Besitzen Sie eine Lebens- oder Rentenversicherung bei der LVM und fragen sich, ob der Vertrag noch zu Ihrer aktuellen Lebenssituation passt? Viele Versicherungsnehmer stehen vor der Entscheidung, ihren Vertrag bei der LVM Lebensversicherung zu kündigen, sind sich aber unsicher über die finanziellen Folgen und möglichen Alternativen. In der Tat ist die Kündigung oft der verlustreichste Weg. Dieser Ratgeber beleuchtet alle Optionen – von der Kündigung über den Widerruf bis hin zur Beitragsfreistellung – und hilft Ihnen, die beste Entscheidung für Ihr Geld zu treffen.
Die Kündigung: Der scheinbar einfachste Weg mit finanziellen Tücken
Der erste Impuls bei Unzufriedenheit oder Geldbedarf ist oft die Kündigung des Vertrags. Dieser Schritt ist zwar unkompliziert, aber meist mit erheblichen finanziellen Nachteilen verbunden. Bei einer vorzeitigen Kündigung zahlt die LVM lediglich den sogenannten Rückkaufswert aus.
Was genau ist der Rückkaufswert?
Der Rückkaufswert ist der Betrag, den die Versicherung nach Abzug diverser Kosten von Ihren eingezahlten Beiträgen erstattet. Zu diesen Abzügen gehören unter anderem:
- Abschluss- und Vertriebskosten: Diese werden oft in den ersten Jahren verrechnet und schmälern das Vertragsguthaben erheblich.
- Verwaltungskosten: Laufende Gebühren für die Vertragsführung.
- Stornogebühren: Zusätzliche Abzüge als eine Art „Strafgebühr“ für die vorzeitige Vertragsauflösung.
Das Ergebnis ist, dass der Rückkaufswert, insbesondere in den ersten Jahren, oft deutlich unter der Summe Ihrer eingezahlten Beiträge liegt. Sie erleiden einen direkten Verlust.
Zahlen und Fakten zur Kündigung bei der LVM
Die Daten der LVM Lebensversicherungs-AG zeigen, dass eine Kündigung ein häufiges, aber teures Phänomen ist. Anfang 2024 lag die Stornoquote, also der Anteil der vorzeitig beendeten Verträge, bei rund 3,1 %. Im Vorjahr wurden insgesamt 18.773 Verträge gekündigt oder beitragsfrei gestellt. Der durchschnittliche Rückkaufswert, den Kunden erhielten, betrug zu Beginn des Jahres 2024 circa 12.816 Euro. Diese Zahlen verdeutlichen, dass viele Kunden den Vertrag auflösen, dabei aber potenziell Geld verlieren.
Der Widerruf: Die oft übersehene Chance auf deutlich mehr Geld
Eine weitaus lukrativere Alternative zur Kündigung kann der Widerruf Ihres Vertrages sein. Dies ist auch Jahre nach Abschluss noch möglich, falls die LVM Sie bei Vertragsschluss fehlerhaft über Ihr Widerrufsrecht belehrt hat. Dies betrifft potenziell sehr viele Verträge, die zwischen 1994 und 2007 abgeschlossen wurden.
Der finanzielle Vorteil der Rückabwicklung
Ein erfolgreicher Widerruf führt nicht zu einem Rückkauf, sondern zu einer Rückabwicklung des gesamten Vertrages. Der Unterschied ist enorm:
- Kein Abzug von Kosten: Die LVM darf bei einer Rückabwicklung keine Abschluss-, Verwaltungs- oder Stornokosten einbehalten.
- Auszahlung der tatsächlichen Gewinne: Sie erhalten nicht nur Ihre vollen Beiträge zurück, sondern auch die Zinsen, die die LVM tatsächlich mit Ihrem Geld erwirtschaftet hat (die sogenannten „gezogenen Nutzungen“).
Dieser Anspruch liegt in den meisten Fällen deutlich über dem Rückkaufswert. Die Berechnung der Rendite orientiert sich dabei an der Nettoverzinsung der LVM, die in den vergangenen Jahren oft höher lag als die vertraglich garantierte Verzinsung. So lag die Nettoverzinsung beispielsweise in den Jahren 2018 bis 2022 konstant über 3 %.
Achtung: Eine Rückabwicklung ist nicht in jedem Fall vorteilhaft. Insbesondere wenn hohe Risikoschutz-Leistungen (z. B. Berufsunfähigkeit) im Vertrag enthalten waren, kann das Ergebnis komplex sein. Eine professionelle Prüfung im Vorfeld ist daher unerlässlich.
Weitere Optionen: Was Sie noch tun können
Neben Kündigung und Widerruf gibt es weitere Alternativen, die je nach Situation sinnvoll sein können.
Den Vertrag beitragsfrei stellen
Wenn Sie die Beitragszahlungen einstellen möchten, aber den Vertrag nicht komplett auflösen wollen, ist die Beitragsfreistellung eine gute Option. Der Vertrag läuft mit dem bisher angesparten Guthaben weiter und wird am Ende der Laufzeit ausgezahlt. Der Risikoschutz, wie z. B. ein Todesfallschutz, bleibt in reduziertem Umfang erhalten.
Die Lebensversicherung verkaufen
Eine weitere Möglichkeit ist der Verkauf Ihrer Police auf dem sogenannten Zweitmarkt. Spezialisierte Unternehmen kaufen Lebensversicherungen auf und führen sie weiter. Der Kaufpreis liegt in der Regel über dem Rückkaufswert, aber unter dem Betrag einer potenziellen Rückabwicklung. Diese Option ist vor allem dann interessant, wenn ein Widerruf nicht möglich ist.
Finanzielle Stabilität: Wie sicher ist Ihr Geld bei der LVM?
Die Sicherheit des Versicherers ist ein entscheidender Faktor. Die LVM Lebensversicherungs-AG weist eine solide finanzielle Stabilität auf. Die SCR-Nettoquote, eine wichtige Kennzahl zur Solvenz, die die Fähigkeit misst, auch in Krisen alle Verpflichtungen zu erfüllen, lag bei der LVM bei 710,4 %. Dies ist deutlich über dem Branchendurchschnitt von 312,7 % und signalisiert eine hohe Sicherheit für die Gelder der Versicherten.
Fazit: Die richtige Entscheidung für Ihre LVM-Police treffen
Die pauschal beste Lösung gibt es nicht. Die Entscheidung, ob Sie Ihre LVM Lebensversicherung kündigen, widerrufen, verkaufen oder beitragsfrei stellen, hängt stark von Ihrem Vertrag, dem Abschlussdatum und Ihrer persönlichen finanziellen Situation ab.
- Kündigung: Fast immer die verlustreichste Option und nur im Notfall zu empfehlen.
- Widerruf: Oft die finanziell attraktivste Möglichkeit, insbesondere bei Verträgen von 1994-2007.
- Beitragsfreistellung: Eine gute Lösung, um laufende Kosten zu stoppen, ohne den Vertrag ganz aufzugeben.
- Verkauf: Eine bessere Alternative zur Kündigung, wenn ein Widerruf ausgeschlossen ist.
Um die finanziell optimale Entscheidung zu treffen, ist eine unabhängige und professionelle Prüfung Ihres Vertrages dringend anzuraten. Nur so können Sie sicherstellen, das Maximum aus Ihrer LVM-Police herauszuholen.
