BaFin warnt: Hohe Kosten und Kostenfallen bei Lebensversicherungen

Lebensversicherungen sind für viele Menschen ein grundlegender Pfeiler der Altersvorsorge. Sie sollen finanzielle Sicherheit im Ruhestand gewährleisten und Vermögensaufbau ermöglichen. Doch hohe Kosten können die Rendite dieser Anlageprodukte erheblich schmälern und dazu führen, dass die Sparbeiträge der Versicherungsnehmer nicht ausreichen, um eine angemessene Versorgung im Alter sicherzustellen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) betrachtet die Kostenbelastung daher als wichtigen Risikoindikator und hat in einer branchenweiten Abfrage erhebliche Defizite aufgedeckt, insbesondere in den Produktfreigabeverfahren und im Umgang mit Interessenkonflikten im Vertrieb. Umfassende Renteninformationen sind dabei essenziell, um die eigene Altersvorsorge richtig einzuschätzen.

Was sind Versicherungsanlageprodukte?

Versicherungsanlageprodukte sind Lebensversicherungsverträge, deren Fälligkeits- oder Rückkaufswert den Schwankungen des Marktes unterliegt. Sie umfassen verschiedene Formen wie klassische Produkte mit Zinsgarantie, fondsgebundene Produkte oder Mischprodukte (Hybridprodukte). Im Gegensatz dazu zählen bestimmte geförderte Rentenversicherungsprodukte, wie die Riester-Rente, sowie Produkte der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) nicht zu dieser Kategorie. Für Versicherungsanlageprodukte gelten spezielle Wohlverhaltenspflichten, die sich aus der europäischen Versicherungsvertriebsrichtlinie (IDD) ergeben. Darüber hinaus sind besondere Informationspflichten gemäß der PRIIPs-Verordnung zu beachten, die eine hohe Transparenz für Kleinanleger und Versicherungsanlageprodukte gewährleisten soll.

Effektive Kosten verstehen

Die effektiven Kosten geben an, wie stark die jährliche Rendite eines Versicherungsanlageprodukts durch alle anfallenden Kosten gemindert wird. Laut § 2 Absatz 1 Nr. 9 der Verordnung über Informationspflichten bei Versicherungsverträgen (VVG-Informationspflichtenverordnung – VVG-InfoV) müssen Lebensversicherer ihre Kunden vor Vertragsabschluss detailliert über diese Kosten informieren. Zudem müssen die effektiven Kosten eines Mustervertrags im Basisinformationsblatt nach der PRIIPs-Verordnung auf der Webseite des Versicherers veröffentlicht und den Versicherungsnehmern vor Vertragsabschluss zur Verfügung gestellt werden. Ein Verständnis der Bedeutung der Rentenversicherung ist hierbei grundlegend, um die Relevanz dieser Kosten für die eigene Altersvorsorge zu erfassen.

Hohe Kosten als Warnsignal: Mögliche Ursachen

Übermäßig hohe Kosten können ein Indiz dafür sein, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis von Versicherungsanlageprodukten nicht angemessen ist. Dies widerspricht den Wohlverhaltenspflichten, die Versicherer dazu anhalten, Produkte zu entwickeln, die den Zielen, Interessen und Merkmalen ihrer Kunden gerecht werden.

Gerade im Bereich der fondsgebundenen Lebensversicherungen steht das Preis-Leistungs-Verhältnis auf europäischer Ebene im Fokus der Aufsichtsbehörden. Die Europäische Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA) hat hierzu kürzlich Prinzipien zur Bewertung des Preis-Leistungs-Verhältnisses formuliert.

Weiterlesen >>  Die Frankfurter Leben-Gruppe und die ARAG: Ein Pfeiler der deutschen Finanzlandschaft

Darüber hinaus können hohe Produktkosten auf Interessenkonflikte im Vertrieb hinweisen, die oft durch überhöhte Provisionszahlungen an Vermittler entstehen. Dies ist ein zentraler Punkt, den die BaFin bei ihrer Untersuchung der Vertriebsvergütungen von Versicherungsunternehmen ebenfalls kritisch beleuchtet. Werden Mängel im Produktfreigabeverfahren oder im Umgang mit solchen Interessenkonflikten festgestellt, wird die BaFin auf deren Beseitigung hinwirken und, falls nötig, entsprechende Anordnungen gegen die betroffenen Lebensversicherer erlassen.

Die BaFin-Abfrage im Detail

Im Rahmen ihrer Untersuchung hat die BaFin deutsche Lebensversicherer gebeten, umfassende Informationen zu den effektiven Kosten ihrer klassischen Sparprodukte mit Zinsgarantie und fondsgebundenen Produkte (einschließlich Mischprodukten) bereitzustellen. Hierbei wurde ein „Produkt“ stets als Kombination aus einem Produkt und einer spezifischen Anlageoption definiert.

