Lebensversicherung: Eine kritische Analyse der Altersvorsorge und sinnvolle Alternativen

Für viele Deutsche ist die Lebensversicherung traditionell ein Eckpfeiler der finanziellen Altersvorsorge und Absicherung der Familie. Doch immer häufiger erleben Sparer eine böse Überraschung, wenn die lang ersehnten Auszahlungen weit hinter den Erwartungen zurückbleiben. So erging es auch Alewtina und Jakob Zacharias, die sich nach ihrer Rentenaufnahme auf ein finanzielles Polster aus ihrer Lebensversicherung verlassen hatten. „Wenn man die Zeit zurückdrehen könnte, würden wir natürlich nie wieder diese Versicherung abschließen“, resümiert Jakob Zacharias heute enttäuscht. Diese Erfahrung ist leider kein Einzelfall und wirft die Frage auf, ob die klassische Lebensversicherung noch eine zeitgemäße Option für den Vermögensaufbau ist. Für viele stellt sich dann die Frage, wann man eine sparkasse lebensversicherung kündigen sollte.

In diesem Artikel beleuchten wir kritisch die Funktionsweise, die Kosten und die Intransparenz von Lebensversicherungen, stellen sinnvolle Alternativen vor und geben Ihnen wertvolle Tipps, wie Sie mit bestehenden Verträgen umgehen können, um Ihre finanzielle Zukunft optimal zu gestalten.

Lebensversicherung als Geldanlage: Eine enttäuschende Realität

Vor über 30 Jahren riet ein Versicherungsvertreter Jakob Zacharias zum Abschluss einer Lebensversicherung. Das Versprechen: Familienabsicherung und gewinnbringende Anlage in Aktien und Anleihen, die nach Laufzeitende ausgezahlt werden sollte. Das Ehepaar Zacharias schloss daraufhin eine fondsgebundene Lebensversicherung bei der Veritas AG (später Gothaer Versicherung) ab. Über drei Jahrzehnte zahlten sie jeweils rund 9.000 Euro ein. Die Ernüchterung folgte bei der Auszahlung: Alewtina Zacharias erhielt etwa 6.600 Euro, Jakob Zacharias 6.300 Euro – insgesamt fast 5.500 Euro weniger als einbezahlt.

Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg fällt ein vernichtendes Urteil: „Der Vertrag ist natürlich unter aller Kanone, über 30 Jahre hat der Versicherer es geschafft, keine positive Rendite zu erzielen, sondern sogar Geld zu verbrennen. Das muss man erst mal schaffen.“ Hauptgründe für diese desolate Entwicklung sind laut Nauhauser die hohen Gebühren der Versicherung selbst, die Kosten des aktiven Fondsmanagements und die schlechte Performance des gewählten Fonds. Hätten die Zacharias ihr Kapital bedarfsgerecht und mit ähnlichem Risiko anderweitig angelegt, hätte es sich laut Nauhauser verdoppelt und läge heute bei 18.000 bis 19.000 Euro.

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Was ist eine Lebensversicherung eigentlich? Die verschiedenen Modelle

Der Begriff Lebensversicherung fasst unterschiedliche Finanzprodukte zusammen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen kapitalbildenden oder fondsgebundenen Lebensversicherungen und Risikolebensversicherungen.

Kapital- und fondsgebundene Lebensversicherungen: Doppelt versprochen, selten gehalten?

Diese Modelle verfolgen einen dualen Ansatz: Sie bieten zum einen einen Todesfallschutz, bei dem im Falle des Ablebens des Versicherten ein vereinbarter Betrag an die Hinterbliebenen ausgezahlt wird. Zum anderen sollen sie als Spar- oder Anlageprodukt dienen, dessen angespartes Kapital im Ruhestand – entweder als Einmalbetrag oder als monatliche Rente – ausbezahlt wird. Diese Kombination klingt auf den ersten Blick attraktiv, birgt jedoch die oben beschriebenen Risiken und Nachteile.

