Moderne Diabetes-Ernährung: Schluss mit alten Tabus!

Die Zeiten überholter Verbote sind vorbei! Lange galten strikte Diätpläne für Menschen mit Diabetes als unumstößlich. Doch die Wissenschaft hat sich weiterentwickelt, und damit auch die Empfehlungen zur Diabetes Ernährung. Heutzutage gilt: Diabetiker dürfen – und sollen – sich an den gleichen gesunden Ernährungsprinzipien orientieren, die auch für Nicht-Diabetiker gelten. Das bedeutet nicht nur eine Befreiung von unnötigen Einschränkungen, sondern auch mehr Lebensqualität und Genuss im Alltag.

Sogar Kuchen, Schokolade oder ein Glas Wein sind nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Es geht vielmehr um das richtige Maß, um bewusste Entscheidungen und ein fundiertes Verständnis der eigenen Stoffwechselsituation. Dieser Artikel räumt mit alten Mythen auf und gibt Ihnen einen umfassenden Überblick über die moderne Ernährungsweise bei Diabetes.

Gewichtskontrolle als Kernstück der Diabetes-Behandlung

Für viele Menschen mit Diabetes, insbesondere Typ-2-Diabetiker, spielt das Körpergewicht eine entscheidende Rolle.

Übergewicht bei Typ-2-Diabetes

Bei Typ-2-Diabetes mit Übergewicht ist die Gewichtsreduktion ein primäres Behandlungsziel. Sie fördert die körpereigene Insulinproduktion und verbessert die Insulinwirkung in den Zellen. Ein angestrebter Body-Mass-Index (BMI) zwischen 18,5 und 25 ist ideal. Schon ein geringer Gewichtsverlust kann den Stoffwechsel erheblich positiv beeinflussen. Eine fettarme Ernährung ist dabei ein Schlüssel zum Erreichen und Halten eines gesunden Gewichts.

Normalgewicht bei Typ-1-Diabetes

Auch für Menschen mit Typ-1-Diabetes ist es wichtig, ihr Normalgewicht zu halten oder zu erreichen. Übergewicht ist auch bei ihnen mit einem erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden. Sie müssen zudem eine sorgfältige Balance zwischen der Nahrungsaufnahme (insbesondere Kohlenhydraten), körperlicher Aktivität und der Insulindosis finden, um sowohl Unterzuckerungen als auch anhaltend hohe Blutzuckerwerte zu vermeiden.

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Selbstmanagement: Blutzucker und Kohlenhydrate im Blick

Die Blutzuckerselbstkontrolle und das geübte Einschätzen der Kohlenhydratmenge in Lebensmitteln, Speisen und Getränken sind unverzichtbare Bestandteile des täglichen Managements. Hierbei sind Kohlenhydrat-Tabellen nützliche Hilfsmittel. Durch das Erlernen der Selbstanpassung der Insulindosis können Menschen mit Diabetes aktiv zu einer stabilen Blutzuckereinstellung beitragen und ihre Freiheit bei der Lebensmittelauswahl erweitern.

Die Rolle von Fetten in der Diabetes-Ernährung

Fettreiche Ernährung erhöht das Risiko für Herz- und Gefäßkrankheiten, wie Herzinfarkt oder Schlaganfall. Es ist jedoch wichtig, zwischen verschiedenen Fettarten zu unterscheiden.

Begrenzung gesättigter und gehärteter Fette

Besonders gesättigte und gehärtete Fette sind als risikoreich einzustufen. Daher wird heute empfohlen, den Anteil dieser Fette auf weniger als zehn Prozent der täglichen Nahrungsenergie zu begrenzen. Dies bedeutet, bewusste Entscheidungen beim Einkauf und bei der Zubereitung von Mahlzeiten zu treffen.

Qualität der Fette: Ungesättigte Fettsäuren und Fisch

Bevorzugen Sie bei der Speisenzubereitung Öle mit ungesättigten Fettsäuren, wie Raps-, Oliven- oder Walnussöl. Mindestens einmal pro Woche sollte frischer Seefisch auf dem Speiseplan stehen. Makrele, Hering und Lachs sind reich an wertvollen Omega-3-Fettsäuren und zudem gute Jodquellen.