Für fondsgebundene Lebensversicherungen mit laufender Beitragszahlung mussten die Versicherer Daten für die drei Produkte übermitteln, die im ersten Halbjahr 2021 gemessen an der Beitragssumme den größten Anteil am Neugeschäft ausmachten. Für andere Produktkategorien wurden lediglich Zahlen zum meistverkauften Produkt im selben Zeitraum abgefragt. Diese Auswahl deckte einen Großteil des Neugeschäfts ab: etwa 75 Prozent bei klassischen Sparprodukten und 51 Prozent bei fondsgebundenen Produkten. Zusätzlich sammelte die BaFin Daten zu den Produkten mit den höchsten und niedrigsten effektiven Kosten, um die gesamte Bandbreite besser überblicken zu können. Für administrative Prozesse wie einen online Rentenantrag stellen ist es wichtig, alle relevanten Informationen zur Hand zu haben.

Neben den effektiven Kosten wurden auch Informationen zu Rückvergütungen von Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) abgefragt. Viele Fonds, die in fondsgebundenen Lebensversicherungen verwendet werden, zahlen Rückvergütungen an das Lebensversicherungsunternehmen oder direkt an die Vermittler.

Ergebnisse der BaFin-Abfrage: Unterschiedliche Effektivkosten

Die BaFin-Abfrage offenbarte eine erhebliche Spannbreite bei den effektiven Kosten der untersuchten Produkte. Die folgende Tabelle zeigt die Verteilung und das nach Beitragssumme gewichtete Mittel der effektiven Kosten für die meistverkauften Produkte, differenziert nach Eintrittsalter und Vertragslaufzeit, bei einem typischen Monatsbeitrag von 100 Euro.

Tabelle: Effektivkosten von Produkten mit monatlicher Beitragszahlung

Zum Beispiel betragen die effektiven Kosten der meistverkauften fondsgebundenen Produkte für ein Eintrittsalter von 37 Jahren und eine Vertragslaufzeit von 30 Jahren im gewichteten Mittel 1,90 Prozent. Die Quantile zeigen, dass 25 Prozent der Produkte effektive Kosten unter 1,30 Prozent aufweisen, 50 Prozent unter 1,64 Prozent und 75 Prozent unter 2,35 Prozent.

Ein klarer Trend ist erkennbar: Je kürzer die Vertragslaufzeit, desto höher sind tendenziell die effektiven Kosten. Bei fondsgebundenen Lebensversicherungen liegen diese Werte signifikant über denen klassischer Lebensversicherungen. Bei allen Kombinationen aus Eintrittsalter und Laufzeit wurden Lebensversicherer identifiziert, deren meistverkaufte fondsgebundene Produkte effektive Kosten von über 4 Prozent aufweisen. Für Versicherungsnehmer bedeutet dies, dass die zugrunde liegenden Kapitalanlagen erst ab einer entsprechend hohen Rendite einen tatsächlichen Anlagegewinn abwerfen.

Weiterlesen >>  Kindererziehungszeiten: So sichern Sie Ihre Rente durch Kindererziehung

Der Großteil der fondsgebundenen Verträge basiert auf Aktienfonds und wird oft mit der Chance auf Teilhabe an den Ertragsmöglichkeiten der Aktienmärkte beworben. Angesichts dieser Zielsetzung erscheinen die durchschnittlichen effektiven Kosten bei längeren Laufzeiten vertretbar. Die hohen effektiven Kosten in der Spitze lassen jedoch ernsthafte Zweifel aufkommen, ob die Produktfreigabeverfahren den Interessen, Bedürfnissen und Merkmalen des Zielmarktes ausreichend Rechnung getragen haben, wie es die Wohlverhaltensregeln vorschreiben.

Die Rückvergütungspraxis der Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen)

Bei etwa einem Drittel des Neugeschäfts der meistverkauften fondsgebundenen Produkte zahlen Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVGen) Rückvergütungen an die Lebensversicherer. Diese liegen im gewichteten Mittel bei jährlich knapp über 0,30 Prozent des Fondsguthabens und erreichen in der Spitze über 1,20 Prozent.

Bei rund 80 Prozent dieser Produkte sind spezielle Überschussanteile vorgesehen, durch die Lebensversicherer die Versicherungsnehmer gezielt an den Rückvergütungen der individuellen Fonds beteiligen, die ihren Verträgen zugrunde liegen. Im gewichteten Mittel beträgt die Rückerstattung an die Versicherungsnehmer hierbei etwa 52 Prozent der gezahlten Rückvergütungen, wobei bei ungefähr einem Viertel dieser Produkte die Rückvergütungen vollständig an die Kunden weitergegeben werden. Für die Beantragung bestimmter Leistungen kann es auch notwendig sein, ein V0210 online beantragen zu müssen, was die Komplexität der administrativen Vorgänge in der Altersvorsorge unterstreicht.

