Viele Menschen möchten auch bei einer Erkältung nicht komplett auf ihr gewohntes Trainingsprogramm verzichten. Die Frage, ob und in welchem Umfang Sport bei einem Infekt möglich ist, beschäftigt viele Aktive. Grundsätzlich gilt: Wer sich fit fühlt, kann moderat trainieren, doch bei Anzeichen von Schwäche oder bestimmten Symptomen sollte auf Sport gänzlich verzichtet werden. Der Organismus ist während eines Infekts stark gefordert, da die Immunabwehr auf Hochtouren läuft. Zusätzliche sportliche Anstrengung kann die Genesung beeinträchtigen und im schlimmsten Fall dazu führen, dass sich Erreger weiter im Körper ausbreiten und lebenswichtige Organe, insbesondere das Herz, schädigen.
Bei einem leichten Schnupfen ohne weitere Beschwerden ist ein gemäßigtes Training oft unproblematisch. Es gibt jedoch drei klare Ausnahmen, bei denen eine Sportpause dringend notwendig ist:
Wann Sport bei Erkältung gefährlich wird: 3 Symptome, die zur Pause zwingen
1. Fieber und Muskelschmerzen
Wer Fieber hat und zusätzlich unter Muskelschmerzen leidet, gehört unbedingt ins Bett. In diesem Zustand benötigt der Körper alle verfügbare Energie, um den Infekt effektiv zu bekämpfen. Sport würde den Körper zusätzlich belasten und die Genesung verzögern oder sogar ernsthafte Komplikationen hervorrufen.
2. Starke Halsschmerzen
Bei starken Halsschmerzen sollte Sport ebenfalls tabu sein. Während Halsschmerzen ein typisches Erkältungssymptom sein können, sind sie auch ein mögliches Anzeichen einer Mandelentzündung, die durch Bakterien ausgelöst wird. Bei einem geschwächten Immunsystem können sich diese Keime relativ leicht ausbreiten und andere Organe wie Nieren, Leber oder das Herz angreifen. Die Gefahr einer Herzmuskelentzündung ist hier besonders hoch.
3. Starker Husten
Ein starker Husten ist ebenfalls ein klares Signal für eine Sportpause. Dahinter könnte sich eine Bronchitis verbergen, eine Entzündung der Atemwege, die durch körperliche Anstrengung verschlimmert werden kann. Eine forcierte Atmung während des Sports kann die Schleimhäute zusätzlich reizen und die Ausbreitung des Infekts fördern.
Vorsicht bei Medikamenten: Symptome nicht unterdrücken
Auch wenn Sie Erkältungssymptome wie Fieber oder Halsschmerzen mit Medikamenten unterdrücken, sollten Sie in diesen Fällen keinen Sport treiben. Schmerzmittel oder fiebersenkende Medikamente lindern zwar die Beschwerden und können ein trügerisches Gefühl der Besserung vermitteln. Der Körper ist jedoch nach wie vor geschwächt und muss den Infekt weiterhin bekämpfen. Zusätzliche körperliche Belastung kann auch hier gravierende Folgen haben, da die Medikamente lediglich die Symptome maskieren, nicht aber die zugrundeliegende Erkrankung heilen.
Nicht zu früh starten: Das Risiko der Herzmuskelentzündung
Die Deutsche Herzstiftung warnt eindringlich davor, nach einem Infekt zu früh wieder mit dem Sport zu beginnen. Selbst bei vermeintlich harmlosen Erkrankungen kann der Herzmuskel in Mitleidenschaft gezogen werden. In solchen Fällen ist Sport wie Gift für das Herz und kann eine Herzmuskelentzündung (Myokarditis) auslösen. Eine Myokarditis wird oft nicht sofort bemerkt und kann im schlimmsten Fall zum plötzlichen Herztod führen. Die Heilung einer Herzmuskelentzündung dauert extrem lange, oft bis zu sechs Monate, und erfordert absolute Schonung. Daher gilt bei einem Infekt mit Halsschmerzen, Fieber oder einem ausgeprägten Krankheitsgefühl: Legen Sie mindestens eine Woche Sportpause ein und warten Sie, bis alle Begleitsymptome vollständig abgeklungen sind. Hören Sie auf Ihren Körper und geben Sie ihm die nötige Zeit zur vollständigen Regeneration.
