Mini-Waschmaschinen versprechen eine praktische Lösung für alle, die nur wenig Platz haben, einzelne Wäschestücke schnell reinigen möchten oder eine Ergänzung zur Hauptwaschmaschine suchen. Ob für verschwitzte Sportkleidung, das Lieblingshemd nach einem kleinen Malheur oder die Wäsche im Single-Haushalt – die kompakten Geräte, oft nicht höher als 70 Zentimeter, finden selbst unter dem Waschbecken im Badezimmer Platz. Doch halten sie, was sie versprechen? Und welche Modelle überzeugen in puncto Waschleistung, Verbrauch und Handhabung? Die Konsumentenmagazine Kassensturz und K-Tipp haben acht Mini-Waschmaschinen in einem unabhängigen Labor gründlich testen lassen.
Mini-Waschmaschinen: Wann sie Sinn machen und wo ihre Grenzen liegen
Es ist wichtig zu verstehen, dass Mini-Waschmaschinen keine vollwertigen Alternativen zu großen Haushaltswaschmaschinen darstellen. Testleiter Lionel Bidaut vom französischen Labor CTTN Iren in Ecully, das auf die Prüfung von Haushaltsgeräten spezialisiert ist, betont dies deutlich: „Diese Mini-Waschmaschinen sind nicht gedacht, um jede Woche oder jeden Monat die Wäsche für eine ganze Familie zu waschen.“ Ihre Stärke liegt im Waschen kleiner Ladungen von drei bis fünf Kilogramm. Sie sind ideal für:
- Single-Haushalte und Studenten: Für den regelmäßigen Bedarf an kleineren Wäschemengen.
- Zusatzgerät: Perfekt, um Sportkleidung, Unterwäsche oder einzelne Hemden schnell zwischendurch zu reinigen, ohne die große Maschine laufen lassen zu müssen.
- Kleine Wohnungen und Ferienwohnungen: Wo jeder Zentimeter zählt und ein fester Kaltwasseranschluss oft genügt (eventuell mit zusätzlichem Ventil).
- Camping und mobile Einsätze: Speziell dafür konzipierte Modelle bieten Flexibilität für unterwegs.
Für große Mengen an Wäsche, Bettwäsche oder Handtüchern einer Familie sind sie jedoch ungeeignet.
Der große Mini-Waschmaschinen-Test: So wurde geprüft
Für den umfangreichen Test schickten Kassensturz und K-Tipp acht verschiedene Mini-Waschmaschinen ins französische Speziallabor CTTN Iren. Die Experten unterzogen die Geräte einer Reihe strenger Prüfungen, um ein umfassendes Bild ihrer Leistung zu erhalten. Dabei wurden folgende Kriterien genauestens unter die Lupe genommen:
Waschergebnis: Die Kernkompetenz im Fokus
Das Waschergebnis ist das wichtigste Kriterium für jede Waschmaschine. Die Labormitarbeiter ließen jedes Gerät dreimal im Standardprogramm für Baumwolle bei 40 und 60 Grad Celsius laufen. Die Maschinen wurden dabei jeweils zu 80 Prozent beladen. Acht unabhängige Experten bewerteten anschließend, wie gut die Geräte hartnäckige Alltagsflecken von Olivenöl, Blut, Rotwein und Schokolade entfernen konnten. Zusätzlich wurde geprüft, wie viele Waschmittelrückstände nach dem Spülgang noch in der Wäsche verblieben waren und wie hoch die Restfeuchte nach dem Schleudern war. Auch die tatsächliche Temperatur während des 60-Grad-Programms wurde präzise gemessen.
Lärmbelastung: Ein wichtiger Faktor im Wohnbereich
Da Mini-Waschmaschinen oft in Wohnräumen oder kleinen Bädern stehen, ist die Lautstärke ein entscheidendes Komfortmerkmal. Die Experten maßen die Geräuschentwicklung in einem Abstand von fünf Metern. Ergänzend dazu bewerteten drei Experten subjektiv das Maschinengeräusch während des Betriebs.