Kohlenhydrate: Qualität statt Verzicht

Diabetiker können und sollen reichlich kohlenhydrathaltige Nahrung zu sich nehmen. Entscheidend ist dabei die richtige Auswahl.

Ballaststoffreiche Lebensmittel

Ballaststoffreiche Lebensmittel sind besonders empfehlenswert, da sie sich günstig auf Blutzucker und Blutfette auswirken. Idealerweise sollten sie fünfmal täglich auf dem Speiseplan stehen: Gemüse, Hülsenfrüchte, frisches Obst und (Vollkorn-)Getreideprodukte.

Haushaltszucker: Erlaubt in Maßen

Selbst Haushaltszucker ist nicht mehr gänzlich tabu, sofern bestimmte Regeln beachtet werden:

  • Nicht mehr als maximal 10 Prozent der täglichen Kalorien (etwa 30 bis höchstens 50 Gramm).
  • Auf mehrere Portionen über den Tag verteilt.
  • Nicht pur oder in Getränken, sondern “eingepackt” in Lebensmittel und Mahlzeiten (z. B. in Kuchen, Schokolade, Milcheis).

Getränke mit hohem Zucker- oder Glukosegehalt würden den Blutzucker rasch ansteigen lassen und sollten deshalb primär zur Behandlung von Unterzuckerungen eingesetzt werden.

Energiegehalt unterschiedlicher Nährstoffe:
1 g Kohlenhydrate liefert 4 kcal
1 g Eiweiß liefert 4 kcal
1 g Fett liefert 9 kcal
1 g Alkohol liefert 7 kcal

Eiweiß: Auf die Menge kommt es an

Für Menschen mit Diabetes wird eine Eiweißaufnahme zwischen 10 und 20 Prozent der täglichen Nahrungsenergie empfohlen. Viele nehmen jedoch mehr zu sich, insbesondere durch den Verzehr tierischer Produkte.

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Zu viel Eiweiß kann die Nieren belasten. Um dem vorzubeugen, sollte der Verzehr von eiweißreichen Lebensmitteln wie Fleisch, Wurst, Käse und Milchprodukten mengenmäßig begrenzt werden. Bei beginnenden Nierenschäden mit Eiweiß oder Albumin im Urin ist oft eine Begrenzung der Eiweißmenge auf 0,8 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht erforderlich. Dies erfordert eine detaillierte Beratung durch den Arzt und eine Diätassistentin.

Alkohol und Flüssigkeitszufuhr: Genuss in Maßen

Alkohol hat sowohl negative als auch einige positive Effekte, beispielsweise auf die Blutgefäße.

Ein bis zwei kleine Gläser Wein oder Bier pro Tag können Menschen mit Diabetes unter bestimmten Voraussetzungen konsumieren. Wichtig ist, dass dazu kohlenhydrathaltige Lebensmittel gegessen werden, um das Risiko einer späteren Unterzuckerung zu minimieren. Zudem muss das Getränk in die Kalorienberechnung einbezogen werden, da Alkohol mit 7 kcal pro Gramm mehr Energie liefert als Kohlenhydrate oder Eiweiß. Wer gerne einen schoppen trinken möchte, sollte dies also bedacht tun. Als Alternative bieten sich auch alkoholfreie Weine an, um den Genuss ohne die Risiken von Alkohol zu erleben. Auch traditionelle Getränke wie Met mit Alkohol oder Apfelwein können in geringen Mengen berücksichtigt werden, immer unter Beachtung der Blutzucker- und Kalorienbilanz.

Der Flüssigkeitsbedarf ändert sich durch Diabetes grundsätzlich nicht: Jeder sollte 1,5 bis 2 Liter pro Tag trinken. Wasser, Mineralwasser und verschiedene Früchteteesorten sind besonders geeignet, da sie kalorienfrei sind. Auch Light-Limonaden und Cola-Getränke mit kalorienfreiem Süßstoff, schwarzer Tee und Kaffee sind eine gute Wahl.

