Ein Kirschbaum ist oft das Herzstück eines jeden Gartens und begeistert über das ganze Jahr hinweg. Im Frühling zieht er mit seiner unzähligen weißen Blütenpracht Bienen und Hummeln magisch an, im Sommer bieten seine saftigen Früchte eine willkommene Nascherei für Kinder und Vögel, und im Herbst erstrahlt sein Laub in leuchtendem Gelb-Orange. Selbst im Winter, wenn die Sonne durch seine charakteristische schwarze Rinde scheint, ermöglicht er die Unterpflanzung mit charmanten Frühblühern. Dieser umfassende Leitfaden begleitet Sie durch die Welt der Kirschbäume, von der Wahl der richtigen Sorte bis zur optimalen Pflege für eine ertragreiche Ernte.
Die Süßkirsche (Prunus avium) gehört, wie viele unserer Obstbäume, zur Familie der Rosengewächse. Sie und ihre heimische Wildart, die Vogelkirsche, gelten als bemerkenswert anpassungsfähige Bäume. Je nach Sorte gedeihen sie auch auf trockeneren Böden und vertragen einiges an Hitze, was sie zu einer klimaresilienten Wahl für kommende Jahrzehnte macht. Die Sauerkirsche (Prunus cerasus), auch bekannt als Amarelle, Morelle oder Baum-Weichsel, ist ebenfalls ein in Europa heimischer Kleinbaum. Ihre Früchte sind aufgrund ihres höheren Säuregehalts besonders beliebt für die Herstellung von Säften und Gelees.
Ein Kirschbaum ist ein ökologisch wertvolles Element in jedem Biogarten. Er spendet nicht nur lichten Schatten und lädt zum Genießen der Früchte direkt vom Baum ein, sondern bietet auch zahlreichen einheimischen Tieren Nahrung. Obwohl die Beliebtheit der Kirschen bei Vögeln und Kleinsäugern manchmal zu vielen „Erntehelfern“ führt, ist es doch beruhigend zu wissen, dass die Natur, falls Sie nicht alles ernten können, hier reichlich Nahrung findet.
Kirschbaum im Fokus: Süßkirsche, Sauerkirsche und ihre Besonderheiten
Kirschbäume sind vielfältig in ihren Eigenschaften und Anforderungen. Das Verständnis der Unterschiede zwischen Süß- und Sauerkirschen ist entscheidend für die erfolgreiche Pflanzung und Pflege in Ihrem Garten. Beide Arten bieten einzigartige Vorteile und bereichern das Gartenleben auf ihre Weise.
Die Rolle der Befruchtung für eine reiche Kirschernte
Für die meisten herkömmlichen Süßkirschsorten ist die Wahrscheinlichkeit einer besseren und reichlicheren Fruchtbildung deutlich höher, wenn sich ein zweiter Kirschbaum in der Nähe befindet. Ideal ist eine andere Sorte oder eine Wildart wie die Vogel-Kirsche. Ein Abstand von bis zu 200 Metern gilt noch als nah, wobei weniger als 50 Meter optimal sind. Es ist außerdem von Vorteil, wenn beide Kirschsorten etwa zur gleichen Zeit blühen und fruchten, um eine gegenseitige Bestäubung in ungünstigen Jahren zu gewährleisten. Wenn in Ihrer Nachbarschaft bereits Kirschbäume wachsen, ist die Pflanzung von zwei eigenen Bäumen möglicherweise nicht zwingend notwendig.
Im Gegensatz dazu ist ein Sauerkirschbaum in der Regel selbstfruchtbar. Das bedeutet, dass der Pollen der eigenen Blüten als Bestäuber ausreicht, um eine reiche Ernte von Sauerkirschen zu erzielen.
Einige neuere Süßkirschsorten sind ebenfalls selbstbefruchtend, wie beispielsweise die Sorten ‘Sunburst’ und ‘Lapins’. ‘Lapins’ gilt als eine der zuverlässigsten selbstfruchtbaren Süßkirschen. Doch auch bei diesen Sorten führt eine zusätzliche Bestäubung durch andere Kirschbäume oft zu noch mehr und qualitativ besseren Früchten.
Für die erfolgreiche Befruchtung Ihrer Kirschbäume sind Insekten unerlässlich. Ein bienenfreundlicher Garten, der durch sanften Pflanzenschutz, wilde Ecken und ein ganzjähriges Blütenangebot – beispielsweise durch nützlingsfreundliche Stauden – geprägt ist, spielt daher eine entscheidende Rolle für Ihre Obsternte.