Schnelle Genesung fördern: Ruhe, Licht und die richtigen Nährstoffe
Bei der Genesung einer Erkältung hilft nicht nur ausreichende Ruhe, sondern auch gezielte Unterstützung für den Körper. Sonnenlicht kann, besonders im Hochsommer, die Vitamin-D-Produktion ankurbeln und so die körpereigenen Abwehrkräfte stärken. Dieses essenzielle Vitamin spielt eine Schlüsselrolle für ein funktionierendes immunsystem schnell stärken. In den dunkleren Monaten wie Herbst, Frühjahr und Winter ist es oft ratsam, Vitamin D aus Ihrer Apotheke zu ergänzen, da die natürliche Sonneneinstrahlung nicht ausreicht.
Zudem ist eine gesunde und abwechslungsreiche Ernährung, besonders in der Erkältungszeit, von großer Bedeutung. Saisonale Obst- und Gemüsesorten wie Äpfel, Birnen, Rosenkohl, Grünkohl und Steckrüben liefern wichtige Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente. Importierte Früchte, selbst die oft empfohlenen Zitronen, enthalten durch lange Transport- und Lagerzeiten oft nur noch wenige Vitamine. Setzen Sie stattdessen auf frische, regionale Produkte.
Die Extraportion Zink: Ein Booster für die Abwehrkräfte
Zink wird seit Langem zur Vorbeugung und Behandlung von Erkältungskrankheiten empfohlen. Es wird angenommen, dass Zink die Vermehrung von Erkältungsviren hemmen kann und die Funktion von Immunzellen unterstützt. Studien zeigen, dass Erkältungen weniger schwer und kürzer verlaufen, wenn Zink bereits bei den ersten Symptomen eingenommen wird. Vorbeugend oder bei beginnendem Infekt werden 30 Milligramm Zink pro Tag empfohlen; bei einem ausgeprägten Infekt kann kurzfristig bis zu 75 Milligramm Zink eingenommen werden. Es gibt verschiedene Präparate wie Tabletten, Kapseln, Brausetabletten und Lutschtabletten mit unterschiedlichen Zinkverbindungen. Lassen Sie sich bei uns in Ihrer Apotheke ausführlich beraten, welches Produkt am besten für Sie geeignet ist.
Spaziergang statt Sport: Die sanfte Alternative
Wenn Sie bei leichten Infekten nicht komplett auf Bewegung verzichten möchten, ist ein Spaziergang an der frischen Luft die deutlich bessere und sicherere Alternative. Eine Überlastung des Herz-Kreislauf-Systems ist hierbei unwahrscheinlich, und der Kreislauf kommt trotzdem sanft in Schwung. Die frische Luft kann zudem die Schleimhäute befeuchten und das Wohlbefinden steigern, ohne den Körper unnötig zu stressen.
Dr. Frank Kleis, Ihr Apotheker
Fazit
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Vorsicht die oberste Priorität hat, wenn es um Sport bei Erkältung geht. Während leichte Bewegung bei einem banalen Schnupfen ohne Fieber, starken Halsschmerzen oder starkem Husten in Maßen vertretbar ist, sollte bei diesen Warnsignalen eine konsequente Sportpause eingelegt werden. Die Risiken, insbesondere die einer Herzmuskelentzündung, sind nicht zu unterschätzen. Gönnen Sie Ihrem Körper die nötige Ruhe, unterstützen Sie Ihre Genesung durch eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Vitamin D und Zink, und kehren Sie erst dann zum Sport zurück, wenn Sie sich wieder vollständig fit fühlen. Im Zweifelsfall oder bei anhaltenden Symptomen konsultieren Sie immer einen Arzt oder Ihren Apotheker. Ihre Gesundheit sollte stets an erster Stelle stehen.
