In Deutschland und Österreich, wie die Zahlen von Statistik Austria für 2019 eindrücklich belegen, nehmen 77 Prozent der 60- bis 74-Jährigen verschreibungspflichtige Medikamente ein. Bei den über 75-Jährigen steigt dieser Anteil sogar auf 91,2 Prozent. Diese Personengruppen leiden oft an mehreren körperlichen Beschwerden gleichzeitig und müssen dementsprechend unterschiedliche Wirkstoffe miteinander kombinieren. Eine stets aktuell gehaltene Medikamentenliste ist dabei ein unverzichtbares Hilfsmittel, um Tabletten und andere Präparate korrekt zu verwalten und eine effektive Einnahme zu gewährleisten. Besonders vor einem geplanten oder gar Notfall-Krankenhausaufenthalt ist ein umfassender Überblick über alle eingenommenen Präparate von entscheidender Bedeutung.
Eine sorgfältig geführte Medikamentenliste bietet zahlreiche Vorteile – sei es im Alltag zu Hause, bei Routinebesuchen beim Arzt oder in unerwarteten Situationen. Gerade ältere Menschen, die eine Vielzahl von Medikamenten gleichzeitig einnehmen, stehen oft vor der Herausforderung, die richtige Dosierung zum passenden Zeitpunkt zu gewährleisten, rechtzeitig Rezepte beim zuständigen Arzt anzufordern oder sich in der Apotheke über mögliche Wechselwirkungen einzelner Präparate umfassend zu informieren. Hier setzt die Medikamentenliste an und schafft Klarheit und Sicherheit. Sie ist ein entscheidendes Werkzeug zur Selbstverwaltung der Gesundheit und zur effektiven Kommunikation mit medizinischem Fachpersonal.
Warum eine persönliche Medikamentenliste unverzichtbar ist – Im Alltag und bei Arztbesuchen
Die tägliche Medikamenteneinnahme kann komplex sein, besonders wenn mehrere Medikamente gleichzeitig verordnet wurden. Eine gut geführte Liste erleichtert die Übersicht über Einnahmezeiten, Dosierungen und verordnende Ärzte. Dies minimiert das Risiko von Einnahmefehlern, die die Wirksamkeit der Therapie beeinträchtigen oder gar gesundheitliche Folgen haben können. Zudem ermöglicht sie eine präzise Kommunikation mit Ihrem Hausarzt oder Spezialisten bei jedem Besuch. Sie können alle aktuellen Präparate benennen, Fragen zu neuen Verordnungen stellen und sicherstellen, dass Ihr Arzt stets über Ihr vollständiges Medikationsschema informiert ist. Dies ist die Grundlage für eine optimale und individualisierte Behandlung. Darüber hinaus dient die Liste auch als wichtige Informationsquelle für Angehörige oder Pflegepersonal, die Sie bei der Medikamentenverwaltung unterstützen.
Mehr Sicherheit bei Krankenhausaufenthalten: Das Medikamentenerfassungsblatt als Lebensretter
Die Bedeutung einer umfassenden Medikamentenliste zeigt sich besonders deutlich vor einem stationären Krankenhausaufenthalt. Im Falle eines Notfalls, der einen schnellen Transport ins Krankenhaus erfordert, kann ein sofortiger Überblick über alle eingenommenen Medikamente lebensrettend sein. Die exakte und übersichtliche Erfassung aller aktuell eingenommenen Wirkstoffe, idealerweise in einem spezialisierten Medikamentenerfassungsblatt, das leicht auffindbar ist, ist hierbei von höchster Priorität.
„Die Medikamentenerfassung ist ein ganz wesentlicher Bestandteil für die Sicherheit während des stationären Aufenthaltes“, erklärt Patrick Dinkhauser, Internist am Klinikum Wels-Grieskirchen. Er betont die Notwendigkeit, dass Patienten aktiv an diesem Prozess teilnehmen:
Porträt von Dr. Patrick Dinkhauser, Internist
„Patienten sollen darüber informiert sein, welche Medikamente sie zuhause einnehmen, damit die Experten im Krankenhaus darauf eingehen können und passende Präparate einerseits ausgeben und andererseits dazu kombinieren, wenn es notwendig ist.“
OA Dr. Patrick Dinkhauser
Abteilung für Innere Medizin I, Gastroenterologie und Hepatologie, Rheumatologie, Endokrinologie und Diabetologie
Dieses Vorgehen stellt sicher, dass das Klinikpersonal die Medikation nahtlos fortsetzen oder anpassen kann, ohne das Risiko von ungewollten Wechselwirkungen oder Unterbrechungen der Therapie.
