Lebensversicherung: Lohnt sich das teure Sparmodell noch?

Lebensversicherungen werden oft als sichere Geldanlage für die Altersvorsorge und zur Absicherung der Familie beworben. Doch wie das Beispiel von Alewtina und Jakob Zacharias zeigt, kann die Realität ernüchternd ausfallen. Nach 30 Jahren Einzahlung erhielten sie weniger Geld zurück, als sie ursprünglich investiert hatten. Ist die Lebensversicherung also ein Auslaufmodell und gibt es bessere Alternativen?

Was genau ist eine Lebensversicherung?

Grundsätzlich lassen sich Lebensversicherungen in zwei Hauptkategorien unterteilen: Kapitallebensversicherungen (oft auch fondsgebunden) und Risikolebensversicherungen. Während erstere sowohl einen Todesfallschutz bieten als auch dem Vermögensaufbau dienen sollen, sichert die Risikolebensversicherung ausschließlich den Todesfall ab und ist primär zur Absicherung von Hinterbliebenen gedacht, falls diese stark vom Einkommen des Versicherten abhängig sind. Bei Modellen, die zur Altersvorsorge dienen sollen, ist jedoch Vorsicht geboten.

Steuervorteile und die Realität der Kosten

Aktuell werben Influencer verstärkt für Lebens- und Rentenversicherungen und heben deren angebliche steuerliche Vorteile hervor. Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey warnt jedoch, dass die exorbitanten Kosten dieser Verträge potenzielle Steuervorteile oft bei Weitem übersteigen. Verbraucherschützer Niels Nauhauser bestätigt dies und erklärt, dass ein Steuervorteil hauptsächlich bei einer lebenslangen Rentenzahlung greift, die jedoch nur mit dem Ertragsanteil versteuert wird. Dies gehe jedoch mit der Wette auf ein extrem langes Leben einher, da Versicherer von einem sehr hohen Alter ausgingen. Für viele sei es daher kaum möglich, von diesen Modellen zu profitieren.

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Die Tücken der Werbung und hohe Gebühren

Viele Influencer, die vollmundig für Lebensversicherungen werben, sind nicht unabhängig und erhalten Provisionen für verkaufte Verträge. Auch die oft angeführten Beispielrechnungen sind häufig nicht realistisch, da sie mit Nettoverträgen kalkulieren und Provisionen sowie Gebühren, die in der Realität einen erheblichen Einfluss haben, außen vor lassen.

Ein Hauptkritikpunkt an vielen Kapital- und fondsgebundenen Lebensversicherungen ist der sogenannte Versicherungsmantel, also die Summe der Kosten, die das Versicherungsunternehmen für seine Leistungen einbehält. Dazu zählen Abschluss-, Verwaltungs- oder Stornokosten. Diese sind oft überzogen und schmälern die Rendite erheblich. Die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat angekündigt, Anbieter von kapitalbildenden Lebensversicherungen genauer zu überprüfen, um insbesondere überhöhte Provisionen einzudämmen.

Intransparenz als Dauerthema

Ein weiterer gravierender Kritikpunkt ist die extreme Intransparenz von Lebensversicherungen, die Niels Nauhauser als “das komplexeste intransparente Finanzprodukt, das wir in Deutschland haben” bezeichnet. So ist der Sparanteil einer Versicherung nicht transparent nachvollziehbar, was es dem Kunden erschwert, die tatsächliche Verzinsung seines Geldes zu erkennen. Nauhauser rät daher entschieden: “Besser die Finger von diesen Produkten lassen.” Dies gilt auch für Lebensversicherungsmodelle, die ETFs beinhalten.

ETFs als Alternative zur Altersvorsorge

Experten raten derzeit dringend von der Altersvorsorge über Lebensversicherungen ab. Wer privat vorsorgen möchte, sei mit einem ETF-Sparplan deutlich besser beraten. Für den reinen Todesfallschutz kann eine RisikoLebensversicherung Sinnvoll sein.

Alte Verträge: Genau prüfen und Beratung suchen

Während der heutige Garantiezins bei Kapitallebensversicherungen nur noch bei 0,25 Prozent liegt, wurden in der Vergangenheit deutlich höhere Zinsen garantiert. Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, können daher durchaus noch attraktiv sein. Barbara Sternberger-Frey rät generell dazu, bestehende Versicherungen genau zu überprüfen. Wer hier selbst nicht durchblickt, findet bei den Verbraucherzentralen Beratung und Hilfe. Die Versicherer sind verpflichtet, einmal im Jahr eine Standmitteilung zu senden. Es ist ratsam, diese regelmäßig zu prüfen und nicht erst bis zur Fälligkeit der Versicherung zu warten.

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Kündigung oder andere Optionen abwägen

Sollte sich herausstellen, dass ein Vertrag unattraktiv ist, sollte – idealerweise in Absprache mit einer unabhängigen Beratungsinstanz – abgewogen werden, welche Schritte am besten sind. Eine Option könnte sein, den Vertrag beitragsfrei zu stellen. Bei fondsgebundenen Versicherungen besteht zudem die Möglichkeit, den Fonds zu wechseln. Eine Kündigung ist oft die teuerste Option, da Stornokosten anfallen können – dennoch kann sie sich unter Umständen lohnen. In manchen Fällen ist sogar ein Widerruf des Vertrags möglich, selbst nach Ablauf der üblichen Widerrufsfrist, wenn der Versicherer nicht korrekt über das Widerrufsrecht informiert hat. Um dies zu prüfen, ist die Hinzuziehung eines Anwalts oder Experten der Verbraucherzentrale ratsam. Weitere Informationen finden Sie bei der BaFin.