Chronische Nierenerkrankung bei Katzen: Ein umfassender Leitfaden

Die Gesundheit unserer felinen Begleiter liegt uns am Herzen, und wenn es um Nierenerkrankungen geht, ist schnelles Handeln und fundiertes Wissen entscheidend. Einst als chronische Niereninsuffizienz (CNI) bekannt, wird die Erkrankung heute als chronische Nierenerkrankung (CNE) bezeichnet, um die verbleibende Funktionsfähigkeit der Nieren besser widerzuspiegeln. Trotz des neuen Namens ist es wichtig, sich mit beiden Begriffen vertraut zu machen, da beide in der Literatur und im Gespräch mit Tierärzten vorkommen können. Die Nieren spielen eine zentrale Rolle im Entgiftungsprozess des Katzenkörpers und sind essenziell für die Aufrechterhaltung des Wasser- und Elektrolythaushalts.

Was versteht man unter chronischer Nierenerkrankung (CNE)?

Der Begriff “Insuffizienz” deutet auf eine Unzulänglichkeit oder Unfähigkeit hin. Da die erkrankten Nieren einer Katze jedoch oft noch arbeiten und einige Funktionen erfüllen können, wenn auch nicht mehr im vollen Umfang, halten Experten den Begriff CNE für treffender. Umgangssprachlich wird oft von “Nierenschwäche” gesprochen, während das Endstadium einer chronischen Erkrankung von manchen Tierärzten als “Nierenversagen” bezeichnet wird.

Die Folgen einer CNE für Ihre Katze können vielfältig sein. Die Nieren filtern Abfallprodukte des Stoffwechsels und Toxine aus dem Blut, die normalerweise über den Urin ausgeschieden werden. Bei einer CNE sammeln sich diese harnpflichtigen Substanzen im Körper an, was zu einer Urämie führt, die sich durch Symptome wie Übelkeit und Appetitlosigkeit äußert. Des Weiteren beeinträchtigt eine CNE die Fähigkeit der Nieren, den Wasser- und Salzhaushalt zu regulieren, was zu Dehydrierung führen kann. Fortgeschrittene Stadien können zudem hormonelle Dysfunktionen nach sich ziehen, die Blutbildung, Knochenstoffwechsel und die Magen-Darm-Gesundheit beeinträchtigen.

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Der Mechanismus der CNE: Was passiert in den Nieren?

Die Ursachen für eine CNE sind vielfältig, doch das Ergebnis ist eine gestörte Urinproduktion. Der Prozess beginnt mit der Filtration des Blutes in den Nierenkörperchen (Glomeruli), wo Blutzellen und große Moleküle zurückgehalten werden, während Flüssigkeit und kleine Moleküle einen wässrigen Primärharn bilden. Dieser Primärharn durchläuft anschließend die Nierenkanälchen (Nierentubuli), wo seine Zusammensetzung reguliert und Giftstoffe hinzugefügt werden. Schließlich wird dem Primärharn ein Großteil des Wassers entzogen.

Die funktionalen Einheiten der Niere werden als Nephrone bezeichnet. Bei einer CNE fallen erkrankte Nephrone aus, und die verbleibenden gesunden Nephrone müssen Mehrarbeit leisten, um den Verlust auszugleichen. Diese Überlastung kann zu einem weiteren Ausfall gesunder Nephrone führen, was erklärt, warum sich die Erkrankung im Laufe der Zeit verschlimmert.

Akute vs. Chronische Nierenerkrankung

Es ist wichtig, zwischen einer akuten und einer chronischen Nierenerkrankung zu unterscheiden. Eine akute Nierenerkrankung tritt plötzlich auf und kann bei rechtzeitiger Behandlung oft vollständig ausheilen. Eine chronische Nierenerkrankung hingegen besteht bereits seit längerer Zeit, oft schon seit zwei Monaten oder länger zum Zeitpunkt der Diagnose. In diesem Stadium ist der Auslöser oft nicht mehr bestimmbar, und eine vollständige Wiederherstellung des Nierengewebes ist leider nicht mehr möglich. Narbengewebe ersetzt das geschädigte Gewebe, was zu einer Verkleinerung der Nieren führt (Schrumpfnieren).

Warum bleibt CNE oft lange unentdeckt?

Katzen zeigen oft erst Symptome einer CNE, wenn bereits zwei Drittel des Nierengewebes zerstört sind. Dies erklärt, warum die Krankheit schleichend über Monate oder Jahre fortschreiten kann, bevor sie offensichtlich wird. Zudem sind die frühen Symptome einer CNE leicht zu übersehen und werden oft mit altersbedingten Veränderungen verwechselt.

Symptome einer chronischen Nierenerkrankung bei Katzen

Wenn Ihre Katze an CNE leidet, können Sie folgende Symptome beobachten:

  • Abgeschlagenheit und Müdigkeit: Die Katze wirkt schlapp, antriebslos und apathisch.
  • Gewichtsverlust und Appetitlosigkeit: Anorexie ist ein häufiges Anzeichen.
  • Erhöhter Durst und vermehrte Urinabgabe: Polyurie und Polydipsie sind charakteristisch.
  • Häufige Infektionen: Das Immunsystem ist geschwächt, was zu Erkältungen oder Harnwegsinfektionen führen kann.
  • Mundgeruch und Zahnfleischentzündung: Ein übler Atem (Foetor ex ore) und gerötetes Zahnfleisch (Gingivitis) können auftreten.
  • Hautprobleme und glanzloses Fell: Die Haut kann schuppig werden, das Fell verliert seinen Glanz.
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Diese Symptome sind größtenteils auf die Urämie zurückzuführen, die durch die Anreicherung von Stoffwechselabbauprodukten im Körper entsteht. Bei starker Urämie können Erbrechen und neurologische Störungen wie Krämpfe oder Bewusstlosigkeit auftreten. Weitere mögliche Folgen sind Bluthochdruck und Organverkalkungen bei gleichzeitig brüchigen Knochen.