Warum spezielle Diätprodukte überflüssig sind

Speziell für Diabetiker hergestellte Produkte mit Fruchtzucker oder anderen kalorienhaltigen Zuckeraustauschstoffen sind in der Regel überflüssig. Solche Schokoladen und Gebäcke enthalten oft viel Fett und Energie. Diabetiker können durchaus gelegentlich ein Stück üblichen Kuchen, Gebäck oder normale Schokolade in kleiner Menge genießen, wenn sie dabei den Kalorien- und Fettgehalt berücksichtigen. Energiefreie Süßstoffe sind besonders bei Gewichtsproblemen eine sinnvolle Alternative zu Haushaltszucker.

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Die 6 wichtigsten Punkte zur modernen Diabetes-Ernährung:

Ernährungsrichtlinien heute: Das Wichtigste in 6 Punkten
Gesättigte und gehärtete Fette begrenzen: Nur wenig Wurst essen, sichtbares Fett beim Fleisch entfernen. Fettarme Käsesorten und Milchprodukte bevorzugen. Naschen ist erlaubt, aber selten und in Maßen.
Auf die Qualität der Fette achten: Öle mit ungesättigten Fettsäuren (Raps-, Oliven-, Walnussöl) zur Speisenzubereitung verwenden. Mindestens einmal pro Woche frischen Seefisch essen (Makrele, Hering, Lachs).
Ballaststoff- und vitaminreiche Nahrungsmittel reichlich essen: Täglich mindestens fünf Portionen Obst, Gemüse und Salat (besonders roh). Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte liefern viele Ballaststoffe und Mineralien.
Haushaltszucker in kleinen Mengen ist erlaubt: Diabetiker sollten jedoch kalorienfreie Süßstoffe bevorzugen.
Alkohol in Maßen: Ein bis zwei kleine Gläser Wein oder Bier schaden nicht, wenn Kalorien und Unterzuckerungsgefahr beachtet werden.
Spezielle Diät-Lebensmittel sind nicht mehr nötig: Diabetiker können übliche Produkte in kleinen Mengen genießen.

Individuelle Beratung ist entscheidend

Generelle Empfehlungen können den individuellen Bedürfnissen eines Diabetikers nur schwer gerecht werden. Eine auf die Person zugeschnittene Ernährungsberatung durch Fachkräfte ist daher unerlässlich. Auch die Teilnahme an Schulungskursen unter Anleitung eines Diabetes-Teams hilft, individuelle Fragen zu Essen und Trinken zu klären. Dort lernen Betroffene, wie kleine Änderungen im Essverhalten die Diabetesbehandlung verbessern können. Bei der Erstellung persönlicher Ernährungsempfehlungen sollten individuelle Vorlieben und Gewohnheiten so weit wie möglich berücksichtigt werden. Denn auch das gehört zu einer zeitgemäßen Ernährung bei Diabetes: Gesunde Kost darf schmecken, und Genuss ist ausdrücklich erlaubt.

Quellenangaben

Weitere Informationen und Beispiele für eine diabetesgerechte Ernährung erhalten Sie auch in dem Buch: “Gesund kochen bei Diabetes” (320 Seiten und mit 116 Abbildungen/Ernährungsregeln und 130 Rezepte speziell für Menschen mit einem Typ-2-Diabetes, 29,80 DM in Ihrer Apotheke oder beim Wort & Bild Verlag Telefon 0 89 / 7 44 33 270, Fax 0 89 / 7 44 33 208, Internet www.wortundbild.de oder Postfach 70 20 69, 81320 München).

Anette Buyken und Dr. med. Monika Toeller; Deutsches Diabetes-Forschungsinstitut Düsseldorf
aus: Diabetiker-Ratgeber 8/2000
Redaktion: Prof. Dr. med. W. A. Scherbaum, Dr. med. M. Stapperfend
Erstellt: September 2001