Neo-Broker: Kostenloser Handel mit Wertpapieren? Risiken und Chancen

Neo-Broker versprechen einen einfachen und kostengünstigen Zugang zum Wertpapierhandel, oft mit dem Slogan “kostenlos handeln”. Doch was steckt wirklich hinter diesen Angeboten, und welche Risiken bergen sie? Dieser Artikel beleuchtet die Machenschaften von Neo-Brokern und Trading-Apps, um Ihnen zu helfen, fundierte Anlageentscheidungen zu treffen und Ihr Geld zu schützen.

Die Werbung von Neo-Brokern wie Trade Direkt, Trade Republic, Scalable Free Broker oder Smartbroker ist verlockend: “Jetzt ab 0 Euro pro Order”, “Investiere provisionsfrei”, “ohne Ordergebühren traden”. Sie suggerieren, dass der Handel mit Aktien, ETFs und anderen Wertpapieren jederzeit und überall per Smartphone oder Tablet zum Nulltarif möglich ist. Aber ist das wirklich so?

Brokerage-Angebote: Nicht wirklich kostenlos

Auch wenn viele Neo-Broker mit niedrigen Gebühren oder sogar kostenlosen Angeboten locken, gibt es letztlich keine kostenlose Transaktion. Alle Kosten, die durch Transaktionen entstehen, werden auf irgendeine Weise weitergegeben. Online-Broker erhalten Provisionen, auch Rückvergütungen genannt, von den Handelsplätzen oder den Dienstleistern, die an diesen Plätzen Kaufaufträge entgegennehmen. Viele Neo-Broker kooperieren dabei nur mit wenigen ausgewählten Handelsplätzen. Dies kann dazu führen, dass die Auswahl an handelbaren Wertpapieren und Ausführungsplätzen eingeschränkt ist.

Beispielsweise beschränkt Scalable Capital die möglichen Handelsplätze auf gettex und Xetra. Trade Republic gibt in seiner Kundenvereinbarung an, nur eine eingeschränkte Auswahl an handelbaren Wertpapieren sowie an Ausführungsplätzen und Ausführungswegen anzubieten. Die genauen Konditionen und Kooperationspartner sind in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) der Anbieter zu finden, oft versteckt unter Titeln wie „Kundendokumente“ oder „Sonderbedingungen für Wertpapiergeschäfte“.

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Im Gegenzug erhalten die Neo-Broker von ihren Kooperationspartnern Provisionen, die meist bei rund 3 Euro pro Kundenorder liegen. Bei Umsätzen in Derivaten können die Provisionen sogar deutlich höher ausfallen. Diese Transaktionskosten sind oft in den Ausführungskursen versteckt.

Die Tücken der Handelszeiten und Kurse

Ein wichtiger Punkt ist die Handelszeit. Wenn Sie außerhalb der regulären Börsenöffnungszeiten handeln (Xetra: 9 Uhr bis 17:30 Uhr, New York: 15:30 Uhr bis 22:00 Uhr), können die Kurse unbemerkt schlechter werden. Zwar erhalten Sie immer aktuelle An- und Verkaufskurse, diese sind jedoch im Mittel systematisch schlechter als während des Börsenhandels. Dies gilt generell für alle Broker, nicht nur für Neo-Broker.

Erkennen können Sie dies an einer etwas höheren Geld-Brief-Spanne. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat die Ausführungskurse untersucht und kam zu einem differenzierten Ergebnis. Ein Blog-Beitrag der Bürgerbewegung Finanzwende Recherche bezeichnet den “Provisionsfreien Wertpapierhandel” gar als Etikettenschwindel. Wer kaufen will, zahlt einen etwas höheren Kurs, und wer verkaufen will, bekommt einen etwas niedrigeren Kurs. Daran sollten Sie beim Handeln denken.

Wertpapierleihe: Ein verstecktes Risiko

Ein weiteres potenzielles Risiko, das in den AGB einiger Neo-Broker wie BUX Zero zu finden ist, betrifft die Wertpapierleihe. Diese Klauseln räumen dem Broker das Recht ein, Wertpapiere seiner Kund:innen zu verleihen. Zwar behalten die Kund:innen die wirtschaftlichen Vorteile, verlieren aber während der Leihfrist den Rechtsanspruch auf die Finanzinstrumente. Die Erträge aus der Wertpapierleihe streicht der Broker ein. Dies birgt eine weitere Gefahr: Wenn viele Kleinanleger eine bestimmte Aktie bei einem Broker besitzen, ist es denkbar, dass der Broker diese Aktien an eine Investmentbank verleiht, damit diese sie verkaufen und auf fallende Kurse spekulieren kann. Das Vorgehen von Brokern und die damit verbundenen Risiken werden oft in den AGB detailliert beschrieben.