Wasser- und Stromverbrauch: Effizienz im Alltag
Angesichts steigender Energiepreise und des Umweltbewusstseins ist der Verbrauch ein relevanter Aspekt. Gemessen wurde der Strom- und Wasserverbrauch jeweils im 40- und 60-Grad-Standardprogramm bei einer Auslastung von 80 Prozent.
Handhabung: Benutzerfreundlichkeit im Test
Die Bedienung der Geräte wurde von drei Experten bewertet. Kriterien waren hierbei, wie einfach sich die Tür öffnen und schließen lässt und wie gut die Filter für die regelmäßige Reinigung zugänglich sind.
Die getesteten Geräte bewegten sich in einer Preisspanne von 159.90 bis 1299 Franken, was die Bandbreite des Angebots verdeutlicht.
Die Testsieger: Diese Mini-Waschmaschinen schneiden “gut” ab
Im Test konnten drei Mini-Waschmaschinen mit der Note „gut“ überzeugen und lieferten solide Leistungen ab.
Kenwood „Mini 850“: Mit einer Endnote von 4.9 ging dieses Modell als Testsieger hervor. Es zeichnete sich durch eine sehr gute Fleckenentfernung aus und verbrauchte dabei vergleichsweise wenig Wasser und Strom. Testleiter Lionel Bidaut fasst zusammen: „Dieses Modell bietet den besten Kompromiss zwischen Waschleistung und Verbrauch.“ Es ist eine ausgezeichnete Wahl für alle, die Wert auf Effizienz und Sauberkeit legen.
AEG-Modell und Electrolux „EWC 1352 Compact D“: Diese beiden Modelle erhielten eine etwas niedrigere Gesamtnote, was hauptsächlich auf ihren höheren Stromverbrauch zurückzuführen war. Dennoch lieferten sie ein gutes Waschergebnis und sind für Konsumenten, die perfekte Waschergebnisse schätzen und gleichzeitig Ressourcen schonen wollen, eine gute Option, wie Electrolux in seiner Stellungnahme betont.
Haier-Modell: Die Maschine von Haier stach positiv hervor, da sie als eines der wenigen Modelle eine 5-Kilogramm-Ladung bewältigen kann. Sie war zudem einfach zu bedienen und zeigte einen vergleichsweise geringen Wasser- und Stromverbrauch. Allerdings offenbarte sie Schwächen bei der Fleckenentfernung, insbesondere bei Olivenöl- und Blutflecken, die nicht restlos beseitigt werden konnten. Haier vermutet, dass dies auf eine geringere mechanische Kraft im Vergleich zu Referenzmaschinen mit größerem Trommelvolumen zurückzuführen sein könnte.
Kenwood „Mini1020“ und Novamatic: Diese beiden Modelle erreichten jeweils die Note 4.6. Auch sie hatten, ähnlich wie das Haier-Modell, leichte Schwierigkeiten bei der Beseitigung aller Alltagsflecken, boten aber ansonsten eine akzeptable Leistung.
Mangelhaft im Test: Günstige Modelle enttäuschen
Die beiden günstigsten Geräte im Test, die Mini-Waschmaschinen von Gonser.ch (Modell Elego) und Tectake.ch, fielen durch und erhielten ungenügende Noten. Der Hauptgrund für ihr schlechtes Abschneiden: Sie können keine 60-Grad-Waschgänge durchführen, da ihnen ein integrierter Heizstab fehlt, um einlaufendes Wasser aufzuheizen.
Für den Sauberkeitstest wurde 40 Grad warmes Wasser in die Maschinen geleitet. Doch auch dabei waren nach den Waschgängen Schokoladen- und Fettflecken noch deutlich sichtbar.
