Nürnberger Beamten Lebensversicherung im Run-off: Was Kunden jetzt wissen müssen

Die Nürnberger Versicherung, ein etablierter Akteur auf dem deutschen Versicherungsmarkt, hat eine weitreichende strategische Entscheidung getroffen: Ihre Konzerntochter, die Nürnberger Beamten Lebensversicherung (NBL), wird ab September in den sogenannten Run-off gehen. Das bedeutet, dass die NBL ab diesem Zeitpunkt kein Neugeschäft mehr zeichnen wird. Stattdessen konzentriert sie sich ausschließlich auf die Abwicklung bestehender Verträge. Diese Entwicklung, die zunächst fast unbemerkt blieb, hat weitreichende Implikationen für die Versicherungsbranche und insbesondere für die betroffenen Kundinnen und Kunden im öffentlichen Dienst.

Der unbemerkte Paukenschlag und seine Aufdeckung

Die Ankündigung erfolgte eher diskret durch den Versicherer selbst. Ein Pressetext, der am Donnerstag veröffentlicht wurde, enthielt den entscheidenden Hinweis, war jedoch geschickt in einer Produktwerbung getarnt, die unter dem Titel „Nürnberger stärkt Angebot für öffentlichen Dienst“ verschickt wurde. Diese subtile Platzierung führte dazu, dass die wichtige Information zunächst wenig Aufmerksamkeit erregte. Erst das Versicherungsjournal machte am darauffolgenden Montag auf den versteckten Hinweis auf den Run-off aufmerksam und enthüllte die Tragweite dieser Entscheidung. Dies zeigt, wie strategische Umstrukturierungen in der Finanzbranche mitunter kommuniziert werden und wie wichtig eine genaue Analyse der Unternehmensmitteilungen ist.

Was bedeutet Run-off für Versicherte?

Für die bestehenden Kundinnen und Kunden der Nürnberger Beamten Lebensversicherung gibt es laut Aussage der Nürnberger zunächst keinen Grund zur Besorgnis. Der Versicherer versichert, dass sich für sie vorerst nichts ändern soll. Im Pressetext heißt es explizit: „Sie bekommen alle zugesicherten Leistungen verbunden mit dem gewohnten Service ihrer bekannten Ansprechpartner.“ Diese Zusicherung ist ein klares Indiz dafür, dass die Nürnberger die Abwicklung der Bestände selbst übernehmen und die Verträge nicht an einen externen Bestandsabwickler veräußern wird. Dieser Ansatz unterscheidet sich beispielsweise von dem Weg, den die Generali Leben in der Vergangenheit gewählt hat, indem sie ihre Bestände an spezialisierte Run-off-Plattformen verkaufte. Das Beibehalten der Bestandsverwaltung im eigenen Haus kann für Kunden als positives Signal gewertet werden, da sie weiterhin von der Expertise und den Strukturen des ursprünglichen Versicherers profitieren.

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Ein Run-off bedeutet im Kern, dass ein Versicherungsunternehmen oder ein Versicherungssegment keine neuen Verträge mehr abschließt. Der Fokus liegt stattdessen darauf, die bestehenden Verpflichtungen gegenüber den Versicherten bis zum Vertragsende zu erfüllen. Dies umfasst die Verwaltung der Policen, die Auszahlung von Leistungen im Leistungsfall und die Betreuung der Kunden. In Deutschland unterliegen solche Prozesse der strengen Aufsicht der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), die sicherstellt, dass die Interessen der Versicherten jederzeit gewahrt bleiben und die Solvenz des Unternehmens gewährleistet ist.

