Kokoswasser hat sich in den letzten Jahren zu einem absoluten Trendgetränk entwickelt, besonders beliebt bei Sportler:innen und jenen, die einen gesunden Lebensstil pflegen oder abnehmen möchten. Es wird als natürliche Alternative zu isotonischen Sportgetränken angepriesen, reich an Mineralstoffen und arm an Kalorien. Stars schwören darauf und in seinen Ursprungsländern wie den Philippinen ist es seit Langem ein traditionelles Erfrischungsgetränk direkt aus der Frucht. Doch hält der Hype um das “Super-Drink” wirklich, was er verspricht? Wir werfen einen genaueren Blick auf die Fakten und klären, welche Wirkung Kokoswasser tatsächlich hat.
Was ist Kokoswasser eigentlich? Verwechslungsgefahr mit Kokosmilch
Es ist wichtig, Kokoswasser nicht mit Kokosmilch zu verwechseln, die hierzulande bekannter ist. Kokosmilch ist eine sehr fetthaltige Flüssigkeit, die aus dem Fruchtfleisch reifer Kokosnüsse gewonnen wird und oft als Sahneersatz in der asiatischen und karibischen Küche zum Einsatz kommt.
Kokoswasser hingegen wird aus der jungen, unreifen, noch grünen Kokosnuss entnommen. Dafür wird ein Loch in die Nuss gebohrt, um die klare bis leicht trübe Flüssigkeit abzusaugen. In tropischen Regionen wird es oft direkt mit einem Strohhalm aus der frischen Frucht getrunken. Um es für den Verkauf haltbar zu machen, wird Kokoswasser in der Regel pasteurisiert. Geschmacklich unterscheidet es sich stark von der Kokosmilch; es schmeckt schwach säuerlich-süßlich, aber ohne die typische, intensive Kokosnote. Im Vergleich zu intensiveren Geschmacksrichtungen wie selbstgemachten Limonaden oder Ingwerwasser mag es für manche Gaumen eher dezent wirken.
Nährwerte und Kalorien: Macht Kokoswasser schlank?
Ein Hauptargument für Kokoswasser ist sein hoher Gehalt an Mineralstoffen, die es angeblich besser machen als synthetische Sportdrinks. Daniela Krehl von der Verbraucherzentrale Bayern bestätigt: „Tatsächlich ist der Gehalt an Kalium, Natrium, Magnesium und Kalzium vergleichsweise hoch.“ Diese Elektrolyte sind nach dem Sport von Bedeutung, da sie beim Schwitzen verloren gehen. Insbesondere das viele Kalium im Kokoswasser hilft, die Mineralstoffspeicher wieder aufzufüllen. Der Gehalt an Natrium, Kalzium und Magnesium ist ebenfalls beachtlich und vergleichbar mit gutem Mineralwasser.
Proteine und Vitamine sind jedoch kaum enthalten. Der Energiegehalt schwankt zwischen 15 und 20 kcal pro 100 ml, was es als Energiequelle während des Sports nützlich macht. Als reines Wellness-Getränk ohne körperliche Anstrengung ist es jedoch weniger sinnvoll. Für die Gewichtsreduktion ist Kokoswasser nur bedingt geeignet: Ein Liter enthält immerhin rund 200 Kalorien. Um verlorene Elektrolyte kalorienärmer zu ersetzen, ist hochwertiges Mineralwasser die bessere Wahl. Die Behauptung, Kokoswasser würde den Stoffwechsel anregen und somit beim Abnehmen helfen, konnte wissenschaftlich bisher nicht nachgewiesen werden. Eine Studie aus dem Jahr 2016 fand keine signifikanten Unterschiede in physiologischen Variablen oder der Rehydrierung beim Sport. Ein “Schlankmacher” ist Kokoswasser demnach nicht.
Die Wahrheit über die gesundheitliche Wirkung von Kokoswasser
Es kursieren zahlreiche Behauptungen über die positiven gesundheitlichen Effekte von Kokoswasser: Es soll den Stoffwechsel anregen, bei der Entgiftung helfen, die Zellerneuerung fördern, den Magen beruhigen und sogar gegen Bluthochdruck und Herzerkrankungen wirken.
