Das Recht auf Vergessen: Chancengleichheit für Krebspatienten bei Versicherungen

Der Abschluss einer Versicherung erfordert oft die Beantwortung detaillierter Gesundheitsfragen. Doch was passiert, wenn man in der Vergangenheit eine schwere Krankheit wie Krebs hatte? Für viele Menschen, die eine Krebserkrankung überstanden haben, stellen diese Fragen eine erhebliche Hürde dar und können den Zugang zu wichtigen Absicherungen wie Lebens- oder Berufsunfähigkeitsversicherungen erschweren oder gar unmöglich machen. Es ist wichtig, die Auswirkungen dieser Praxis auf die Betroffenen zu verstehen und mögliche Lösungsansätze zu kennen, um die finanzielle Zukunft zu sichern. Darüber hinaus spielen die Prozentsätze der Rentenversicherung eine Rolle für die Altersvorsorge, die wiederum durch solche Gesundheitsfragen beeinflusst werden kann.

Die Bedeutung wahrheitsgemäßer Angaben bei Versicherungsanträgen

Das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) verpflichtet Antragsteller dazu, Gesundheitsfragen stets wahrheitsgemäß und vollständig zu beantworten. Diese umfassende Anzeigepflicht ist grundlegend für das Vertrauensverhältnis zwischen Versicherer und Versicherungsnehmer. Werden falsche oder unvollständige Angaben gemacht, kann dies weitreichende Konsequenzen haben. Im schlimmsten Fall kann das Versicherungsunternehmen den Vertrag nachträglich auflösen. Dies kann dazu führen, dass bereits erhaltene Leistungen zurückgefordert werden und eingezahlte Beiträge samt Versicherungsschutz unwiederbringlich verloren sind. In seltenen Fällen ist eine nachträgliche Vertragsanpassung möglich, die dann beispielsweise eine frühere Krebserkrankung vom Versicherungsschutz ausschließt.

Für Versicherungsunternehmen gilt eine Frist von fünf Jahren, um ihre Rechte bei fahrlässigen Falschangaben geltend zu machen. Diese Frist beginnt mit dem Vertragsabschluss und gilt nicht, wenn Versicherte innerhalb dieses Zeitraums bereits Leistungen aus dem Vertrag erhalten haben. Bei Vorsatz oder arglistiger Täuschung verlängert sich diese Frist sogar auf zehn Jahre. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, alle Gesundheitsfragen mit größter Sorgfalt zu beantworten, um spätere Probleme zu vermeiden und den Versicherungsschutz zu gewährleisten. Die Beitragsbemessungsgrenze für die Rentenversicherung im Jahr 2021 ist ein weiterer Faktor, der bei der finanziellen Planung berücksichtigt werden sollte.

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Hürden bei Bankkrediten für Krebserkrankte

Während Versicherungen detaillierte Gesundheitsfragen stellen, verzichten Banken in der Regel darauf. Banken legen den Fokus stattdessen auf die Sicherstellung der Kreditrückzahlung und verlangen daher entsprechende Sicherheiten, bevor sie einen Kredit gewähren. Solche Sicherheiten können beispielsweise eine Lebensversicherung oder eine Restschuldversicherung sein. An dieser Stelle entsteht für Krebserkrankte oft ein indirektes Problem. Wenn aufgrund der Krankheitsgeschichte der Abschluss einer solchen Versicherung erschwert oder verwehrt wird, kann es für Betroffene schwierig bis unmöglich werden, den gewünschten Bankkredit zu erhalten.

In solchen Fällen müssen alternative Sicherheiten geprüft werden. Dazu gehören oft werthaltige Immobilien, die als Hypothek dienen können, oder die Bürgschaft einer solventen dritten Person. Diese Anforderungen können den Zugang zu notwendigen Finanzierungen, etwa für ein Eigenheim oder eine Existenzgründung, erheblich einschränken und eine zusätzliche Belastung für Menschen darstellen, die bereits mit einer schweren Krankheit zu kämpfen hatten. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, faire und diskriminierungsfreie Zugänge zu Finanzprodukten zu schaffen.

