Scharlach, eine hochansteckende bakterielle Infektion, ist eine Erkrankung, die vor allem im Kindesalter auftritt, aber auch Erwachsene betreffen kann. Typische Anzeichen wie Fieber, Hals- und Kopfschmerzen sowie ein charakteristischer, rauer Hautausschlag können auf diese durch Streptokokken verursachte Krankheit hindeuten. Das Verständnis ihrer Symptome und die schnelle Diagnose sind entscheidend für eine effektive Behandlung und zur Eindämmung der Verbreitung. In den letzten Monaten wurden vermehrt Scharlachfälle registriert, was die Aufmerksamkeit auf diese einst als weitgehend unter Kontrolle gegoltene Infektion lenkt.
Was ist Scharlach? Ursache und die ersten Anzeichen
Scharlach wird durch Bakterien der Art Streptokokkus pyogenes hervorgerufen. Diese Erreger produzieren Toxine (Giftstoffe), die die charakteristischen Symptome der Krankheit auslösen. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion, also beim Husten, Niesen oder Sprechen. Seltener ist auch eine Ansteckung über kontaminierte Gegenstände möglich.
Nach einer relativ kurzen Inkubationszeit von typischerweise ein bis drei Tagen treten die ersten Beschwerden auf. Initial klagen Betroffene über Schluckbeschwerden, starke Halsschmerzen und oft hohes Fieber, begleitet von Schüttelfrost. Übelkeit und Erbrechen können ebenfalls dazugehören, und die Wangen erscheinen oft gerötet. Es ist wichtig zu beachten, dass diese Frühsymptome unspezifisch sein können und auch bei anderen Atemwegsinfektionen auftreten. Eine erhöhte Wachsamkeit ist jedoch geboten, insbesondere wenn gleichzeitig Fieber auftritt. [3 tage fieber erwachsene](https://shocknaue.com/3-tage-fieber-erwachsene/)
Charakteristischer Ausschlag und weitere Symptome
Erst einige Tage nach den ersten Anzeichen entwickeln sich die für Scharlach typischen Haut- und Schleimhautveränderungen, die eine eindeutige Diagnose erleichtern.
Der typische Scharlach-Ausschlag
Der Hautausschlag, medizinisch als Exanthem bezeichnet, zeigt sich in der Regel am zweiten bis vierten Krankheitstag. Er beginnt häufig in der Leistengegend und breitet sich dann auf die Innenseiten der Oberschenkel sowie schließlich auf den gesamten Körper aus. Der Ausschlag fühlt sich oft sandpapierartig an und ist fein fleckig. Ein besonders charakteristisches Merkmal von Scharlach ist die Aussparung des Mund-Kinn-Dreiecks: Der Bereich um Mund und Kinn bleibt blass, während der restliche Gesichtsbereich gerötet ist. Nach ein bis drei Wochen klingt der Ausschlag wieder ab, und die Haut beginnt sich zu schälen, besonders stark an den Handinnenflächen und Fußsohlen.
Zungen- und Rachenveränderungen
Parallel zum Hautausschlag sind auch Veränderungen im Rachen und an der Zunge zu beobachten. Der Rachen ist stark gerötet, die Mandeln können geschwollen sein und weisen oft fleckige Beläge auf. Die Zunge zeigt zunächst einen weißlichen Belag, der nach wenigen Tagen abgestoßen wird und die typische “Himbeerzunge” zum Vorschein bringt – eine tiefrote Zunge mit deutlich hervortretenden Geschmackspapillen. Auch die Mundschleimhaut kann fleckig gefärbt sein.
Diagnose und Behandlung von Scharlach
Eine frühzeitige und präzise Diagnose ist bei Scharlach essenziell, um Komplikationen vorzubeugen und die Ausbreitung der Krankheit zu stoppen. Da die Erreger unterschiedliche Giftstoffe produzieren können, ist es wichtig zu wissen, dass man grundsätzlich mehr als einmal im Leben an Scharlach erkranken kann. Eine überstandene Scharlach-Infektion schützt nicht vor einer erneuten Erkrankung, wenn man mit einem anderen Toxin-Typ in Kontakt kommt.
Der Weg zur Diagnose
Bei Verdacht auf Scharlach wird der Arzt zunächst das charakteristische Exanthem betrachten und eine ausführliche Anamnese erheben. Dabei werden die aktuellen Symptome, die Krankheitsgeschichte und mögliche Kontakte zu Infizierten abgefragt. Um die Diagnose zu sichern, kann ein Rachenabstrich entnommen und im Labor auf das Vorhandensein von Streptokokken untersucht werden. Ergänzend steht ein Schnelltest zur Verfügung, der innerhalb weniger Minuten Aufschluss darüber geben kann, ob Streptokokken als Ursache der Beschwerden infrage kommen. Dieser Test ist besonders nützlich, um rasch eine antibiotische Therapie einzuleiten.
