Der Konjunktiv II ist eine wichtige grammatikalische Form im Deutschen, die oft für Wünsche, irreale Bedingungen oder höfliche Bitten verwendet wird. Während die Bildung des Konjunktiv I auf dem Präsensstamm basiert, nutzt der Konjunktiv II den Stamm der 1. Person Plural im Präteritum. Dieser Artikel beleuchtet detailliert, wie der Konjunktiv II gebildet wird und wann er zum Einsatz kommt, insbesondere im Vergleich zur Ausweichform mit “würde”.
Grundlagen der Konjunktiv II-Bildung
Ähnlich wie beim Konjunktiv I wird der Stamm für den Konjunktiv II aus der 1. Person Plural des jeweiligen Tempus gebildet. Für den Konjunktiv II entfällt die Endung “-en” vom Stamm der 1. Person Plural im Präteritum. Eine Besonderheit ergibt sich, wenn dieser Stamm einen Vokal enthält, der umgelautet werden kann (a, o, u). Diese Vokale werden dann zu ä, ö, ü umgewandelt. Ausnahmen bilden die Verben “sollen” und “wollen”, bei denen das “o” im Stamm erhalten bleibt.
Die Konjunktivendungen sind für alle Personen und Numeri gleich und werden an diesen umgelauteten oder unveränderten Stamm angehängt.
Merke: 1. Person Plural Präteritum ohne (e)n + Konjunktivendung = Konjunktiv II
Die gängigen Konjunktivendungen sind:
- Personalendungen für den Konjunktiv I: -e, -est, -e, -en, -et, -en. Diese werden auch für den Konjunktiv II verwendet.
Beispiele zur Stammbildung des Konjunktiv II
Um die Bildung zu verdeutlichen, betrachten wir einige Beispiele:
- gehen: 1. Pers. Pl. Präteritum: wir gingen. Stamm: ging. Konjunktiv II: ich ginge, du gingest, er ginge, wir gingen, ihr ginget, sie gingen.
- rufen: 1. Pers. Pl. Präteritum: wir riefen. Stamm: rief. Konjunktiv II: ich riefe, du riefest, er riefe, wir riefen, ihr riefet, sie riefen.
- schreiben: 1. Pers. Pl. Präteritum: wir schrieben. Stamm: schrieb. Konjunktiv II: ich schriebe, du schriebest, er schriebe, wir schrieben, ihr schriebet, sie schrieben.
- sein: 1. Pers. Pl. Präteritum: wir waren. Der Vokal “a” wird zu “ä” umgelautet. Stamm: wär. Konjunktiv II: ich wäre, du wärest, er wäre, wir wären, ihr wäret, sie wären.
Die Tabelle der Konjunktiv-Endungen zeigt diese auf einen Blick:
Tabelle der Konjunktiv-Endungen
Die Ausweichform mit “würde”
In manchen Fällen deckt sich die Form des Konjunktiv II mit der des Präteritums. Um hier sprachliche Eindeutigkeit zu gewährleisten, greift man auf die Ausweichform mit “würde” zurück. Diese Form ist besonders in der gesprochenen Sprache weit verbreitet und wird oft bevorzugt, wenn die direkte Konjunktiv II-Form mit dem Präteritum identisch ist.
Bildung des Konjunktiv II mit würde:
Merke: würde + Konjunktivendung + Infinitiv des Verbs = Konjunktiv II mit würde
Beispiele mit “würde”
- Ich würde laufen.
- Du würdest springen.
- Er würde fliegen.
- Wir würden reden.
- Ihr würdet schreiben.
- Sie würden lachen.
Diese Konstruktion dient dazu, irreale Wünsche oder Bedingungen klar auszudrücken, ohne dass es zu Verwechslungen mit Aussagen der Wirklichkeit kommt.
Wann wird der Konjunktiv II verwendet?
Der Konjunktiv II findet Anwendung in verschiedenen Kontexten:
- Irreale Wünsche und Bedauern: “Ich wünschte, ich wäre jetzt im Urlaub.”
- Irreale Bedingungen (Konditionalsätze): “Wenn ich mehr Zeit hätte, würde ich reisen.”
- Höfliche Bitten und Fragen: “Könnten Sie mir bitte helfen?”
- Indirekte Rede (seltener als Konjunktiv I): Besonders wenn die Konjunktiv I-Form mit dem Indikativ identisch ist.
Die Verwendung der Ausweichform mit “würde” wird empfohlen, um Klarheit zu schaffen, insbesondere wenn die Konjunktiv II-Form mit dem Präteritum übereinstimmt. Dennoch sollte man sich bewusst sein, dass die übermäßige Nutzung dieser Form im schriftlichen Ausdruck manchmal als stilistisch weniger elegant empfunden werden kann.
Übungen zur Festigung
Um Ihr Verständnis und Ihre Fertigkeiten in der Anwendung des Konjunktiv II zu vertiefen, stehen Ihnen verschiedene Übungsmöglichkeiten zur Verfügung. Diese helfen Ihnen, die Regeln zur Bildung und Verwendung des Konjunktivs im Deutschen zu festigen. Viel Erfolg beim Üben!
