Die Digitalisierung durchdringt alle Lebensbereiche und stellt Gesellschaften weltweit vor enorme Herausforderungen und Chancen. Insbesondere der Bildungssektor steht im Zentrum dieser Transformation. Die Kultusministerkonferenz (KMK) hat diese Entwicklungen proaktiv aufgegriffen und bereits im Dezember 2016 mit ihrer umfassenden Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ ein wegweisendes Handlungskonzept für die zukünftige Gestaltung der Bildung in Deutschland vorgelegt. Dieses fundamentale Dokument dient als Fahrplan, um die Potenziale der digitalen Ära voll auszuschöpfen und Bildungssysteme zukunftsfähig zu machen. Es zielt darauf ab, Lernende optimal auf eine zunehmend digitalisierte Arbeits- und Lebenswelt vorzubereiten und gleichzeitig Lehrenden die notwendigen Werkzeuge und Kompetenzen an die Hand zu geben. Die kontinuierliche Weiterentwicklung und Anpassung dieser die KMK Strategie ist entscheidend, um den dynamischen Anforderungen gerecht zu werden.
Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter: Eine vertiefte Betrachtung
Die Strategie wurde durch die ergänzende Empfehlung „Lehren und Lernen in der digitalen Welt“ maßgeblich vertieft, welche gezielt auf den Schulbereich zugeschnitten ist. Diese Empfehlung reflektiert insbesondere die tiefgreifenden Erfahrungen aus der globalen Pandemie, die die Bedeutung digitaler Bildungsangebote und flexibler Lernformate unmissverständlich hervorhob. Sie betont die entscheidende Rolle von Unterrichtsqualität und systematischer Schulentwicklung beim effektiven Einsatz neuer Technologien.
Die Ergänzung erweitert die ursprüngliche Konzeption der KMK-Strategie in den Handlungsfeldern Lehren und Lernen und strebt ein durch die Digitalisierung transformiertes Gesamtkonzept von Unterricht an. Dabei wird die digitale Transformation von Lehr- und Lernprozessen als zentraler Pfeiler für eine moderne und effektive Bildung hervorgehoben. Ein starker Fokus liegt auf den notwendigen digitalen Schulentwicklungsprozessen, die eine ganzheitliche Integration digitaler Medien in den Schulalltag ermöglichen. Darüber hinaus ist die umfassende Qualifizierung der Lehrkräfte – sowohl in didaktischer als auch in technischer Hinsicht – ein unverzichtbarer Bestandteil, um innovative Lehr- und Lernumgebungen erfolgreich zu gestalten. Nur mit gut ausgebildeten und unterstützten Lehrkräften kann der digitale Wandel in den Klassenzimmern nachhaltig gelingen.
Die Kommission „Bildung in der digitalen Welt“ (DigiKom) und ihre Rolle
Um die Umsetzung der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ kontinuierlich zu steuern und zu begleiten, hat die Kultusministerkonferenz im Januar 2022 die ständige Kommission „Bildung in der digitalen Welt“ (DigiKom) ins Leben gerufen. Diese Kommission löste die zuvor temporär eingesetzte Lenkungsgruppe ab und unterstreicht damit die langfristige und zentrale Bedeutung dieses Themas für die KMK. Die DigiKom agiert als strategisches Organ, das die Implementierung der Strategie in sämtlichen Bildungsbereichen – von allgemeinbildenden und beruflichen Schulen über Hochschulen bis hin zur Weiterbildung – eng begleitet.
In ihrer Arbeit befasst sich die Kommission intensiv mit den Empfehlungen der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission (SWK) der KMK und pflegt einen aktiven Austausch mit externen Akteuren aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft. Sie berät über länderübergreifende Aktivitäten und bereitet maßgebliche Beschlussfassungen für die Amtschef- und Kultusministerkonferenz vor. Ein direkter Austausch mit der Bund-Länder-Steuerungsgruppe zum DigitalPakt Schule gewährleistet zudem eine kohärente Abstimmung und Finanzierung von Maßnahmen. Die Vertretung aller Länder sowie der Gremienvertreterinnen und -vertreter aller Bildungsbereiche in der Kommission stellt sicher, dass vielfältige Perspektiven und Bedürfnisse berücksichtigt werden. Jährlich legt die Kommission einen detaillierten Fortschrittsbericht über die Umsetzung der digitale Welt der KMK vor, dessen aktueller Bericht den Zeitraum von August 2024 bis Juli 2025 umfasst. Dieser Bericht bewertet nicht nur die Handlungsfelder der Strategie, sondern integriert auch die ergänzenden Empfehlungen für den Schulbereich und berücksichtigt länderübergreifende Maßnahmen, die durch den DigitalPakt Schule finanziert werden.
