Die Evolution des Basketballs: Warum die heutige NBA anders ist als früher

Die moderne NBA gleicht einem rasanten Tanz, geprägt von Athletik und präzisen Würfen. Doch für einige, die die raueren Tage des Spiels miterlebt haben, fühlt sich die heutige Liga fast wie eine andere Sportart an. Kenyon Martin, ein Spieler, der für seine kompromisslose Verteidigung und seinen physischen Einsatz bekannt war, teilt seine Gedanken über den Wandel, der die NBA in den letzten Jahrzehnten durchlaufen hat. Er fragt sich, ob sein eigener Spielstil in der heutigen Liga überhaupt noch Platz hätte.

Der Wandel der Spielregeln und der Verteidigung

Martin hebt hervor, dass er sich die Spielweise, die heute auf dem Parkett zu sehen ist, kaum vorstellen kann. “Ich wusste nicht, wie man floppt oder wie man keine Verteidigung spielt”, sagt er. Seine eigene Spielweise war geprägt von harter, mannorientierter Verteidigung über die gesamte Spieldauer. Er stellt fest, dass die heutigen Spieler oft weniger Wert auf die Defensive legen und physische Auseinandersetzungen, die früher zum Spiel gehörten, heute mit Flagrant Fouls geahndet werden. Diese Veränderung beobachtete er besonders in den letzten Jahren seiner Karriere. Die Betonung der “Bewegungsfreiheit” für die Scorer und die damit verbundenen Regeländerungen, so Martin, seien zwar bis zu einem gewissen Grad verständlich, um das Spiel flüssiger zu gestalten, aber sie kompromittieren auch die physische Komponente, die für ihn ein wichtiger Teil des Basketballs war.

Physis statt Schauspielerei: Ein Plädoyer für Härte

“Heute gibt es mehr Flopping als physisches Spiel”, beklagt Martin. Er sieht, wie talentierte Spieler oft auf der Suche nach einem Pfiff sind, anstatt sich auf ihre physischen Fähigkeiten zu verlassen. Besonders bei Drives zum Korb oder bei harten Fouls würden Spieler theatralisch reagieren, was Martin frustriert. Für ihn war physisches Spiel, besonders im Post, unerlässlich, um erfolgreich zu sein. Als untersetzter Spieler musste er seine Gegner einschüchtern und kontrollieren, um gegen größere und schwerere Spieler bestehen zu können. Namen wie Tim Duncan, Kevin Garnett oder Shaquille O’Neal fallen, wenn er über die Notwendigkeit physischen Spiels spricht.

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Europäische Spieler und die physische Hürde

Martin stimmt der Aussage zu, dass Spieler wie Andrea Bargnani heute in der NBA dominieren könnten. Er erinnert sich, wie Bargnani während seiner aktiven Zeit mit der körperlichen Härte des Spiels zu kämpfen hatte. Viele europäische Spieler, die heute als “Stretch-4s” und “Stretch-5s” erfolgreich sind, hätten früher Schwierigkeiten gehabt, weil das Spiel zu physisch für sie war. Nur wenige Ausnahmen wie Dirk Nowitzki hätten die nötige Härte mitgebracht.

Das Aussterben der “Enforcer” und der Kampf

Ein weiterer Punkt, den Martin anspricht, ist das Verschwinden der sogenannten “Enforcer” – Spieler, die für Härte und auch mal für handfeste Auseinandersetzungen standen. “Heute gibt es keine Enforcer mehr”, erklärt er. Die Liga lasse so etwas nicht mehr zu und vermeide auch, dass es zu Schlägereien komme. Viele Spieler seien heute Freunde, was die Bereitschaft zum Kampf weiter mindere. Er benennt jedoch einige Ausnahmen wie James Johnson oder die Morris-Zwillinge, die seiner Meinung nach tatsächlich zur Gewaltbereitschaft neigen.

Martin beschreibt seine eigene Herangehensweise: Er sei kein Schläger, aber wenn er provoziert werde, werde er sich wehren. Er betont, dass er keine Angst vor Strafen habe und auch bereit sei, für seine Prinzipien einzustehen. Die heutige Liga sei eher wie ein “Porch Dog”, ein Schoßhund, im Vergleich zu den “Guard Dogs”, den Wachhunden, von früher. Er vergleicht Spieler wie Kevin Garnett mit einem “Porch Puppy”, einem Chihuahua im Körper eines Dobermanns, der zwar bellt, aber nicht wirklich kämpft.

Die Suche nach der Balance

Obwohl Martin die physische Komponente des Spiels vermisst, räumt er ein, dass das Spiel sich weiterentwickeln muss. Er glaubt jedoch, dass es eine Balance geben sollte, die nicht auf Kosten der Härte geht. Er kann sich kaum vorstellen, dass ein Spieler wie Shaquille O’Neal heute keinen Platz in der Liga hätte. Die Zukunft sieht er eher in einer Rückbesinnung auf starke Big Men, die aber zusätzlich über einen guten Wurf verfügen.

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Die aktuelle Entwicklung hin zu einem “weicheren” Spiel sei leider unvermeidlich, da die jungen Spieler die heutige Liga als Vorbild nehmen. Martin ist froh, dass dieser Wandel nicht während seiner aktiven Zeit stattfand, da seine Karriere als Verteidiger und “Tough Guy” anders hätte verlaufen können.

Erwähnenswert ist auch, dass Kenyon Martin einen neuen Podcast namens “Neat & Unfiltered” startet, der wöchentlich auf dem Basketball News Podcast Network erscheint.