Fortbildung für Turn-Kampfrichter: Praxis, Wissen und Teamgeist

Die Welt des Gerätturnens ist dynamisch, anspruchsvoll und faszinierend zugleich. Damit Wettkämpfe fair und nach den aktuellsten Regeln bewertet werden können, ist eine kontinuierliche und fundierte Ausbildung der Kampfrichter unerlässlich. Jedes Jahr aufs Neue stellen sich zahlreiche engagierte Kampfrichterinnen und Kampfrichter dieser wichtigen Aufgabe, um ihr Fachwissen auf den neuesten Stand zu bringen und sich optimal auf die kommende Saison vorzubereiten. Eine solche Fortbildung fand kürzlich statt, die sich durch ihre besondere Mischung aus fundierter Wissensvermittlung, praxisnahen Übungen und teambildenden Maßnahmen auszeichnete.

Mehr als nur Theorie: Der Bedarf an praktischer Fortbildung

Die Rolle eines Kampfrichters im [gerätturnen](https://shocknaue.com/geratturnen/) ist von entscheidender Bedeutung für die Integrität des Sports. Angesichts sich ständig weiterentwickelnder Regeln und komplexer Bewertungsvorschriften müssen sie nicht nur über ein exzellentes Regelwerk-Wissen verfügen, sondern auch in der Lage sein, dieses Wissen präzise und konsistent in Bruchteilen von Sekunden anzuwenden. Insbesondere im vierten Jahr eines Olympischen Zyklus, wenn kleinere Änderungen und Klarstellungen im Regelwerk vorgenommen werden, ist es entscheidend, dass alle auf dem gleichen Stand sind. Daher war es das erklärte Ziel der Organisatoren, den Fokus dieses Lehrgangs auf praktische Anwendungen und innovative Wissensabfragen zu legen, anstatt sich ausschließlich auf trockene Theorie zu beschränken.

Tag 1: Intensive Workshops und spielerisches Lernen

Der erste Tag der Fortbildung, an der über 100 Kampfrichter teilnahmen, war geprägt von einem abwechslungsreichen Programm. Unter der hervorragenden Leitung von Kampfrichter-Chefin Anna Kletetschka und ihrem Co-Referenten Karsten Struck wurde eine Atmosphäre geschaffen, die sowohl lehrreich als auch unterhaltsam war.

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Grundlagen und situative Entscheidungen

Nach der Klärung aller organisatorischen Fragen begann das Programm mit einer kompakten Theorie-Einheit. Hier wurden insbesondere die letzten Änderungen und wichtige Klarstellungen im Regelwerk detailliert besprochen. Doch das Wissen sollte nicht nur passiv aufgenommen werden: Im Anschluss wurde das situative Entscheiden bei verschiedenen Wettkampfsituationen intensiv geübt. Dies ist ein Kernbestandteil der Kampfrichtertätigkeit, da oft blitzschnelle und korrekte Urteile unter Druck gefällt werden müssen. Die Teilnehmer konnten hier ihre Fähigkeiten in realistischen Szenarien schärfen und sich auf unvorhergesehene Ereignisse vorbereiten.

Wissensabfrage mal anders: Die Kampfrichter-Schatzsuche

Am Nachmittag wurde das Wissen der Kampfrichter auf eine ganz besondere Weise abgefragt. In Gruppenübungen, die an echte Wettkampfsituationen erinnerten, trat man gegeneinander an, um das schnellste und präziseste „Kampfgericht“ zu ermitteln. Doch der Höhepunkt des Tages war zweifellos die Kampfrichter-Schatzsuche rund um den Neckarpark. Dieses innovative Teambuilding-Element sorgte nicht nur für viel Spaß, sondern forderte die Gruppen auch heraus, komplexe Aufgaben gemeinsam zu lösen, die indirekt mit den Anforderungen an einen Kampfrichter zu tun hatten. Es zeigte sich, dass im Teamgeist und in der kollektiven Problemlösung ungemeine Stärken liegen. Der Abend fand einen gemütlichen Ausklang in der Jugendherberge in Bad Cannstatt, wo die Teilnehmer die Eindrücke des ersten, sehr informativen und kurzweiligen Tages Revue passieren lassen konnten.

