Katzen sind faszinierende Geschöpfe – oft eigensinnig und mit klaren Vorstellungen, besonders wenn es um ihre Mahlzeiten geht. Viele Katzenbesitzer kennen das Szenario: Gut gemeinte Leckereien landen unberührt im Napf, während die Katze demonstrativ wegschaut. Doch hinter der wählerischen Fassade verbirgt sich ein komplexer Ernährungsbedarf, der weit über bloße Vorlieben hinausgeht. Dieser Artikel beleuchtet, was Katzen wirklich benötigen, wie eine artgerechte Fütterung aussieht und welches Futter die Gesundheit Ihres vierbeinigen Familienmitglieds optimal unterstützt. Wir haben 33 Nassfutter und 25 Trockenfutterarten getestet und Expertenrat von Dr. med. vet. Anne Mößeler und Dr. med. vet. Stephanie Schmitt eingeholt. Erfahren Sie mehr über die richtige Ernährung Ihrer Katze.
Was Ihre Katze wirklich braucht: Ein tiefer Blick auf Katzenfutter
Katzen sind von Natur aus Fleischfresser und haben einen hohen Bedarf an Protein, das sie idealerweise aus Fleisch und tierischen Nebenprodukten wie Lunge oder Herz beziehen. Diese Lieferanten sind nicht nur proteinreich, sondern liefern auch wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Eine vegetarische oder vegane Ernährung ist für Katzen als alleinige Futtergrundlage nicht geeignet. Auch Bio-Fleisch kann eine gute Option sein, solange es den Nährstoffbedarf deckt.
Essenzielle Nährstoffe und ihre Bedeutung
Neben Proteinen sind für Katzen essenziell:
- Vitamine: A, D, B1 (Thiamin), B3 (Niacin)
- Fettsäuren: Arachidonsäure
- Aminosäuren: Taurin, das Katzen nicht selbst produzieren können und unbedingt über die Nahrung aufnehmen müssen.
- Mineralstoffe: Ein ausgewogenes Verhältnis von Kalzium und Phosphor ist entscheidend.
Bei der Auswahl von Futter ist es ratsam, auf eine transparente Deklaration der Inhaltsstoffe zu achten. Aussagen wie “Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse” können sehr unspezifisch sein und verbergen potenziell wenig appetitliche Bestandteile. Offene Deklarationen, die genaue Angaben zu den Fleischsorten und deren Anteil machen, sind vorzuziehen.
Getreide und Zucker im Katzenfutter: Eine kritische Betrachtung
Viele Hersteller werben mit getreidefreien Produkten. Während geringe Mengen verträglichen Getreides für manche Katzen kein Problem darstellen, können glutenhaltige Getreidesorten zu Übergewicht und Unwohlsein führen. Trockenfutter benötigt Kohlenhydrate als Bindemittel, aber auch Alternativen wie Kartoffeln oder Linsen sind möglich.
Zucker ist für Katzen ernährungsphysiologisch unnötig. Er wird manchmal als Konservierungsmittel oder zur optischen Aufwertung (Karamellisierung) eingesetzt. Zwar ist der Zuckergehalt oft gering, sodass keine gravierenden gesundheitlichen Folgen wie Karies zu erwarten sind, aber es ist ratsam, zuckerfreie Produkte zu bevorzugen.
Die Bedeutung von Zusatz- und Konservierungsstoffen
Natürliche Zusatzstoffe wie Vitamine und Mineralstoffe sind oft notwendig, da Fleisch allein den Bedarf nicht immer decken kann und Verarbeitungsprozesse Nährstoffe reduzieren können. Auch Taurin wird häufig nachträglich hinzugefügt. Ein Futter ohne jegliche Zusatzstoffe ist daher oft kein Alleinfuttermittel.
Was verbirgt sich hinter “Fleisch und tierischen Nebenprodukten”?
Die Kennzeichnung von Katzenfutter unterliegt verschiedenen Deklarationsformen:
- Geschlossene Deklaration: Nur pauschale Angaben wie “Fleisch und tierische Nebenerzeugnisse”.
- Halboffene Deklaration: Auflistung der Hauptbestandteile ohne genaue Prozentangaben.
- Offene Deklaration: Genaue Auflistung aller Inhaltsstoffe inklusive Prozentzahlen.
Eine geschlossene Deklaration deutet oft auf eine weniger hochwertige Zusammensetzung hin. Wichtig ist: Antibiotika-belastetes Fleisch oder Nebenerzeugnisse dürfen nicht für Katzenfutter verwendet werden. Aktuelle Untersuchungen zeigen zudem, dass der Gehalt an anorganischen Phosphaten in manchen Futtermitteln zu hoch sein kann, was im Verdacht steht, chronische Niereninsuffizienz zu fördern.
Die richtige Ernährung: Vielfalt und Bedarfsgerechtigkeit
Die ideale Ernährung variiert von Katze zu Katze. Manche bevorzugen Trockenfutter, andere Nassfutter, viele setzen auf eine Mischkost. Ergänzungsfuttermittel können spezifische Nährstofflücken schließen. Nassfutter, das als Alleinfuttermittel ausgewiesen ist, sollte alle notwendigen Nährstoffe enthalten. In Deutschland sind die Futtermittelrichtlinien durch Verbände wie FEDIAF streng geregelt.