Diese weitreichenden gesundheitsfördernden Wirkungen sind jedoch wissenschaftlich nicht ausreichend belegt. Obwohl ein positiver Effekt auf die Gesundheit nicht ausgeschlossen werden kann, ist er noch nicht umfassend erwiesen. Schädlich ist das leicht bekömmliche Kokoswasser allerdings nicht. Im Vergleich zu einem künstlich gemischten isotonischen Getränk mag es die natürlichere und, besonders in Bio-Qualität, die bessere Wahl sein. Allerdings birgt der Konsum von Kokoswasser auch einen indirekten Nachteil, der oft übersehen wird: seinen ökologischen Fußabdruck.
Wo und wie man Kokoswasser kauft – und zu welchem Preis
In Deutschland ist Kokoswasser mittlerweile weit verbreitet und in fast allen Supermärkten, Bioläden, Reformhäusern, Drogeriemärkten und sogar bei Discountern sowie in Onlineshops oder Asia-Läden erhältlich. Die Auswahl an Marken und Geschmacksrichtungen, oft gemischt mit exotischen Früchten wie Mango oder Lychee, ist groß. Beim Kauf empfiehlt es sich, auf Bio-Produkte zu achten und die Nährwertangaben zu prüfen, insbesondere den Kaloriengehalt.
Bekannte Marken in Deutschland umfassen VitaCoco, Cocowell und Dr. Martins, die häufig über Onlineshops vertrieben werden. In lokalen Supermärkten finden sich Produkte wie Alnatura Coco Drink, dmBio Kokoswasser natur, Rewe Bio-Kokosnuss-Wasser oder Edeka Bio-Kokoswasser.
Dieser natürliche Durstlöscher hat seinen Preis: Für etwa 300 Milliliter zahlt man rund zwei Euro. Angesichts der eher geringen, wissenschaftlich belegten gesundheitlichen Vorteile und der ökologischen Herausforderungen sollte man überlegen, ob das Geld nicht sinnvoller in regionales und saisonales Obst und Gemüse investiert wird. Diese Alternativen sind nicht nur nährstoffreich und kostengünstiger, sondern produzieren auch weniger Verpackungsmüll.
Die Ökobilanz von Kokoswasser: Ein teurer Durstlöscher für die Umwelt
Kokosnüsse gedeihen ausschließlich in tropischen Regionen, typischerweise in Südostasien. Das bedeutet, dass Kokoswasser weite Transportwege zurücklegen muss, um in deutsche Supermarktregale zu gelangen. Dieser Umstand hinterlässt einen erheblichen ökologischen Fußabdruck.
Selbst wenn es als Bio-Produkt verkauft wird, ändert dies nichts an der Problematik der langen Transportwege. Der biologische Anbau mag zwar den Inhalt betreffen, doch die kleinen Plastikflaschen und Tetrapacks, in denen Kokoswasser oft angeboten wird, tragen maßgeblich zur steigenden Müllproduktion bei. Aus ökologischer Sicht ist Kokoswasser nur dann bedenkenlos, wenn es direkt vor Ort aus der Nuss getrunken wird. In unseren Breiten ist der Kauf und Konsum von Kokoswasser, selbst in Bio-Qualität, als unsinnig bis umweltschädlich einzustufen. Leitungswasser bleibt hierzulande der beste, günstigste und umweltfreundlichste Durstlöscher.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Kokoswasser zwar reich an Elektrolyten ist und eine natürliche Alternative zu künstlichen Sportgetränken darstellen kann. Es ist jedoch kein Wundermittel für Gewichtsverlust oder eine umfassende Gesundheitsverbesserung, da viele der behaupteten Wirkungen wissenschaftlich nicht belegt sind. Hinzu kommt seine schlechte Ökobilanz aufgrund langer Transportwege und Verpackungsmüll. Bevor Sie zum nächsten Kokoswasser greifen, bedenken Sie die Alternativen: ein gutes Mineralwasser oder frisches Obst und Gemüse aus der Region sind oft die nachhaltigere und gesündere Wahl. Treffen Sie eine bewusste Entscheidung für Ihre Gesundheit und die Umwelt!