Der ideale Standort für Ihren Kirschbaum: Platzbedarf und Bodentypen
Die Wahl des richtigen Standortes ist grundlegend für das Gedeihen Ihres Kirschbaums. Kirschen sind zwar nicht übermäßig anspruchsvoll, was den Boden angeht, doch ein nährstoffreicher, feuchter, mit Kompost versorgter Gartenboden mit ausreichend Sonnenlicht bietet die besten Voraussetzungen. Wie alle Obstbäume vertragen Kirschbäume keine dauerhafte Nässe. In Gärten, die zu Pfützenbildung neigen, sollten Obstbäume stets an der höchsten Stelle gepflanzt werden.
Platzbedarf je nach Kirschsorte
Beim Kauf eines Kirschbaums ist der Platzbedarf das wichtigste Kriterium. Ein klassischer Hochstamm wird hoch und entwickelt eine breite Krone, die etwa acht Meter im Durchmesser beansprucht. In unserem Shop finden Sie eher klein bleibende, veredelte Sorten, die auch in einem mittelgroßen Garten einen perfekten Kirschbaum für ein schattiges Plätzchen darstellen. Die meisten unserer Bäume sind als Buschbaum gezogen und auf eine mittelstark wachsende, ertragreiche Wurzelunterlage gepfropft. Für einen normalen Süßkirschbaum wie z.B. ‘Kordia’ mit süßen, fast schwarzen Früchten oder die beliebte alte Sorte ‘Hedelfinger Knorpelkirsche’ sollten Sie dennoch langfristig einen Platz von mindestens 6 Metern Durchmesser einplanen, um häufiges Schneiden zu vermeiden.
Für einen normalen Sauerkirschbaum benötigt man im Garten einen Platz von etwa 4 bis 5 Metern Durchmesser. Ein Klassiker ist die besonders ertragreiche Sauerkirsche ‘Morellenfeuer’. Sie entstand aus einer Kreuzung mit der klassischen Schattenmorelle und zeichnet sich durch verbesserten Wuchs und Ertrag aus. Diese Art Sauerkirsche wird auch Weichselkirsche genannt. Sauerkirschbäume können und sollten regelmäßig beschnitten werden und bleiben von Natur aus etwas zierlicher. Auch in der Höhe werden sie kaum 4 Meter überragen, was beispielsweise die freie Sicht aus oberen Fenstern des Hauses gewährleistet.
Kompakte Kirschbäume für kleine Gärten und Kübel
Die Sortenauswahl an Kirschbäumen für kleine Gärten ist beeindruckend. Eine Säulenkirsche trägt üblicherweise ebenso große und schmackhafte Früchte wie ein herkömmlicher Süß- oder Sauerkirschbaum. Ihre Wuchsform ist jedoch viel schmaler, wodurch sie im Garten eine wesentlich kleinere Grundfläche benötigt. Der Platzbedarf für eine Säulenkirsche überschreitet nie 1,50 x 1,5 Meter, was diese Wuchsform besonders gut für eine Ecke des Gartens, am Wegrand oder als Element einer Fruchthecke geeignet macht. Die Wuchshöhe dieser Kirsch-Sorten beträgt 2,5 bis maximal 4 Meter, wobei sie sich bei Bedarf auch auf 2 Meter Höhe „kappen“ lässt. Säulenkirschen benötigen dauerhaft einen Stützpfahl. Ein schönes Beispiel ist die Säulen-Sauerkirsche ‘Maynard’ mit ihren festen roten Früchten.
Die Auswahl an Kirschbäumen für den kleinen Garten wird durch das Zwergobst ergänzt: Diese wirklich kleinen Bäume gedeihen jahrelang in einem großen Kübel auf dem Balkon, zieren ein Stauden- oder Rosenbeet oder den Vorgarten. Die Zwergkirsche ‘Regina’ trägt süße, aromatische und saftige Früchte, wird etwa 2,50 Meter hoch und wächst gut in einem Kübel mit 50 bis 70 Litern Erde. Warum nicht auf Ihrer Terrasse an einem halbschattigen Standort?
Kirschbaum schneiden: Wann, wie und warum?
Der richtige Schnitt ist entscheidend für die Gesundheit, Fruchtbarkeit und Form Ihres Kirschbaums. Je nach Kirschart und Wuchsform variieren die Bedürfnisse und Zeitpunkte des Schnitts erheblich. Eine fachgerechte Vorgehensweise sichert Ihnen nicht nur eine reiche Ernte, sondern auch einen vitalen Baum.
