Selbstständige stehen oft vor besonderen finanziellen Herausforderungen, da ihnen typische Arbeitgeberleistungen wie eine betriebliche Altersvorsorge oder bezahlte Krankentage fehlen. Eine Lebensversicherung kann hier eine wichtige Rolle spielen, um finanzielle Risiken abzudecken und für das Alter vorzusorgen. Doch welche Arten von Lebensversicherungen eignen sich für Selbstständige, welche Kosten fallen an und welche steuerlichen Vorteile gibt es? Dieser Beitrag beleuchtet die wichtigsten Aspekte.
Warum eine Lebensversicherung für Selbstständige sinnvoll ist
Eine Lebensversicherung dient grundsätzlich dazu, im vereinbarten Versicherungszeitraum oder im Todesfall eine festgelegte Geldsumme auszuzahlen. Für Selbstständige mit Familie, die die Haupteinnahmequelle darstellen, ist dies eine essenzielle Absicherung. Sollte ihnen etwas zustoßen, sind ihre Hinterbliebenen zumindest finanziell abgesichert und müssen sich in einer ohnehin schwierigen Zeit keine zusätzlichen Geldsorgen machen.
Darüber hinaus bietet eine Lebensversicherung zusätzliche finanzielle Sicherheit bei Krankheit oder Unfall. Viele Policen integrieren eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die ein regelmäßiges Einkommen sichert, falls die eigene Arbeitskraft nicht mehr zur Verfügung steht. Da Selbstständige nicht in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, ist eine private Altersvorsorge unerlässlich. Eine Lebensversicherung kann hier einen Baustein darstellen.
Es gibt zwei Hauptarten von Lebensversicherungen, die für Selbstständige in Betracht kommen: die Kapitallebensversicherung und die Risikolebensversicherung.
Die Risikolebensversicherung: Absicherung der Familie
Die Risikolebensversicherung fokussiert sich auf die finanzielle Absicherung der Familie im Falle des vorzeitigen Todes des Versicherten. Dies ist besonders relevant, wenn Kinder vorhanden sind oder ein Immobiliendarlehen abbezahlt wird und der Selbstständige die Hauptlast der Finanzierung trägt. Auch wenn der Partner finanziell von den Einkünften des Selbstständigen abhängt, ist diese Form der Versicherung ratsam, um den Lebensstandard der Familie aufrechtzuerhalten.
Weitere Gründe für den Abschluss einer Risikolebensversicherung können bestehende Schulden sein, die andernfalls auf die Hinterbliebenen übergehen würden.
Ein wichtiger Punkt bei der Risikolebensversicherung ist, dass die eingezahlten Beiträge nur im Todesfall innerhalb der Vertragslaufzeit ausgezahlt werden. Verstirbt die versicherte Person nicht, verfallen die Beiträge. Dennoch bietet die Risikolebensversicherung einige Vorzüge:
- Sie ist im Vergleich zur Kapitallebensversicherung kostengünstiger.
- Die Laufzeiten und Prämien sind flexibel gestaltbar.
- Sie kann zur Absicherung von Immobilienfinanzierungen genutzt werden.
- Auch Geringverdiener können sich diesen Schutz leisten.
Zudem können Selbstständige die Beiträge für eine Risikolebensversicherung steuerlich geltend machen. Verheiratete profitieren zudem davon, dass Ehepartner bis zu 500.000 Euro der ausgezahlten Versicherungssumme steuerfrei erhalten. Für Kinder liegt die Grenze bei 400.000 Euro, für unverheiratete Partner nur bei 20.000 Euro.
Um die Familie bestmöglich zu schützen, sollte eine möglichst hohe Versicherungssumme gewählt werden. Die Ermittlung der optimalen Summe sollte auf einer Worst-Case-Szenario-Analyse basieren, die den finanziellen Bedarf der Hinterbliebenen deckt, inklusive laufender Kredite und Lebenshaltungskosten. Die Laufzeit der Versicherung wird individuell festgelegt, wobei gilt: Je früher der Abschluss, desto günstiger die monatlichen Prämien, da der Gesundheitszustand in jungen Jahren in der Regel besser ist. Die jährlichen Kosten liegen im Durchschnitt zwischen 100 und 500 Euro.
Die Kapitallebensversicherung: Altersvorsorge und Absicherung
Die Kapitallebensversicherung kombiniert den Todesfallschutz mit der Altersvorsorge. Anders als bei der reinen Risikolebensversicherung verfallen die Beiträge nicht, sondern werden angelegt. Wer gesund bleibt und das Rentenalter erreicht, baut damit Vermögen auf, während der Todesfallschutz weiterhin besteht.
Die Kosten einer Kapitallebensversicherung setzen sich aus drei Komponenten zusammen:
- Sparanteil: Der größte Teil, der vom Versicherer angelegt wird, um Zinsen und Gewinne zu erzielen.
- Risikoanteil: Dient der Auszahlung im Todesfall.
- Verwaltungskosten: Gebühren für die Bearbeitung durch den Versicherer.
Auch hier gilt: Je früher der Abschluss, desto günstiger die Versicherung, da die Kosten für den Risikoanteil in jungen Jahren niedriger sind. Ähnlich wie bei der Risikolebensversicherung gibt es steuerliche Vorteile, da die Beiträge absetzbar sind und die Auszahlung unter bestimmten Bedingungen steuerfrei erfolgen kann. Nachteile der Kapitallebensversicherung sind jedoch:
- Lange Laufzeiten: Das Kapital ist oft über Jahrzehnte gebunden.
- Geringe Rendite: Die Erträge sind im Vergleich zu anderen Anlageformen oft niedrig, da ein großer Teil für Kosten draufgeht.
- Geringe Flexibilität: Vorzeitige Auszahlungen können mit hohen Gebühren und Verlusten verbunden sein.
- Kündigungsverluste: Bei vorzeitiger Kündigung kann die Auszahlungssumme unter den eingezahlten Beiträgen liegen.
Alternative: Lebensversicherung mit Einmalbeitrag
Eine Lebensversicherung mit Einmalbeitrag, bei der ein größerer Betrag auf einmal eingezahlt wird, kann im Alter eine zusätzliche Rente generieren. Aufgrund der oft nur geringen Verzinsung lohnt sich jedoch ein genauer Vergleich, ob diese Form der Lebensversicherung für Selbstständige tatsächlich rentabel ist.
Fazit: Lebensversicherung für Selbstständige – Eine lohnende Option, besonders mit Familie
Lebensversicherungen sind für Selbstständige ein wichtiger Baustein einer umfassenden finanziellen Absicherungsstrategie. Sie schützen vor existenziellen Risiken wie Tod oder Berufsunfähigkeit und können gleichzeitig zur Altersvorsorge beitragen. Insbesondere für Selbstständige mit Kindern oder laufenden Immobilienfinanzierungen ist die Absicherung der Liebsten im Ernstfall durch eine Risikolebensversicherung essenziell.
