Ein verlässlicher Indikator für die vorherrschenden Machtstrukturen bei SAP ist seit jeher die jährliche Keynote-Rede auf dem DSAG-Jahreskongress. Auch in diesem Jahr wird, wie erwartet, SAP-Vorstandsmitglied Thomas Saueressig die Bühne in Leipzig betreten. Doch was sagt uns das über die dynamische Entwicklung der SAP Führungspersönlichkeiten? Die Geschichte von SAP ist eine Geschichte ständiger Veränderungen an der Spitze, wobei jede Ära ihren eigenen CEO oder ihre eigene Führungsstrategie hervorgebracht hat. Dies spiegeln auch die internen Entwicklungen und Karrierewege wider, die oft eng mit der strategischen Ausrichtung des Unternehmens und den Erwartungen an einen modernen SAP Schulungskatalog verknüpft sind.
Historische Wendepunkte und prägende CEOs
Professor Henning Kagermann trug eine besonders anspruchsvolle Verantwortung. Er war der erste CEO, der nicht zu den SAP-Gründern gehörte. In seiner Rolle agierte er als Vermittler, Visionär und Pragmatiker, eine Mischung von Eigenschaften, die ihm half, den globalen ERP-Marktführer erfolgreich durch zahlreiche Herausforderungen und Krisen zu steuern. Schon damals war der Übergang zu einem geeigneten Nachfolger eine Herausforderung, und Professor Hasso Plattner hatte Schwierigkeiten, die verschiedenen Interessen zu bündeln und auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen.
Shai Agassi, zu dieser Zeit Chief Technology Officer, verfolgte ehrgeizige Karriereziele, die in direkter Konkurrenz zu denen von Henning Kagermann standen. Hasso Plattner traf daraufhin die strategische Entscheidung, die erste SAP-Doppelspitze zu bilden, bestehend aus Henning Kagermann und Léo Apotheker, der kurz nach Agassis Ausscheiden die Rolle des CEO übernahm. Professor Kagermann wechselte später nach Berlin, wo er Angela Merkel in Fragen der Elektromobilität und in anderen Schlüsselbereichen beriet.
Die Ära der Doppelspitze und Cloud-Transformation
In den darauffolgenden Jahren kam es zu einem hohen Personalwechsel im SAP-Vorstand. Das Prinzip, dass jede Ära ihren spezifischen CEO hat, blieb jedoch bestehen. Nach Léo Apotheker agierte das Unternehmen erneut mit einer Doppelspitze, bestehend aus Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott als Co-CEOs. Dieses Arrangement nahm jedoch einen ähnlichen Verlauf wie die anfängliche Doppelspitze. Hagemann Snabe trat später aus dem SAP-Vorstand zurück und übernahm die Position des Aufsichtsratsvorsitzenden bei Siemens in München. Bill McDermott hingegen führte den globalen ERP-Marktführer weiter in die Cloud-Ära und prägte maßgeblich die strategische Ausrichtung, insbesondere im Hinblick auf neue Technologien wie HANA View.
Christian Kleins Aufstieg und die Neuausrichtung
Nach Bill McDermott gab es bei SAP erneut eine Doppelspitze mit Jennifer Morgan und Christian Klein. Co-CEO Klein hatte jedoch die besseren Karten und den kürzeren Draht zu Professor Hasso Plattner, sodass Jennifer Morgan das Unternehmen bald verlassen musste und Christian Klein die alleinige Führung übernahm. Vor ihm lag eine gewaltige Aufgabe. Die Errungenschaften und Akquisitionen von Bill McDermott mussten konsolidiert werden, und Klein räumte auf, indem er straffere Strukturen schuf. Gemeinsam mit CFO Dominik Asam managed er heute erfolgreich das Erbe der SAP, wobei auch die klassischen Kernsysteme wie SAP WM weiterhin eine wichtige Rolle spielen. Die bestehenden Ressourcen und Potenziale werden klug genutzt, und der SAP-Aktienkurs ist auf über 200 EUR gestiegen, ein deutliches Zeichen für die erfolgreiche Neuausrichtung.