Süßkirschen richtig schneiden
Süßkirschen, wie zum Beispiel die ‘Büttners Rote Knorpelkirsche’, entwickeln sich unter passenden Wachstumsbedingungen zu stattlichen und prächtigen Bäumen. Ihre schöne Blüte tragen sie je nach Sorte im April, die leckeren Früchte Ende Juni / Anfang Juli. Der optimale Zeitpunkt für den Schnitt ist direkt nach der Ernte, etwa im August. Dann heilen die Schnittwunden schnell, und die Wüchsigkeit des Baumes wird etwas beruhigt. Wenn Sie Ihren Kirschbaum im Winter schneiden, sehen Sie zwar den Aufbau der Äste besser, der Baum wird jedoch zu einem starken Neuaustrieb angeregt, was nicht immer gewünscht ist. Ziel des Schnitts beim Süßkirschenbaum ist stets ein luftiger und gleichmäßiger Aufbau mit vielen eher waagerechten als senkrechten Ästen. Lassen Sie keine Stummel überstehen, sondern machen Sie glatte, möglichst kleine Schnittflächen, die vom lebendigen Holz schnell überwallt werden können.
Sauerkirschen gezielt auslichten
Sauerkirschen vertragen einen regelmäßigen Schnitt mehrmals im Jahr, um gesund und stabil zu bleiben. Besonders zur Vorbeugung der Monilia-Spitzendürre können Sie im Frühjahr die Spitzen der Triebe abschneiden. Ein Kurzhalten der einzelnen Sauerkirsch-Triebe hilft auch gegen das Verkahlen der Baummitte. Entfernen Sie nach der Ernte Totholz und dürre Spitzen und lichten Sie den Baum etwas aus. Im Winter können Sie den gesamten Sauerkirschbaum zu einer kompakten, gut verzweigten Form zurückschneiden.
Schnittpflege für Säulen- und Zwergkirschen
Bei Süß- und Sauerkirschen sind die Säulenbäume genetisch darauf ausgelegt, sich nicht stark auszubreiten, sondern eher langsam und hauptsächlich in die Höhe zu wachsen. Binden Sie sie gut an einen Stützpfahl an. Da hier die Wüchsigkeit eher gewünscht ist, kürzen Sie im Winterhalbjahr die Seitenäste auf etwa 30 cm. Bei Bedarf, wenn der Säulen-Kirschbaum Ihnen zu hoch wird, können Sie auch die Spitze im Winter kappen.
Zwergobst muss eigentlich gar nicht beschnitten werden. Diese Bäume, wie die Zwergsauerkirsche ‘Little Mailot’, wachsen von Natur aus nicht hoch und benötigen nur gelegentlich einen Auslichtungsschnitt. Dieser kann im Winter erfolgen, da die Äste dann besser sichtbar sind. Wenn ein Zwergobstbaum zu buschig oder hoch wird, stutzen Sie ihn im Winter so, dass alle Zweige ausreichend Licht und Luft bekommen.
Kirschbaum Pflanzung und Pflege für nachhaltiges Wachstum
Eine erfolgreiche Pflanzung und kontinuierliche Pflege sind die Grundpfeiler für einen gesunden und ertragreichen Kirschbaum. Von der Vorbereitung des Pflanzlochs bis hin zu den natürlichen Schutzmaßnahmen – jeder Schritt trägt dazu bei, dass Ihr Kirschbaum viele Jahre lang Freude bereitet.
Der optimale Zeitpunkt und das richtige Pflanzloch
Alle Obstbäume, die wurzelnackt – also einfach als ausgegrabener Baum ohne Topf – geliefert werden, können Sie nur in der blattlosen Zeit von November bis Ende März pflanzen. Bäume im Container hingegen können das ganze Jahr über eingesetzt werden, da sie einen kompakten Wurzelballen mitbringen.
Sobald Sie den passenden Standort für Ihren Kirschbaum gewählt und seinen Platzbedarf gut berechnet haben, heben Sie ein mindestens 40 cm tiefes Pflanzloch aus und lockern dessen Boden gründlich auf. Ideal ist es, wenn Sie den Baum zu zweit pflanzen: Eine Person hält den Baum gerade auf der Höhe, sodass die knubbelige Veredelungsstelle am unteren Stammende des Kirschbaumes noch komplett aus der Erde schaut. Diese Stelle sollte nicht mit Erde bedeckt werden und sauber bleiben, damit die Rinde gut darüberwachsen kann. Neben dem Stamm stellen Sie einen Pflanzpfahl ins Loch. Am besten genau südlich vom Stamm, damit der Pfahl der jungen Rinde auch einmal Schatten spendet.