Gonser erklärte dazu, dass die Elego-Maschine speziell für mobile Einsätze wie auf dem Campingplatz oder in Ferienwohnungen konzipiert sei, wo Kompaktheit und Leichtigkeit im Vordergrund stünden. Diese Bauweise beeinträchtige die Waschleistung leicht. Tectake ergänzte, dass das eingefüllte Wasser aufgrund des fehlenden Heizstabs rasch abkühle, wodurch sich das Waschmittel nicht vollständig auflöse und das Waschergebnis leide. Beide Unternehmen kündigten an, die kritisierten Punkte mit den Herstellern zu prüfen und Verbesserungen anzuregen.
Hersteller nehmen Stellung: Einblicke und Empfehlungen
Die Hersteller der getesteten Mini-Waschmaschinen äußerten sich zu den Testergebnissen und lieferten weitere Erklärungen und Empfehlungen:
Gonser (Verkäufer des Modells Elego): Betont die mobile Ausrichtung des Geräts für Camping und Ferienwohnungen und räumt ein, dass dies Einschränkungen im Nutzungskomfort mit sich bringen kann. Eine Überprüfung und mögliche Verbesserungen werden zugesagt.
Tectake: Erklärt die unzureichende Waschleistung durch das Fehlen eines Heizstabs, wodurch das Wasser schnell abkühlt und das Waschmittel sich nicht vollständig auflöst. Für die Kritik bezüglich der Schleuderkapazität, die nicht der Waschkapazität entspricht, empfiehlt Tectake, die Wäsche während des zweiten Waschgangs zu schleudern/trocknen, da die Trockenzeit kürzer ist als die Waschzeit.
Fust (Verkäufer des Modells Novamatic): Verweist auf die Bedienungsanleitung, in der die Notöffnung und Notentleerung bei Stromausfall detailliert beschrieben sind, als Antwort auf die Anmerkung zum Fehlen einer Notentriegelung.
Haier: Erklärt die Waschleistung in Kombination mit dem Stromverbrauch. Haier vermutet, dass ihre Maschine einen Heizprozess durchführt, während eine Referenzmaschine möglicherweise nicht heizt, aber durch eine deutlich größere mechanische Kraft und ein größeres Trommelvolumen ein besseres Ergebnis erzielt.
Electrolux (Hersteller von AEG und Electrolux): Unterstreicht die guten Ergebnisse beider Modelle in Bezug auf Strom- und Wasserverbrauch und bestätigt die Bemühungen, ökologische Lösungen in jeder Komfortklasse anzubieten. Sie positionieren ihre Modelle als richtige Wahl für Konsumenten, die Wert auf perfekte Waschergebnisse bei gleichzeitiger Schonung natürlicher Ressourcen legen.
Fazit: Die richtige Mini-Waschmaschine für Ihre Bedürfnisse
Der Test von Kassensturz und K-Tipp zeigt klar: Mini-Waschmaschinen können eine sinnvolle Ergänzung für spezifische Bedürfnisse sein, sind aber kein Ersatz für eine große Waschmaschine. Die Spitzenmodelle wie der Kenwood „Mini 850“ bieten eine überzeugende Waschleistung bei moderatem Verbrauch. Wer eine kompakte Lösung für kleine Wäschemengen sucht, findet hier gute Optionen.
Vorsicht ist geboten bei sehr günstigen Modellen ohne Heizfunktion, da diese oft keine zufriedenstellenden Waschergebnisse liefern. Achten Sie beim Kauf darauf, ob das Gerät einen Heizstab besitzt und welche Kapazität es tatsächlich bietet. Überlegen Sie genau, wofür Sie die Mini-Waschmaschine hauptsächlich nutzen möchten, um das passende Modell für Ihre Anforderungen zu finden. Egal, ob für den Single-Haushalt, als Zweitgerät oder für unterwegs – der Markt bietet vielfältige Lösungen. Wählen Sie mit Bedacht und genießen Sie die Flexibilität, die eine Mini-Waschmaschine bieten kann.