Diagnostische Maßnahmen beim Tierarzt

Zur Diagnose von CNE setzt der Tierarzt verschiedene Methoden ein:

  • Blutuntersuchung: Hierbei werden Werte wie SDMA, Harnstoff und Kreatinin bestimmt, die Aufschluss über die Nierenfunktion geben. Der SDMA-Wert steigt bereits bei geringem Funktionsverlust an, während Harnstoff und Kreatinin erst bei fortgeschrittener Erkrankung erhöht sind.
  • Urinuntersuchung: Diese zeigt in der Regel eine eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit der Nieren (Isosthenurie) und eine vermehrte Eiweißausscheidung (Proteinurie).
  • Ultraschall: Im Ultraschall sind typischerweise Veränderungen des Nierengewebes und oft eine Verkleinerung der Nieren (Schrumpfnieren) erkennbar.

Ursachen für chronische Nierenerkrankungen bei Katzen

Verschiedene Faktoren können zu CNE führen:

  • Giftstoffe: Aufnahme von schädlichen Substanzen wie bestimmten Pflanzen (z.B. Osterglocken), Frostschutzmitteln (Ethylenglykol), Medikamenten, Schwermetallen oder Pestiziden.
  • Mangelnde Nierendurchblutung: Dehydrierung, starker Blutverlust oder Schock können zu einer unzureichenden Versorgung der Nieren mit Sauerstoff führen.
  • Immunologische Erkrankungen: Wie z.B. Feline Infektiöse Peritonitis (FIP).
  • Infektionskrankheiten.
  • Nierensteine oder Entzündungen des Nierenbeckens (Pyelonephritis).
  • Harnrückstau: Verursacht durch verstopfte Harnröhren, z.B. durch Harnsteine.
  • Erbliche Nierenerkrankungen: Wie Zystennieren (PKD).

Warum sind ältere Katzen häufiger betroffen?

Mit zunehmendem Alter nimmt die Nierenreserve ab, was die Wahrscheinlichkeit einer CNE erhöht. Junge Katzen können jedoch ebenfalls betroffen sein, wenn sie angeborene Nierendefekte, Vergiftungen oder Infektionskrankheiten aufweisen.

Die Bedeutung einer speziellen Nierendiät

Eine tierärztliche Nierendiät ist entscheidend zur Verbesserung der Lebensqualität und zur Verlängerung der Lebenserwartung nierenkranker Katzen. Diese Diäten sind so zusammengesetzt, dass sie die überforderten Nieren entlasten, die Anreicherung schädlicher Stoffwechselprodukte minimieren und Vitaminverluste ausgleichen. Sie enthalten hochwertiges, gut verdauliches Protein in angepasster Menge, um den erhöhten Bedarf zu decken, ohne die Harnvergiftung zu verschlimmern. Zudem sind sie energiereich, um den Bedarf mit kleinen Futterportionen zu decken, und besonders schmackhaft, um die Futteraufnahme zu fördern. Ein entscheidender Faktor ist der reduzierte Phosphorgehalt, der das Fortschreiten der Erkrankung verlangsamt und Komplikationen des Knochenstoffwechsels vorbeugt.

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Was tun, wenn die Katze nicht fressen will?

Appetitlosigkeit ist ein häufiges Symptom bei CNE. Es ist jedoch essenziell, dass Ihre Katze eine Nierendiät erhält. Bieten Sie häufig kleine Portionen frisches Futter an und probieren Sie verschiedene Geschmacksrichtungen und Hersteller aus. Eine langsame Futterumstellung über mehrere Wochen ist ratsam. Das Anfeuchten von Trockenfutter, das Erwärmen auf Körpertemperatur und das Beimischen kleiner Mengen schmackhafter Leckereien (nach Absprache mit dem Tierarzt) können helfen. Vermeiden Sie salzhaltige Brühen als Geschmacksverstärker. Appetitanregende Nahrungsergänzungen wie alfavet ReConvales Tonicum können unterstützend wirken. Bei vollständiger Futterverweigerung kann eine Elektrolytlösung wie Oralade Elektrolytlösung helfen, Dehydrierung vorzubeugen und die Nahrungsaufnahme anzuregen.

Zusätzliche Unterstützung für Ihre nierenkranke Katze

Regelmäßige tierärztliche Kontrollen sind unerlässlich, um den Therapieerfolg zu überwachen und die Behandlung individuell anzupassen. Der Tierarzt kann gegebenenfalls Vitaminpräparate, Medikamente zur Blutdruckregulierung oder Magenschutz verordnen. Spezielle Nahrungsergänzungsmittel, wie Phosphatbinder, können zusätzlich zur Nierendiät eingesetzt werden, wenn die Blutwerte trotz Diät nicht ausreichend sinken. Studien haben gezeigt, dass die Kombination aus Nierendiät und Phosphatbinder die Lebenserwartung weiter verlängern kann. Achten Sie stets darauf, dass Ihre Katze frisches Trinkwasser zur Verfügung hat, und vermeiden Sie Belastungen ihres Kreislaufs.

Die bereitstellung von Hilfsmitteln wie einem Tablettenmörser oder einem Tablettenzerteiler kann die Verabreichung von Medikamenten erleichtern.