeutel wird reduziert. In vielen Fällen sind diese konservativen Maßnahmen bereits ausreichend, und die Kalkablagerungen lösen sich mit der Zeit von selbst auf.

Bleibt eine nachhaltige Linderung der Beschwerden aus, kann die extrakorporale Stoßwellentherapie (ESWT) eine effektive Option sein. Bei dieser Methode werden die Kalkdepots mithilfe hochenergetischer Ultraschallwellen zertrümmert. Darüber hinaus fördern die Ultraschallwellen die Durchblutung in der betroffenen Region, was den Abbau der Kalkablagerungen unterstützt. Die Stoßwellen stimulieren zudem durch die Freisetzung von Wachstums- und entzündungshemmenden Faktoren einen natürlichen Selbstheilungsprozess in den Zellen. Oftmals genügen drei zehnminütige Sitzungen im Abstand von jeweils einer Woche, um eine deutliche Besserung der Beschwerden zu erzielen. Es ist jedoch zu beachten, dass die Stoßwellentherapie in Deutschland in vielen Fällen als sogenannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) von den Patientinnen und Patienten selbst bezahlt werden muss.

Operation als letzte Option bei hartnäckiger Kalkschulter

Wenn alle konservativen Therapieversuche über einen längeren Zeitraum hinweg erfolglos bleiben und die Schmerzen weiterhin bestehen, kann eine operative Entfernung der Kalkdepots in Erwägung gezogen werden. Offene Operationen sind dabei selten; in der Regel wird ein minimalinvasiver Eingriff, die Arthroskopie, durchgeführt.

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Bei dieser Methode führt der Operateur unter Vollnarkose sehr dünne Endoskope in den Gelenkspalt unter dem Schulterdach ein, um dort die Kalkablagerungen präzise und sorgfältig zu entfernen. Für die Betroffenen ist der Erfolg oft schnell spürbar, da die Schmerzen meist deutlich nachlassen und sie in der Regel innerhalb von zwei Wochen komplett beschwerdefrei sind. Bis die Schulter jedoch wieder vollständig belastbar und frei beweglich ist, vergehen etwa zwei Monate. Daher wird nach einer Operation umgehend mit gezielten Übungen begonnen, um die Beweglichkeit zu erhalten und die gelenkstabilisierenden Muskeln zu kräftigen. Das Wiederauftreten von Kalkablagerungen nach einem solchen Eingriff ist äußerst selten.

Häufige Folgen: Wenn die Kalkschulter zur Schleimbeutelentzündung führt

Im Verlauf einer Tendinosis calcarea kann es zu einer Entzündung des Schleimbeutels im Gelenk kommen. Dies geschieht oft, wenn insbesondere größere Kalkdepots spontan aufbrechen und sich in das umliegende Gewebe ergießen. Anfangs berichten Patientinnen und Patienten nach einem solchen Ereignis häufig von einer Linderung der Schmerzen. Wird der verstreute Kalk jedoch nicht innerhalb der nächsten Tage vom Gewebe resorbiert, ist diese Schmerzlinderung meist nur von kurzer Dauer. Der Kalk reizt dann zusätzlich den Schleimbeutel, was eine Entzündung zur Folge hat.

Wenn der Schleimbeutel in der weiteren Folge durch die Kalkschulter chronisch entzündet und verklebt ist, treten wellenförmige Schmerzen auf: Betroffene erleben Phasen von Tagen oder Wochen ohne Beschwerden, gefolgt von Perioden mit starken Schmerzen. Erschwerend kann bei diesem Krankheitsbild ein Impingement-Syndrom hinzukommen. Hierbei entsteht ein Platzmangel zwischen Schulterdach und Oberarmkopf, wodurch Sehnen und Schleimbeutel eingeklemmt werden, was zusätzliche Schmerzen und Entzündungen verursacht.

Kann Magnesium bei Kalkschulter helfen?

Magnesium ist ein essenzieller Mineralstoff, der für über 300 Prozesse im menschlichen Stoffwechsel eine entscheidende Rolle spielt. Es ist unter anderem notwendig, damit Kalzium korrekt in die Knochen eingelagert wird und spielt auch eine große Rolle für die Muskelaktivität. Magnesium kann zur Entspannung der Muskulatur beitragen und so eventuell auch bei Schulterschmerzen eine lindernde Wirkung entfalten. Zudem wird eine entzündungshemmende Wirkung von Magnesium vermutet, wenngleich hierzu noch präzise wissenschaftliche Erkenntnisse fehlen, die einen direkten kausalen Zusammenhang zur Kalkschulter belegen. Es ist jedoch bekannt, dass eine gesunde Ernährung, reich an Gemüse und Omega-3-Fettsäuren, Entzündungen im Körper generell lindern kann.

Wenn Sie unter Schulterschmerzen leiden und den Verdacht auf eine Kalkschulter haben, ist es ratsam, frühzeitig einen Arzt aufzusuchen. Eine genaue Diagnose und eine individuell abgestimmte Therapie können Ihnen helfen, schmerzfrei zu werden und die volle Beweglichkeit Ihrer Schulter wiederzuerlangen.