Stellen Sie sich vor, ein Kunde möchte nicht mit Euros, sondern mit Goldnuggets oder Aktien bezahlen. Oder mit einer seltenen Muschel aus dem Südpazifik. Als Unternehmerin oder Unternehmer würden Sie wohl höflich lächeln und dankend ablehnen. Der Grund ist einfach: Für einen reibungslosen Geschäftsbetrieb benötigen Sie Verlässlichkeit – einen Preis, auf den Sie sich verlassen können, und ein allgemein anerkanntes Zahlungsmittel, das nicht über Nacht seinen Wert verliert. Genau hier liegt die Herausforderung mit Kryptowerten wie Bitcoin. Sie sind technologisch faszinierend und innovativ, doch als Zahlungsmittel für Handwerksbetriebe oder Selbstständige bergen sie erhebliche Risiken aufgrund ihrer extremen Volatilität und Unsicherheit. Die BaFin, Deutschlands Finanzaufsichtsbehörde, rät daher dringend davon ab, Zahlungen in Kryptowährungen anzunehmen.
Das Versprechen der Krypto-Technologie und die Realität im Zahlungsverkehr
Die Finanzaufsicht begrüßt grundsätzlich innovative Zahlungssysteme, da sie das Potenzial haben, Kosten zu senken und die Teilnahme am Wirtschaftsleben zu vereinfachen. Besonders internationale Zahlungen sind oft noch zu teuer und intransparent. Ansätze wie Echtzeitüberweisungen, private digitale Zahlungsdienste oder perspektivisch der digitale Euro sind vielversprechende Schritte in Richtung eines zukunftsfähigen und effizienten Zahlungsverkehrs in Europa. Auch die Blockchain-Technologie, die den Kryptowerten zugrunde liegt, verfügt über enormes Potenzial – etwa um teure Notardienste überflüssig zu machen oder Prozesse in der Logistik zu optimieren. Doch trotz dieser vielversprechenden Aspekte taugt Krypto (noch) nicht als alltägliches, zuverlässiges Zahlungsmittel. Die Vision einer schnellen, günstigen und grenzenlosen Transaktion steht der aktuellen Realität der finanziellen Vorsorge für Unternehmen oft entgegen.
Hohe Volatilität: Ein unkalkulierbares Risiko für Ihr Geschäft
Eines der größten Probleme von Kryptowerten ist ihre extreme Preisschwankung. Diese Volatilität kann von Woche zu Woche, ja sogar von Tag zu Tag drastisch sein. Wer heute von seinen Kundinnen und Kunden in Bitcoin vergütet wird, hat keine Garantie, dass dieser Wert morgen noch ausreicht, um Angestellte zu bezahlen oder Betriebskosten zu decken. Sie als Unternehmer bleiben auf dem gesamten Wechselkursrisiko sitzen, das bei traditionellen Währungen durch stabile Märkte und Zentralbanken gemildert wird. Diese Unsicherheit erschwert die Kalkulation, Planung und Budgetierung erheblich und kann die finanzielle Stabilität eines Unternehmens massiv gefährden. Im Gegensatz zu festen Rentenzahlungen, die eine stabile Absicherung im Alter bieten, ist der Wert von Kryptowährungen unbeständig.
Sicherheitslücken und fehlender Schutz: Wenn Ihr Wallet leer ist
Neben der Wertschwankung bergen Kryptowährungen auch erhebliche Sicherheitsrisiken. Die Zugangsdaten zu einem sogenannten Wallet, in dem die Kryptowerte digital gespeichert sind, müssen wie ein wertvoller Schatz gehütet werden. Ein vergessenes Passwort kann bedeuten, dass der Krypto-Kassenschrank für immer verschlossen bleibt. Noch gravierender sind Hackerangriffe, die dazu führen können, dass ein Wallet vollständig geleert wird. Im Gegensatz zu Bankkonten gibt es bei Kryptowerten keine Hotline, keine Rückerstattung durch eine Bank und vor allem keine Einlagensicherung. Niemand bürgt für verlorene Kryptowerte. Die vielversprechende Werbung “Zahlung in Krypto” kann zudem ungewollt Hacker anlocken, die es auf die digitalen Vermögenswerte abgesehen haben.
Rechtliche und steuerliche Komplexität von Krypto-Zahlungen
Kryptowährungen sind kein gesetzliches Zahlungsmittel. Dies allein führt zu einer Vielzahl von buchhalterischen, steuerlichen und rechtlichen Unsicherheiten. Was passiert bei Zahlungsausfällen, wenn der Wert der Kryptowährung nach der vereinbarten Leistung plötzlich abstürzt? Oder wenn eine Kundin die Zahlung wegen eines unerwarteten Kursanstiegs im Nachhinein anzweifelt? Solche Konflikte sind nicht nur zeitaufwendig, sondern können auch erhebliche Kosten und Nerven kosten. Die inhärente Sicherheit der Blockchain-Technologie schützt leider nicht vor diesen praktischen Alltagsrisiken im Geschäftsverkehr. Zudem stellt sich bei größeren Beträgen die Frage: Wie können Sie sicherstellen, nicht unwissentlich von Geldwäschern missbraucht zu werden, wenn die Herkunft der Kryptowerte schwer nachvollziehbar ist?
Fazit: Bewährte digitale Zahlungsmethoden statt Krypto-Experimente
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass digitale Zahlungsmethoden zwar wünschenswert und notwendig für die Zukunft sind – sie sollten jedoch erprobt, praktisch und vor allem in einem sicheren, beaufsichtigten Rahmen angeboten werden. Präsident Mark Branson von der BaFin kommt zu dem Schluss: Solche Lösungen gibt es längst. Wer seiner Kundschaft eine innovative, digitale Zahlungsmöglichkeit anbieten möchte, muss nicht auf das nächste Krypto-Versprechen hoffen oder auf Zukunftsprojekte warten. Der Fokus sollte auf stabilen und regulierten Systemen liegen, die sowohl Unternehmen als auch Verbrauchern Vertrauen und Sicherheit bieten.
Dieser Beitrag ist in einer leicht gekürzten Version in der Juni-Ausgabe des Handwerk Magazins erschienen.
