Borussia Dortmund, einer der bekanntesten Fußballvereine Deutschlands, befindet sich weiterhin in einer Phase des Umbruchs. Jüngster Beleg dafür ist die Entlassung von Sven Mislintat, dem Technischen Direktor, nach nur zehn Monaten im Amt. Diese Entscheidung markiert einen weiteren Wendepunkt in einer Reihe von Veränderungen in der sportlichen Führung des Vereins, die weitreichende Implikationen für die Zukunft des BVB haben könnte. Die Trennung von Mislintat reiht sich ein in eine Abfolge von Ereignissen, die Fragen über die interne Stabilität und die zukünftige Ausrichtung des Klubs aufwerfen.
Zwei Wochen vor Mislintats Entlassung hatte sich der Verein bereits von Cheftrainer Nuri Sahin getrennt, nachdem dieser in neun Spielen nur einen Sieg verbuchen konnte. Als Nachfolger auf dem Trainerstuhl wurde Niko Kovac präsentiert, eine Personalie, die bereits für viel Diskussionsstoff sorgte. Die Verabschiedung Mislintats unterstreicht, dass die Verantwortlichen bei Borussia Dortmund entschlossen sind, grundlegende Weichenstellungen vorzunehmen, um den Verein wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Es scheint, als ob keine Position von der kritischen Neubewertung ausgenommen ist, wenn es darum geht, die sportliche Leistung und die interne Struktur zu optimieren.
Ein unerwartetes Ende: Mislintats zweite Ära beim BVB
Sven Mislintat, in der Fußballwelt als das “Diamantenauge” bekannt, kehrte im April 2024 mit großen Erwartungen zu Borussia Dortmund zurück. Seine erste Amtszeit als Chefscout zwischen 2006 und 2017 war legendär, da er maßgeblich an der Entdeckung und Verpflichtung von Talenten wie Robert Lewandowski, Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang beteiligt war – Spielern, die den Verein nicht nur sportlich prägten, sondern auch hohe Transfererlöse generierten. Seine Rückkehr als Technischer Direktor sollte dem BVB wieder zu jener Expertise im Bereich der Kaderplanung verhelfen, die in den letzten Jahren schmerzlich vermisst wurde. Doch die zweite Ära des 52-Jährigen währte nur kurz.
Die Trennung von Mislintat ist Teil eines komplexen Geflechts von Veränderungen und internen Spannungen, die sich hinter den Kulissen von Borussia Dortmund abspielen. Langzeit-CEO Hans-Joachim Watzke wird den Verein im Sommer 2025 verlassen, was eine Neubesetzung an der Spitze mit sich bringt. Sportdirektor Sebastian Kehl, dessen Vertrag im Januar bis 2027 verlängert wurde, war ursprünglich ein Kandidat für die neu geschaffene Rolle des Geschäftsführers Sport. Diese Position übernahm jedoch letztlich Lars Ricken im Mai. Berichte deuten darauf hin, dass die Beziehung zwischen Mislintat und Kehl als angespannt galt, was die internen Reibereien zusätzlich verstärkt haben könnte. Solche disharmonischen Beziehungen in der Führungsebene können sich direkt auf die Entscheidungsfindung und damit auf den sportlichen Erfolg eines Vereins auswirken.
Die Karriere des “Diamantenauges”: Erfolge und Herausforderungen
Mislintats Karriereweg nach seiner ersten Zeit beim BVB war geprägt von Höhen und Tiefen, die seine Expertise im Scouting und seine Fähigkeit, Talente zu entdecken, immer wieder unter Beweis stellten, aber auch seine Herausforderungen im Management aufzeigten. Nach seinem Abschied von Dortmund im Jahr 2017 wechselte er als Leiter der Rekrutierung zum FC Arsenal unter Arsène Wenger. Obwohl er sich später vehement gegen Kritik an seinen dort getätigten Verpflichtungen verteidigte, verließ er den Londoner Klub bereits 2019 wieder.
Es folgte eine erfolgreiche Zeit als Sportdirektor beim VfB Stuttgart, wo der Verein unter seiner Leitung 2019 den Wiederaufstieg in die Bundesliga schaffte – ein klarer Beweis für Mislintats strategisches Geschick und sein “Diamantenauge” für Spieler. Diese Episode festigte seinen Ruf als visionärer Kaderplaner.
Im April 2023 trat Mislintat das Amt des Direktors für Fußball bei Ajax Amsterdam an, wo er Marc Overmars nachfolgte. Diese Zeit war jedoch von besonderer Turbulenz geprägt. Seine Rekrutierungsentscheidungen während eines Sommers mit hohem Kaderumbruch führten zu direkten Konflikten mit dem damaligen Cheftrainer Maurice Steijn. Mislintat wurde oft zum Ziel der Fanfrustration, und die sportliche Situation des Klubs verschlechterte sich rapide. Nach weniger als fünf Monaten bei Ajax sah er sich einer internen Untersuchung gegenüber, da eine Sportmarketingfirma, an der er Anteile besaß, mit der Ankunft neuer Spieler in Verbindung gebracht wurde. Dies führte schließlich zu seiner Entlassung in den Niederlanden und zeigte die Schattenseiten seiner Entscheidungen auf.
Ausblick für Borussia Dortmund
Die Trennung von Sven Mislintat unterstreicht die aktuelle Unsicherheit und den intensiven Veränderungsdruck bei Borussia Dortmund. Mit dem BVB derzeit auf dem 11. Platz in der Bundesliga und dem bevorstehenden Heimspiel gegen Stuttgart am Samstag, stehen der neue Trainer Niko Kovac und die verbleibende Führungsmannschaft vor großen Herausforderungen. Die Neuausrichtung des Vereins, geprägt von den Abgängen wichtiger Persönlichkeiten und der Neubesetzung entscheidender Positionen, wird zweifellos eine große Aufgabe. Es bleibt abzuwarten, wie sich diese internen Umstrukturierungen auf die sportliche Leistung und die langfristige Strategie des Klubs auswirken werden. Die Fans hoffen auf Stabilität und eine klare Vision, um den BVB wieder an die nationale und internationale Spitze zu führen.
Die Suche nach der richtigen Balance zwischen sportlichem Erfolg, wirtschaftlicher Stabilität und einer kohärenten Führungsebene wird entscheidend sein für die Zukunft von Borussia Dortmund. Die Ereignisse der letzten Wochen zeigen deutlich, dass der Verein bereit ist, drastische Maßnahmen zu ergreifen, um dieses Ziel zu erreichen.
