Lukas Klostermann, ein Name, der im deutschen Fußball für Beständigkeit und Vielseitigkeit steht. Doch bevor er die Abwehrreihen von RB Leipzig und der deutschen Nationalmannschaft verstärkte, zeigte Klostermann außergewöhnliches Talent in einer ganz anderen Disziplin: der Leichtathletik. Seine frühen Erfolge im Weitsprung und Sprint lassen erahnen, welche athletischen Fähigkeiten ihn später auf dem Fußballplatz auszeichnen sollten.
Frühe sportliche Anfänge und der Wechsel zum Fußball
Bereits als Kind zeigte Klostermann eine bemerkenswerte sportliche Begabung. Mit beeindruckenden Weiten im Weitsprung und schnellen Zeiten im Sprint überzeugte er auf nationaler Ebene. Ein besonderes Highlight war sein Sieg im Super-Sprint-Finale vor 70.000 Zuschauern im Berliner Olympiastadion im Alter von nur zehn Jahren. Ursprünglich verfolgte er den Wunsch seiner Eltern, Leichtathlet zu werden, doch im Jugendalter entschied er sich für den Fußball und schloss sich seinem Heimatverein Gevelsberg an.
Dieser Wechsel war keineswegs alltäglich in einer Zeit, in der deutsche Profifußballer oft schon als Kinder in Akademien ausgebildet werden. Klostermanns sportliche Umorientierung in der Jugend war somit eine Besonderheit. Mit 17 Jahren wagte er den Sprung in die 2. Bundesliga zum VfL Bochum, wo er sich schnell als deutsches Jugendnationalspieler etablierte.
Entdeckung durch RB Leipzig und sportliche Entwicklung
Im Jahr 2014 wurde Klostermann von den Scouts Wolfgang Geiger und Sebastian Barth von RB Leipzig entdeckt. Ralf Rangnick, der damalige Sportdirektor, erinnert sich an seine herausragende Schnelligkeit als ausschlaggebenden Faktor. Trotz anfänglicher Bedenken seines damaligen Trainers Peter Neururer, der den Wechsel nach Ostdeutschland als Fehler einschätzte, entwickelte sich Klostermann prächtig. Er begann in der U19 von RB Leipzig, stieg aber bald zur festen Größe im Profiteam auf.
RB Leipzig, ein Verein, der aufgrund seiner Finanzierung durch Red Bull kontrovers diskutiert wird, zahlte für Klostermann lediglich eine Million Euro. Er gehört zu jener Gruppe von Spielern, die maßgeblich den Aufstieg des Vereins aus unteren Ligen bis ins Halbfinale der Champions League 2020 und zu konstanten Leistungen in der Bundesliga mitprägten. Spieler wie Marcel Halstenberg, Emil Forsberg, Marcel Sabitzer, Peter Gulacsi und Willi Orban bildeten gemeinsam mit Klostermann und Yussuf Poulsen den Kern des Teams.
Stärken und Charakter: Mehr als nur ein Fußballer
Trainer und Wegbegleiter loben Klostermann für seine herausragenden menschlichen Qualitäten, die er von seinen Eltern mitbekommen hat. “Lukas ist ein ruhiger Typ, voll auf seinen Job fokussiert”, beschreibt Rangnick. Er besitze eine klare Meinung, äußere diese aber überlegt. Besonders beeindruckt zeigte sich Rangnick von Klostermanns Fähigkeit, nach einem Kreuzbandriss 2016 gestärkt zurückzukehren. Julian Nagelsmann, aktueller Trainer von RB Leipzig, hebt Klostermanns Zuverlässigkeit und seine stets positive Einstellung hervor: “Er arbeitet immer, hört zu, gibt sein Bestes für das Team und erfüllt die ihm übertragenen Aufgaben klaglos.”
Klostermann ist kein Einzelkämpfer, sondern ein Teamplayer, der perfekt in Systeme passt, die auf Körperlichkeit und Zusammenhalt setzen. Seine herausragende Schnelligkeit, seine Kopfball- und Zweikampfstärke zeichnen ihn aus. Mit der Zeit hat er auch seine Fähigkeiten im Passspiel verbessert.
Vielseitigkeit in der Abwehr: Ein Trumpf für jedes Team
Mit 25 Jahren ist Klostermann kein Spieler, der durch spektakuläre Einzelaktionen glänzt, aber seine Vielseitigkeit ist ein unschätzbarer Vorteil. Er kann auf allen Positionen in der Abwehr eingesetzt werden – ob als Innenverteidiger oder Außenverteidiger, links oder rechts, in einer Vierer- oder Fünferkette. Diese Flexibilität macht ihn zu einer wertvollen Option für Bundestrainer Joachim Löw, insbesondere angesichts der seit Jahren bestehenden Unsicherheiten in der deutschen Abwehr. Seine Defensivqualitäten als Außenverteidiger könnten ihn zu einer wichtigen Wahl gegen starke Gegner machen, ähnlich wie Benedikt Höwedes, der 2014 als Linksverteidiger eine tragende Rolle beim WM-Titel spielte.
Obwohl Klostermann vielleicht nicht der Spieler ist, der den Fans am meisten fehlen würde, wenn er nicht im Kader stünde, erhöht seine Flexibilität seine Chancen auf einen Platz im Aufgebot. Seine Fähigkeit, sich nahtlos in verschiedene Defensivsysteme einzufügen, macht ihn zu einem unverzichtbaren Bestandteil der deutschen Nationalmannschaft.
