Exotische Haustiere: Ein zweischneidiges Schwert in Deutschland

Die Haltung exotischer Tiere zu Hause ist ein Thema, das in Deutschland sowohl Faszination als auch ernste Bedenken hervorruft. Während einige die Möglichkeit schätzen, besondere Arten zu pflegen, warnen Tierschutzorganisationen und Experten vor den damit verbundenen Risiken für Tierwohl, Artenschutz und öffentliche Sicherheit. Die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DGHT), die weltweit größte Vereinigung dieser Art, bietet umfangreiches Wissen für Hobby-Terrarianer und Fachleute gleichermaßen an. Sie veranstaltet regelmäßige Fortbildungen zu Biologie, Verhalten und dem richtigen Umgang mit Amphibien und Reptilien.

Claudia Koch, Vizepräsidentin der DGHT und selbst als Herpetologin am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander Koenig (ZFMK) in Bonn tätig, hebt die Bedeutung der Haltung exotischer Tiere für den Artenschutz hervor. Sie erklärt, dass die Nachzucht in Gefangenschaft bedrohten Arten ein Überleben sichern kann, wenn ihre natürlichen Lebensräume bedroht sind. Ein bemerkenswertes Beispiel ist die seltene Kihansi-Gischtkröte aus Tansania. Ihre letzten bekannten Exemplare wurden in amerikanische Zoos gebracht, um sie vor dem Aussterben zu bewahren, als ihr Lebensraum durch einen Staudamm bedroht wurde. Nach erfolgreicher Vermehrung in Zoos konnten die Kröten wieder in ihre ursprüngliche Heimat ausgewildert werden.

Gefahren der unkontrollierten Privathaltung

Trotz dieser Erfolge im Artenschutz betonen Tierschutzverbände wie der Deutsche Tierschutzbund und PETA, dass die Haltung exotischer Wildtiere in privater Hand aus Tierschutzsicht abzulehnen ist. Sie kritisieren, dass Tiere oft unter nicht artgerechten Bedingungen gehalten werden und dass die Besitzer nicht immer über die nötige Sachkunde verfügen. Die Pressesprecherin des Deutschen Tierschutzbundes, Laura Schmitz, erklärt, dass die Verbände zwar die Nachzucht zum Artenschutz befürworten, dies jedoch nur unter streng kontrollierten, tiergerechten Bedingungen geschehen dürfe. Tierschutzorganisationen wie Vier Pfoten stellen zudem grundsätzlich infrage, ob der Mensch das Recht hat, Tiere einzusperren und ihren Lebensraum einzuschränken.

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Die Risiken unkontrollierter Haltung sind vielfältig. Ein dramatisches Beispiel ereignete sich in Herne, Nordrhein-Westfalen, als eine Giftschlange aus einem Privathaushalt entwich und tagelange Einsätze von Polizei und Feuerwehr auslöste. Der Besitzer hielt mehrere Giftschlangen und Spinnen ohne entsprechende Sachkunde und ohne behördliche Kontrolle. Dieser Vorfall führte dazu, dass die Landesregierung von Nordrhein-Westfalen ein Verbot für die private Haltung von Gifttieren erließ. Lediglich bestehende Haltungen müssen den Behörden gemeldet werden.

Einschleppung von Krankheiten und Artenschutzbedenken

Neben den direkten Gefahren für den Menschen bergen Importe exotischer Tiere auch das Risiko der Einschleppung von Krankheiten, die heimische Tierpopulationen bedrohen können. Ein besonders besorgniserregender Fall ist der Chytridpilz, der ursprünglich aus Asien stammt und seit den 1980er-Jahren durch den internationalen Tierhandel verbreitet wurde. Dieser Pilz ist für Amphibien tödlich und hat bereits zu einem starken Rückgang vieler heimischer Arten geführt.

Die Herpetologin Claudia Koch bestätigt, dass der unkontrollierte oder illegale Tierhandel eine lange unterschätzte Gefahr für Reptilien und Amphibien darstellt. Besonders seltene und optisch auffällige Arten sind bei Sammlern weltweit sehr begehrt. Obwohl strenge Artenschutzauflagen für nach Europa importierte Tiere gelten, schrecken Schmuggler nicht davor zurück, Tiere illegal zu transportieren – oft unter grausamen Bedingungen, versteckt in Kleidung, Lebensmitteln oder anderen Behältnissen.

Gesetzliche Regelungen und Empfehlungen für die Zukunft

Die meisten exotischen Tiere enden laut Laura Schmitz vom Deutschen Tierschutzbund häufig im Tierheim, da sich Halter vor dem Kauf oft nicht ausreichend informieren oder falsch beraten werden. Eine Studie der Universitäten Leipzig und München bestätigte, dass die Informationsbeschaffung vor dem Tierkauf oft mangelhaft ist.

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Derzeit gibt es in Deutschland nur für Hunde verbindliche gesetzliche Haltungsregeln, die in der Tierschutz-Hundeverordnung festgelegt sind. Für andere Tierarten existieren lediglich unverbindliche Leitlinien. Ein Heimtierschutzgesetz, das zunächst die Haltungsbedingungen für gängige Heimtiere wie Hunde, Katzen und Kleinsäuger regeln und später auf weitere, wissenschaftlich als Heimtiere geeignete Arten ausgeweitet werden könnte, wird als wichtiger Schritt zur Verbesserung des Tierschutzes angesehen.

Für Hobby-Terrarianer rät Claudia Koch dringend, exotische Tiere ausschließlich aus Nachzuchten von verantwortungsbewussten und sachkundigen Züchtern zu erwerben. Dies minimiert nicht nur das Risiko von Krankheiten, sondern unterstützt auch die verantwortungsvolle Zucht und Haltung.