Risikolebensversicherung: Wann sie wirklich Sinn macht

Die Risikolebensversicherung konzentriert sich ausschließlich auf den Todesfallschutz. Sie dient nicht der Altersvorsorge, sondern sichert Ihre Familie finanziell ab, falls Ihnen etwas zustoßen sollte. Wenn Ihre Familie stark von Ihrem Einkommen abhängig ist, kann eine Risikolebensversicherung durchaus eine sinnvolle Überlegung sein. Sie bietet Schutz für den Fall, dass ein Hauptverdiener unerwartet stirbt. Wer hier auf eine optimale Absicherung für sich und seinen Partner setzt, sollte die Option risikolebensversicherung partner in Betracht ziehen. Auch spezielle Formen wie eine risikolebensversicherung mit kapitalrückzahlung oder eine risikolebensversicherung mit beitragsrückerstattung können je nach individueller Situation interessant sein, sind aber oft mit höheren Kosten verbunden und sollten genau geprüft werden.

Skepsis angebracht: Warum klassische Lebensversicherungen selten lohnen

Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey rät generell zu großer Skepsis bei Modellen, die primär der Altersvorsorge dienen sollen. Die Versprechen hoher Renditen können oft nicht gehalten werden, während die Kostenstruktur die Erträge schmilzt.

Steuervorteile von Lebens- und Rentenversicherungen: Ein Mythos?

Obwohl zunehmend Influencer Lebens- und Rentenversicherungen aufgrund angeblicher erheblicher steuerlicher Vorteile bewerben, warnt Barbara Sternberger-Frey: Die exorbitanten Kosten der Verträge übersteigen die tatsächlichen oder vermeintlichen Steuervorteile oft bei Weitem. Auch Verbraucherschützer Niels Nauhauser stellt klar: „Wenn man das mal nüchtern durchrechnet, ist da eigentlich nix dran.“ Ein echter Steuervorteil ergibt sich demnach nur bei einem lebenslangen Rentenbezug, der lediglich mit dem Ertragsanteil versteuert wird. Doch dies birgt einen gravierenden Nachteil: „Man kauft sich auch einen handfesten gravierenden Nachteil ein, nämlich die Wette auf ein langes Leben“, so Nauhauser. Versicherer kalkulieren mit einem extrem hohen Lebensalter; wer nicht mindestens 95 Jahre alt wird, für den rechnen sich diese Modelle kaum.

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Achtung vor irreführender Werbung und Intransparenz

Vorsicht ist geboten, wenn Influencer allzu vollmundig die Vorteile von Policen anpreisen. Sie sind oft nicht unabhängig und kassieren Provisionen für verkaufte Verträge. Die angeführten Beispielrechnungen sind zudem häufig unrealistisch, da beispielsweise mit Nettoverträgen gerechnet wird, bei denen Provisionen und Gebühren einfach herausgerechnet wurden – obwohl diese in der Realität einen erheblichen Ausschlag geben.

Lebensversicherungen oft viel zu teuer

Finanzexpertin Barbara Sternberger-Frey kritisiert, dass der sogenannte “Versicherungsmantel” bei Kapital- und fondsgebundenen Lebensversicherungen in aller Regel viel zu hoch sei. Dieser Mantel umfasst das Geld, das das Versicherungsunternehmen für seine Arbeitsleistung einbehält, wie Abschluss-, Verwaltungs- oder Storno-Kosten. Auch die deutsche Finanzaufsicht BaFin hat angekündigt, Anbietern von kapitalbildenden Lebensversicherungen künftig genauer auf die Finger schauen zu wollen, um überzogene Provisionen einzudämmen.

Komplex und undurchsichtig

Niels Nauhauser führt einen weiteren zentralen Kritikpunkt an: „Das Problem ist, dass die Lebensversicherung an Intransparenz kaum zu überbieten ist.“ Er bezeichnet sie als „das komplexeste intransparente Finanzprodukt, das wir in Deutschland haben.“ Ein einfaches Beispiel: Der Sparanteil der Versicherung ist für den Kunden nicht transparent. „Ich sehe den nicht wie auf dem Kontoauszug – ich weiß nicht, von hundert Euro werden da 80 Euro verzinst, oder was anderes – das wird nirgends ausgewiesen.“ Nauhausers Fazit ist daher eindeutig: „Besser die Finger von diesen Produkten lassen.“ Dies gelte im Übrigen auch für Lebensversicherungs-Modelle, die ETFs beinhalten, so Sternberger-Frey.