Das „Recht auf Vergessen“ in Europa: Ein Überblick

Um die Chancengleichheit für Krebsüberlebende bei Versicherungen zu verbessern, wird auf europäischer Ebene intensiv über ein „Recht auf Vergessen“ (Right to be forgotten) diskutiert. Dieses Recht soll die Möglichkeit von Versicherungsunternehmen, vor Vertragsabschluss Gesundheitsfragen zu stellen, einschränken. Die Krebserkrankung soll nach einer bestimmten Zeitspanne versicherungsrechtlich „vergessen“ werden können, sodass sie keine Auswirkungen mehr auf den Versicherungsantrag hat. Das übergeordnete Ziel ist es, Krebsbetroffene vor Diskriminierung zu schützen und ihnen den gleichen Zugang zu essentiellen Versicherungsleistungen zu ermöglichen wie nicht an Krebs erkrankten Menschen.

Mehrere EU-Länder haben das „Recht auf Vergessen“ bereits in ihre nationalen Gesetzgebungen aufgenommen. Dazu gehören beispielsweise Portugal, Frankreich und Luxemburg. Die genauen Bestimmungen variieren zwar in einzelnen Details, doch im Kern besagen sie, dass Betroffene ihre Krebserkrankung nach einem Zeitraum von zehn Jahren nach der letzten Behandlung nicht mehr angeben müssen. Für Kinder und Jugendliche gilt sogar eine verkürzte Frist von nur fünf Jahren. Diese Regelungen stellen einen wichtigen Fortschritt dar, um die soziale Reintegration und finanzielle Absicherung von Krebsüberlebenden zu fördern. Auch wenn es um allgemeine Informationen zur Rentenversicherung geht, sind solche fortschrittlichen Regelungen zur Diskriminierungsvermeidung ein wichtiger Aspekt einer gerechten Gesellschaft.

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Die aktuelle Situation in Deutschland und Empfehlungen

In Deutschland gibt es bisher noch kein allgemeingültiges „Recht auf Vergessen“. Dies bedeutet, dass Krebsüberlebende weiterhin verpflichtet sind, ihre Gesundheitsgeschichte vollständig offenzulegen, was oft zu höheren Prämien oder Ablehnungen bei Versicherungsanträgen führt. Verbraucherverbände in Deutschland raten daher dazu, bei der Suche nach einer Versicherung besonders vorsichtig vorzugehen. Sie empfehlen, nur solche Versicherungen abzuschließen, deren Gesundheitsfragen bereits jetzt zeitlich begrenzt sind, beispielsweise auf die letzten fünf oder zehn Jahre rückwirkend. Eine sorgfältige Risikovoranfrage kann hierbei helfen, die besten Konditionen zu finden und böse Überraschungen zu vermeiden. Die Beitragsbemessungsgrenze der Rente für 2022 ist ebenfalls ein relevanter Faktor.

Die politische Diskussion über die Einführung eines „Rechts auf Vergessen“ in Deutschland läuft jedoch weiter. Es bleibt abzuwarten, wann und in welcher Form eine solche Regelung hierzulande umgesetzt wird, um auch deutschen Krebsüberlebenden den uneingeschränkten Zugang zu dringend benötigten Versicherungen zu ermöglichen und ihnen die gleiche Lebensqualität wie Menschen ohne diese Krankheitsgeschichte zu sichern. Das ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Gerechtigkeit und Teilhabe, bei dem auch die Renten-Beitragsbemessungsgrenze 2022 eine Rolle spielt.

Fazit und Ausblick

Das “Recht auf Vergessen” stellt einen wichtigen Mechanismus dar, um Menschen nach einer überstandenen Krebserkrankung den Zugang zu essenziellen Versicherungen zu erleichtern und Diskriminierung entgegenzuwirken. Während einige europäische Länder bereits vorbildliche Regelungen eingeführt haben, steht Deutschland noch vor der Herausforderung, eine vergleichbare Lösung zu finden. Für Betroffene ist es aktuell entscheidend, sich umfassend zu informieren und gegebenenfalls fachkundige Beratung bei Verbraucherzentralen einzuholen, um die besten Möglichkeiten für ihren individuellen Versicherungsschutz zu finden. Ein fairer Zugang zu Versicherungen ist nicht nur eine Frage der finanziellen Absicherung, sondern auch der sozialen Gerechtigkeit und der Würde des Einzelnen.

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Quellen und vertiefende Informationen