Für kritisch kranke COVID-19-Patienten kann das Überleben der Akutphase lediglich die erste Etappe eines langen und anspruchsvollen Genesungsweges darstellen. Körperliche, kognitive und psychologische Langzeitfolgen sind dabei realistisch. Diese Beobachtungen sind nicht neu, zumal ähnliche Muster bereits bei SARS‑1 und dem akuten Atemnotsyndrom (ARDS) beschrieben wurden. Insbesondere schwere Krankheitsverläufe mit komplexen Intensivaufenthalten und längeren Phasen mechanischer Beatmung sind plausible Risikofaktoren für anhaltende Beschwerden und persistierende Symptome.
Was ist das Post-COVID-Syndrom?
In der Medizin beschreibt der aus dem Griechischen stammende Begriff „Syndrom“ das Zusammentreffen mehrerer Symptome, die eine gemeinsame Pathogenese aufweisen. Ein „Post-COVID-Syndrom“ würde demnach zwei wesentliche Aspekte umfassen: zum einen das Fortbestehen mehrerer Symptome nach dem Abklingen der akuten Krankheitsphase und zum anderen deren gemeinsame Ursache in der ursprünglichen SARS-CoV-2-Infektion.
Doch welche Symptome können ein Post-COVID-Syndrom begründen? Häufig berichtet wird die Persistenz von Fatigue (Müdigkeit), Dyspnoe (Atemnot) und neuropsychologischen Beschwerden. Die Häufigkeit dieser Symptome variiert je nach Studienpopulation: Sie wird in etwa 35 % der ambulant behandelten COVID-Patienten und in bis zu 87 % der Hospitalisierten beobachtet.
Es ist bekannt, dass kritisch kranke Patienten oft über einen längeren Zeitraum nach dem Krankenhausaufenthalt – mitunter über Jahre – funktionelle Einschränkungen erleben. Viele aktuelle Beschreibungen von Residualzuständen berücksichtigen jedoch nicht ausreichend den Gesundheitszustand der Betroffenen vor der Coronavirus-Infektion. Eine genaue Abgrenzung zwischen verschiedenen Ursachen ist notwendig: Symptome können durch eine persistierende chronische Entzündung bedingt sein, durch Folgen eines Organschadens (wie akute Lungen- oder Nierenschädigung) oder durch unspezifische Folgen der Hospitalisation und sozialen Isolation (von ernährungsbedingter Anämie bis hin zu Muskelabbau). Einfache Laboruntersuchungen können hierbei beeinflussbare Hintergründe einer Fatigue identifizieren, darunter Anämie, Vitamin-D-Mangel, Hypothyreose oder chronische Nierenerkrankungen.
Parallelen zu SARS und Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS)
Erkenntnisse über das SARS‑1-Virus, einen dem aktuellen Coronavirus ähnlichen Erreger, liefern wichtige Hinweise. Nach der SARS-Pandemie von 2003 litten viele Menschen noch Monate und Jahre nach der Infektion unter gesundheitlichen Problemen. Eine Studie aus Toronto zeigte, dass 60 % der Befragten ein Jahr nach der Entlassung aus dem Krankenhaus an Fatigue litten. Eine weitere Untersuchung in Hongkong ergab, dass 40 % der SARS-Überlebenden vier Jahre nach der Infektion noch immer von Fatigue betroffen waren. Der Schlaf- und Schmerzforscher Harvey Moldofsky beschrieb bei SARS-Überlebenden, die auch nach Rehabilitationsprogrammen nicht wieder arbeiten konnten, Symptome wie anhaltende Fatigue, diffuse Muskelschmerzen, Schwäche, Depressionen und nicht erholsamen Schlaf, die er als chronisches Post-SARS-Syndrom zusammenfasste.
Diese Beschwerden ähneln stark denen des chronischen Fatigue-Syndroms (CFS). Für eine solche Diagnose ist es bei COVID-19 in den meisten Fällen jedoch noch zu früh, da die Symptome mindestens sechs Monate anhalten müssen. Aktuell spricht man daher oft nur von postinfektiöser Fatigue.