Unabhängig von der Futterart ist die Wahl des passenden Futters für das jeweilige Lebensstadium der Katze essenziell. Auch Kriterien wie Bio-Qualität und Preis spielen für den Halter eine Rolle. Immer mehr Hersteller legen Wert auf ressourcenschonende Produktion und den respektvollen Umgang mit Schlachttieren.
Nassfutter vs. Trockenfutter: Vor- und Nachteile
- Nassfutter:
- Vorteile: Hoher Wassergehalt (wichtig für Katzen, die wenig trinken), erleichtert Gewichtskontrolle, seltener Überdosierung.
- Nachteile: Verdirbt schnell, produziert mehr Müll, tendenziell teurer.
- Trockenfutter:
- Vorteile: Länger haltbar, geringere Kosten und Müllproduktion, gut für Futterspiele geeignet.
- Nachteile: Geringer Wassergehalt (erfordert gesteigerte Flüssigkeitsaufnahme), kann zu Übergewicht führen, der zahnreinigende Effekt ist oft marginal.
Eine Mischfütterung ist sinnvoll, um die Katze an beide Optionen zu gewöhnen. Wichtig ist jedoch, die Gesamtfuttermenge im Blick zu behalten. Milch ist übrigens kein geeignetes Getränk für Katzen.
Fütterungsempfehlungen und Gewichtsmanagement
Katzen sind von Natur aus keine “Schlinger” wie Hunde; ihr Stoffwechsel ist auf mehrere kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt ausgelegt. Idealerweise sollte die Tagesration auf mehrere Portionen aufgeteilt werden. Dauerhafter Zugang zu Trockenfutter kann jedoch zu einer übermäßigen Energiezufuhr führen. Fütterungsempfehlungen auf der Verpackung sind Richtwerte und sollten individuell angepasst werden, idealerweise nach Rücksprache mit einem Tierarzt.
Bei einer Futterumstellung ist Geduld gefragt. Langsames Mischen des neuen Futters unter das alte, Fütterung aus der Hand oder das Erwärmen von Nassfutter können helfen. Katzen dürfen niemals hungern! Eine plötzliche Nahrungsverweigerung bei Umstellungen kann zu gefährlicher hepatischer Lipidose führen.
Übergewicht bei Katzen: Ein ernsthaftes Problem
Übergewichtige Katzen sind anfälliger für Krankheiten wie Diabetes. Neben mehr Bewegung ist eine angepasste Futterration entscheidend. Fettreduziertes Futter kann problematisch sein, wenn es gleichzeitig zu wenig Protein enthält, was zu Muskelabbau führt. Eine spezialisierte Ernährungsberatung durch einen Tierarzt ist hier oft unerlässlich. Hungerkuren sind riskant und können zu Nährstoffmangel führen. Diätfutter sollte proteinreich sein und Ballaststoffe für eine bessere Sättigung enthalten.
Empfehlenswerte Nassfutter im Test
Bei der Bewertung von Nassfutter achteten wir besonders auf einen hohen Fleischanteil, die Zugabe wichtiger Nährstoffe und eine transparente Deklaration.
Testsieger: Mjamjam Saftiges Huhn an leckeren Möhrchen mit Katzenminze – überzeugt mit hohem Fleischanteil und transparenter Zutatenliste.
Extra viel Fleisch: Anifit Delice de Coer mit Huhn – beeindruckt mit 99% Fleischanteil und Engagement für Tierschutz.
Bestes Ergänzungsfuttermittel: Applaws Hühnerbrust in Brühe – eine hervorragende Proteinquelle mit niedrigem Fettgehalt.
Luxusklasse: Anifit Powertöpfchen – bietet höchsten Fleischanteil und überzeugenden Geschmack.
Preistipp: Dein Bestes Reich an Huhn in Gelee – bietet gute Qualität zu einem attraktiven Preis.
Die besten Trockenfutter im Überblick
Beim Trockenfutter standen neben den Inhaltsstoffen besonders die Konsistenz und die Feuchtigkeit der Kroketten im Fokus.
Testsieger: Real Nature Wilderness Adult Pure Chicken – zeichnet sich durch frisches Fleisch und eine angenehm feuchte Krokettenkonsistenz aus.
Auch gut: Sanabelle Adult mit Geflügel – eine ausgewogene Rezeptur mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis.
Luxusklasse: The Better Cat Better Bird – überzeugt mit hohem Fleischanteil, Proteingehalt und transparenten Informationen.
So haben wir getestet
Unsere Bewertung basierte auf einer detaillierten Analyse der deklarierten Inhaltsstoffe, des Fleischanteils, der Transparenz der Deklaration sowie der Handhabung der Verpackung. Wir berücksichtigten auch Zusatzstoffe wie Getreide und Zucker.
Die richtige Ernährung ist entscheidend für die Gesundheit und das Wohlbefinden Ihrer Katze. Mit dem Wissen über die spezifischen Bedürfnisse Ihres Tieres und einer sorgfältigen Auswahl des Futters können Sie sicherstellen, dass Ihre Samtpfote ein langes und glückliches Leben führt.