Wechselwirkungen und Nebenwirkungen vermeiden: Die umfassende Erfassung zählt
Medikamente wirken nicht nur, sie können auch Nebenwirkungen entfalten. Noch komplexer wird es, wenn verschiedene Präparate gleichzeitig eingenommen werden. „In der Kombination können verschiedene Medikamente interagieren, sich in der Wirksamkeit verstärken oder abschwächen und so natürlich den Therapieerfolg beeinflussen“, erläutert der Internist. Dabei geht es nicht nur um rezeptpflichtige Medikamente, sondern auch um rezeptfreie Präparate – selbst Produkte auf pflanzlicher Basis können mit Medikamenten Wechselwirkungen eingehen und sollten daher auf der Liste nicht fehlen.
Während eines Krankenhausaufenthalts erhalten Patienten in der Regel sämtliche Medikamente über das Krankenhaus, auch jene, welche bereits über den Haus- oder Facharzt verordnet wurden und im Alltag zu Hause eingenommen werden. „Hier wird ein besonderes Augenmerk darauf gelegt, dass sich die Medikamente miteinander vertragen“, so Dinkhauser. Das medizinische Personal im Krankenhaus überprüft die gesamte Medikation sorgfältig auf mögliche Interaktionen. „Auf diesem Weg wird sichergestellt, dass vor allem im Zuge neuer Verordnungen der optimale Therapieerfolg eintritt und es zu keinen Wechselwirkungen kommt.“ Die präzise Medikamentenliste ist also ein entscheidendes Element zur Vorbeugung von Medikationsfehlern und zur Maximierung der Patientensicherheit.
Was gehört in Ihre Medikamentenliste? Praktische Tipps für die Erstellung
Eine effektive Medikamentenliste sollte mehr als nur den Namen des Medikaments enthalten. Für eine umfassende Übersicht sind folgende Informationen essenziell:
- Medikamentenname: Sowohl der Handelsname als auch der Wirkstoffname.
- Dosierung: Die genaue Menge pro Einnahme (z.B. 10 mg, 2 Tabletten).
- Einnahmehäufigkeit und -zeitpunkt: Wie oft und wann das Medikament eingenommen wird (z.B. 2x täglich morgens und abends).
- Anwendungsgrund: Wofür das Medikament eingenommen wird.
- Start- und Enddatum: Wann die Einnahme begonnen und gegebenenfalls beendet wurde.
- Verordnender Arzt: Name und Fachrichtung des Arztes, der das Medikament verschrieben hat.
- Besonderheiten: Spezielle Hinweise zur Einnahme (z.B. vor, mit oder nach dem Essen) oder Lagerung.
- Allergien und Unverträglichkeiten: Eine separate Notiz zu bekannten Allergien gegen Wirkstoffe oder Hilfsstoffe.
- Rezeptfreie Präparate und Nahrungsergänzungsmittel: Auch Vitamine, pflanzliche Mittel oder Schmerzmittel, die Sie ohne Rezept kaufen, sollten aufgeführt werden, da sie Wechselwirkungen verursachen können.
So halten Sie Ihre Liste aktuell: Ein Leitfaden für die kontinuierliche Pflege
Eine Medikamentenliste ist nur so gut wie ihre Aktualität. Daher ist es wichtig, sie regelmäßig zu überprüfen und anzupassen. Nehmen Sie sich beispielsweise einmal im Quartal Zeit, um Ihre Liste durchzugehen. Noch wichtiger ist es, die Liste nach jedem Arztbesuch oder jeder Medikamentenänderung sofort zu aktualisieren. Ob Sie eine digitale App nutzen, eine handschriftliche Liste führen oder das ausfüllbare Medikamentenerfassungsblatt einer Klinik verwenden – wichtig ist, dass die Methode für Sie praktikabel ist und Sie sie konsequent anwenden. Bewahren Sie die Liste an einem festen Ort auf, der sowohl Ihnen als auch vertrauten Personen im Notfall bekannt und zugänglich ist. Eine Kopie in Ihrer Brieftasche oder auf dem Smartphone kann zusätzlich hilfreich sein.
Deshalb: Behalten Sie am besten immer den Überblick über Ihre persönliche Medikamentenliste! Sie ist ein aktiver Beitrag zu Ihrer Gesundheit und Sicherheit. Das Klinikum Wels-Grieskirchen bietet beispielsweise ein spezielles Medikamentenerfassungsblatt zum Download an, das Sie ganz einfach über deren Webseite unter „Patienten und Besucher“ -> „Stationärer Aufenthalt“ finden können. Viele andere Kliniken und Arztpraxen stellen ähnliche Vorlagen zur Verfügung. Nutzen Sie diese Möglichkeit, um Ihre Gesundheit aktiv mitzugestalten und im Notfall bestens vorbereitet zu sein.
Stand: Februar 2026