Die zentralen Handlungsfelder der Strategie „Bildung in der digitalen Welt“
Die Integration des digitalen Wandels in die Lehr- und Lernprozesse des Bildungssystems ist ein vielschichtiger und dynamischer Prozess, der eine koordinierte Vorgehensweise in mehreren interdependenten Handlungsfeldern erfordert. Die in der Strategie “Bildung in der digitalen Welt” der Kultusministerkonferenz beschriebenen Bereiche sind entscheidend für den Erfolg der digitalen Transformation:
- Bildungspläne und Unterrichtsentwicklung, curriculare Entwicklungen: Hier geht es darum, Lehrpläne so anzupassen und weiterzuentwickeln, dass digitale Kompetenzen und Medienbildung systematisch in alle Fächer integriert werden. Dies umfasst nicht nur den Umgang mit digitalen Werkzeugen, sondern auch das kritische Denken und die Reflexion über digitale Inhalte. Eine moderne Medienbildung der KMK ist dabei unerlässlich.
- Aus-, Fort- und Weiterbildung von Erziehenden und Lehrenden: Die digitale Kompetenz der Pädagogen ist der Schlüssel zur erfolgreichen Umsetzung der Strategie. Es bedarf kontinuierlicher Fort- und Weiterbildungsangebote, die sowohl didaktische als auch technische Fertigkeiten vermitteln, um Lehrende optimal auf die Anforderungen des digitalen Unterrichts vorzubereiten.
- Infrastruktur und Ausstattung: Eine leistungsfähige digitale Infrastruktur in Schulen und Bildungseinrichtungen ist die Grundvoraussetzung. Dies beinhaltet den Zugang zu Breitbandinternet, die Bereitstellung von Endgeräten für Lernende und Lehrende sowie eine zuverlässige IT-Betreuung und -Wartung.
- Bildungsmedien: Die Entwicklung und Bereitstellung hochwertiger digitaler Bildungsmedien ist essentiell. Diese müssen vielfältig, interaktiv und didaktisch fundiert sein, um individualisierte Lernprozesse zu unterstützen und den Unterricht zu bereichern.
- E-Government und Schulverwaltungsprogramme, Bildungs- und Campusmanagementsysteme: Die Digitalisierung der Verwaltungsprozesse entlastet Lehrkräfte und Schulpersonal, optimiert Abläufe und schafft Freiräume für pädagogische Aufgaben. Effiziente Managementsysteme sind dabei unverzichtbar.
- Rechtliche und funktionale Rahmenbedingungen: Die Anpassung rechtlicher Grundlagen an die digitale Welt, etwa im Bereich Datenschutz oder Urheberrecht, ist notwendig, um einen sicheren und rechtssicheren Einsatz digitaler Medien zu gewährleisten.
Diese Handlungsfelder bilden das Fundament, auf dem die umfassende Bildung in der digitalen Welt in Deutschland realisiert wird. Die Strategie unterscheidet sich in ihrer Gliederung in drei Hauptkapitel, da die Entwicklungen an allgemeinbildenden Schulen, beruflichen Schulen, Hochschulen und Einrichtungen der Weiterbildung hinsichtlich Akteuren, Bildungsaufträgen und Rechtsgrundlagen spezifische Anforderungen aufweisen.
Fazit: Die digitale Zukunft der Bildung gemeinsam gestalten
Die Strategie „Bildung in der digitalen Welt“ der Kultusministerkonferenz ist ein ambitioniertes und notwendiges Vorhaben, um das deutsche Bildungssystem fit für die Herausforderungen und Chancen des 21. Jahrhunderts zu machen. Durch die systematische Integration digitaler Kompetenzen, die Förderung innovativer Lehr- und Lernmethoden, die Stärkung der Lehrkräftequalifizierung und den Ausbau moderner Infrastrukturen wird ein entscheidender Grundstein für die Zukunft unserer Gesellschaft gelegt. Die kontinuierliche Arbeit der DigiKom und die jährlichen Fortschrittsberichte zeigen, dass dieser Prozess als langfristige und gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Bildungseinrichtungen verstanden wird. Eine qualitativ hochwertige, digitale Bildung ist keine Option, sondern eine Notwendigkeit, um allen Lernenden die besten Entwicklungschancen in einer sich rasant wandelnden Welt zu ermöglichen.