Tag 2: Körperbeherrschung und die Kunst der Choreographie

Der Sonntag widmete sich den komplexeren Aspekten der Bewertung, insbesondere den Körperpositionen und der Choreographie, die für den künstlerischen Wert einer Übung von größter Bedeutung sind.

Die Perspektive der Turnerinnen: Künstlerischen Wert verstehen

Während eine Hälfte der Gruppe sich auf das detaillierte Werten von Sprüngen sowie Übungen am Boden und Balken konzentrierte, wurde die andere Hälfte der Truppe aktiv. Unter der fachkundigen Anleitung von Elena Dolgopolova stand eine praktische Lehreinheit auf dem Programm. Hier ging es darum, sich einmal aus der Perspektive der Turnerinnen mit den Abzügen des künstlerischen Wertes auseinanderzusetzen. Die Kampfrichter waren eingeladen, selbst mitzumachen – und schon bei der Erwärmung kam man ins Schwitzen. Durch Choreographie- und Tanzübungen konnten sie am eigenen Leib erfahren, welche körperliche Anstrengung und Präzision notwendig sind, um die hohen Anforderungen zu erfüllen. Die Erkenntnis war klar: Es ist weit schwieriger als gedacht und erfordert jahrelanges Training, um die vorgegebenen Elemente und Ausdrucksformen fehlerfrei zu präsentieren. Dieses Empathie-Training ist von unschätzbarem Wert, um die Leistungen der Athletinnen noch fairer und nuancierter beurteilen zu können.

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Sprünge, Boden und Balken: Bewertung im Detail

Die Bewertung der technischen Elemente, insbesondere an Geräten wie Boden und Balken, erfordert ein geschultes Auge und tiefgehendes Verständnis für biomechanische Prinzipien und die Feinheiten der Ausführung. Die Fortbildung bot hier die Gelegenheit, spezielle Anforderungen an Sprünge sowie die Ausführung von Drehungen, Sprüngen und akrobatischen Elementen am Boden und Balken detailliert zu analysieren und zu bewerten. Nur durch kontinuierliches Üben und den Austausch mit erfahrenen Kollegen kann die hohe Qualität und Einheitlichkeit der Bewertungen gewährleistet werden.

Ein voller Erfolg: Stärkung von Fachwissen und Gemeinschaft

Am Ende der zweitägigen Fortbildung waren sich alle Teilnehmer einig: Die Veranstaltung war ein voller Erfolg. Die innovative Herangehensweise, die Mischung aus Theorie und Praxis, sowie die Betonung des Teamgeistes machten diesen Lehrgang zu einem unverzichtbaren Erlebnis für jeden einzelnen Kampfrichter. Solche Veranstaltungen sind nicht nur für die fachliche Weiterentwicklung entscheidend, sondern auch für die Stärkung des Zusammenhalts und der Teambildung innerhalb der Kampfrichter-Gemeinschaft. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass das Gerätturnen in Deutschland auf höchstem Niveau bewertet wird und die Athletinnen stets faire und kompetente Urteile erhalten.

Die engagierte Arbeit und das hohe Maß an Fachwissen der Kampfrichter sind die Säulen, auf denen die Fairness und Qualität unserer Turnwettkämpfe ruhen. Mit solchen umfassenden und motivierenden Fortbildungen wird sichergestellt, dass dieses hohe Niveau auch zukünftig erhalten bleibt.

Ein herzliches Dankeschön geht an Anna Kletetschka für die hervorragende Organisation und die inspirierende Leitung, an Karsten Struck für die Vermittlung von neuem und vertieftem Wissen, und nicht zuletzt an Elena Dolgopolova, die den Kampfrichtern einmal die “andere Seite des Tisches” auf so eindringliche Weise näherbrachte.

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