Krypto-Anlagen: Ein Magnet für schmutziges Geld

Die Welt der digitalen Währungen zieht nicht nur Investoren an, sondern leider auch Kriminelle. Der Betrug mit sogenannten Krypto-Währungen nimmt weltweit zu. Allein in den vergangenen zwei Jahren sollen mindestens 25 Milliarden Euro an illegalen Geldern in Krypto-Börsen gewaschen worden sein – das zeigt eine internationale Recherche, die das Ausmaß des Problems beleuchtet.

Der Fall von Felix Wandraschek (Name von der Redaktion geändert) verdeutlicht die perfiden Methoden: Eine Online-Anzeige lockte ihn mit einer lukrativen Investmentmöglichkeit. Nach einem vertrauenswürdig klingenden Anruf investierte er im Laufe der Zeit rund zwanzig Millionen Euro, von denen er fast das gesamte Geld verlor. Sein Fall ist beispielhaft für eine Reihe krimineller Aktivitäten, bei denen Kryptowerte eine immer größere Rolle spielen. Diese Recherchen, die von der Süddeutschen Zeitung, NDR, WDR, dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) und über 30 weiteren Partnern durchgeführt wurden, analysierten Zehntausende Transaktionen über Wallet-Adressen und ergaben eine erschreckende Summe von mindestens 25 Milliarden Euro, die in den letzten zwei Jahren in Krypto-Börsen geflossen sein sollen.

Leichtes Spiel für Kriminelle durch mangelnde Regulierung

Ein zentrales Problem ist die oft lasche Regulierung von Krypto-Börsen in vielen Staaten. Während die EU strengere Überwachungsmechanismen implementiert, nutzen Geldwäscher und Kriminelle bewusst die Schwachstellen in weniger regulierten Ländern. Dies ermöglicht es ihnen, Gelder aus illegalen Aktivitäten wie Drogenhandel, Menschenhandel, Kinderpornografie oder Erpressung durch Schadsoftware zu waschen.

Die Recherchen zeigten auch, dass verschiedene Kryptobörsen weltweit verdächtige Transaktionen lange Zeit unbeanstandet ließen und Konten oft erst spät gesperrt wurden. Die internationale Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden gestaltet sich oft schwierig, da viele Börsen in Ländern außerhalb der EU oder USA registriert sind und nur bedingt kooperieren.

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Das Netzwerk der Strohmänner

Im Fall Wandraschek analysierten Forscher des Complexity Science Hub in Wien die Transaktionen auf den Binance-Konten. Sie identifizierten mutmaßliche Strohmann-Konten, deren angebliche Eigentümerprofile nicht zu den riesigen Geldsummen passten. Die Kryptowerte wurden blitzschnell in andere Kryptowährungen umgetauscht, abgebucht und weitergeleitet, was es Strafverfolgern erschwert, die Täter zu ermitteln.

Binance, die größte Kryptobörse weltweit, betonte auf Anfrage, dass das Unternehmen höchste Sicherheitsstandards einhalte und eng mit Strafverfolgungsbehörden zusammenarbeite. Dennoch waren auch andere Kryptobörsen an den Transaktionen beteiligt, was das Ausmaß des Netzwerks unterstreicht.

Jenseits des Betrugs: Kriminalität im Krypto-Sektor

Die Krypto-Welt ist längst nicht mehr nur ein Tummelplatz für Betrüger. Sie ist zu einem Magneten für schmutziges Geld geworden. Berichte deuten darauf hin, dass selbst Terrororganisationen wie die Hamas Wallet-Adressen öffentlich machen, um Bitcoin-Spenden für Waffen zu sammeln. Ein deutscher Ermittler bestätigt: “Die globale Kriminalität nutzt heute Krypto, wo immer sie kann.”

Am Ende der Kette steht oft der Tausch der Kryptowährungen in traditionelle Währungen wie Euro oder Dollar, was Banken involviert. Jana Ringwald von der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internet- und Computerkriminalität (ZIT) der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt erklärt: “Die Täter müssen irgendwann wieder an die Wasseroberfläche, wenn sie Krypto in reales Geld tauschen wollen. Und das ist unsere Angriffsfläche.” Die ZIT und das Bundeskriminalamt (BKA) haben seit 2017 rund 245 Millionen Euro aus Krypto-Verbrechen sichergestellt.

Auch Deutschlands Financial Intelligence Unit (FIU), eine Anti-Geldwäschebehörde des Zolls, beobachtet den Trend mit Sorge. Im Jahr 2024 gab es knapp 9.000 Meldungen mit Bezug zu Kryptowerten, was deutlich zeigt, dass Geldwäscher zunehmend die Möglichkeiten dieses Sektors nutzen.

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Hoffnungsschimmer für Opfer

Für Opfer von Krypto-Betrug sind die Aussichten, ihr Geld zurückzubekommen, oft gering. Im Fall Wandraschek konnte durch die Meldung verdächtiger Transaktionen an eine Luxemburger Kryptobörse immerhin ein Betrag von 150.000 Euro eingefroren und zu ihm zurückgeführt werden. Dies zeigt, dass trotz der Komplexität des Krypto-Marktes gezielte Ermittlungen und die Zusammenarbeit zwischen Finanzinstituten und Strafverfolgungsbehörden Erfolge erzielen können.

Diese Entwicklung unterstreicht die Notwendigkeit einer globalen Harmonisierung von Regulierungen und einer verstärkten Zusammenarbeit der internationalen Strafverfolgungsbehörden, um die Krypto-Welt sicherer zu machen und Kriminellen das Handwerk zu legen. Die Zukunft von Kryptowährungen hängt maßgeblich davon ab, wie effektiv diese Herausforderungen bewältigt werden können.