Besonders problematisch sind die restlichen rund 20 Prozent, bei denen keine solchen speziellen Überschussanteile existieren. Zwar erhöhen die Rückvergütungen der KVGen in diesen Fällen das übrige Ergebnis, an dem die Lebensversicherer die Versicherungsnehmer gemäß der Mindestzuführungsverordnung zu mindestens 50 Prozent beteiligen müssen. Diese Regelung greift jedoch nur bei einem positiven übrigen Ergebnis und lediglich auf kollektiver Ebene des gesamten Bestands. Gemäß § 153 Absatz 2 des Versicherungsvertragsgesetzes (VVG) müssen Lebensversicherer die Überschussbeteiligung jedoch auch verursachungsorientiert auf die einzelnen Verträge verteilen. Das bedeutet, dass die individuelle Fondsauswahl bei der Verteilung der Überschüsse berücksichtigt werden muss. Wenn sich die Rückvergütungen der KVGen von Fonds zu Fonds erheblich unterscheiden, ist eine von der individuellen Fondsauswahl unabhängige Überschussbeteiligung nicht mit dieser Anforderung vereinbar.

Des Weiteren zahlen die KVGen nach Kenntnis der Lebensversicherer bei etwa 19 Prozent des untersuchten Neugeschäfts mit fondsgebundenen Produkten Rückvergütungen direkt an die Vermittler. In weniger als der Hälfte dieser Fälle kennen die Lebensversicherer die genaue Höhe dieser Rückvergütungen (im gewichteten Mittel rund 0,50 Prozent).

Weiterlesen >>  HDI Lebensversicherung kündigen: Ein umfassender Leitfaden

Wenn Interessenkonflikte im Vertrieb nicht eingedämmt werden

Diese Praxis weist darauf hin, dass es einigen Lebensversicherern nur eingeschränkt möglich ist, potenzielle Interessenkonflikte im Vertrieb zu identifizieren und die gesetzlichen Vorgaben zur Vertriebsvergütung vollständig umzusetzen. Erhält ein Vermittler bei einem fondsgebundenen Produkt direkte Rückvergütungen von KVGen, besteht die Gefahr, dass er seinen Kunden primär den Fonds mit den höchsten Rückvergütungen empfiehlt, anstatt das objektiv beste Produkt. Eine Einschätzung und ein angemessener Umgang mit solchen Interessenkonflikten sind für den Lebensversicherer jedoch nur dann möglich, wenn er die genaue Höhe dieser Rückvergütungen kennt.

Hinzu kommt, dass Rückvergütungen an Vermittler den Überschuss des Lebensversicherers nicht erhöhen und somit auch nicht die Überschussbeteiligung der Versicherungsnehmer. Sie stellen de facto eine zusätzliche Vertriebsvergütung dar, die aus der Managementgebühr der KVG finanziert wird und tendenziell die Kosten des fondsgebundenen Lebensversicherungsprodukts erhöht. Dies steigert die Wahrscheinlichkeit, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis aus Sicht der Versicherungsnehmer unangemessen wird.

Ein weiteres Problem dieser Praxis ist die mangelnde Transparenz der Abschluss- und Vertriebskosten. Die Fondsmanagementgebühren, aus denen die Rückvergütungen finanziert werden, sind zwar Teil der effektiven Kosten, über die Lebensversicherer ihre Kunden bei Vertragsabschluss gemäß § 2 Absatz 1 Nr. 9 VVG-InfoV informieren müssen. Sie zählen jedoch nicht zu den einkalkulierten Abschlusskosten, die Kunden nach § 2 Absatz 1 Nr. 1 VVG-InfoV als einheitlicher Gesamtbetrag separat mitzuteilen sind. Dies kann den Kunden einen falschen Eindruck von der tatsächlichen Gesamthöhe der Abschlusskosten vermitteln und die Entscheidungsfindung erschweren.

Fazit und Ausblick

Die Untersuchung der BaFin zeigt deutlich, dass hohe Kosten, mangelnde Transparenz und unzureichend gemanagte Interessenkonflikte im Vertrieb ernsthafte Herausforderungen für die deutsche Lebensversicherungsbranche darstellen. Diese Probleme können die Rentabilität der Altersvorsorgeprodukte für Verbraucher erheblich mindern und das Vertrauen in die Branche beeinträchtigen.

Die BaFin wird weiterhin intensiv darauf hinwirken, dass Versicherer ihre Produktfreigabeverfahren optimieren und einen transparenten sowie verantwortungsvollen Umgang mit Vertriebsvergütungen gewährleisten. Für Versicherungsnehmer ist es unerlässlich, die Kostenstrukturen ihrer Lebensversicherungsprodukte genau zu prüfen und bei Unklarheiten gezielt nachzufragen. Wer eine unabhängige Rentenversicherungsberatung in Ihrer Nähe sucht, sollte auf spezialisierte Anlaufstellen zurückgreifen, um fundierte Entscheidungen zu treffen und Kostenfallen zu vermeiden. Informieren Sie sich umfassend, bevor Sie eine Entscheidung für Ihre Altersvorsorge treffen.