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Neo-Broker nach dem 30. Juni 2026: Ende des kostenlosen Handels?

Nach einem Beschluss der EU-Mitgliedsstaaten und des Parlaments dürfen ab dem 30. Juni 2026 die Handelsplätze für die exklusive Orderweitergabe keine Provisionen (Payment for Order Flow, PFOF) mehr an die Broker bezahlen. Diese Regelung zielt darauf ab, Interessenkonflikte zu vermeiden, bei denen Kundenaufträge nicht an die Handelsplätze mit den besten Kursen, sondern an die mit den höchsten Rückvergütungen weitergeleitet werden. Ein grundsätzliches Provisionsverbot ist jedoch gescheitert. Nähere Informationen finden Sie hier.

Ob dies zu einem generellen Preisanstieg für das Brokerage führen wird, bleibt abzuwarten. Transparent ausgewiesene Preise unterliegen dem Wettbewerb, während versteckte Provisionen sich diesem tendenziell entziehen. Es ist möglich, dass die bislang bereits existierenden Kosten letztlich auf die Verbraucher:innen umgelegt werden.

Trading-Apps: Riskant und überflüssig für solide Anlagestrategien?

Trading-Apps, die seit Ende der 90er Jahre mit dem Aufkommen der ersten Discount-Broker existieren, sind Anwendungen auf dem Computer oder Smartphone zum Handeln von Wertpapieren. Die einfache Bedienung und ständige Verfügbarkeit über Smartphones verführen jedoch zu häufigem Handeln. Dies gefährdet den Erfolg einer langfristig orientierten Geldanlage, denn je häufiger Sie handeln, desto mehr Gebühren und Orderentgelte zahlen Sie, die in den Geld- und Briefkursen versteckt sind. Die Redewendung “Hin und Her macht Taschen leer” gilt hier ganz besonders.

Für eine bedarfsgerechte und solide Anlagestrategie sind Trading-Apps gewiss nicht notwendig. Wie eine solche Strategie über die Börse aussehen könnte, können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Gut zu wissen: Worauf Anleger achten sollten

  • Kein Angebot ist wirklich kostenlos: Meist verdienen die Broker an Provisionen, die sie offenlegen müssen.
  • Anbietervergleich: Die Stiftung Warentest bietet einen unabhängigen Anbietervergleich von Direktbanken, Brokern und Neo-Brokern an (kostenpflichtig).
  • Handelszeiten beachten: Handeln Sie nur zu den regulären Börsenöffnungszeiten und vergleichen Sie An- und Verkaufskurse an verschiedenen Handelsplätzen.
  • Klumpenrisiken vermeiden: Stecken Sie niemals alles in eine einzige Anlage. Welche Renditen und Risiken am Aktienmarkt typisch sind, sagt Ihnen auch der kostenlose Rendite-Rechner der Verbraucherzentralen.
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Vorsicht vor unseriösen Handels-Plattformen

Es ist wichtig, seriöse Neo-Broker von unseriösen Trading-Plattformen zu unterscheiden. Die Verbraucherzentralen warnen vor Plattformen, bei denen Verbraucher:innen regelrecht über den Tisch gezogen wurden – von falschen Investmentversprechen bis hin zur Aufforderung, Geld für angebliche Anwälte zur Rückholung verlorener Gelder zu zahlen. Seien Sie besonders vorsichtig bei Anrufen von Unbekannten, die sich als Mitarbeiter:innen von Verbraucherzentralen ausgeben und eine Gebühr für die Rückzahlung verlorenen Geldes verlangen. Solche Anrufe kommen niemals von einer echten Verbraucherzentrale.

Wenn Sie über den Kauf von Kryptowährungen nachdenken, informieren Sie sich gründlich über die Risiken und nutzen Sie vertrauenswürdige Plattformen. Für weiterführende Informationen zum Thema Krypto kaufen mit PayPal oder welche Kryptowährungen sich lohnen könnten, finden Sie weitere Artikel auf unserer Seite. Denken Sie daran, dass Investitionen in Kryptowährungen hochspekulativ sind. Informieren Sie sich über die besten Kryptowährungen 2022 und die Hintergründe wie das QFS Finanzsystem, aber treffen Sie Ihre Entscheidungen stets auf Basis fundierter Recherche und Risikobewertung.

Dieser Inhalt wurde in Zusammenarbeit mit den Verbraucherzentralen Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg erstellt.