Auch andere Rahmenbedingungen, die mit hyperinflammatorischen Zuständen wie SARS, ARDS oder einem Zytokinsturm einhergehen, erlauben Spekulationen über mögliche Folgen eines kritischen COVID-19-Verlaufs. Das sogenannte Post-Intensive-Care-Syndrom (PICS) manifestiert sich durch kognitive, psychologische und physische Einschränkungen, die sich bei einem relevanten Prozentsatz der Patienten nicht vollständig zurückbilden. Insofern ist es denkbar, dass eine SARS-CoV-2-Infektion anhaltende Spuren hinterlässt. Wenn Sie nach einer langen Erholungsphase Ihre körperliche Fitness wieder aufbauen möchten, kann ein fahrrad ergometer eine gute Option sein.
Fatigue als dominierendes Symptom
Aktuell kann man nur von postinfektiöser Fatigue sprechen. Die Ursachen der oft geschilderten Abgeschlagenheit sind noch unklar, doch es gibt keinen einzelnen Grund für die Symptome. Vielmehr scheinen Veränderungen des Stoffwechsels, des Hormonhaushalts, gegen den eigenen Körper gerichtete Entzündungsbotenstoffe und Veränderungen der Hirnfunktion zur Fatigue beizutragen. Studien deuten darauf hin, dass es den Körperzellen von Betroffenen schwerer fällt, Energie aus verschiedenen Quellen zu gewinnen, ähnlich einem Winterschlaf. Eine verminderte Aktivität der Stresshormonachse könnte ebenfalls Erschöpfung erklären, da niedrige Stresshormone Entzündungsreaktionen ungebremst lassen und zu niedrigem Blutdruck führen können.
Entzündungsbotenstoffe spielen möglicherweise ebenfalls eine Rolle. Bei Menschen, die nach einer Virusinfektion eine chronische Fatigue entwickeln, waren in der Akutphase Interleukin‑6 und -10 im Blut stärker erhöht – Botenstoffe, die für die überschießende Immunreaktion bei COVID-19 verantwortlich sind. Bei postinfektiöser Fatigue können diese entzündlichen Botenstoffe teilweise noch erhöht sein, selbst wenn der Patient bereits genesen ist, was auf eine schwelende Entzündung im Körper hindeutet. Es wird die Hypothese formuliert, dass proinflammatorische Zytokine in der postinfektiösen Phase die Blut-Hirn-Schranke passieren und autonome Dysfunktionen verursachen könnten, die sich in Schlaf-Wach-Rhythmus-Dysregulation, kognitiver Dysfunktion, Müdigkeit und Antriebslosigkeit äußern. Für ein gezieltes Training im heimischen Bereich könnte ein ergometer aldi eine Überlegung wert sein.
Langfristige Organschäden und psychische Folgen
Thromboembolische Komplikationen wie Pulmonalembolie oder Apoplex im Rahmen von COVID-19 können eine Vielzahl dauerhafter Organschäden verursachen. Selbst nach körperlicher Erholung sind Betroffene möglicherweise besonders gefährdet, an lang anhaltenden mentalen Gesundheitsproblemen zu leiden. Nach SARS zeigten mehr als ein Drittel der Betroffenen noch ein Jahr nach der körperlichen Erholung moderate bis schwere Depressionen und Ängstlichkeit.
Hyperinflammatorische Zustände
Eine Hypothese besagt, dass ein Post-COVID-Syndrom mit einer chronischen subklinischen systemischen Entzündung („Inflammation“) einhergehen könnte, ähnlich dem Alterungsprozess („Inflammaging“). Dies könnte bestehende Komorbiditäten verschlechtern und altersabhängige Probleme verstärken. Eine SARS-CoV-2-Infektion kann eine starke, oft unkontrollierte Entzündungsantwort auslösen, die zu Gewebeschäden führt – bekannt als „Zytokinsturm“. Hält eine Entzündungsreaktion über lange Zeit an, kann dies zu zellulärer Seneszenz mit Hemmung der Zellproliferation und Resistenz gegenüber Apoptose führen. Ein fahrradergometer kann bei der langsamen Rückkehr zu körperlicher Aktivität helfen und das Wohlbefinden steigern.