ETFs: Die moderne und effektivere Altersvorsorge

Unsere Experten raten derzeit dringend von der Altersvorsorge via Lebensversicherung ab. Wer privat für das Alter vorsorgen möchte, ist mit einem ETF-Sparplan deutlich besser beraten, erklärt Sternberger-Frey. ETFs (Exchange Traded Funds) bieten eine kostengünstige und transparente Möglichkeit, breit gestreut in den Markt zu investieren. Sie bilden Indizes wie den DAX oder den MSCI World nach und ermöglichen so eine hohe Diversifikation bei geringen Gebühren. Für den reinen Todesfallschutz kann, wie bereits erwähnt, eine separate Risikolebensversicherung sinnvoll sein, um die Familie im Ernstfall abzusichern, ohne die Altersvorsorge durch hohe Kosten zu belasten.

Bestehende Lebensversicherungsverträge prüfen und handeln

Nicht alle Lebensversicherungsverträge sind per se schlecht. Insbesondere alte Verträge, die vor 2005 abgeschlossen wurden, können aufgrund deutlich höherer Garantiezinsen (damals bis zu 4%, heute nur noch 0,25% bei Kapitallebensversicherungen) durchaus noch attraktiv sein. Generell rät Barbara Sternberger-Frey dazu, die eigene Versicherung kritisch zu überprüfen. Wer sich selbst nicht durch den Vertragdschungel kämpfen möchte, findet bei den Verbraucherzentralen Beratung und Hilfe. Auch Online-Vergleichsrechner können eine erste Orientierung bieten.

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Es ist zudem wichtig, die jährliche Standmitteilung der Versicherung genau zu prüfen. Warten Sie keinesfalls bis zur Fälligkeit der Versicherung, sondern schauen Sie regelmäßig nach dem aktuellen Stand, um böse Überraschungen zu vermeiden. Die Kenntnis des lebensversicherung kündigen rückkaufswert ist hierbei essenziell, um eine fundierte Entscheidung treffen zu können.

Lebensversicherung kündigen, beitragsfrei stellen oder widerrufen? Optionen im Überblick

Sollte sich herausstellen, dass Sie einen unattraktiven Vertrag besitzen, ist eine sorgfältige Abwägung der Optionen, idealerweise in Absprache mit einer unabhängigen Beratungsinstanz, unerlässlich.

  • Beitragsfrei stellen: Eine Möglichkeit ist, den Vertrag beitragsfrei stellen zu lassen. Die Einzahlungen werden gestoppt, das bereits angesparte Kapital bleibt jedoch bestehen und wird bis zum Laufzeitende weitergeführt.
  • Fonds wechseln: Bei fondsgebundenen Versicherungen haben Sie oft die Möglichkeit, den zugrunde liegenden Fonds zu wechseln, falls der aktuelle Fonds eine schlechte Performance aufweist oder Ihnen zu teuer ist.
  • Kündigung: Die Kündigung ist oft die teuerste Option, nicht zuletzt wegen der anfallenden Stornokosten oder der Differenz zwischen eingezahlten Beiträgen und dem Rückkaufswert. Dennoch kann sie sich lohnen, wenn der Vertrag so unattraktiv ist, dass ein Weiterführen noch höhere Verluste bedeuten würde.
  • Widerruf: In manchen Fällen kommt auch ein Widerruf des Vertrags in Frage, selbst nach Ablauf der 14-tägigen Widerrufsfrist. Dies ist beispielsweise möglich, wenn der Versicherer Sie nicht korrekt über Ihr Widerrufsrecht informiert hat. Um die Möglichkeit eines Widerrufs zu prüfen, sollten Sie unbedingt eine Anwältin oder einen Experten der Verbraucherzentrale hinzuziehen.

Fazit: Informierte Entscheidungen für Ihre finanzielle Zukunft

Die klassische Lebensversicherung hat in den letzten Jahrzehnten viel von ihrem Glanz verloren. Hohe Kosten, mangelnde Transparenz und oft enttäuschende Renditen machen sie zu einem fragwürdigen Instrument der Altersvorsorge. Während eine Risikolebensversicherung für den reinen Todesfallschutz in bestimmten Situationen sinnvoll ist, bieten ETF-Sparpläne eine modernere, flexiblere und in der Regel rentablere Alternative für den Vermögensaufbau.

Es ist entscheidend, dass Sie sich aktiv mit Ihren Finanzen auseinandersetzen, bestehende Verträge kritisch prüfen und bei Bedarf unabhängige Beratung suchen. Nur so können