Die zweite Person schaufelt oder schiebt nun das Pflanzloch wieder zu. Sie können etwas Urgesteinsmehl oder reifen Kompost untermischen, oder bei sehr magerem Boden etwas Universaldünger verwenden. Die Erde wird um den Stamm so festgedrückt, dass ein Gießrand entsteht. Dieser leitet das Gieß- und Regenwasser effizient zu den Wurzeln, anstatt vom Baum wegzufließen. Binden Sie den Stamm ausschließlich mit kompostierbarem Strick an den Pfahl. Dieser verrottet von selbst, falls Sie vergessen, ihn zu entfernen, bevor er den Baum abschnürt.
Bewässerung und Düngung
Gießen Sie den Baum nach der Pflanzung gut an, und versuchen Sie, ihn lieber selten, aber regelmäßig mit größeren Wassergaben zu versorgen, bis er richtig angewachsen ist. Dies fördert das Tiefenwachstum der Wurzeln. Die Baumscheibe, also der Bereich am Boden um den Baum, muss frei von Gräsern oder starkem Unkraut (mit Ausnahme von Brennnessel und Löwenzahn) gehalten werden, da der junge Baum sonst zu wenig Nährstoffe erhält.
Dünger für Ihren Kirschbaum können Sie entweder flüssig in Form von verdünnter Brennnesseljauche ausbringen, oder Sie verteilen Kompost oder Grünschnitt unter dem Baum; diese können vor Ort verrotten und beleben den Boden auf natürliche Weise.
Mischkultur und natürliche Pflanzenschutzmaßnahmen
Für die Unterpflanzung von Kirschen eignen sich Lupinen, Knoblauch und Waldmeister hervorragend, ebenso wie die Alleskönner Kapuzinerkresse und Ringelblume. Vermeiden Sie es, Beerensträucher oder Immergrün (Vinca) direkt unter Kirschbäume zu pflanzen, da diese sich nicht gut vertragen. Interessanterweise scheint die Ansiedlung von Brennnesseln und Löwenzahn diesen jungen Obstbäumen sehr gutzutun.
Im Bereich Pflanzenschutz können Leimringe um den Stamm Ihres Kirschbaumes helfen, falls Ameisen beginnen, Blattlauskolonien auf Ihrem Baum zu „pflegen“. Erste Anzeichen hierfür sind sich kräuselnde frische Blätter und reger Ameisenverkehr am Stamm.
Wer Hühner im eigenen Garten hält, kann diese, sobald der Baum anfängt, Kirschen zu tragen, gerne unter ihm scharren lassen: Falls mit Kirschmaden befallene Kirschen herunterfallen, werden sie von den Hühnern unschädlich gemacht, bevor sie schlüpfen und ihre Eier für das nächste Jahr unter dem Baum legen können.
Wühlmäuse stellen eine erhebliche Gefahr für Obstbäume dar, da man ihren Befall oft erst spät erkennt. Sie fressen mit Vorliebe die zarten und wichtigen Wurzeln, was den Baum schnell eingehen lassen kann. Zur Kontrolle halten Sie die Baumscheibe weitgehend frei und durchsuchen Sie diese gelegentlich mit den Fingern. Wo Sie Gänge aufspüren, fluten Sie diese eine Weile mit dem Wasserschlauch, damit eventuell beschädigte Wurzeln wieder Erdkontakt bekommen.
Mit etwas Glück und einem gut belebten Garten werden Sie diesen Plagen jedoch vielleicht gar nicht erst begegnen. Vögel fressen Läuse, Greifvögel und Katzen jagen Wühlmäuse, und die Kirschmaden werden auch von Amseln gefressen. „Leben und leben lassen“ ist beim Hobbygärtnern oft der beste Rat. Dann ist mit Ihnen gut Kirschen essen.
Fazit: Ihr eigener Kirschbaum – eine Bereicherung für jeden Garten
Gönnen Sie sich einen Kirschbaum in Ihrem Garten! Selbst wenn es der einzige Baum ist, der dort Platz hat, die Vorteile sind überwältigend: Die bezaubernde Blüte im Frühjahr, leuchtend rote Kirschen mit saftigem Fruchtfleisch – ein Genuss im Frischverzehr, als Saft oder als Kompott. Er ist einfach ein wunderschöner Baum mit einer frischgrünen Krone, die Ihnen Schatten spendet und die Luft kühlt. Alles spricht dafür, dieses charaktervolle Mitglied der Obstbaumfamilie in Ihr grünes Paradies zu integrieren und viele Jahre Freude daran zu haben!