Kognitive, psychologische und physische Einschränkungen
Studien zeigen, dass Personen nach einer Genesung von ARDS, auch fünf Jahre nach einem Intensivaufenthalt, noch physische und psychische Limitationen sowie eine reduzierte Lebensqualität empfinden können, obwohl sich ihre Lungenfunktionswerte normalisiert haben. Diese Beobachtungen beschränken sich nicht auf ARDS, sondern betreffen viele Intensivpatienten mit lange anhaltenden Beschwerden, die unter dem Begriff „Post-Intensive-Care-Syndrom“ (PICS) zusammengefasst werden.
Lungenparenchymveränderungen
Längerfristige Auswirkungen wie fibrotische Lungenparenchymveränderungen wurden auch nach dem SARS-Ausbruch 2003 untersucht. Studienergebnisse zeigten sechs Monate nach Entlassung eine Einschränkung der Diffusionskapazität bei 16 % der Betroffenen, und 30 % wiesen Auffälligkeiten im Thoraxröntgen auf. Bei ARDS (unabhängig von der Ursache) muss bei mindestens 25 % der Überlebenden mit bleibenden Folgen wie restriktiven Ventilationsstörungen gerechnet werden. Verschiedene Faktoren wie Alter, Komorbiditäten, Rauchstatus, Krankenhausaufenthaltsdauer und Schwere der akuten Erkrankung beeinflussen die Schwere der bleibenden Anomalien. Selbst zu Hause können Sie mit einem hammer ergometer Ihre Kondition verbessern und zur Genesung beitragen.
Radiologisch sichtbare pulmonale Langzeitfolgen mit Verformung des Lungenparenchyms und konsekutiven Einschränkungen der Lungenfunktion müssen nicht unbedingt der klinischen Symptomatik entsprechen. Zeichen schwerer viraler Pneumonien können in der Bildgebung jedenfalls für einen langen Zeitraum oder sogar dauerhaft sichtbar bleiben. Bei COVID-19 scheinen die organisierende Pneumonie und der diffuse Alveolarschaden (DAD) die häufigsten Formen assoziierter Lungenparenchymschäden zu sein.
Es bestehen ausreichend Hinweise für die mögliche Existenz eines Post-COVID-Syndroms. Dies rechtfertigt die Bezeichnung der denkbaren Folgeerscheinungen mit persistierenden Symptomen.
Wege zur Genesung: Die Bedeutung der Rehabilitation
Eine gezielte Rehabilitation kann sich günstig auf die vollständige und rasche Genesung sowie die Linderung eines Post-COVID-Syndroms auswirken. Solche Rehabilitationsprogramme sind sowohl direkt als auch als „remote rehabilitation“ effektiv. Obwohl diese Maßnahmen in der Regel einen pneumologischen Schwerpunkt haben, muss gerade im Hinblick auf die Vermeidung oder günstige Beeinflussung eines möglichen Post-COVID-Syndroms auch auf extrapulmonale Manifestationen (insbesondere neurologische, muskuloskelettale und kardiovaskuläre) Bedacht genommen werden. Ein aldi ergometer bietet eine kostengünstige Möglichkeit, aktiv zu bleiben und die körperliche Erholung zu unterstützen.
Mit oder ohne erkennbares Post-COVID-Syndrom: Es sind alle Anstrengungen gerechtfertigt, die eine vollständige funktionelle Wiederherstellung und eine Rückkehr in ein Leben nach Corona ermöglichen.
Fazit für die Praxis
Das Post-COVID-Syndrom stellt eine ernstzunehmende Herausforderung dar, die sich durch eine Vielzahl von körperlichen, kognitiven und psychologischen Langzeitfolgen manifestieren kann. Obwohl für eine definitive Diagnose des Post-COVID-Syndroms die Symptome mindestens sechs Monate anhalten müssen und aktuell oft nur von postinfektiöser Fatigue gesprochen wird, gibt es ausreichend Hinweise für die Existenz und die Relevanz dieser Folgeerscheinungen. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, gezielte und umfassende Rehabilitationsmaßnahmen in Betracht zu ziehen. Diese Programme sind essenziell, um Betroffenen eine vollständige funktionelle Wiederherstellung und die Rückkehr in ein erfülltes Leben nach der COVID-19-Erkrankung zu ermöglichen. Alle Bemühungen, die Genesung zu unterstützen, sind von großem Wert.
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