Viele Fotografen sind sich nicht bewusst, dass das weit verbreitete Open-Source-Programm Krita, bekannt für seine Fähigkeiten im digitalen Malen und Zeichnen, auch ein überraschend fähiges Werkzeug für die Fotobearbeitung darstellt. Angesichts der Tatsache, dass professionelle Illustratoren und Grafikdesigner oft zu Programmen wie Photoshop oder Gimp greifen, mag diese Erkenntnis zunächst verwundern. Doch Krita teilt wesentliche Funktionen mit klassischen, ebenenbasierten Bildbearbeitungsprogrammen und bietet darüber hinaus einige bemerkenswerte Vorteile.
Ein entscheidender Vorteil von Krita ist die Möglichkeit, Fotos in großen Farbräumen wie AdobeRGB zu bearbeiten. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn Sie Wert auf eine hohe Druckqualität mit lebendigen Farben legen. Darüber hinaus verfügt Krita über sogenannte Filtermasken, die den Einstellungsebenen in Photoshop ähneln. Diese ermöglichen eine flexiblere Bildbearbeitung, da sich Effekte nachträglich anpassen und Masken direkt auf der Ebene bearbeiten lassen.
Ein weiteres Alleinstellungsmerkmal von Krita ist die Unterstützung für 10-Bit-Bildschirmausgabe. In Verbindung mit einem kompatiblen Monitor ermöglicht dies eine deutlich präzisere Darstellung feiner Farbabstufungen und Verläufe. Im Folgenden wird anhand eines konkreten Beispiels demonstriert, wie eine komplexe Fotoretusche mit Krita durchgeführt werden kann.
Anpassung der Programmeinstellungen
Bevor Sie mit der eigentlichen Bildbearbeitung beginnen, empfiehlt es sich, einige grundlegende Einstellungen in Krita vorzunehmen. Stellen Sie sicher, dass die Anwendung das korrekte Bildschirmprofil verwendet, um Farbabweichungen zu minimieren. Aktivieren Sie zudem eine hellere Benutzeroberfläche, da der standardmäßig dunkle Skin die Beurteilung der Bildhelligkeit erschweren kann. Nicht zuletzt kann das Einblenden der Bildübersicht das Navigieren und Verschieben der Ansicht bei starkem Zoomen erleichtern.
Um das Bildschirmprofil zu konfigurieren, navigieren Sie in Krita zu Einstellungen > Krita einrichten. Im sich öffnenden Einstellungsfenster wählen Sie im linken Menü Farbverwaltung aus. Unter den Farbverwaltungseinstellungen finden Sie den Abschnitt Anzeige. Entfernen Sie hier den Haken bei “Systemmonitorprofil verwenden”, da die automatische Erkennung nicht immer zuverlässig funktioniert.
In der Liste der angeschlossenen Monitore können Sie nun für Ihren primären Monitor das passende Bildschirmprofil auswählen. Sollte das gewünschte Profil nicht aufgeführt sein, können Sie es über “Profil importieren” hinzufügen. Nach der Auswahl bestätigen Sie Ihre Änderungen mit OK und starten Krita neu.
Für eine hellere Benutzeroberfläche wählen Sie Einstellungen > Designs > Krita neutral. Um die Bildübersicht zu aktivieren, gehen Sie zu Einstellungen > Andockbare Dialoge und aktivieren Sie den Punkt Übersicht am Ende der Liste. Dieser Dialog wird standardmäßig rechts oben neben dem erweiterten Farbwähler platziert und kann über seinen Reiter aufgerufen werden.
Import von Rohdaten
Zum Öffnen von Kamerarohdaten, wie der bereitgestellten Beispieldatei, klicken Sie auf das Ordnersymbol oder verwenden die Tastenkombination Strg+O. Der RAW-Import-Dialog erscheint. Grundlegende Einstellungen müssen hierbei selten geändert werden. Wenn Sie einen Monitor mit einem größeren Farbraum als sRGB verwenden, passen Sie die Einstellung für den Arbeitsbereich in der Farbverwaltung entsprechend an, beispielsweise auf AdobeRGB oder WideGamut.
[Innerhalb der Demosaicing-Gruppe ist die Einstellung für Qualität wichtig. Sie bestimmt, wie Krita das Bild “entrastert”, also fehlende Pixel ergänzt. Die Standardeinstellung ist oft suboptimal und kann zu einem weichen Bild führen, was nur bei starkem Rauschen oder der Notwendigkeit starker Kontrastanpassungen vorteilhaft ist. Für gut belichtete Fotos empfiehlt sich die Einstellung “Amaze”. Es lohnt sich, die verschiedenen Demosaicing-Algorithmen auszuprobieren, um das beste Ergebnis für Ihr spezifisches Foto zu erzielen. Klicken Sie nach jeder Änderung auf “Aktualisieren”, um das Ergebnis im Vorschaufenster zu begutachten.
In der Gruppe “Weißabgleich” finden Sie neben den entsprechenden Einstellungen auch Optionen für die Belichtungskorrektur und die Rekonstruktion von Spitzlichtern. Meist genügt die Standardeinstellung “Kamera” für den Weißabgleich. Andernfalls probieren Sie “Automatisch” oder versuchen Sie eine manuelle Einstellung.
Das Vorschaufenster zeigt oft nur einen kleinen Ausschnitt des Bildes bei 100% an, was die Beurteilung erschwert. Deaktivieren Sie unbedingt die Option “Automatische Helligkeit”, da diese später besser nach der Gesamtansicht des Bildes eingestellt werden kann.
Bei überbelichteten Bereichen im Bild können die Einstellungen unter “Spitzlichtrekonstruktion” Abhilfe schaffen. Die Methoden “Blend” und “Rebuild” sind hier besonders interessant, wobei “Blend” oft auch für normale Fotos eine gute Grundeinstellung darstellt. Die Einstellungen in der Gruppe “Korrekturen” können in der Regel beibehalten werden. Nach Abschluss der Anpassungen klicken Sie auf OK, um das Foto in Krita zu öffnen.
Grundlegende Bildeinstellungen in Krita
Das Hauptfenster von Krita präsentiert sich mit einem großen Vorschaufenster in der Mitte. Darüber befinden sich zwei Werkzeugleisten für grundlegende Funktionen wie das Öffnen von Bildern und die Pinselkonfiguration. An der linken Seite ist eine Symbolleiste mit den wichtigsten Werkzeugen angeordnet, darunter Auswahlwerkzeuge, der Pinsel und das Zuschneidewerkzeug.
[Rechts vom Vorschaufenster befinden sich weitere andockbare Dialogfenster. Für Fotografen sind insbesondere die Bereiche Ebenen, Übersicht, Pinseleinstellungen und Werkzeugoptionen von Bedeutung, deren Inhalt sich je nach gewähltem Werkzeug dynamisch anpasst. Die Statusleiste am unteren Rand des Fensters liefert Informationen zur Bildgröße und zum Arbeitsfarbraum.
Bei der Arbeit mit Krita ist es ratsam, die Hintergrundebene zu duplizieren und jeden Bearbeitungsschritt auf einer separaten Ebene durchzuführen. Dies erleichtert die Rückgängigmachung oder Anpassung einzelner Arbeitsschritte erheblich.
Krita bietet somit eine leistungsfähige und kostenfreie Alternative für Fotografen, die ihre Bilder bearbeiten möchten, ohne auf teure Software angewiesen zu sein. Die Flexibilität durch Ebenen, die Unterstützung großer Farbräume und die Filtermasken machen es zu einem wertvollen Werkzeug im digitalen Workflow.
