Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) hat eine entscheidende Personalie bekannt gegeben, die weitreichende Auswirkungen auf die Vorbereitung der deutschen Athleten für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio haben wird. Lutz Buschkow, aktuell Chef-Bundestrainer der deutschen Wasserspringer, übernimmt ab sofort interimsweise die Position des Leistungssportdirektors. Diese Besetzung soll dem neu geschaffenen „DSV-Projektteam Olympia 2021“ eine koordinierende und organisatorische Führung geben und die Sportler sowie deren Trainer optimal unterstützen. Die Entscheidung markiert eine wichtige Weichenstellung im deutschen Schwimmsport.
Buschkows Rolle und das “DSV-Projektteam Olympia 2021”
Die interimistische Ernennung von Lutz Buschkow ist ein klares Signal des DSV, Stabilität und klare Strukturen vor den bevorstehenden Olympischen Spielen zu schaffen. Buschkow, der bereits von 2008 bis 2016 als Direktor Leistungssport im DSV tätig war, bringt umfassende Erfahrung in diese Schlüsselposition ein. Seine Hauptaufgabe wird es sein, das “DSV-Projektteam Olympia 2021” zu leiten. Dieses Team ist speziell darauf ausgerichtet, alle relevanten Abläufe für die Spiele in Tokio zu koordinieren und organisatorisch zu begleiten. DSV-Präsident Marco Troll betonte, dass diese Maßnahme den Bundestrainerinnen und Bundestrainern den Rücken freihalten und den Athletinnen und Athleten ermöglichen soll, sich voll und ganz auf ihre sportliche Leistung und die Wettkampfvorbereitung zu konzentrieren. Die Aufgaben umfassen logistische Planungen, die Bereitstellung optimaler Trainingsbedingungen und die Sicherstellung einer reibungslosen Kommunikation innerhalb des Verbandes und mit den externen Partnern.
Hintergründe der Personalentscheidung
Die Neubesetzung der Leistungssportdirektoren-Position wurde notwendig, nachdem der bisherige Leistungssportdirektor Thomas Kurschilgen bereits im Februar freigestellt worden war. Die Hoffnungen einiger Schwimm-Bundestrainer auf eine Wiedereinstellung Kurschilgens haben sich mit dieser Entscheidung endgültig zerschlagen. Der Vorstand des DSV unter der Führung von Präsident Marco Troll hat sich bewusst gegen eine externe Lösung für die Interimszeit entschieden, um Flexibilität bei der langfristigen Besetzung der Stelle zu bewahren. Stattdessen soll die vakante Position zu einem späteren Zeitpunkt neu und dauerhaft ausgeschrieben werden. Dieser Ansatz soll gewährleisten, dass der Verband die bestmögliche Person für diese zentrale strategische Aufgabe findet, die den deutschen Schwimmsport über die Olympischen Spiele hinaus erfolgreich führen kann.
Kritik aus Athletenreihen: Sarah Köhler äußert Bedenken
Die Entscheidung des DSV stieß jedoch nicht auf uneingeschränkte Zustimmung, insbesondere aus den Reihen der Athleten. Sarah Köhler, Vize-Weltmeisterin von 2019 und Aktivensprecherin, äußerte deutliche Kritik am Vorgehen des Verbandes. Sie erklärte, erst auf der Präsidiumssitzung von der Personalie Buschkow erfahren zu haben. Dies habe ihr keine Möglichkeit gegeben, ein umfassendes Meinungsbild unter den Athleten einzuholen. Köhler wird mit den Worten zitiert: „Als mündige Athlet*innen erwarten wir, dass wir in den Entscheidungsprozess einbezogen werden und wollen uns ein Meinungsbild über diese Thematik schaffen.“ Eine solche direkte und kritische Äußerung in einer offiziellen Pressemitteilung des Verbandes ist ungewöhnlich und unterstreicht die Notwendigkeit einer stärkeren Einbeziehung der Athleten in wichtige Verbandsentscheidungen. Es stellt die Frage in den Raum, ob der Verband mit dieser Personalentscheidung tatsächlich die angestrebten „ruhigen Gewässer“ erreicht oder ob die internen Spannungen weiterhin bestehen bleiben.
Die Suche nach einer dauerhaften Lösung und Trolls Dank
DSV-Präsident Marco Troll dankte Lutz Buschkow explizit für seine Bereitschaft, in dieser kritischen Phase als Interims-Leistungssportdirektor einzuspringen. Er lobte Buschkows Engagement als wertvollen Beitrag zur Sicherstellung einer optimalen Olympiavorbereitung. Für seine Bereitschaft, als Interims-Leistungssportdirektor einzuspringen, dankte Troll auch Michael Groß. Der Vorstand habe sich jedoch für eine interne kommissarische Lösung entschieden, damit die Stelle flexibel neu besetzt werden könne, um möglichst schnell eine dauerhafte Lösung auf dieser zentralen Position zu installieren. Dies deutet darauf hin, dass der Verband eine sorgfältige und umfassende Suche nach einer langfristigen Besetzung plant, die den hohen Anforderungen an die Position gerecht wird. Die dauerhafte Installation einer Führungspersönlichkeit, die sowohl sportliche Expertise als auch Managementfähigkeiten mitbringt, wird entscheidend sein, um den deutschen Schwimmsport nachhaltig zu stärken und internationale Erfolge zu sichern.
Fazit
Die Ernennung von Lutz Buschkow zum interimistischen Leistungssportdirektor ist eine pragmatische Entscheidung des Deutschen Schwimm-Verbandes, um vor den Olympischen Spielen in Tokio Handlungsfähigkeit und Struktur zu gewährleisten. Während die kurzfristige Lösung Stabilität für die Athletenvorbereitung schaffen soll, verdeutlichen die kritischen Stimmen aus den Reihen der Sportler die anhaltende Notwendigkeit einer transparenten Kommunikation und stärkeren Einbeziehung aller Beteiligten in zukünftige Entscheidungen. Der DSV steht vor der Aufgabe, nicht nur sportliche Höchstleistungen zu fördern, sondern auch das Vertrauen seiner Athleten und die internen Prozesse zu stärken, um langfristig erfolgreich zu sein und die Position des Leistungssportdirektors dauerhaft und zukunftsweisend zu besetzen.