Der “Walldorf Boys Club” und interne Dynamiken
CEO Christian Klein sicherte seine Position auch durch geschickte Personalentscheidungen – so entstand der sogenannte “Walldorf Boys Club”, bestehend aus den Vorstandsmitgliedern Christian Klein, Jürgen Müller und Thomas Saueressig. Jürgen Müller hatte in diesem Triumvirat eine besondere Stellung. Er promovierte am Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam und wurde mit Unterstützung von Hasso Plattner, dem Vorsitzenden des SAP-Aufsichtsrats, in den Vorstand berufen. Während Christian Klein als Ziehsohn des ehemaligen SAP-Vorstandsmitglieds und heutigen Aufsichtsratsmitglieds Gerd Oswald gilt – Klein war viele Jahre Oswalds Assistent – war Müller Hasso Plattners Schützling.
Zu Beginn seiner Karriere im SAP-Vorstand war Christian Klein ein guter Stratege. Er las die Stimmung und die Reaktionen des damaligen Aufsichtsratsvorsitzenden Professor Hasso Plattner. Klein trat vor, agierte gegen seine Co-CEO Jennifer Morgan und wurde nach nur wenigen Monaten der Doppelspitze zum alleinigen Kopf von SAP. Mit Jürgen Müller hatte Christian Klein nicht nur einen harmlosen und unerfahrenen Kollegen im Vorstand, sondern tat Professor Hasso Plattner auch noch einen Gefallen. Diese strategischen Manöver zeigen die komplexen internen Abläufe und die Bedeutung, die auch operative Prozesse wie die Überwachung von Hintergrundjobs über SAP SM37 im Unternehmensalltag spielen.
Thomas Saueressigs Aufstieg zur Schlüsselperson
Klein hatte auch Glück bei der Wahl des Vorstandsmitglieds Thomas Saueressig, der zunächst eher zurückhaltend wirkte. Doch Saueressig entwickelte schnell seine Managementfähigkeiten. Er triumphierte beim Weltwirtschaftsforum in Davos und eroberte immer mehr strategische Bereiche bei SAP. Heute gilt Thomas Saueressig als das wichtigste und strategisch am besten positionierte Mitglied des SAP-Vorstands. Sein Einfluss auf die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens ist unbestreitbar und wächst stetig.
Die neue Führungskonstellation und Zukunftsaussichten
Nach dem überraschenden Ausscheiden von Chief Technology Officer Jürgen Müller hat der aktuelle SAP-Vorstand einen neuen “Boys’ Club”: Christian Klein, Thomas Saueressig und CFO Dominik Asam. Sie arbeiten alle gut zusammen und haben eine solide Arbeitsweise gefunden. CEO Christian Klein und CFO Dominik Asam steuern das ERP-Unternehmen und pflegen den Aktienkurs, während Thomas Saueressig die strategische Richtung vorgibt. Es scheint daher naheliegend, dass Thomas Saueressig nach dem Ausscheiden von Jürgen Müller bald die Führung von Christian Klein an der Spitze von SAP übernehmen wird, eine Entwicklung, die auch die zukünftige SAP Preis und Konditionenliste 2022 und darüber hinaus beeinflussen könnte.
Fazit: Die Geschichte der SAP-Führung ist geprägt von Dynamik, strategischen Entscheidungen und dem Aufstieg markanter Persönlichkeiten. Von den Gründern über Kagermanns Vermittlerrolle bis hin zu den verschiedenen Doppelspitzen und der heutigen Konstellation zeigt sich, wie wichtig Anpassungsfähigkeit und Weitblick an der Spitze eines globalen Technologiekonzerns sind. Der anhaltende Wandel und die geschickte Besetzung von Schlüsselpositionen sind entscheidend für den langfristigen Erfolg von SAP. Bleiben Sie dran, um die weitere Entwicklung dieser spannenden Führungsgeschichte zu verfolgen.