Therapieoptionen und Ende der Ansteckungsfähigkeit
Scharlach wird in der Regel mit Antibiotika behandelt, meistens Penicillin oder ein Cephalosporin, da diese Wirkstoffe die Streptokokken sehr effektiv bekämpfen. Die Antibiotikatherapie ist nicht nur entscheidend für die Genesung des Patienten, sondern auch zur Vermeidung von Folgeerkrankungen wie rheumatischem Fieber oder Nierenentzündungen. Ein weiterer wichtiger Aspekt der Behandlung ist die schnelle Reduzierung der Ansteckungsfähigkeit: Bereits 24 Stunden nach der ersten Antibiotikaeinnahme gelten Betroffene in der Regel nicht mehr als ansteckend und können Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen oder Kindergärten wieder besuchen. Es ist jedoch von größter Bedeutung, den verordneten Antibiotikakurs vollständig abzuschließen, auch wenn sich die Symptome bereits gebessert haben, um die Erreger vollständig zu eliminieren und Resistenzen vorzubeugen.
Aktuelle Scharlach-Welle in Deutschland und Europa
Die jüngste Entwicklung der Infektionszahlen gibt Anlass zur erhöhten Wachsamkeit. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in seinem epidemiologischen Bericht vom 5. Januar einen ungewöhnlichen Anstieg von Streptokokken-Infektionen bei Kindern festgestellt. Diese Entwicklung wurde bereits im Dezember 2022 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet, die vor einer schweren Scharlach-Welle in Europa warnte. Besonders besorgniserregend waren die Zahlen aus dem Vereinigten Königreich, wo von September bis Dezember 15 Kinder unter 15 Jahren an den Folgen von Scharlach verstarben.
Mitte Januar berichteten das RKI und das Nationale Referenzzentrum, dass auch in Deutschland die Erkrankungszahlen deutlich ansteigen, nachdem sie während der COVID-19-Pandemie vergleichsweise niedrig gewesen waren. Trotz dieses Anstiegs schätzen die deutschen Gesundheitsbehörden die Situation nicht als ernsthafte Bedrohung für die öffentliche Gesundheit ein. Es wird jedoch zu erhöhter Wachsamkeit bei Atemwegsinfekten geraten.
Aktuelle Meldungen, beispielsweise aus Münster oder dem Ennepe-Ruhr-Kreis, weisen auf übermäßig viele Scharlachfälle in Kindertagesstätten und Grundschulen hin. Da eine Meldepflicht für Scharlach in Deutschland lediglich für Kinder- und Jugend-Gemeinschaftseinrichtungen besteht, gehen Experten von einer hohen Dunkelziffer an Erkrankungen aus. Dies unterstreicht die Bedeutung der Symptomerkennung und schneller Diagnostik, um die Verbreitung einzudämmen.
Fazit
Scharlach ist eine ernst zu nehmende bakterielle Infektion, deren typische Symptome von Halsschmerzen und Fieber bis hin zu einem charakteristischen Hautausschlag reichen. Eine frühzeitige Diagnose und die konsequente antibiotische Behandlung sind entscheidend, um die Genesung zu fördern und schwerwiegende Komplikationen zu verhindern. Angesichts der aktuell steigenden Infektionszahlen ist es besonders wichtig, auf die genannten Symptome zu achten und bei Verdacht umgehend ärztlichen Rat einzuholen. Bleiben Sie wachsam und schützen Sie sich und Ihre Mitmenschen durch bewusste Hygiene und frühzeitige medizinische Versorgung.
Quellen:
- Streptokokken: WHO warnt vor schwerer Scharlach-Welle in Europa (mdr.de)
- Scharlach – infektionsschutz.de Scharlach (sozialministerium.at)
- Scharlach: Eine ernst zu nehmende Kinderkrankheit (kinderaerzte-im-netz.de)
- RKI meldet steilen Anstieg bei Streptokokken – Scharlach-Welle in Deutschland? (merkur.de)
- Scharlach: Droht Deutschland eine schwere Streptokokken-A-Welle? (faz.net)
- Scharlach-Welle rollt durch Europa: Wie gefährlich sind A Streptokokken? (rnd.de)
- Untersuchungen und Diagnose » Scharlach » Krankheiten » HNO-Ärzte-im-Netz » (hno-aerzte-im-netz.de)
- Viele Streptokokken-Infektionen: Droht eine Scharlach-Welle? (tagesschau.de)