Neugeschäft unter neuer Flagge: Die Konzernmutter übernimmt

Trotz des Run-offs bei der NBL möchte die Nürnberger Gruppe nicht vollständig auf das Neugeschäft im Bereich der Lebensversicherungen für den öffentlichen Dienst verzichten. Im Gegenteil: Die spezielle Zielgruppe der Beamten und Angehörigen des öffentlichen Dienstes soll weiterhin mit maßgeschneiderten Lebensversicherungspolicen versorgt werden. Die zentrale Änderung besteht darin, dass das Neugeschäft künftig über die Konzernmutter, die Nürnberger Lebensversicherung AG (NLV), abgewickelt wird. Dieser Schritt ermöglicht es der Nürnberger, ihre Angebote für diesen wichtigen Kundenkreis zu bündeln und Synergien innerhalb des Konzerns besser zu nutzen. Für die Kunden bedeutet dies, dass sie auch weiterhin Zugang zu speziellen Versicherungsprodukten haben, die auf ihre Bedürfnisse zugeschnitten sind, jedoch unter der Marke und der Verantwortung der größeren Konzerneinheit.

Strategische Neuausrichtung statt Solvenzprobleme

Der Versicherer begründet diesen Schritt mit einer strategischen Neuausrichtung, wie aus dem Solvenzbericht (SFCR) der Nürnberger hervorgeht, auf den sich das „Versicherungsjournal“ beruft. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist, dass bei der Nürnberger keinerlei Solvenzprobleme festzustellen sind. Im Gegenteil: Die Nürnberger Leben erzielte mit einer Deckungsquote von 372,1 Prozent ohne Übergangsmaßnahmen das drittbeste Ergebnis am Markt aller deutschen Versicherer. Dies unterstreicht die solide finanzielle Basis des Unternehmens. Die Gesellschaft verfügt auch ohne die Anwendung von Übergangsmaßnahmen über deutlich mehr Eigenmittel, als zur Erfüllung der aufsichtsrechtlichen Solvabilitätsanforderungen notwendig wären. Diese hohe Solvenzquote ist ein starkes Argument dafür, dass der Run-off der NBL keine Krisenreaktion, sondern eine wohlüberlegte strategische Entscheidung ist, um die Effizienz und Profitabilität des Gesamtkonzerns zu optimieren.

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Die Vermutung liegt nahe, dass die Aufgabe der Nürnberger Beamten Lebensversicherung dazu dient, konzerninterne Konkurrenz zu vermeiden und die Kräfte zu bündeln. Ein Blick auf die Zahlen untermauert diese Annahme: Während die Konzernmutter Nürnberger Lebensversicherung AG im Jahr 2018 Bruttobeiträge von knapp 2,275 Milliarden Euro einsammeln konnte, beliefen sich die Beitragseinnahmen der Beamten-Tochter auf lediglich 45 Millionen Euro. Auch in puncto Rentabilität zeigte sich ein deutlicher Unterschied: Die Nürnberger Beamten bildete mit 1,75 Prozent laufender Verzinsung das Schlusslicht am Markt, während die Konzernmutter immerhin 2,5 Prozent aufwies. Diese Diskrepanz in Größe und Performance legt nahe, dass die Zusammenführung des Geschäfts unter dem Dach der NLV eine logische Konsequenz ist, um Skaleneffekte zu erzielen und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.

Fazit und Ausblick für Versicherte

Der Run-off der Nürnberger Beamten Lebensversicherung ist ein klares Zeichen für die Dynamik und die ständigen Anpassungsprozesse in der deutschen Versicherungsbranche. Für die betroffenen Kunden der NBL bedeutet dies in erster Linie Kontinuität bei den zugesicherten Leistungen und dem gewohnten Service. Das Neugeschäft für Beamte wird nahtlos von der Konzernmutter Nürnberger Lebensversicherung AG übernommen, wodurch die Versorgung dieser wichtigen Zielgruppe weiterhin gewährleistet bleibt. Diese strategische Entscheidung, gestützt auf eine starke Solvenzposition, zielt darauf ab, die Effizienz und Marktposition des Nürnberger Konzerns zu festigen. Versicherte können sich weiterhin auf die vertraglich vereinbarten Leistungen verlassen und sollten bei Fragen oder Unsicherheiten den Kontakt zu ihren bekannten Ansprechpartnern suchen. Es ist ratsam, auch in Zukunft die Kommunikationen des Versicherers genau zu verfolgen und bei Bedarf eine unabhängige Beratung in Anspruch zu nehmen, um stets über die eigenen Verträge und deren Entwicklung informiert zu sein.

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