Neo-Broker versprechen einfachen und kostenlosen Handel mit Wertpapieren über Apps und Portale. Doch hinter dem Versprechen von “0 Euro pro Order” verbergen sich oft indirekte Kosten und erhebliche Risiken, die Anleger kennen sollten. Dieser Artikel beleuchtet die Tücken des Wertpapierhandels über Neo-Broker und Trading-Apps und gibt wichtige Hinweise für eine sichere Geldanlage.
Die trügerische Kostenlosigkeit von Neo-Brokern
Werbeversprechen wie “provisionsfrei investieren” oder “ohne Ordergebühren traden” sind weit verbreitet. Anbieter wie Trade Direct, Trade Republic, Scalable Free Broker oder Smartbroker locken Kunden mit diesen vermeintlich kostenlosen Angeboten. Doch die Realität sieht anders aus: Jede Transaktion ist mit Kosten verbunden, die entweder direkt oder indirekt an den Kunden weitergegeben werden. Neo-Broker erhalten Provisionen von den Handelsplätzen oder Dienstleistern, die an diesen Plätzen die Kaufaufträge abwickeln.
Im Gegensatz zu Direktbanken kooperieren viele Neo-Broker nur mit einer begrenzten Anzahl ausgewählter Handelsplätze. Scalable beispielsweise beschränkt die Handelsplätze auf gettex und xetra. Diese Kooperationspartner zahlen den Neo-Brokern Provisionen, die oft bei etwa 3 Euro pro Kundenorder liegen. Bei Derivaten können die Provisionen sogar bis zu 35 Euro pro Auftrag betragen. Diese Kosten sind häufig in den Ausführungskursen versteckt.
Indirekte Kosten und Kursrisiken
Die Einnahmequelle der Kooperationspartner sind die Ausführungskurse. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Transaktionskosten in diesen Kursen enthalten sind. Die Ausführungskurse sind nicht zwangsläufig schlechter als bei anderen Banken, jedoch kann es zu bestimmten Zeiten zu Nachteilen kommen. Insbesondere außerhalb der regulären Börsenöffnungszeiten – wie vor 9 Uhr morgens oder nach 17:30 Uhr für Xetra – können die Kurse unbemerkt schlechter werden. Dies macht sich durch eine höhere Geld-Brief-Spanne bemerkbar. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat diese Ausführungskurse untersucht und kam zu einem differenzierten Ergebnis. Kritiker bezeichnen den “provisionsfreien Wertpapierhandel” gar als Etikettenschwindel, da Käufer leicht höhere und Verkäufer leicht niedrigere Kurse erhalten. Neo-Broker sind verpflichtet, diese Provisionen offenzulegen, was sich oft im Kleingedruckten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) findet.
Wertpapierleihe: Ein weiteres Risiko
Einige Neo-Broker, wie BUX Zero, räumen sich in ihren AGB das Recht ein, Wertpapiere ihrer Kunden zu verleihen. Dies bedeutet, dass Kunden während der Leihfrist den Rechtsanspruch auf ihre Finanzinstrumente verlieren, auch wenn sie wirtschaftlich weiterhin davon profitieren. Die Erträge aus der Wertpapierleihe streicht der Broker ein. Dies birgt eine zusätzliche Gefahr: Wenn viele Kleinanleger eine bestimmte Aktie besitzen, könnte der Broker diese Aktien an eine Investmentbank verleihen, damit diese sie verkaufen und auf fallende Kurse spekulieren kann.
Das Ende der Provisionen für Neo-Broker?
Nach dem 30. Juni 2026 dürfen Handelsplätze keine Provisionen mehr (Payment for Order Flow, PFOF) an Broker für die exklusive Orderweitergabe bezahlen. Dies könnte die aktuelle Form des vermeintlich kostenlosen Angebots der Neo-Broker verändern. Das Ziel war, zu verhindern, dass Kundenaufträge nicht an die Handelsplätze mit den besten Kursen, sondern an die mit den höchsten Rückvergütungen weitergeleitet werden. Ein grundsätzliches Provisionsverbot scheiterte jedoch. Die Kosten könnten somit auf andere Weise an die Verbraucher weitergegeben werden.
Trading-Apps: Verlockung zur Spekulation
Trading-Apps, die den Wertpapierhandel über Smartphones ermöglichen, sind seit den späten 90er Jahren verfügbar. Ihre einfache Bedienung und ständige Verfügbarkeit verleiten zu häufigem Handeln, was den Erfolg einer langfristig orientierten Geldanlage gefährdet. Je öfter gehandelt wird, desto mehr Gebühren und versteckte Kosten fallen an, und desto geringer ist die erzielbare Rendite. Der Spruch “Hin und Her macht Taschen leer” trifft hier besonders zu. Für eine solide Anlagestrategie sind diese Angebote oft überflüssig.
Vorsicht vor unseriösen Handelsplattformen
Es ist wichtig, seriöse Neo-Broker von unseriösen Trading-Plattformen zu unterscheiden. Die Verbraucherzentralen warnen vor Plattformen, die Anleger regelrecht über den Tisch ziehen. Fälle von Investitionen, Nachschüssen zur Verlustkompensation und die Beauftragung vermeintlicher Anwälte zur Geldrückholung sind bekannt. Kriminelle geben sich am Telefon als Mitarbeiter der Verbraucherzentrale aus und versprechen die Rückzahlung verlorenen Geldes gegen eine Vorauszahlung. Solche Anrufe sind immer Betrug, da Verbraucherzentralen keine Verluste aus Geldanlagen ausgleichen oder ohne Termin anrufen.
Wichtige Hinweise für Anleger
- Kein Angebot ist wirklich kostenlos: Meist verdienen Broker an Provisionen, die offengelegt werden müssen.
- Anbietervergleich: Die Stiftung Warentest bietet einen kostenpflichtigen Vergleich von Direktbanken, Brokern und Neo-Brokern an.
- Handelszeiten beachten: Handeln Sie bevorzugt zu den regulären Börsenöffnungszeiten und vergleichen Sie An- und Verkaufskurse.
- Klumpenrisiken vermeiden: Investieren Sie niemals alles in eine einzige Anlage.
- Nutzen Sie Hilfsmittel: Der kostenlose Renditerechner der Verbraucherzentralen kann bei der Einschätzung von Renditen und Risiken helfen.
Für eine sichere und erfolgreiche Geldanlage ist es unerlässlich, sich über die Kosten und Risiken beim Wertpapierhandel zu informieren und die Angebote sorgfältig zu prüfen.
